Kaffee am Sonntag Nachmittag. Drei Männer, zwei Frauen, ein kleines Mädchen.
Mann 1: Ich bin jetzt auch ein richtiger Mann.
Mann 2: Ach, sag an, bekommst Du einen Jungen?
Mann 1: Nein, aber einen Trecker.
Wir Frauen sehen uns an - Aha.
Dienstag, Februar 27, 2007
Sturm im Wasserglas
Eine Burg auf einer Insel vor Schottlands Küste. Wir, mein Angeliebter und ich, haben eine Wohnung in einem der Türme. Wenn wir aus dem Fenster schauen, sehen wir, wie sich der wilde Atlantik zu unseren "Füßen" bricht. Schwere Wolken werden vom Sturm über unsere Köpfe hinweg gejagt, doch wir haben es warm und heimelig. Ich stehe in der offenen Küche, schaue hinaus, als plötzlich ein militärisches Transportflugzeug der Russen mein Sichtfeld kreuzt.
Es schlingert im Wind, befindet sich im Tiefflug, als würde es zur Landung ansetzen wollen, doch wo man hinschaut, ist nur Wasser. Mein Herz setzt für eine Sekunde aus. Panik macht sich bereit, aufzusteigen. Ich renne ans Fenster, sehe, wie das Flugzeug eine Bogen zieht, die Insel umkreist. Ich stürze zu einem Fenster auf der gegenüberliegenden Seite. Von hier aus sehe ich über den Hof der Burg hinweg auf die andere Seite der Insel. Ein Insel, die nicht mehr als dieser Burg Platz bieten kann. Ein Flugzeugträger liegt dicht vor der Küste. Mir wird klar, dass die Transportmaschine versucht, ein passendes Manöver zu fliegen, um auf diesem Schiff zu landen. Doch können so große Flugzeuge auf einem Schiff landen?
Jetzt bekomme ich es mit der Angst zu tun. Fühle, dass wir alle, die wir hier leben, in Gefahr sind. Ich drehe mich um, rufe nach meinem Angeliebten, als ob dieser etwas ändern könnte. Doch die Rufe verhallen. Wo ist er? Ich durchsuche die Wohnung, aber keine Spur. Gerade als ich der Panik komplett nachgeben will, öffnet sich die Wohnungstür und mein Angeliebter kommt herein. Nur mit Bademantel, halb geöffnet, und Latschen an den Füßen steht er in der Tür, das Handy in der Hand.
"Wo kommst Du her?", frage ich aufgeregt. Will erzählen was ich gesehen habe, setze an, doch der Ausdruck in seinen Augen lässt mich verstummen. Er steht noch immer in der Tür, paralysiert - erschrocken. Ich gehe hin, nehme seine Hand, schließe die Tür und führe ihn in den Raum. Er lehnt sich an die Wand, rutscht herunter und beginnt zu wimmern.
Ich hocke mich vor ihn - schweige, sehe ihn an. Er senkt den Blick, bekommt kaum Luft.
"Ich liebe ihn." Verzweifelt bringt er diesen Satz hervor und lässt mich zu Stein erstarren. Vergessen ist das Flugzeug, die äußerliche Bedrohung. Wie bei einem Soldaten unter Beschuss setzt mein Gehirn alle notwendigen Fakten in einem Bruchteil einer Sekunde frei und ich beginne zu verstehen. Sein regelmäßiges Verschwinden für ein paar Minuten, seine Reisen. Es ist eingetreten,womit ich immer gerechnet habe. Ich höre sein Wimmern, fühle seine Zerrissenheit, seine Schuld, seine Liebe, die nicht mehr genug ist, sosehr er auch gekämpft hat. Ein junger Zwanzigjähriger ist nicht mehr zu erreichen und ihn trifft die Wucht der Wahrheit. Mitleid erfüllt mich, Resignation - und Liebe.
Ich öffne die Augen und mir wird bewusst, das alles nur ein Traum war.
Und dann dringt ein Wimmern an mein Ohr.
Es schlingert im Wind, befindet sich im Tiefflug, als würde es zur Landung ansetzen wollen, doch wo man hinschaut, ist nur Wasser. Mein Herz setzt für eine Sekunde aus. Panik macht sich bereit, aufzusteigen. Ich renne ans Fenster, sehe, wie das Flugzeug eine Bogen zieht, die Insel umkreist. Ich stürze zu einem Fenster auf der gegenüberliegenden Seite. Von hier aus sehe ich über den Hof der Burg hinweg auf die andere Seite der Insel. Ein Insel, die nicht mehr als dieser Burg Platz bieten kann. Ein Flugzeugträger liegt dicht vor der Küste. Mir wird klar, dass die Transportmaschine versucht, ein passendes Manöver zu fliegen, um auf diesem Schiff zu landen. Doch können so große Flugzeuge auf einem Schiff landen?
Jetzt bekomme ich es mit der Angst zu tun. Fühle, dass wir alle, die wir hier leben, in Gefahr sind. Ich drehe mich um, rufe nach meinem Angeliebten, als ob dieser etwas ändern könnte. Doch die Rufe verhallen. Wo ist er? Ich durchsuche die Wohnung, aber keine Spur. Gerade als ich der Panik komplett nachgeben will, öffnet sich die Wohnungstür und mein Angeliebter kommt herein. Nur mit Bademantel, halb geöffnet, und Latschen an den Füßen steht er in der Tür, das Handy in der Hand.
"Wo kommst Du her?", frage ich aufgeregt. Will erzählen was ich gesehen habe, setze an, doch der Ausdruck in seinen Augen lässt mich verstummen. Er steht noch immer in der Tür, paralysiert - erschrocken. Ich gehe hin, nehme seine Hand, schließe die Tür und führe ihn in den Raum. Er lehnt sich an die Wand, rutscht herunter und beginnt zu wimmern.
Ich hocke mich vor ihn - schweige, sehe ihn an. Er senkt den Blick, bekommt kaum Luft.
"Ich liebe ihn." Verzweifelt bringt er diesen Satz hervor und lässt mich zu Stein erstarren. Vergessen ist das Flugzeug, die äußerliche Bedrohung. Wie bei einem Soldaten unter Beschuss setzt mein Gehirn alle notwendigen Fakten in einem Bruchteil einer Sekunde frei und ich beginne zu verstehen. Sein regelmäßiges Verschwinden für ein paar Minuten, seine Reisen. Es ist eingetreten,womit ich immer gerechnet habe. Ich höre sein Wimmern, fühle seine Zerrissenheit, seine Schuld, seine Liebe, die nicht mehr genug ist, sosehr er auch gekämpft hat. Ein junger Zwanzigjähriger ist nicht mehr zu erreichen und ihn trifft die Wucht der Wahrheit. Mitleid erfüllt mich, Resignation - und Liebe.
Ich öffne die Augen und mir wird bewusst, das alles nur ein Traum war.
Und dann dringt ein Wimmern an mein Ohr.
Montag, Februar 26, 2007
Minimalistisch
Vor vielen, vielen Monden, das digitale Zeitalter war noch nicht eingeläutet, bekam ich meine erste Kamera geschenkt. Meine Eltern hatten extra meinen fotografieerfahrenen Cousin zu Rate gezogen. Es wurde eine Olympus OM-1. Das technische Highlight war ein eingebauter Belichtungsmesser. Alles andere musste man selbst einstellen. Schärfe, Blende, Verschlusszeit. Sein Argument war, dass man nur so richtig Fotografieren lernt und er hatte Recht.
Als ich am letzten Samstag das erste Mal in einem Mini der alten Generation saß, musste ich an diese Kamera denken. Das Auto ist ähnlich rudimentär, wenn man von dem Luxus eines CD-Players und Ledersitzen einmal absieht. Man fühlt jeden Kieselstein auf der Straße, kein noch so kleiner Schnitzer beim Lenken wird verziehen, vergeblich sucht man nach dem heutzutage handelsüblichen fünften Gang und das Röhren des Motors hat seinen ganz eigenen Charme. Offiziell ist er fähig zu einer Spitzengeschwindigkeit von 148 km/h, doch schon bei 120 km/h vibriert der Rückspiegel sosehr, dass man auf die Außenspiegel angewiesen ist. Der Tank fasst gerade mal 20 Liter und das Armaturenbrett gestaltet sich übersichtlich.
An jenem Samstag fuhr ich auf die A24 Richtung Hamburg, erste Bodenunebenheiten verursachten eine leichte Seekrankheit und ließen mich über einen Sport-BH nachdenken. Das Auto röhrte, so dass die Musik kaum noch zu hören war. Die Zeit überholte mich in Form von modernen Wagen, ausgestattet mit so vielen Kürzeln, dass vermutlich selbst die Verkäufer solcher Autos jedes Mal wieder eine Schulung brauchen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt.
Ich fuhr ca. 110 km/h, lehnte mich in den, zugegebenermaßen bequemen Sitz, und fand mich damit ab, dass ich höchsten noch einen LKW überholen würde können. Vermutlich würde ich statt der üblichen Stunde gut zwei unterwegs sein.
Ich ließ den Blick schweifen und erfreute mich an dem, durch die äußerst schmale A-Säule bedingten Panoramablick. Der Druck schwand – es ging eben nicht schneller. Ich entspannte und während die anderen nur so vorbeiflitzten, spürte ich, dass dies mehr war, als eine Fahrt in irgendeinem Auto. Ich wurde entschleunigt und das Auto vermittelte mir das Gefühl, nicht am Anfang eines neuen Jahrtausends zu stehen – es ließ mich zurückreisen in eine Praeinternet-, eine Praehandyzeit, eine Zeit, in der Sinnlichkeit mehr zählte als immer erreichbar, immer im Gespräch oder eigentlich woanders zu sein. Erstaunt stellte ich fest, dass selbst in dem Unglück eines Totalschadens ein Quäntchen Glück liegen kann.
Dieser wunderbare kleine Mini stahl mir nicht die Zeit, er schenkte sie mir.
Als ich am letzten Samstag das erste Mal in einem Mini der alten Generation saß, musste ich an diese Kamera denken. Das Auto ist ähnlich rudimentär, wenn man von dem Luxus eines CD-Players und Ledersitzen einmal absieht. Man fühlt jeden Kieselstein auf der Straße, kein noch so kleiner Schnitzer beim Lenken wird verziehen, vergeblich sucht man nach dem heutzutage handelsüblichen fünften Gang und das Röhren des Motors hat seinen ganz eigenen Charme. Offiziell ist er fähig zu einer Spitzengeschwindigkeit von 148 km/h, doch schon bei 120 km/h vibriert der Rückspiegel sosehr, dass man auf die Außenspiegel angewiesen ist. Der Tank fasst gerade mal 20 Liter und das Armaturenbrett gestaltet sich übersichtlich.
An jenem Samstag fuhr ich auf die A24 Richtung Hamburg, erste Bodenunebenheiten verursachten eine leichte Seekrankheit und ließen mich über einen Sport-BH nachdenken. Das Auto röhrte, so dass die Musik kaum noch zu hören war. Die Zeit überholte mich in Form von modernen Wagen, ausgestattet mit so vielen Kürzeln, dass vermutlich selbst die Verkäufer solcher Autos jedes Mal wieder eine Schulung brauchen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt.
Ich fuhr ca. 110 km/h, lehnte mich in den, zugegebenermaßen bequemen Sitz, und fand mich damit ab, dass ich höchsten noch einen LKW überholen würde können. Vermutlich würde ich statt der üblichen Stunde gut zwei unterwegs sein.
Ich ließ den Blick schweifen und erfreute mich an dem, durch die äußerst schmale A-Säule bedingten Panoramablick. Der Druck schwand – es ging eben nicht schneller. Ich entspannte und während die anderen nur so vorbeiflitzten, spürte ich, dass dies mehr war, als eine Fahrt in irgendeinem Auto. Ich wurde entschleunigt und das Auto vermittelte mir das Gefühl, nicht am Anfang eines neuen Jahrtausends zu stehen – es ließ mich zurückreisen in eine Praeinternet-, eine Praehandyzeit, eine Zeit, in der Sinnlichkeit mehr zählte als immer erreichbar, immer im Gespräch oder eigentlich woanders zu sein. Erstaunt stellte ich fest, dass selbst in dem Unglück eines Totalschadens ein Quäntchen Glück liegen kann.
Dieser wunderbare kleine Mini stahl mir nicht die Zeit, er schenkte sie mir.
Samstag, Februar 17, 2007
Mein Held des Alltags
Natürlich bin ich allein, als ich mich am Donnerstag ins Auto setze, es starte und es lediglich ein leises Wimmern von sich gibt, bevor es vollständig verstummt. Mir wird schlecht. Meine Verbindung mit der Zivilisation ist gekappt und mir stehen noch vier lange Tage der Einsamkeit bevor.
Der Gang der Dinge wäre jetzt, routinemäßig den ADAC zu rufen, aber irgendetwas sagt mir, dass es sich um einen Schaden handeln könnte, der nicht mit ein paar Überbrückungskabeln zu lösen ist. Ich versuche erneut zu starten und erkenne, dass alle Warnleuchten angehen. Ich drehe den Schlüssel zurück, um ihn erneut, aber dies mal nur um die Hälfte zu drehen und prompt brüllt mich das Radio an und die Lüftung verpasst mir eine Fönfrisur. Okay, die Batterie ist es wohl nicht.
Also rufe ich R. an, seit meinem Zuzug der Mechaniker meines Vertrauens, um vielleicht so etwas wie eine Ferndiagnose zu erhalten, die mir eine kompetente Einschätzung meiner Situation gestattet. Schnell kommt er zur Sache: „Das könnte auch der Anlasser sein.“
Ich erinnere mich, dass er bei unserem letzten Akt der Wiederbelebung vor einem Jahr, übrigens ein Akt, von dem er uns schon damals ganz selbstlos abriet, prophezeite, dass uns dieses Problem einholen wird. Jetzt war es da – natürlich gerade jetzt. Ich frage etwas verschämt, ob er denn auch Hausbesuche machen würde. „Passt es gegen Eins?“. Toll!
Um es kurz zu machen: Es war der Anlasser und zwar so total, dass ein neuer her musste. Zusammen stehen wir in der Kälte und diskutieren, ob sich das noch lohnt.
Er könne sich nach einem gebrauchten umschauen, aber das wäre auch das maximale, was er noch raten würde. Wir sind uns einig. Einen neuen Anlasser in ein Auto einzubauen, dass in einem halben Jahr seine finale Fahrt antreten soll, macht keinen Sinn. Er hätte mir alternativ gern den Kundenwagen angeboten, so hätte ich Zeit zum Überlegen gehabt, aber der sei leider noch bis Samstag unterwegs.
Als am Freitag das Telefon klingelt, wühle ich mich gerade durch die Gebrauchtwagenanzeigen von Autoscout24.
„Ich habe einen gebrauchten Anlasser gefunden. Bist Du nachher da?“ Natürlich bin ich. Bis Fünf. „Na, bis dahin wollte ich eigentlich fertig sein.“ Noch besser! Und so kommt es, dass R. und ein Kumpel von ihm gegen Mittag vorbeikommen, um das Auto die Straße rauf und runter zu schieben, in der Hoffnung, dass es anspringt. Totaler körperlicher Einsatz und die beiden lassen mich, auch wenn am Ende doch geschleppt werden musste, beeindruckt zurück.
Als ich das Auto um Fünf abholen will, steht es noch immer in der Werkstatt. Mit schwand Böses. Aber alles ist gut. Fast alles.
„Das ganze hat sich doch ein wenig Komplizierter gestaltet als vermutet!“ Ich werde blass. Ich sehe mich schon vier Kilometer durch einen dunklen Wald nach Hause laufen. „Nein, nein, keine Sorge, er läuft jetzt wieder, aber es musste noch…“ Er bricht ab. Ich schaue fragend. Er winkt ab: „Ach, vergiss es, gib mir einfach die xx Euro. Schwamm drüber!“ Ehrlich? „Ja, wir machen das so. Kann nur sein, dass ihr noch mal wieder Probleme mit der Batterie bekommen werdet. Der zieht jetzt einfach viel Strom.“
Das Finanzielle wird geregelt. Er fährt den Wagen aus der Werkstatt. Ich setze mich ans Steuer, lausche dem anspringenden Motor und fühle mich gerettet. Ich lächle dankbar und denke, warum kann es nicht mehr Menschen geben wie R. in einer Gesellschaft, die gern erst nach ihrem eigenen Gewinn fragt, bevor sie sich in Bewegung setzt?
Rene Meissner vom 1a Autoservice in Crivitz ist mein Held – mein Held des Alltags.
Der Gang der Dinge wäre jetzt, routinemäßig den ADAC zu rufen, aber irgendetwas sagt mir, dass es sich um einen Schaden handeln könnte, der nicht mit ein paar Überbrückungskabeln zu lösen ist. Ich versuche erneut zu starten und erkenne, dass alle Warnleuchten angehen. Ich drehe den Schlüssel zurück, um ihn erneut, aber dies mal nur um die Hälfte zu drehen und prompt brüllt mich das Radio an und die Lüftung verpasst mir eine Fönfrisur. Okay, die Batterie ist es wohl nicht.
Also rufe ich R. an, seit meinem Zuzug der Mechaniker meines Vertrauens, um vielleicht so etwas wie eine Ferndiagnose zu erhalten, die mir eine kompetente Einschätzung meiner Situation gestattet. Schnell kommt er zur Sache: „Das könnte auch der Anlasser sein.“
Ich erinnere mich, dass er bei unserem letzten Akt der Wiederbelebung vor einem Jahr, übrigens ein Akt, von dem er uns schon damals ganz selbstlos abriet, prophezeite, dass uns dieses Problem einholen wird. Jetzt war es da – natürlich gerade jetzt. Ich frage etwas verschämt, ob er denn auch Hausbesuche machen würde. „Passt es gegen Eins?“. Toll!
Um es kurz zu machen: Es war der Anlasser und zwar so total, dass ein neuer her musste. Zusammen stehen wir in der Kälte und diskutieren, ob sich das noch lohnt.
Er könne sich nach einem gebrauchten umschauen, aber das wäre auch das maximale, was er noch raten würde. Wir sind uns einig. Einen neuen Anlasser in ein Auto einzubauen, dass in einem halben Jahr seine finale Fahrt antreten soll, macht keinen Sinn. Er hätte mir alternativ gern den Kundenwagen angeboten, so hätte ich Zeit zum Überlegen gehabt, aber der sei leider noch bis Samstag unterwegs.
Als am Freitag das Telefon klingelt, wühle ich mich gerade durch die Gebrauchtwagenanzeigen von Autoscout24.
„Ich habe einen gebrauchten Anlasser gefunden. Bist Du nachher da?“ Natürlich bin ich. Bis Fünf. „Na, bis dahin wollte ich eigentlich fertig sein.“ Noch besser! Und so kommt es, dass R. und ein Kumpel von ihm gegen Mittag vorbeikommen, um das Auto die Straße rauf und runter zu schieben, in der Hoffnung, dass es anspringt. Totaler körperlicher Einsatz und die beiden lassen mich, auch wenn am Ende doch geschleppt werden musste, beeindruckt zurück.
Als ich das Auto um Fünf abholen will, steht es noch immer in der Werkstatt. Mit schwand Böses. Aber alles ist gut. Fast alles.
„Das ganze hat sich doch ein wenig Komplizierter gestaltet als vermutet!“ Ich werde blass. Ich sehe mich schon vier Kilometer durch einen dunklen Wald nach Hause laufen. „Nein, nein, keine Sorge, er läuft jetzt wieder, aber es musste noch…“ Er bricht ab. Ich schaue fragend. Er winkt ab: „Ach, vergiss es, gib mir einfach die xx Euro. Schwamm drüber!“ Ehrlich? „Ja, wir machen das so. Kann nur sein, dass ihr noch mal wieder Probleme mit der Batterie bekommen werdet. Der zieht jetzt einfach viel Strom.“
Das Finanzielle wird geregelt. Er fährt den Wagen aus der Werkstatt. Ich setze mich ans Steuer, lausche dem anspringenden Motor und fühle mich gerettet. Ich lächle dankbar und denke, warum kann es nicht mehr Menschen geben wie R. in einer Gesellschaft, die gern erst nach ihrem eigenen Gewinn fragt, bevor sie sich in Bewegung setzt?
Rene Meissner vom 1a Autoservice in Crivitz ist mein Held – mein Held des Alltags.
Mittwoch, Februar 14, 2007
Ein Grund zum Traurig sein
Lange habe ich meine Blogroll links liegen lassen - wie meinen Blog eben. Doch in den angebrochenen Stunden einsamen Daseins habe ich mich alter "Bekannter" erinnert und musste leider feststellen, dass sie nicht mehr vollzählig sind.
Oh behave fand es Ende Januar an der Zeit zu gehen, zog den Vorhang zu und legte den Stift beiseite. Passenderweise ging er den Abschieden aus dem Weg, deaktivierte die Kommentarfunktion und ließ sicher nicht nur mich verblüfft zurück.
Einer weniger, mit dem man lachen konnte, besonders über sein "Idiom of the week". Einer weniger, mit dem das (mit)teilen des Alltags, der "richtigen" Musik oder dem umstrittenen Film immer wieder eine Freude war.
Einer weniger.
Oh behave fand es Ende Januar an der Zeit zu gehen, zog den Vorhang zu und legte den Stift beiseite. Passenderweise ging er den Abschieden aus dem Weg, deaktivierte die Kommentarfunktion und ließ sicher nicht nur mich verblüfft zurück.
Einer weniger, mit dem man lachen konnte, besonders über sein "Idiom of the week". Einer weniger, mit dem das (mit)teilen des Alltags, der "richtigen" Musik oder dem umstrittenen Film immer wieder eine Freude war.
Einer weniger.
Montag, Februar 12, 2007
In Schwerin geht doch was.
Wer etwas werden will, verlässt die Stadt mit zwanzig
schaut nur zu Weihnachten am Ziegenmarkt vorbei
wer hier hängen bleibt wird vor der Zeit schon ranzig
und in der Straßenbahn riechts früh nach Arzenei
Als ich erfuhr, dass sich die Schweriner Lesecrew „Schmalz & Marmelade“ an diesem Sonntag dem Thema Musik widmen würde, gab es keine Diskussion für mich. An diesem Tag würde ich meine, derzeit so lieb gewordene, Höhle für ein paar Stunden verlassen. Musik trifft auf Literatur –zwei Leidenschaften werden auf einmal bedient – geht es denn noch besser?
Ach! Das Städtchen duftet nach Wasser und Wald
Als ich erfuhr, dass sich die Schweriner Lesecrew „Schmalz & Marmelade“ an diesem Sonntag dem Thema Musik widmen würde, gab es keine Diskussion für mich. An diesem Tag würde ich meine, derzeit so lieb gewordene, Höhle für ein paar Stunden verlassen. Musik trifft auf Literatur –zwei Leidenschaften werden auf einmal bedient – geht es denn noch besser?
Ach! Das Städtchen duftet nach Wasser und Wald
nach Schilf und im Juni nach Flieder
Das Blau überm Dom sieht dann aus wie gemalt
mit Tupfern aus Möwengefieder
Der Speicher war voll, alle Stühle besetzt, auf der Treppe ist kein durchkommen mehr, als das Licht ausgeht. Ein Stummfilm, musikalisch begleitet von zwei Improvisationsmusikern der Ataraxia, lässt uns teilhaben an dem steinigen Weg dreier „Amateure“ auf der Suche nach einer Bühne in Schwerin. Singenderweise scheitern sie an Pförtnern, Kassiererinnen, der Theaterpädagogik, am Marketing, sogar an den Kantineros – die Reaktionen reichen von freundlich herablassend über totale Ignoranz bis zum verärgerten Rausschmiss – natürlich vom Marketing.
Keiner will ihnen zuhören, keiner will sie haben. Bis sie vor der Tür des Speichers stehen – und in diesem Moment hören wir tatsächlich die Eingangstür des Speichers zufallen und die drei „Amateure“ betreten den Saal, klettern auf die Bühne und nun endlich dürfen auch wir hören, mit welchem Lied die drei sich bisher nicht durchsetzen konnten.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Der Speicher war voll, alle Stühle besetzt, auf der Treppe ist kein durchkommen mehr, als das Licht ausgeht. Ein Stummfilm, musikalisch begleitet von zwei Improvisationsmusikern der Ataraxia, lässt uns teilhaben an dem steinigen Weg dreier „Amateure“ auf der Suche nach einer Bühne in Schwerin. Singenderweise scheitern sie an Pförtnern, Kassiererinnen, der Theaterpädagogik, am Marketing, sogar an den Kantineros – die Reaktionen reichen von freundlich herablassend über totale Ignoranz bis zum verärgerten Rausschmiss – natürlich vom Marketing.
Keiner will ihnen zuhören, keiner will sie haben. Bis sie vor der Tür des Speichers stehen – und in diesem Moment hören wir tatsächlich die Eingangstür des Speichers zufallen und die drei „Amateure“ betreten den Saal, klettern auf die Bühne und nun endlich dürfen auch wir hören, mit welchem Lied die drei sich bisher nicht durchsetzen konnten.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende Streberin
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste,schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin
Jules, Thom und Ivalo, verstärkt von den Musikern Oli Schneider, Tino Bittner alias Metapher und Carsten (!) Stotco plaudern über Musik und geben erste Texte zum Besten. Jules lässt uns an ihrem ganz persönlichen Potpourri Stimmungsmachender Musik teilhaben – in Text und Ton. Wir hatten viel zu lachen, als sie zu hardrockenden Klängen versucht, ein böses Gesicht zu ziehen und zu „Dein ist mein ganzes Herz“ in totale Verzückung gerät, stellvertretend für alle – wie sie anhand des Songs versucht, zu beweisen.
Schwerin ist gestern nur und morgen ist woanders
Jules, Thom und Ivalo, verstärkt von den Musikern Oli Schneider, Tino Bittner alias Metapher und Carsten (!) Stotco plaudern über Musik und geben erste Texte zum Besten. Jules lässt uns an ihrem ganz persönlichen Potpourri Stimmungsmachender Musik teilhaben – in Text und Ton. Wir hatten viel zu lachen, als sie zu hardrockenden Klängen versucht, ein böses Gesicht zu ziehen und zu „Dein ist mein ganzes Herz“ in totale Verzückung gerät, stellvertretend für alle – wie sie anhand des Songs versucht, zu beweisen.
Schwerin ist gestern nur und morgen ist woanders
Schwerin ist süß wie eine alte Ananas
Schwerin ist Häschenschule, Alterssitz und kann
das Ende sein für den, der den Absprung verpasst.
Nach einer Pause, in der Brötchen gekauft und mit dem bereitgestellten Schmalz bestrichen worden sind, geht es weiter mit Texten und Musik. Musiker Oli Schneider, der natürlich viel jünger als die angegebenen 65 aussieht, liest aus seiner „Biografie“ und weiß zu berichten von ersten Songs, furzend dargeboten im Kinderwagen, seinem Aufnahmestudio, dass er sich bereits in der ersten Klasse eingerichtet hatte und wie er damit die Astrid aus der Neunten tief beeindruckte. Auch die zuletzt verdiente Million sollte nicht unerwähnt bleiben. Die war Diether Bohlen bereit zu zahlen, nachdem Oli Schneider ihm aus dem Stehgreif eine Melodie aus Kinderwagenzeiten – na, was wohl – gefurzt hatte.
Nach einer Pause, in der Brötchen gekauft und mit dem bereitgestellten Schmalz bestrichen worden sind, geht es weiter mit Texten und Musik. Musiker Oli Schneider, der natürlich viel jünger als die angegebenen 65 aussieht, liest aus seiner „Biografie“ und weiß zu berichten von ersten Songs, furzend dargeboten im Kinderwagen, seinem Aufnahmestudio, dass er sich bereits in der ersten Klasse eingerichtet hatte und wie er damit die Astrid aus der Neunten tief beeindruckte. Auch die zuletzt verdiente Million sollte nicht unerwähnt bleiben. Die war Diether Bohlen bereit zu zahlen, nachdem Oli Schneider ihm aus dem Stehgreif eine Melodie aus Kinderwagenzeiten – na, was wohl – gefurzt hatte.
Doch Schwerin ist auch die Stadt der braven Leute
man kann sicher sein: die Guten finden sich
ist der Schweriner auch des Zweifels fette Beute
so schlecht wie er denkt ist die Stadt lange nicht
In welcher Reihenfolge es weiter ging, wer vor und nach der zweiten Pause kam - ich gestehe, mein Erinnerungsvermögen lässt mich an dieser Stelle im Stich. Und so kann ich nur erzählen, dass Jules uns auf eine Reise nach London mitnahm, auf der sie doch so gern den Free Jazz lieben lernen wollte und es ihr dabei so gar nicht gelang, so cool zu sein, wie die Frau im Tigertop.
Das mich Carsten Stotco mit seiner Musik zu einer Kaufentscheidung zwang, die sich Thom an anderer Stelle lieber verkniff. Das Ivalo uns mit „Hilf dir selbst mit Musik“ einen guten Rat mit auf den Weg gab, der jedoch offensichtlich nicht ganz frei von Tücken ist und das das Duo aus Oli Schneider und Metapher mit seiner Mischung aus Gesang, Sprechgesang, Akustikgitarre und Beatboxing dem Speicher noch mal richtig eingeheizt hat.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende StreberinIn welcher Reihenfolge es weiter ging, wer vor und nach der zweiten Pause kam - ich gestehe, mein Erinnerungsvermögen lässt mich an dieser Stelle im Stich. Und so kann ich nur erzählen, dass Jules uns auf eine Reise nach London mitnahm, auf der sie doch so gern den Free Jazz lieben lernen wollte und es ihr dabei so gar nicht gelang, so cool zu sein, wie die Frau im Tigertop.
Das mich Carsten Stotco mit seiner Musik zu einer Kaufentscheidung zwang, die sich Thom an anderer Stelle lieber verkniff. Das Ivalo uns mit „Hilf dir selbst mit Musik“ einen guten Rat mit auf den Weg gab, der jedoch offensichtlich nicht ganz frei von Tücken ist und das das Duo aus Oli Schneider und Metapher mit seiner Mischung aus Gesang, Sprechgesang, Akustikgitarre und Beatboxing dem Speicher noch mal richtig eingeheizt hat.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste, schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin
Und wer durch die eingeschobenen Zitate neugierig geworden ist, kann sich den Song, es handelt sich nämlich um einen Song, geschrieben von Thom und ich vermute mal komponiert von Carsten Stotco, in fast kompletter Länge hier anhören und ansehen.
Treffender wurde in meinen Augen und Ohren diese Stadt, der ich vor bald vier Jahren auf den Leim gegangen bin, bisher nicht beschrieben.
Und was das über mich aussagt…. Das lassen wir jetzt einfach mal.
Samstag, Dezember 30, 2006
Abrechnung mit Bild, Ton und Schrift 2006
Dieses Jahr sollen meine Charts für mein Jahr sprechen. Alles andere wurde hier an der einen oder anderen Stelle schon erzählt und zusammenfassend war es auch nicht mein bestes Jahr. Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenfakten sind eh allen bekannt. Wozu also im Mist wühlen, wenn man es „kurz“ machen kann:
Neuentdeckte Töne des Jahres
1. Lucky Jim – All our troubles end tonight
Als Tipp gefunden bei einem ausgesprochenen Eskobar-Fan, begeistern Lucky Jim auf dieser Platte schon 2004 mit wunderschöner Stimme und einem manchmal etwas countrylastigen Sound, der dennoch in Herz und Seele hängen bleibt. Toll für lange Strecken auf der Autobahn.
2. Jens Lekmann – Oh, you´re so silent, Jens
Manchmal helfen die Querverweise bei Amazon. Poetisches Songwriting der besonderen Art.
3. Final Fantasy – He poos clouds
Ein Mann, eine Geige und der Rest ist Fuß – auch wenn die Instrumentierung auf der diesjährig erschienenen Platte „He poos clouds“ durch Piano und echte Drums erweitert wurde. Eine beeindruckende One-Man-Show. Mein Dank gilt Lars für diese musikalische Weiterbildung.
4. Coco Rosie – Noahs Ark
Das Geschwisterpaar Casidy bietet eine schräge Mischung aus Folkpop, Kammermusikstücken und Electronica, in die man sich reinhören muss, aber die einen nicht mehr loslässt, wenn es gelingt, sich auf sie einzulassen.
5. The Doors – Best of
Peinlich, aber wahr. Spät, aber noch nicht zu spät. Ich bin hin- und mitgerissen. Und so schafft es ein Buch mir legendäre Musik nahe zu bringen.
Bands des Jahres
1. Muse
Weil Matthew Bellamys Stimme mir noch immer das Herz bricht und weil ich bisher keine andere Band gehört habe, die über diese Musikalität und diese Tiefe verfügt und trotzdem dermaßen rockt, dass man beim Hören Gefahr läuft, den Kopf zu verlieren
2. Placebo
Dies Jahr wieder mit dabei, trotzdem „Song to say goodbye“ kein „Bitter end“ ist, hat „Meds“ sich dennoch in Herz und Ohr gefressen und im CD-Wechsler des Autos Wurzeln geschlagen. Dieses Jahr gefühlt dichter an Muse denn je.
3. Portugal. The man
Man möchte „Danke“ sagen für diese Band. Einer Band, der es in diesem Jahr gelang, im Einheitsbrei des Rock eine besondere Platte zu schaffen, wie es vielleicht in den letzten Jahren nur Arcade Fire oder Radiohead gelang.
4. The whitest boy alive
Möge dieses Projekt um Erlend Öye (Tut mir Leid, aber ich finde einfach nicht das dänische ö auf meiner Tastatur.) noch viele, viele Platten machen, die sich so schnell ins Ohr, in die Beine und ins Herz stehlen, dass man beim Hören aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt.
5. Leander
Noch nicht gesignt, ließen mich die Kranholdt-Brüder dennoch an ihrer Musik teilhaben. Am Ende verließ die Platte nur noch selten meinen 5fach-Wechsler und war gerade beim Schreiben mein ständiger musikalischer Begleiter.
Solokünstler des Jahres
1. Noe Venable
Folkpop-Singer/Songwriting vom Feinsten. Ich kann seit einem Monat nicht genug bekommen von dieser Platte.
2. Damien Rice
Seine Musik ist dazu gemacht, einem die Tränen in die Augen zu treiben. Besser kann ein Cello in der Popmusik kaum eingesetzt werden
3. Jens Lekmann
Verückte Singer/Songwriter-Stücke mit wenig, aber teilweise ziemlich frecher Instrumentierung und schönen Texten. Nur schade, dass er ins bürgerliche Leben zurückkehren möchte.
4. An Pierlé
Belgische Frauenpower a là Tori Amos, klassisch instrumentiert, bahnt sie sich mit ihrer wunderbaren Stimme schnell einen Weg direkt ins Herz.
5. Morrissey
Was soll man über einen wie ihn noch sagen? Es wäre doch nur Blasphemie.
Album des Jahres
1. Portugal. The man – Waiter: „You vultures“
Weil man als Rockfan an der Stimme, am kreativen Songwriting und dem Finetuning von Laut/Leise nicht vorbeikommt.
2. Placebo – Meds
Nicht „Bitter end“, aber insgesamt fast noch besser als der Vorgänger
3. Muse – Black Holes and Revelations
Muse und dennoch nicht Muse. Deswegen auch nur Platz 3. Einfach zu viel Orientierung an anderen Bands und Sounds von vorgestern. Schade, denn das können sie erwiesenermaßen besser.
4. Damien Rice – 9
Zugegebenermaßen ein wenig Vorschusslorbeeren, da ich erst seit einigen Tagen im Besitz dieses Albums bin, doch seitdem läuft es in einer Art Dauerschleife in meinem Player und es enttäuscht nicht. Es hat die Kraft, die ich an Rice so liebe. Die Kraft, die Tiefe, das große Gefühl.
5. Uzi & Ari – It is freezing out
Weil Thom Yorke mit sich selbst beschäftigt ist und Radiohead somit schweigt. Uzi & Ari treten in ihre Fußstapfen und die Schuhe scheinen zu passen
Song des Jahres
1. Knights of Cydonia - Muse
Galloppierender Wahnsinn und mitten darin der Satz "Don´t waste your time or time will waste you"
2. Meds - Placebo
Schade nur, dass es so lange gedauert hat, bis ich erkannte, dass ich jedesmal, wenn ich lauthals zum Refrain "Baby, did you forget to take your best" sang, vollkommen falsch lag.
3. Juniper – Noe Venable
"Mama, oh Mama, I don´t wanna come down" Wenn ich nur diese Zeile schreibe, höre ich schon wieder den wunderbaren Rhytmus in meinem inneren Ohr.
4. Beautiful Boyz – Coco Rosie
"All those beautiful boyz/pimps and queens and criminal queers/all those beautiful boyz/tattoos of ships and tattoos of tears" gesungen von einer zerbrechlichen Stimme, die jeden Moment zu kippen droht.
5. Analyse – Thom Yorke
Zwischen all dem elektronischen Gefriggel diese Perle.
Konzert des Jahres
1. Morrissey – Hamburg 18.12.06
Ich habe Männer weinen und auf die Knie fallen sehen als er die Bühne betrat. Sie saßen auf den Schultern ihrer Mädchen und Jungs und stimmten immer wieder Morrissey-Gesänge an, als wären wir bei einem Fußballspiel. Und was sagt dieser so scheu wirkende Mann leise: „That´s not necessary.“ Großes Kino!
2. Muse – Hamburg 26.11.06
Vielleicht lag es daran, dass wir in der falschen Ecke gesessen haben, zumeist umgeben von Versicherungsvertretern und Bankkaufleuten, deren maximale Bewegung aus mit den Füßen wippen bestand, vielleicht lag es auch daran, dass ich Muse das erste mal in einer Halle und nicht in einem Club sehen durfte oder einfach nur an der verschütteten Cola auf dem Boden, aber der übliche weggetretene Trancezustand, den ich auf früheren Konzerten erreichte, wollte sich nicht einstellen. Dennoch eine fantastische Bühne und eine fantastische Show, bei der die Securities alle Hände voll zu tun hatten. Vielleicht hätte ich dieses eine Mal aufs Sehen verzichten sollen und mich dem fast kollabierenden Innenraum anschließen sollen. Ich möchte noch immer ganz „Sweet-Sixteen-like“ brüllen: „I love you, Matt!“
3. Placebo – Hamburg 16.12.06
Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht mir einem kahlrasierten, ungeschminkten Brian Molko, der in einem Anzug auf die Bühne trat. So männlich verlor er fast ein wenig von dem Zauber, dem ich auf der „Soulmates never die/Live in Paris“ erlegen war. Dennoch ein ausverkauftes Konzert, dass vom ersten Ton an in die Beine und in die Kehlen schoss. „Special K“, „Meds“, „Song to say goodbye“ und „Bitter end“ wurden von der ersten Zeile an fast Hymenartig mitgesungen und man wünschte sich nur eins: Das dieser unglaubliche Mann uns gelassen hätte. Aber auch so war es Gänsehaut pur.
4. Depeche Mode – Hamburg 15.01.06
Erst durch das Album „Ultra“ auf den Depeche Mode Zug aufgesprungen, hatte ich die Karten gekauft, bevor ich das neue Album „Playing the Angel“ kannte. Dies ließ mich schon fast wieder den voreiligen Kartenkauf bedauern, doch am Ende war es eine große Show, in der sich drei alte Weggefährten, die sich nicht immer lieben, den nötigen Raum ließen. Dave Gahan, den ich so wunderbar überzogen in dem „It´s no good“-Video fand, sorgte mit seiner gockelnen Art, die er wohl schon immer an den Tag gelegt hat, für viel Spaß. Die Halle selbst kochte natürlich vor allem bei den Klassikern aus den Achtzigern, aber so ist das wohl, wenn eine Band auf diesem Niveau über 20 Jahre im Geschäft ist. Die Fans altern mit und wollen zurückgebracht werden in die guten alten Zeiten. Am Ende war ich auch mit „Playing the angel“ ausgesöhnt und freute mich, dass sie dennoch einiges von ihren besten Platten „Exiter“ und „Ultra“ gespielt hatten.
5. Rosenstolz – Schwerin 22.08.06
Gut erholt nach einer Tourpause spürte man, dass sie wieder Lust hatten und diese Lust gaben sie an ihre Fans zurück. Sie ließen es rocken und waren auch instrumental fantastisch besetzt. Viel mehr kann ich allerdings nicht dazu sagen, denn ich habe weder viel gesehen noch gehört. Doch für das nächste Mal habe ich mit meinem ewig laut mitsingenden Liebsten vereinbart, dass wir das Konzert getrennt erleben werden. Sollen sich doch andere ärgern.
Film des Jahres
1. Brokeback Mountain
Ang Lee ist und bleibt einer der besten Geschichtenerzähler Hollywoods
2. Hard Candy
Der Film lässt einen fassungslos und hilflos zurück.
3. Walk the line
Beeindruckende Geschichte des "man in black" und nicht ein einziges "Ich Liebe dich" in einer der stärksten Liebesgeschichten der modernen Musik.
4. Match Point
Woody Allen anders und doch at it´s best, trotzdem es London ist und nicht New York oder vielleicht gerade deswegen?
5. Der Rosinenberg
Die Liebeserklärung an einen der schönsten Landstriche Deutschlands
TV-Serien des Jahres
1. Deadwood
Die erste Staffel zum Geburtstag bekommen und bereits am 2. Weihnachtstag die letzte Folge geschaut. Die unzivilisierten Sopranos des wilden Westen und noch böser. Toll!
2. Six Feet under
In diesem Jahr durften auch wir hier in Deutschland uns von einer der besten Serien verabschieden. Und am Ende bleibt die Frage nach dem Warum.
3. Die Sopranos
Sehnlichst wird Staffel 6 von mir auf DVD erwartet, auch in dem Wissen, dass diese Serie sich damit für immer verabschiedet.
4. Nip/Tuck
ProSieben stellte die Sendung schon mitten in Staffel 2 wegen Quotenflaute ein. Staffel 3 darf als DVD nur noch an Volljährige verkauft werden. Ich bleib dabei: Herrlich böse und abgründig. Und solange „Wetten dass…?“ noch immer höchste Einschaltquoten bekommt, können diese kein Kriterium sein.
5. Lost
Die erste Staffel komplett verschlafen bin ich jetzt voll drauf. Ich sag nur: Der Hai! der Hai! Das Logo! das Logo!
Bücher, gelesen in 2006
1. Danny Sugerman – Wonderland Avenue
Ein Buch über L.A. Ende der Sechziger und den beginnenden Siebzigern, Drogen und Aufstieg und Fall von „The Doors“ und Jim Morrison im Speziellen. Geschrieben aus der Sicht eines heranreifenden Jungens, der sich verliert und dennoch findet in dieser kaputten Welt aus Musik und Drogen. Ein Tatsachenbericht, der kaputter und spannender kaum sein kann und der mich in diesem relativ lesearmen Jahr am stärksten gepackt hat.
2. Anais Nin – Nächte unter dem Venusmond
„Nächte unterm Venusmond“ wurden Anais Nins Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1937 bis 1939 genannt. Erst 2005 auf Deutsch erschienen, stellen sie die letzte Zeit ihrer Pariser Jahre dar, in denen sich ihre Affäre zu Henry Miller zu Gunsten einer ebenbürtigen Freundschaft zu verändern beginnt, in denen sie durch ihren Geliebten Gonzalo Morá an den Kommunismus herangeführt wird und in denen die Versetzung ihres Mannes nach London sie vor eine Entscheidung stellt, die ihr am Ende auch durch Ausbruch des Krieges abgenommen wird. Wieder ein Buch voller Kraft, Authentizität, Schönheit, Reflektion, Intelligenz, Weisheit und unerbittlicher Ehrlichkeit, das die instinktive Wildheit der Autorin deutlich spüren lässt
3. Gabriel Garcia Marquez – Leben, um davon zu erzählen
Im seiner Autobiografie schildert Marquez die Geschichte seiner Familie und die seine bis zu seinem ersten Verlassen des Landes. Er nimmt uns mit auf seiner Reise durch die verschiedenen Teile Kolumbiens, die im Laufe seines jungen Lebens zu Aufenthaltsorten wurden und erzählt uns damit gleichzeitig, woher seine Romane kommen. Er verortet uns damit nicht nur geografisch in Kolumbien sondern auch historisch und seelisch.
604 Seiten stark, stellte mich dieses Buch vor eine ähnliche Herausforderung wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Nicht, weil mich 600 Seiten schrecken, sondern weil aus 600 Seiten Marquez durch seine dichten Erzählweise durchaus gefühlte 1200 Seiten werden können. In diesem Fall jedoch nicht
4. T.C. Boyle – Dr. Sex
In seinem Roman „Dr. Sex” folgt T.B. Boyle den Spuren Professor Kinseys, der mit seinem Report über die Sexualität des Mannes und später auch der Frau Amerika aus seinem puritanischen Dornröschenschlaf erweckte und der Nation einen erbarmungslosen Spiegel vorhielt. Auf gewohnt satirische Art nähert sich der Autor einem Mann, der einem Land die eigene Heuchelei vor Augen führen will und am Ende seines Weges, auf welchem weder Gefühle noch Widerspruch geduldet werden, genau dieser erliegt.
Kinsey erweist sich am Ende auf seine skrupellose, fanatische und auch geniale Art als ein Produkt seiner Zeit und seines Landes.
5. Michel Houllebecq – Die Möglichkeit einer Insel
Hoellebecq nimmt uns mit in die Zukunft, in der wir durch Klonen das hässliche Gesicht des Alterns umgehen. Daniel24 ist die 24. Ausgabe von Daniel, „geboren“, um, wie alle vor ihm, die Aufzeichnungen von Daniel1 und dessen Nachfolgern zu sichten, zu interpretieren und eigene Gedanken hinzuzufügen. Isoliert lebend auf einem Stück Land an Spaniens Mittelmeerküste und mit anderen nur verbunden durch ein Computernetzwerk, erzählt uns Daniel24 seine Geschichte und die Geschichte seiner Vorgänger auf der Suche nach Antworten, Erklärungen der Vorgänge, die zu diesem System führten und der Frage, ob dieses System tatsächlich besser ist als jenes, das Daniel1 Generationen zuvor schilderte. Als sein Kontakt Marie23 ihre Isolation verlässt, um sich auf die Suche nach einer Insel zu machen, auf der andere Abtrünnige zu finden sein sollen, die den Tod in Kauf nehmen, um zu leben, erschließt sich Daniel24 eine neue Möglichkeit – die Möglichkeit einer Insel.
Neuentdeckte Töne des Jahres
1. Lucky Jim – All our troubles end tonight
Als Tipp gefunden bei einem ausgesprochenen Eskobar-Fan, begeistern Lucky Jim auf dieser Platte schon 2004 mit wunderschöner Stimme und einem manchmal etwas countrylastigen Sound, der dennoch in Herz und Seele hängen bleibt. Toll für lange Strecken auf der Autobahn.
2. Jens Lekmann – Oh, you´re so silent, Jens
Manchmal helfen die Querverweise bei Amazon. Poetisches Songwriting der besonderen Art.
3. Final Fantasy – He poos clouds
Ein Mann, eine Geige und der Rest ist Fuß – auch wenn die Instrumentierung auf der diesjährig erschienenen Platte „He poos clouds“ durch Piano und echte Drums erweitert wurde. Eine beeindruckende One-Man-Show. Mein Dank gilt Lars für diese musikalische Weiterbildung.
4. Coco Rosie – Noahs Ark
Das Geschwisterpaar Casidy bietet eine schräge Mischung aus Folkpop, Kammermusikstücken und Electronica, in die man sich reinhören muss, aber die einen nicht mehr loslässt, wenn es gelingt, sich auf sie einzulassen.
5. The Doors – Best of
Peinlich, aber wahr. Spät, aber noch nicht zu spät. Ich bin hin- und mitgerissen. Und so schafft es ein Buch mir legendäre Musik nahe zu bringen.
Bands des Jahres
1. Muse
Weil Matthew Bellamys Stimme mir noch immer das Herz bricht und weil ich bisher keine andere Band gehört habe, die über diese Musikalität und diese Tiefe verfügt und trotzdem dermaßen rockt, dass man beim Hören Gefahr läuft, den Kopf zu verlieren
2. Placebo
Dies Jahr wieder mit dabei, trotzdem „Song to say goodbye“ kein „Bitter end“ ist, hat „Meds“ sich dennoch in Herz und Ohr gefressen und im CD-Wechsler des Autos Wurzeln geschlagen. Dieses Jahr gefühlt dichter an Muse denn je.
3. Portugal. The man
Man möchte „Danke“ sagen für diese Band. Einer Band, der es in diesem Jahr gelang, im Einheitsbrei des Rock eine besondere Platte zu schaffen, wie es vielleicht in den letzten Jahren nur Arcade Fire oder Radiohead gelang.
4. The whitest boy alive
Möge dieses Projekt um Erlend Öye (Tut mir Leid, aber ich finde einfach nicht das dänische ö auf meiner Tastatur.) noch viele, viele Platten machen, die sich so schnell ins Ohr, in die Beine und ins Herz stehlen, dass man beim Hören aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt.
5. Leander
Noch nicht gesignt, ließen mich die Kranholdt-Brüder dennoch an ihrer Musik teilhaben. Am Ende verließ die Platte nur noch selten meinen 5fach-Wechsler und war gerade beim Schreiben mein ständiger musikalischer Begleiter.
Solokünstler des Jahres
1. Noe Venable
Folkpop-Singer/Songwriting vom Feinsten. Ich kann seit einem Monat nicht genug bekommen von dieser Platte.
2. Damien Rice
Seine Musik ist dazu gemacht, einem die Tränen in die Augen zu treiben. Besser kann ein Cello in der Popmusik kaum eingesetzt werden
3. Jens Lekmann
Verückte Singer/Songwriter-Stücke mit wenig, aber teilweise ziemlich frecher Instrumentierung und schönen Texten. Nur schade, dass er ins bürgerliche Leben zurückkehren möchte.
4. An Pierlé
Belgische Frauenpower a là Tori Amos, klassisch instrumentiert, bahnt sie sich mit ihrer wunderbaren Stimme schnell einen Weg direkt ins Herz.
5. Morrissey
Was soll man über einen wie ihn noch sagen? Es wäre doch nur Blasphemie.
Album des Jahres
1. Portugal. The man – Waiter: „You vultures“
Weil man als Rockfan an der Stimme, am kreativen Songwriting und dem Finetuning von Laut/Leise nicht vorbeikommt.
2. Placebo – Meds
Nicht „Bitter end“, aber insgesamt fast noch besser als der Vorgänger
3. Muse – Black Holes and Revelations
Muse und dennoch nicht Muse. Deswegen auch nur Platz 3. Einfach zu viel Orientierung an anderen Bands und Sounds von vorgestern. Schade, denn das können sie erwiesenermaßen besser.
4. Damien Rice – 9
Zugegebenermaßen ein wenig Vorschusslorbeeren, da ich erst seit einigen Tagen im Besitz dieses Albums bin, doch seitdem läuft es in einer Art Dauerschleife in meinem Player und es enttäuscht nicht. Es hat die Kraft, die ich an Rice so liebe. Die Kraft, die Tiefe, das große Gefühl.
5. Uzi & Ari – It is freezing out
Weil Thom Yorke mit sich selbst beschäftigt ist und Radiohead somit schweigt. Uzi & Ari treten in ihre Fußstapfen und die Schuhe scheinen zu passen
Song des Jahres
1. Knights of Cydonia - Muse
Galloppierender Wahnsinn und mitten darin der Satz "Don´t waste your time or time will waste you"
2. Meds - Placebo
Schade nur, dass es so lange gedauert hat, bis ich erkannte, dass ich jedesmal, wenn ich lauthals zum Refrain "Baby, did you forget to take your best" sang, vollkommen falsch lag.
3. Juniper – Noe Venable
"Mama, oh Mama, I don´t wanna come down" Wenn ich nur diese Zeile schreibe, höre ich schon wieder den wunderbaren Rhytmus in meinem inneren Ohr.
4. Beautiful Boyz – Coco Rosie
"All those beautiful boyz/pimps and queens and criminal queers/all those beautiful boyz/tattoos of ships and tattoos of tears" gesungen von einer zerbrechlichen Stimme, die jeden Moment zu kippen droht.
5. Analyse – Thom Yorke
Zwischen all dem elektronischen Gefriggel diese Perle.
Konzert des Jahres
1. Morrissey – Hamburg 18.12.06
Ich habe Männer weinen und auf die Knie fallen sehen als er die Bühne betrat. Sie saßen auf den Schultern ihrer Mädchen und Jungs und stimmten immer wieder Morrissey-Gesänge an, als wären wir bei einem Fußballspiel. Und was sagt dieser so scheu wirkende Mann leise: „That´s not necessary.“ Großes Kino!
2. Muse – Hamburg 26.11.06
Vielleicht lag es daran, dass wir in der falschen Ecke gesessen haben, zumeist umgeben von Versicherungsvertretern und Bankkaufleuten, deren maximale Bewegung aus mit den Füßen wippen bestand, vielleicht lag es auch daran, dass ich Muse das erste mal in einer Halle und nicht in einem Club sehen durfte oder einfach nur an der verschütteten Cola auf dem Boden, aber der übliche weggetretene Trancezustand, den ich auf früheren Konzerten erreichte, wollte sich nicht einstellen. Dennoch eine fantastische Bühne und eine fantastische Show, bei der die Securities alle Hände voll zu tun hatten. Vielleicht hätte ich dieses eine Mal aufs Sehen verzichten sollen und mich dem fast kollabierenden Innenraum anschließen sollen. Ich möchte noch immer ganz „Sweet-Sixteen-like“ brüllen: „I love you, Matt!“
3. Placebo – Hamburg 16.12.06
Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht mir einem kahlrasierten, ungeschminkten Brian Molko, der in einem Anzug auf die Bühne trat. So männlich verlor er fast ein wenig von dem Zauber, dem ich auf der „Soulmates never die/Live in Paris“ erlegen war. Dennoch ein ausverkauftes Konzert, dass vom ersten Ton an in die Beine und in die Kehlen schoss. „Special K“, „Meds“, „Song to say goodbye“ und „Bitter end“ wurden von der ersten Zeile an fast Hymenartig mitgesungen und man wünschte sich nur eins: Das dieser unglaubliche Mann uns gelassen hätte. Aber auch so war es Gänsehaut pur.
4. Depeche Mode – Hamburg 15.01.06
Erst durch das Album „Ultra“ auf den Depeche Mode Zug aufgesprungen, hatte ich die Karten gekauft, bevor ich das neue Album „Playing the Angel“ kannte. Dies ließ mich schon fast wieder den voreiligen Kartenkauf bedauern, doch am Ende war es eine große Show, in der sich drei alte Weggefährten, die sich nicht immer lieben, den nötigen Raum ließen. Dave Gahan, den ich so wunderbar überzogen in dem „It´s no good“-Video fand, sorgte mit seiner gockelnen Art, die er wohl schon immer an den Tag gelegt hat, für viel Spaß. Die Halle selbst kochte natürlich vor allem bei den Klassikern aus den Achtzigern, aber so ist das wohl, wenn eine Band auf diesem Niveau über 20 Jahre im Geschäft ist. Die Fans altern mit und wollen zurückgebracht werden in die guten alten Zeiten. Am Ende war ich auch mit „Playing the angel“ ausgesöhnt und freute mich, dass sie dennoch einiges von ihren besten Platten „Exiter“ und „Ultra“ gespielt hatten.
5. Rosenstolz – Schwerin 22.08.06
Gut erholt nach einer Tourpause spürte man, dass sie wieder Lust hatten und diese Lust gaben sie an ihre Fans zurück. Sie ließen es rocken und waren auch instrumental fantastisch besetzt. Viel mehr kann ich allerdings nicht dazu sagen, denn ich habe weder viel gesehen noch gehört. Doch für das nächste Mal habe ich mit meinem ewig laut mitsingenden Liebsten vereinbart, dass wir das Konzert getrennt erleben werden. Sollen sich doch andere ärgern.
Film des Jahres
1. Brokeback Mountain
Ang Lee ist und bleibt einer der besten Geschichtenerzähler Hollywoods
2. Hard Candy
Der Film lässt einen fassungslos und hilflos zurück.
3. Walk the line
Beeindruckende Geschichte des "man in black" und nicht ein einziges "Ich Liebe dich" in einer der stärksten Liebesgeschichten der modernen Musik.
4. Match Point
Woody Allen anders und doch at it´s best, trotzdem es London ist und nicht New York oder vielleicht gerade deswegen?
5. Der Rosinenberg
Die Liebeserklärung an einen der schönsten Landstriche Deutschlands
TV-Serien des Jahres
1. Deadwood
Die erste Staffel zum Geburtstag bekommen und bereits am 2. Weihnachtstag die letzte Folge geschaut. Die unzivilisierten Sopranos des wilden Westen und noch böser. Toll!
2. Six Feet under
In diesem Jahr durften auch wir hier in Deutschland uns von einer der besten Serien verabschieden. Und am Ende bleibt die Frage nach dem Warum.
3. Die Sopranos
Sehnlichst wird Staffel 6 von mir auf DVD erwartet, auch in dem Wissen, dass diese Serie sich damit für immer verabschiedet.
4. Nip/Tuck
ProSieben stellte die Sendung schon mitten in Staffel 2 wegen Quotenflaute ein. Staffel 3 darf als DVD nur noch an Volljährige verkauft werden. Ich bleib dabei: Herrlich böse und abgründig. Und solange „Wetten dass…?“ noch immer höchste Einschaltquoten bekommt, können diese kein Kriterium sein.
5. Lost
Die erste Staffel komplett verschlafen bin ich jetzt voll drauf. Ich sag nur: Der Hai! der Hai! Das Logo! das Logo!
Bücher, gelesen in 2006
1. Danny Sugerman – Wonderland Avenue
Ein Buch über L.A. Ende der Sechziger und den beginnenden Siebzigern, Drogen und Aufstieg und Fall von „The Doors“ und Jim Morrison im Speziellen. Geschrieben aus der Sicht eines heranreifenden Jungens, der sich verliert und dennoch findet in dieser kaputten Welt aus Musik und Drogen. Ein Tatsachenbericht, der kaputter und spannender kaum sein kann und der mich in diesem relativ lesearmen Jahr am stärksten gepackt hat.
2. Anais Nin – Nächte unter dem Venusmond
„Nächte unterm Venusmond“ wurden Anais Nins Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1937 bis 1939 genannt. Erst 2005 auf Deutsch erschienen, stellen sie die letzte Zeit ihrer Pariser Jahre dar, in denen sich ihre Affäre zu Henry Miller zu Gunsten einer ebenbürtigen Freundschaft zu verändern beginnt, in denen sie durch ihren Geliebten Gonzalo Morá an den Kommunismus herangeführt wird und in denen die Versetzung ihres Mannes nach London sie vor eine Entscheidung stellt, die ihr am Ende auch durch Ausbruch des Krieges abgenommen wird. Wieder ein Buch voller Kraft, Authentizität, Schönheit, Reflektion, Intelligenz, Weisheit und unerbittlicher Ehrlichkeit, das die instinktive Wildheit der Autorin deutlich spüren lässt
3. Gabriel Garcia Marquez – Leben, um davon zu erzählen
Im seiner Autobiografie schildert Marquez die Geschichte seiner Familie und die seine bis zu seinem ersten Verlassen des Landes. Er nimmt uns mit auf seiner Reise durch die verschiedenen Teile Kolumbiens, die im Laufe seines jungen Lebens zu Aufenthaltsorten wurden und erzählt uns damit gleichzeitig, woher seine Romane kommen. Er verortet uns damit nicht nur geografisch in Kolumbien sondern auch historisch und seelisch.
604 Seiten stark, stellte mich dieses Buch vor eine ähnliche Herausforderung wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Nicht, weil mich 600 Seiten schrecken, sondern weil aus 600 Seiten Marquez durch seine dichten Erzählweise durchaus gefühlte 1200 Seiten werden können. In diesem Fall jedoch nicht
4. T.C. Boyle – Dr. Sex
In seinem Roman „Dr. Sex” folgt T.B. Boyle den Spuren Professor Kinseys, der mit seinem Report über die Sexualität des Mannes und später auch der Frau Amerika aus seinem puritanischen Dornröschenschlaf erweckte und der Nation einen erbarmungslosen Spiegel vorhielt. Auf gewohnt satirische Art nähert sich der Autor einem Mann, der einem Land die eigene Heuchelei vor Augen führen will und am Ende seines Weges, auf welchem weder Gefühle noch Widerspruch geduldet werden, genau dieser erliegt.
Kinsey erweist sich am Ende auf seine skrupellose, fanatische und auch geniale Art als ein Produkt seiner Zeit und seines Landes.
5. Michel Houllebecq – Die Möglichkeit einer Insel
Hoellebecq nimmt uns mit in die Zukunft, in der wir durch Klonen das hässliche Gesicht des Alterns umgehen. Daniel24 ist die 24. Ausgabe von Daniel, „geboren“, um, wie alle vor ihm, die Aufzeichnungen von Daniel1 und dessen Nachfolgern zu sichten, zu interpretieren und eigene Gedanken hinzuzufügen. Isoliert lebend auf einem Stück Land an Spaniens Mittelmeerküste und mit anderen nur verbunden durch ein Computernetzwerk, erzählt uns Daniel24 seine Geschichte und die Geschichte seiner Vorgänger auf der Suche nach Antworten, Erklärungen der Vorgänge, die zu diesem System führten und der Frage, ob dieses System tatsächlich besser ist als jenes, das Daniel1 Generationen zuvor schilderte. Als sein Kontakt Marie23 ihre Isolation verlässt, um sich auf die Suche nach einer Insel zu machen, auf der andere Abtrünnige zu finden sein sollen, die den Tod in Kauf nehmen, um zu leben, erschließt sich Daniel24 eine neue Möglichkeit – die Möglichkeit einer Insel.
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Unterwegs
Sonntag, Dezember 24, 2006
Pfadfinder 2006
1. away games - the say highs
2. elephant - portugal. the man
3. juniper - noe venable
4. in the cold light of morning - placebo
5. at last i am born - morrissey
6. eleanor put your boots on - franz ferdinand
7. burning - the whitest boy alive
8. zu schön - voltaire
9. nothing in my way - keane
10. analyse - thom yorke
11. pass fail - leander
12. a man of fortune - devastations
13. you stole my heart away - lucky jim
14. hoodoo - muse
15. tiny house - uzi & ari
16. horizont - rosenstolz
Die Pfadfinder sind eine Liste von Songs, die mich 2006 begleitet und berührt haben. Sie sind dennoch keine Top Ten oder in diesem Fall Top Sixteen. Abgerechnet wird bekanntermaßen am Schluss und noch ist das Jahr nicht zu Ende...:-)
In diesem Sinne wünsche ich allen an dieser Stelle ein frohes Fest und hoffe, dass sich auch in 2007 unsere Wege weiterhin kreuzen werden.
Sonntag, Dezember 10, 2006
15 Lebensweisheiten, die wir von Hunden lernen können

1. Lass niemals die Gelegenheit für eine Vergnügungstour aus.
2. Labe Dich an den Segnungen von frischer Luft und etwas Wind im Gesicht.
3. Wenn deine Lieben nach Hause kommen, renne, um sie zu begrüßen.
4. Wenn es dir nützt, zeige Gehorsam.
5. Lass andere wissen, wenn sie dein Territorium verletzt haben.
6. Mache regelmäßige Nickerchen und streck dich, bevor du aufstehst.
7. Renne, tolle und spiele täglich.
8. Esse mit Appetit und Enthusiasmus.
9. Sei loyal.
10. Wenn das, was du willst, verborgen ist, buddle es aus.
11. Wenn jemand einen schlechten Tag hat, sei in der Nähe, aber halt die Klappe.
12. Sorge für Aufmerksamkeit und bleib mit wichtigen Menschen in Kontakt.
13. Beiße nicht, wenn bellen reicht.
14. Wenn du glücklich bist, zeig es.
15. Egal, wie oft du ausgeschimpft wirst, schmoll nicht, sondern bleib ein Freund.
Gefunden beim waschsalon
Mittwoch, Dezember 06, 2006
Weil AIDS nicht nur am 1.12. und nicht nur in Afrika krank macht
Weltweit starben seit Entdeckung des HIV-Erregers 25 Millionen Menschen an AIDS und seinen Folgekrankheiten. 2,9 Millionen waren es in diesem Jahr. 4,9 Millionen Neuinfektionen wurden verzeichnet.
2005 waren es in Deutschland 2486 Neuinfektionen. Die Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor.
Das Magazin „Focus“ bezeichnete die, im weltweiten Vergleich verhältnismäßig niedrige Zahl als „erfreulich bescheiden“, doch verschließt man sich mit dieser Art zu denken einer Tatsache:
Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland trotz Aufklärung, Prävention und intakten medizinischen Infrastrukturen im Jahre 2005 um 30 Prozent gestiegen.
Die Regierung reagierte und beschloss im Juli dieses Jahres eine HIV/Aids-Strategie. Diese beinhaltet im wesentlichen Präventionsarbeit, Stärkung der biomedizinischen und sozialwissenschaftlichen Forschung, funktionierende Gesundheitsversorgung und die Anerkennung Kranker in Familie und Gesellschaft.
Das Strategiepapier bietet damit jedoch nichts wirklich Neues. Eher macht es deutlich, dass in den vielen Jahren des immer weiter nachlassenden Engagements seitens des Staates die Entwicklung in Sachen AIDS-Arbeit und Forschung verschlafen worden ist. Die Zahlen der Neuinfektionen steigen, die sozialen Probleme sind mehr oder weniger die Gleichen geblieben, die Krankheit ist noch immer nicht eingedämmt. Stattdessen mussten beispielsweise gerade die AIDS-Hilfen Jahr für Jahr den Gürtel enger schnallen, obwohl doch sie die so notwendige Basisarbeit leisten.
Dass die Basis dabei immer schwerer zu erreichen ist, erkennt man an gesellschaftlichen Phänomenen wie den so genannten „Bareback-Partys“. Dort treffen sich positive und negative Gleichgesinnte, um Sex ohne Kondom zu haben. Man erkennt es auch an der gestiegenen Zahl ungewollter Schwangerschaften, vor allem unter Jugendlichen, und an untreuen Ehemännern, die trotz Verantwortung gegenüber der Familie noch immer nicht zu wissen scheinen, wie man sich ein Kondom überstreift.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 60 Prozent der Neuinfektionen betrifft homosexuelle Männer aus Großstädten. Doch an dieser Stelle sollten sich Heterosexuelle nicht zurücklehnen und denken, dass sie aus dem Schneider sind, denn Tatsache ist auch, dass sich 2005 25 Prozent mehr Heterosexuelle als im Jahr zuvor angesteckt haben, während die Steigerung bei Homosexuellen bei 15 Prozent liegt.
Die Angst als Präventivfaktor scheint in Zeiten von Routine und Kombinationstherapien eingebüßt zu haben.
So erfreulich die Entwicklung auf dem medizinischen Sektor auch ist, sind die AIDS-Therapien dennoch nichts anderes als lebensverlängernde Maßnahmen, die seelische, körperliche und soziale Konsequenzen mit sich bringen. Sie sind kein Heilmittel.
In einer immer hedonistischer veranlagten Gesellschaft werden nicht nur die Gedanken an Krankheit an den Rand gedrängt, sondern auch die Kranken selbst. Dieses Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ greift die Initiative „Vergessen ist ansteckend“ auf und entwickelte zusammen mit der Agentur „Etwas Neues entsteht Marketing GmbH“ eine Kampagne, die anhand von sich erbrechenden und unter sich machenden Kuscheltieren versinnbildlichen, wie quälend diese Krankheit trotz Medikamente ist. Die Kampagne richtet sich an Jugendliche, die Botschaft jedoch ist allgemeingültig.
Ein Satz, der mich schon während meiner ehrenamtlichen Arbeit für die AIDS-Hilfe Hamburg begleitet hat und der fast so alt sein dürfte, wie die Krankheit selbst, macht klar, wie einfach Handeln ist:
AIDS ist die einzige tödlich verlaufende Krankheit, vor der wir uns schützen können.
Tun wir es doch einfach.
2005 waren es in Deutschland 2486 Neuinfektionen. Die Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor.
Das Magazin „Focus“ bezeichnete die, im weltweiten Vergleich verhältnismäßig niedrige Zahl als „erfreulich bescheiden“, doch verschließt man sich mit dieser Art zu denken einer Tatsache:
Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland trotz Aufklärung, Prävention und intakten medizinischen Infrastrukturen im Jahre 2005 um 30 Prozent gestiegen.
Die Regierung reagierte und beschloss im Juli dieses Jahres eine HIV/Aids-Strategie. Diese beinhaltet im wesentlichen Präventionsarbeit, Stärkung der biomedizinischen und sozialwissenschaftlichen Forschung, funktionierende Gesundheitsversorgung und die Anerkennung Kranker in Familie und Gesellschaft.
Das Strategiepapier bietet damit jedoch nichts wirklich Neues. Eher macht es deutlich, dass in den vielen Jahren des immer weiter nachlassenden Engagements seitens des Staates die Entwicklung in Sachen AIDS-Arbeit und Forschung verschlafen worden ist. Die Zahlen der Neuinfektionen steigen, die sozialen Probleme sind mehr oder weniger die Gleichen geblieben, die Krankheit ist noch immer nicht eingedämmt. Stattdessen mussten beispielsweise gerade die AIDS-Hilfen Jahr für Jahr den Gürtel enger schnallen, obwohl doch sie die so notwendige Basisarbeit leisten.
Dass die Basis dabei immer schwerer zu erreichen ist, erkennt man an gesellschaftlichen Phänomenen wie den so genannten „Bareback-Partys“. Dort treffen sich positive und negative Gleichgesinnte, um Sex ohne Kondom zu haben. Man erkennt es auch an der gestiegenen Zahl ungewollter Schwangerschaften, vor allem unter Jugendlichen, und an untreuen Ehemännern, die trotz Verantwortung gegenüber der Familie noch immer nicht zu wissen scheinen, wie man sich ein Kondom überstreift.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 60 Prozent der Neuinfektionen betrifft homosexuelle Männer aus Großstädten. Doch an dieser Stelle sollten sich Heterosexuelle nicht zurücklehnen und denken, dass sie aus dem Schneider sind, denn Tatsache ist auch, dass sich 2005 25 Prozent mehr Heterosexuelle als im Jahr zuvor angesteckt haben, während die Steigerung bei Homosexuellen bei 15 Prozent liegt.
Die Angst als Präventivfaktor scheint in Zeiten von Routine und Kombinationstherapien eingebüßt zu haben.
So erfreulich die Entwicklung auf dem medizinischen Sektor auch ist, sind die AIDS-Therapien dennoch nichts anderes als lebensverlängernde Maßnahmen, die seelische, körperliche und soziale Konsequenzen mit sich bringen. Sie sind kein Heilmittel.
In einer immer hedonistischer veranlagten Gesellschaft werden nicht nur die Gedanken an Krankheit an den Rand gedrängt, sondern auch die Kranken selbst. Dieses Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ greift die Initiative „Vergessen ist ansteckend“ auf und entwickelte zusammen mit der Agentur „Etwas Neues entsteht Marketing GmbH“ eine Kampagne, die anhand von sich erbrechenden und unter sich machenden Kuscheltieren versinnbildlichen, wie quälend diese Krankheit trotz Medikamente ist. Die Kampagne richtet sich an Jugendliche, die Botschaft jedoch ist allgemeingültig.
Ein Satz, der mich schon während meiner ehrenamtlichen Arbeit für die AIDS-Hilfe Hamburg begleitet hat und der fast so alt sein dürfte, wie die Krankheit selbst, macht klar, wie einfach Handeln ist:
AIDS ist die einzige tödlich verlaufende Krankheit, vor der wir uns schützen können.
Tun wir es doch einfach.
Mittwoch, November 29, 2006
Plug in, baby!
Ein drittes Mal in meinem Leben als Fan durfte ich am vergangenen Sonntag eine goldene Eintrittskarte einlösen, damit sich die Pforten in ein akustisches Paradies voller Wahnsinn, Trance und Atemlosigkeit öffneten.
„Muse“ spielte auf. Und, zumindest in Hamburg, das erste Mal in der Halle. Man durfte gespannt sein: Würde eine Band, die von Beginn ihrer Karriere an polarisierte, tatsächlich die 7000 Mann fassende „Alsterdorfer Sporthalle“ füllen? Sie füllte. Die aktuelle Platte „Blackholes and Revalations“ spaltet zwar die langjährige Fangemeinde, doch scheint sie mit ihren Clubsound-Zitaten gleichzeitig ein neues Publikum anzuziehen.
Die Vorband mit dem furchtbar unkreativen Namen „Noisettes“ kann man vernachlässigen. Auch wenn die schwarze Sängerin mit der weißen Stimme eine unglaubliche Show geboten hat, ist der Sound dennoch ähnlich angelegt wie der Name. Und so wurde jedem, der in den 80ern groß geworden ist, definitiv nichts Neues geboten.
Sie ließen uns warten, die drei Jungs aus Devon. Doch dann geht das Licht aus, der Vorhang fällt und zu „Knights of Cydonia“ positionieren sich die drei Vollblutmusiker und schleudern uns mit dem energetischsten Song des aktuellen Albums sogleich in ihre Welt. Die Halle bebt. Männer, zuvor noch von Coolness geprägt, schreien hysterisch und Frauen rocken, was die Hüften hergeben. Matts Falsett klingelt göttlich in den Ohren und er treibt uns auf einer Bühne, die durch Klarheit und technischer Raffinesse besticht, durch zwei Stücke, bevor die Jungs eine erste kleine Pause machen und das Publikum auf deutsch (!) begrüßt wird. Souveräne Geste von Musikern, die dafür bekannt sind, jenseits ihrer Musik keine großen Worte zu machen.
Drummer Dominic Howard zählt von seinem zwei Meter hohen Podest ein und schon peitschen sie uns durch ein Set, das hauptsächlich aus den Songs der letzten drei Alben besteht, so denn man „Hullaballoo“ als B-Seiten-Sammlung mal außen vorlässt. Klassiker wie „Plug in Baby“ und „Time is running out“, werden laut mitgebrüllt und, auch das ist neu, Matt lässt uns singen. Auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne sind dabei die teilweise schrägen Kameraeinstellungen zu sehen, die man schon vom „Le Zenith“-Mitschnitt kennt. Sie zeigen Matts Hände an den Saiten und an den Tasten, das es ein Fest ist.
Die eine oder andere technische Pause, die durch die 3+1-Mann-Besetzung nicht ausbleibt, wird mit Nettigkeiten überbrückt, doch der Abgang nach dem ersten Set stürzt uns in Verwirrung. Dunkel wird es und weg sind sie. Kein „Good-bye“, nichts, nur eben Dunkelheit. Unruhe macht sich breit, erste Pfiffe und dann beginnt die Halle unter dem Zugabe-Trampeln der Fans im Innenraum zu beben. Doch sie lassen sich bitten. Es scheint technische Probleme zu geben, denn als sie endlich erneut die Bühne betreten, Matt sich ans Klavier setzt und etwas ruhigere Töne anschlägt, klingt es, als hörten sich die drei nicht immer.
Am Ende dieses Sets wird sich auch brav verabschiedet. Feiern lassen sie sich dennoch nicht. Nicht nur ich bitte darum, noch nicht das Licht anzumachen, in der Hoffnung, noch einen Moment in dieser Welt aus dichten Klangwänden, treibenden Bass und Drums und einer manchmal fast verstörenden Stimme verweilen zu dürfen. Doch die Kuppel senkt sich über das Schlagzeug und die Helligkeit der Deckenleuchten katapultiert uns zurück in die langweilige Ödnis einer alten Halle. Man macht sich auf den Heimweg. Durchgeschwitzt und mit Adrenalin zugepumpt, klingeln die Ohren.
Kleiner Mann, ganz groß – Plug in, baby!
„Muse“ spielte auf. Und, zumindest in Hamburg, das erste Mal in der Halle. Man durfte gespannt sein: Würde eine Band, die von Beginn ihrer Karriere an polarisierte, tatsächlich die 7000 Mann fassende „Alsterdorfer Sporthalle“ füllen? Sie füllte. Die aktuelle Platte „Blackholes and Revalations“ spaltet zwar die langjährige Fangemeinde, doch scheint sie mit ihren Clubsound-Zitaten gleichzeitig ein neues Publikum anzuziehen.
Die Vorband mit dem furchtbar unkreativen Namen „Noisettes“ kann man vernachlässigen. Auch wenn die schwarze Sängerin mit der weißen Stimme eine unglaubliche Show geboten hat, ist der Sound dennoch ähnlich angelegt wie der Name. Und so wurde jedem, der in den 80ern groß geworden ist, definitiv nichts Neues geboten.
Sie ließen uns warten, die drei Jungs aus Devon. Doch dann geht das Licht aus, der Vorhang fällt und zu „Knights of Cydonia“ positionieren sich die drei Vollblutmusiker und schleudern uns mit dem energetischsten Song des aktuellen Albums sogleich in ihre Welt. Die Halle bebt. Männer, zuvor noch von Coolness geprägt, schreien hysterisch und Frauen rocken, was die Hüften hergeben. Matts Falsett klingelt göttlich in den Ohren und er treibt uns auf einer Bühne, die durch Klarheit und technischer Raffinesse besticht, durch zwei Stücke, bevor die Jungs eine erste kleine Pause machen und das Publikum auf deutsch (!) begrüßt wird. Souveräne Geste von Musikern, die dafür bekannt sind, jenseits ihrer Musik keine großen Worte zu machen.
Drummer Dominic Howard zählt von seinem zwei Meter hohen Podest ein und schon peitschen sie uns durch ein Set, das hauptsächlich aus den Songs der letzten drei Alben besteht, so denn man „Hullaballoo“ als B-Seiten-Sammlung mal außen vorlässt. Klassiker wie „Plug in Baby“ und „Time is running out“, werden laut mitgebrüllt und, auch das ist neu, Matt lässt uns singen. Auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne sind dabei die teilweise schrägen Kameraeinstellungen zu sehen, die man schon vom „Le Zenith“-Mitschnitt kennt. Sie zeigen Matts Hände an den Saiten und an den Tasten, das es ein Fest ist.Die eine oder andere technische Pause, die durch die 3+1-Mann-Besetzung nicht ausbleibt, wird mit Nettigkeiten überbrückt, doch der Abgang nach dem ersten Set stürzt uns in Verwirrung. Dunkel wird es und weg sind sie. Kein „Good-bye“, nichts, nur eben Dunkelheit. Unruhe macht sich breit, erste Pfiffe und dann beginnt die Halle unter dem Zugabe-Trampeln der Fans im Innenraum zu beben. Doch sie lassen sich bitten. Es scheint technische Probleme zu geben, denn als sie endlich erneut die Bühne betreten, Matt sich ans Klavier setzt und etwas ruhigere Töne anschlägt, klingt es, als hörten sich die drei nicht immer.
Am Ende dieses Sets wird sich auch brav verabschiedet. Feiern lassen sie sich dennoch nicht. Nicht nur ich bitte darum, noch nicht das Licht anzumachen, in der Hoffnung, noch einen Moment in dieser Welt aus dichten Klangwänden, treibenden Bass und Drums und einer manchmal fast verstörenden Stimme verweilen zu dürfen. Doch die Kuppel senkt sich über das Schlagzeug und die Helligkeit der Deckenleuchten katapultiert uns zurück in die langweilige Ödnis einer alten Halle. Man macht sich auf den Heimweg. Durchgeschwitzt und mit Adrenalin zugepumpt, klingeln die Ohren.Kleiner Mann, ganz groß – Plug in, baby!
Mittwoch, November 22, 2006
Ein Krieger ist tot

Die Schlacht ist geschlagen. Die Verlierer stehen fest. Gewinner gab es keine. Rückzugsmöglichkeiten auch nicht. Es ging um alles oder nichts und wir haben verloren - er hat verloren.
Fünf Tage wurden ihm gegeben, zehn sind es geworden. Zehn Tage, in denen ich ihm nahe sein durfte, wie schon lang nicht mehr. Tage, in denen ich mit ihm teilte, wie ich mit ihm geteilt hatte, als er noch ein kleines Lamm war. In denen ich wieder seine Mutter sein musste – sein durfte. In denen wir Seite an Seite kämpften. Tage in denen ich ihn fütterte, Zwiesprache mit ihm hielt, wir uns in die Augen sahen. In denen er seinen Kopf an meinen Kopf lehnte, auf meine Schulter legte, zu schwach, zu stehen, jedoch noch zu stark, sich, vielleicht für immer, hinzulegen.
An Willen hatte es ihm nie gefehlt. An Kraft am Ende schon. Lange wird mein Blick noch nach ihm suchen, wenn ich zum See hinunter schaue.
Montag, November 06, 2006
Der Musikmarkt und seine Entwicklung.
Heute fand ich auf spiegel.de dieses interessante Interview mit dem Sony-BMG-Marktforscher Michael Pütz. Spannend fand ich die Aussage von Pütz: "Der Markt entwickelt sich immer mehr vom Angebots- zum Nachfragemarkt. Das einfache Anbieten und Bewerben von Bands und Produkten reicht nicht mehr aus. Die Musikindustrie muss sich verstärkt an der Nachfrage orientieren und viel früher die kommenden Trends entdecken." Wenn ich das lese und mir gleichzeitig die Charts anschaue, bestätigt es nur einmal mehr, das von den Majorlabels nicht viel zu erwarten ist. Und das gut gemachte Musik bis auf wenige Ausnahmen weiterhin in der Sparte schlummert.
Nach der auf der ebenfalls auf dieser Seite enthaltenen Umfrage zum Thema, musste ich feststellen, wie wenig Ahnung ich von Musikdownloads und seinen Formen hatte. Abgesehen davon, dass die Teilnahme aus technischer Sicht für mich lehrreich war, hatte ich das (vermutlich irrige) Gefühl, meine Stimme mal wieder für die gute alte CD als solche erheben zu können und mich vor allem gegen das ärgerliche, meines Wissens unter anderem von Napster vermarktete, DRM-Format aussprechen zu können. Auch wenn Herr Pütz glaubt, das dieses Format gar nicht unbedingt abgelehnt wird, sondern das es nur am Wissen darum scheitere. Ich persönlich bin jetzt schlauer und kann aus der Tiefe meiner Überzeugung sagen, das ich dennoch dafür niemals Geld bezahlen würde.
Also, macht mit und zeigt Herrn Pütz wie unbeliebt DRM, so denn ihr ähnlich denkt und hört, wirklich ist.
Nach der auf der ebenfalls auf dieser Seite enthaltenen Umfrage zum Thema, musste ich feststellen, wie wenig Ahnung ich von Musikdownloads und seinen Formen hatte. Abgesehen davon, dass die Teilnahme aus technischer Sicht für mich lehrreich war, hatte ich das (vermutlich irrige) Gefühl, meine Stimme mal wieder für die gute alte CD als solche erheben zu können und mich vor allem gegen das ärgerliche, meines Wissens unter anderem von Napster vermarktete, DRM-Format aussprechen zu können. Auch wenn Herr Pütz glaubt, das dieses Format gar nicht unbedingt abgelehnt wird, sondern das es nur am Wissen darum scheitere. Ich persönlich bin jetzt schlauer und kann aus der Tiefe meiner Überzeugung sagen, das ich dennoch dafür niemals Geld bezahlen würde.
Also, macht mit und zeigt Herrn Pütz wie unbeliebt DRM, so denn ihr ähnlich denkt und hört, wirklich ist.
Donnerstag, November 02, 2006
So soll es sein?
Eine Email erreicht mich im Sommer diesen Jahres. Eine Bekannte schreibt, wie sehr sie die Zeit, die sie bei uns verbringen durfte, genossen hatte, schwärmt von einem Tag, der mehr als ein Jahr zurückliegt und hinterlässt am Ende bei mir den Eindruck, das sie nicht mehr lange zu leben hat.
Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, das ihr Freund, der einer unserer Freunde ist und den sie an dem besagten Tag vor einem Jahr bei uns das erste mal leibhaftig getroffen hatte, sich von ihr getrennt hat.
Schwierige Situation, denn besagter Freund wird bald wieder für einige Wochen bei uns wohnen und ich bin nicht sicher, ob ich den Kontakt thematisieren soll – er hat den Bruch der Beziehung schließlich auch nicht thematisiert.
Am Ende schüttet sie mir ihr Herz aus, ich höre zu, hoffe für sie da sein zu können, wenn möglich ohne ihm zu nahe zu treten. Von mir darauf angesprochen, will er nicht so recht rausrücken, so dass ich das Thema fallen lassen kann, nicht ohne Erleichterung, denn seine peinliche Berührung wird zu meiner.
Eine mir liebgewordene Nachbarin steht vor der Tür und versucht mir auf möglichst unberührte Art zu sagen, das sie und der Nachbar sich getrennt haben. Es fällt ihr nicht so leicht, wie sie es möchte.
Ganz überraschend ist das nicht. Hier auf dem Land ist es still und so bleiben einem manch lautstark ausgetragenen Meinungsverschiedenheit ebenso wenig verborgen wie ein auf den Hof fahrender Krankenwagen. Die Wissenslücken werden am Ende bei einer Flasche Wein durch die Überbringerin dieser schlechten Nachricht gefüllt. Ein gemeinsames Kind, ein Jahr nach der ersten Begegnung der Beiden geboren und gerade erst im Kindergartenalter, verkompliziert die Situation ebenso wie reale Abhängigkeiten. Noch immer leben sie unter einem Dach und die beiden zu besuchen ist derzeit alles andere als schön. Spricht man mit dem einen, schleicht der andere herum und umgekehrt. Was für Besucher schon nicht leicht ist, muss für die zwei die Hölle sein.
Ein anderer Freund lebt schon einige Jahre mit seiner, dem Hörensagen nach äußerst temperamentvollen, Freundin zusammen, als diese, gekriselt hat es wohl schon länger, für zwei Wochen zu einem gemeinsamen Bekannten nach Portugal reist, während der Freund sich aus arbeitstechnischen Gründen hier aufhält. Am Ende kommt sie wieder zurück und es stellt sich nach und nach heraus, das sie nun mit dem gemeinsamen Bekannten liiert ist und das sie ein Kind von ihm erwartet. Ich gebe zu, diese Art von Grausamkeit war selbst für mich bis dahin unvorstellbar und sie konnte nur noch durch die Tatsache übertroffen werden, das die Freundin offensichtlich schon während ihres Aufenthaltes in Portugal eine Entscheidung getroffen und diese via Internet mit entsprechenden Fotos veröffentlicht hatte ohne auch nur einmal zuvor mit ihrem Freund über die Ereignisse gesprochen zu haben.
Ein Bekannter sitzt mit gegenüber und spricht über seine Lebensgefährtin, die Mutter seiner drei Kinder. Die Art, wie er es tut, würde mich, so denn ich diese Lebensgefährtin wäre, nur noch über die Wahl der Waffe nachdenken lassen. Auf die Frage, warum er mit ihr zusammen bleibt, antwortet er mit einem Klassiker: Wegen der Kinder.
Wir sitzen mit Freunden in der Küche und plaudern. Das Paar ist knapp ein Jahr zusammen und sie ist im sechsten Monat schwanger von ihm. Alles sieht gut aus, doch nachdem sich die Männer mit dem kleinen Noah, der Freundin erstes Kind, ins Wohnzimmer verkrümelt haben, um DVD zu schauen, stellt sich in einem Gespräch unter Frauen schnell heraus, das es alles andere als gut läuft und das die Beziehung zu scheitern droht. Gewalt ist ein Thema, Sprachlosigkeit ist ein weiteres. Mir stellt sich nach längerem Zuhören die Frage, ob und wie diese gravierenden Probleme zu lösen sein sollen, vor allem, wenn erst mal das Kind da ist.
Es ist jetzt bald 17 Jahre her, da haben sich die Wege meines Liebsten und die meinen gekreuzt. 17 Jahre, die nicht immer leicht, die nicht immer schön, die aber immer die unseren waren. Daran hatten wir nur sehr selten einen Zweifel.
Beide von Eltern geprägt, die in der Lage waren, ihre Krisen zu bewältigen und die noch immer zusammen sind - aus weit mehr Gründen als Duldung oder Abhängigkeit – vermitteln diese uns bis heute ein lehrreiches Bild von Liebe, Respekt, Kommunikation und Zugewandtheit. Dadurch schien mir das, was mein Liebster und ich miteinander teilen auch nur normal, wenn nicht in gewisser Weise allgemeingültig.
Bis zum Jahre 2006.
Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, das ihr Freund, der einer unserer Freunde ist und den sie an dem besagten Tag vor einem Jahr bei uns das erste mal leibhaftig getroffen hatte, sich von ihr getrennt hat.
Schwierige Situation, denn besagter Freund wird bald wieder für einige Wochen bei uns wohnen und ich bin nicht sicher, ob ich den Kontakt thematisieren soll – er hat den Bruch der Beziehung schließlich auch nicht thematisiert.
Am Ende schüttet sie mir ihr Herz aus, ich höre zu, hoffe für sie da sein zu können, wenn möglich ohne ihm zu nahe zu treten. Von mir darauf angesprochen, will er nicht so recht rausrücken, so dass ich das Thema fallen lassen kann, nicht ohne Erleichterung, denn seine peinliche Berührung wird zu meiner.
Eine mir liebgewordene Nachbarin steht vor der Tür und versucht mir auf möglichst unberührte Art zu sagen, das sie und der Nachbar sich getrennt haben. Es fällt ihr nicht so leicht, wie sie es möchte.
Ganz überraschend ist das nicht. Hier auf dem Land ist es still und so bleiben einem manch lautstark ausgetragenen Meinungsverschiedenheit ebenso wenig verborgen wie ein auf den Hof fahrender Krankenwagen. Die Wissenslücken werden am Ende bei einer Flasche Wein durch die Überbringerin dieser schlechten Nachricht gefüllt. Ein gemeinsames Kind, ein Jahr nach der ersten Begegnung der Beiden geboren und gerade erst im Kindergartenalter, verkompliziert die Situation ebenso wie reale Abhängigkeiten. Noch immer leben sie unter einem Dach und die beiden zu besuchen ist derzeit alles andere als schön. Spricht man mit dem einen, schleicht der andere herum und umgekehrt. Was für Besucher schon nicht leicht ist, muss für die zwei die Hölle sein.
Ein anderer Freund lebt schon einige Jahre mit seiner, dem Hörensagen nach äußerst temperamentvollen, Freundin zusammen, als diese, gekriselt hat es wohl schon länger, für zwei Wochen zu einem gemeinsamen Bekannten nach Portugal reist, während der Freund sich aus arbeitstechnischen Gründen hier aufhält. Am Ende kommt sie wieder zurück und es stellt sich nach und nach heraus, das sie nun mit dem gemeinsamen Bekannten liiert ist und das sie ein Kind von ihm erwartet. Ich gebe zu, diese Art von Grausamkeit war selbst für mich bis dahin unvorstellbar und sie konnte nur noch durch die Tatsache übertroffen werden, das die Freundin offensichtlich schon während ihres Aufenthaltes in Portugal eine Entscheidung getroffen und diese via Internet mit entsprechenden Fotos veröffentlicht hatte ohne auch nur einmal zuvor mit ihrem Freund über die Ereignisse gesprochen zu haben.
Ein Bekannter sitzt mit gegenüber und spricht über seine Lebensgefährtin, die Mutter seiner drei Kinder. Die Art, wie er es tut, würde mich, so denn ich diese Lebensgefährtin wäre, nur noch über die Wahl der Waffe nachdenken lassen. Auf die Frage, warum er mit ihr zusammen bleibt, antwortet er mit einem Klassiker: Wegen der Kinder.
Wir sitzen mit Freunden in der Küche und plaudern. Das Paar ist knapp ein Jahr zusammen und sie ist im sechsten Monat schwanger von ihm. Alles sieht gut aus, doch nachdem sich die Männer mit dem kleinen Noah, der Freundin erstes Kind, ins Wohnzimmer verkrümelt haben, um DVD zu schauen, stellt sich in einem Gespräch unter Frauen schnell heraus, das es alles andere als gut läuft und das die Beziehung zu scheitern droht. Gewalt ist ein Thema, Sprachlosigkeit ist ein weiteres. Mir stellt sich nach längerem Zuhören die Frage, ob und wie diese gravierenden Probleme zu lösen sein sollen, vor allem, wenn erst mal das Kind da ist.
Es ist jetzt bald 17 Jahre her, da haben sich die Wege meines Liebsten und die meinen gekreuzt. 17 Jahre, die nicht immer leicht, die nicht immer schön, die aber immer die unseren waren. Daran hatten wir nur sehr selten einen Zweifel.
Beide von Eltern geprägt, die in der Lage waren, ihre Krisen zu bewältigen und die noch immer zusammen sind - aus weit mehr Gründen als Duldung oder Abhängigkeit – vermitteln diese uns bis heute ein lehrreiches Bild von Liebe, Respekt, Kommunikation und Zugewandtheit. Dadurch schien mir das, was mein Liebster und ich miteinander teilen auch nur normal, wenn nicht in gewisser Weise allgemeingültig.
Bis zum Jahre 2006.
Freitag, Oktober 27, 2006
Seit einem Jahr dabei
Zum einjährigen Bestehen dieser Seite habe ich mich doch einfach mal selbst eingeladen und darf stolz darauf sein, einer der Letzten zu sein, die sich zu leGour in die Küche setzen und ein wenig plaudern durften.Herzlichen Dank dafür, Herr leGour, es war mir ein echtes Vergnügen mit Ihnen zu plaudern, ebenso wie es Spaß gemacht hat, auch den anderen Gesprächen zu lauschen.
Ich hoffe, das Sie uns auf die eine oder andere Art erhalten bleiben.
Alles Gute und lassen Sie trotzdem etwas von sich hören.
Mittwoch, Oktober 25, 2006
Youtube goes Nazitube
Markus Quint hat etwas entdeckt und angeprangert, das uns alle schwer schlucken lassen sollte. Mir hat es zumindest die Sprache verschlagen. Interessant auch die Kommentare, in welchen am Ende die komplexe Diskussion von Meinungsfreiheit, Demokratie und der spezifischen Länderzensur von Internetanbietern eröffnet wurde. Eine kaum zu lösende Frage, selbst für mich persönlich, denn natürlich bin ich für generelle Meinungsfreiheit und gegen Polizeistaat. Trotzdem bin ich auch für einen verantwortlichen Umgang mit den veröffentlichten Inhalten auf einer wie auch immer gearteten Plattform und einer Begrenzung von Gewalt, Volksverhetzung und menschenfeindlichen Äußerungen. Doch wo soll man die Grenzen ziehen?
Spontan würden vermutlich mindestens 90% der Deutschen abschalten, wenn sie entsprechende Lieder hören oder Videos sehen würden, doch was ist, wenn plötzlich die Welt eine andere wäre und das, was ich hier und andere an anderen Stellen vertreten, als schädlich eingestuft und entsprechend begrenzt würde?
Russland ist derzeit eines der besten Beispiele. Ein Staat, der sich Kritikern und Konkurrenten durch ominöse Gerichtsverfahren oder auf noch drastischere Weise entledigt und der dennoch als demokratischer Staat gelten muss, da Putin frei gewählt worden ist. Wie man sich bettet, so liegt man?
Die Gründe für eine solche Wahl sind diffiziler und lassen sich kaum auf nur dieses Thema beschränken. Am Ende zählt auch, ob genug Menschen an die Wahlurne treten und ihre Stimmen abgeben oder ob die Radikalen, weil politisiert, ihren Zettel einwerfen, während eine große Mehrheit, frustriert und perspektivlos zurückgelassen, zu Haus bleibt und schweigt.
In einem der Kommentare wurde angeregt, alle, und zwar wirklich alle, frei sprechen zu lassen und gleichzeitig schon in der Schule entsprechenden Aufklärungsunterricht anzubieten. Würde diese einseitige politische Aufklärung jedoch nicht in gewisser weise der Indoktrination gleichkommen, auch wenn es, zumindest in dem Fall von Rechtsradikalität, der richtigen Sache dient?
Auch bin ich nicht sicher, ob Moral und die Lehren aus der Vergangenheit uns auf Dauer davor schützen würden, einen selbstzerstörerischen Weg zu beschreiten, wenn entsprechende Verbote aufgehoben würden und Inhalte, wie sie auf Youtube zu finden sind, ungehindert verbreitet werden könnten.
Wir Menschen neigen zum Vergessen und zu situationsbedingtem Handeln. Die langfristigen Konsequenzen werden gern übersehen. Das sollten wir, gerade in Zeiten von Frustration und scheinbarem Vakuum in unserem Land, nicht unterschätzen.
Youtube und auch Google als neuer Besitzer hingegen sollten sich generell überlegen, ob sie sich hinter der länderspezifischen Zensur verstecken wollen, oder ob man bereit ist, eine gewisse Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen, deren weite Verbreitung sie erst möglich machen. Ich persönlich hätte ein Gefühl der Fremdbestimmung, wenn sich jemand mein Forum für derart menschenfeindliche Inhalte zunutze machen würde.
Aber auch hier wieder – wo ist die Grenze?
Spontan würden vermutlich mindestens 90% der Deutschen abschalten, wenn sie entsprechende Lieder hören oder Videos sehen würden, doch was ist, wenn plötzlich die Welt eine andere wäre und das, was ich hier und andere an anderen Stellen vertreten, als schädlich eingestuft und entsprechend begrenzt würde?
Russland ist derzeit eines der besten Beispiele. Ein Staat, der sich Kritikern und Konkurrenten durch ominöse Gerichtsverfahren oder auf noch drastischere Weise entledigt und der dennoch als demokratischer Staat gelten muss, da Putin frei gewählt worden ist. Wie man sich bettet, so liegt man?
Die Gründe für eine solche Wahl sind diffiziler und lassen sich kaum auf nur dieses Thema beschränken. Am Ende zählt auch, ob genug Menschen an die Wahlurne treten und ihre Stimmen abgeben oder ob die Radikalen, weil politisiert, ihren Zettel einwerfen, während eine große Mehrheit, frustriert und perspektivlos zurückgelassen, zu Haus bleibt und schweigt.
In einem der Kommentare wurde angeregt, alle, und zwar wirklich alle, frei sprechen zu lassen und gleichzeitig schon in der Schule entsprechenden Aufklärungsunterricht anzubieten. Würde diese einseitige politische Aufklärung jedoch nicht in gewisser weise der Indoktrination gleichkommen, auch wenn es, zumindest in dem Fall von Rechtsradikalität, der richtigen Sache dient?
Auch bin ich nicht sicher, ob Moral und die Lehren aus der Vergangenheit uns auf Dauer davor schützen würden, einen selbstzerstörerischen Weg zu beschreiten, wenn entsprechende Verbote aufgehoben würden und Inhalte, wie sie auf Youtube zu finden sind, ungehindert verbreitet werden könnten.
Wir Menschen neigen zum Vergessen und zu situationsbedingtem Handeln. Die langfristigen Konsequenzen werden gern übersehen. Das sollten wir, gerade in Zeiten von Frustration und scheinbarem Vakuum in unserem Land, nicht unterschätzen.
Youtube und auch Google als neuer Besitzer hingegen sollten sich generell überlegen, ob sie sich hinter der länderspezifischen Zensur verstecken wollen, oder ob man bereit ist, eine gewisse Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen, deren weite Verbreitung sie erst möglich machen. Ich persönlich hätte ein Gefühl der Fremdbestimmung, wenn sich jemand mein Forum für derart menschenfeindliche Inhalte zunutze machen würde.
Aber auch hier wieder – wo ist die Grenze?
Samstag, Oktober 21, 2006
Alle 10 Jahre
Alle 10 Jahre kommt ein Film in die Kinos, der mich mitnimmt - und der mich zurücklässt.In dichten und sich selbst überlassenen Bilder zeigt Ang Lees "Brokeback Mountain", manchmal mit nur einem Wimpernschlag, die ganze Tiefe des Kampfes, aber auch die Nähe der Protagonisten vor einer weiten, rauhen, Naturkulisse, die wie ein Spiegel dieser beiden in sich gefangenen, derben, kargen Männer wirkt. Nie gleitet die Geschichte in den Kitsch ab (im Gegensatz zu mir jetzt gerade), nie wird sie übertrieben dramatisch dargestellt. Im Gegenteil, sie wird mit einer Einfachheit, die auch in der Landschaft und in dem Leben der Menschen dieser Region zu finden ist, erzählt, ohne sie jedoch auch nur einen Moment zu verharmlosen.
Heute kam das ersehnte Paket, dessen Inhalt mich sogleich wieder mitnahm - und am Ende zurückließ.
Donnerstag, Oktober 19, 2006
Hurra, ...

... das Fenster ist da! Und es hat nur unglaubliche acht Monate gedauert! Wenn nun unser kreatives Baugenie auch noch seine Diplomarbeit tatsächlich in den nächsten Tagen beenden sollte, sollte der Benutzung des zukünftigen Bades noch in diesem Jahr nichts mehr im Wege stehen.
Und es sind und waren doch immer nur 7 qm.....
Dienstag, Oktober 10, 2006
Eine Pilgerreise
Tag I
Als man sich auf den Weg ins persönliche Mekka macht, steht die Sonne gerade erst seit einer Stunde über dem Horizont. Der Nebel beginnt sich zu lichten. Die Stimmung ist friedlich, ruhig, entspannt.
Man klärt die Fahrerfrage und es geht los zu den Gesängen von Jens Lekmann. Perfekte Melodien für den Beginn eines sechsstündigen Ritts quer durchs Land. Es wird Gas gegeben, auf dem Beifahrersitz wird sich die Decke ins Gesicht gezogen, das Kissen gerichtet und die Augen geschlossen, um Kraft zu tanken für den eigenen Teil des Strecke. Schwerin saust vorbei, Hamburg gewährt rechter Hand einen kurzen Blick in eine der Herzklappen seines Motors und ist sogleich nur noch ein flüchtiger Gedanke. Die Stunden ziehen vorbei und die treibenden Melodien von Muse lassen das Gefühl für die eigene Geschwindigkeit verlieren, die Geige von Final Fantasy erlaubt einen weiten Blick.
Fahrerwechsel.
Das Wetter spielt nicht mehr mit. Wolken kratzen sich an den Höhen des Harzes die Bäuche auf und lassen alles heraus. Die Bäume, die im rechten Winkel zum steilen Gefälle wachsen, wirken, als ob die Welt hier falsch zusammengesteckt worden wäre.
Nebelverhangene Wälder und einsame Straßen, die sich schmal durch vorrüberfliegende Bilder schlängeln, lassen einen das erste Mal den Zauber dieses Mittelgebirges und seiner alten Legenden verstehen.
Stunde um Stunde schraubt man sich höher, Anstieg und Fall werden steiler. Die neuralgischen Städte verbergen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes.
Man bekommt das Gefühl, das der Körper ins Hirn gedrückt wird.
Endlich, nach sechs Stunden erscheint die Skyline von Frankfurt. Eine falsche Abfahrtnahme führt zu einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt und man ist erstaunt, wie klein die Stadt ist, hatte man doch auf Grund ihrer Bekanntheit und der gegebenen Infrastruktur einen Moloch erwartet.
Die Infrastruktur des Messegeländes scheint eine Herausforderung. Orientierungslos irrt man durch lange Gänge. In den Hallen drängeln sich die Stände der Verlage und ihre Anbeter. Dazwischen immer wieder die Autoren. Man wird unfreiwillig Zeuge, wie ein bekanntes Gesicht mal wieder sein Glück bei den Frauen versucht, wie ein anderes von Kameras flankiert, durch das Meer der Gläubigen schreitet, als würde es allein es teilen können. Auch beim Verweilen kann man beobachten, wie eine Autorin gegen ihren eigenen Rat futtert und wie im Gesicht einer anderen sichtbar wird, wie sehr sie dem Ruhm vergangener Tage hinterher rennt. Auch die Tarnung eines Schauspielers wirkt nur, solang dieser sich nicht durch seine markante Stimme verrät. Einen Politiker kündigt der durchdringende Geruch von Alkohol an, bevor er selbst in der Menge sichtbar wird.
Doch es geht um die Welt zwischen den Deckeln und weniger um die drum herum.
Bisher nicht mit dem Prozedere vertraut, begreift man erst allmählich, das man das Geld heute auch noch auf der Bank hätte liegen lassen können. Verkauft wird, wenn überhaupt, erst am letzten Tag der Messe. Der, zugegeben etwas dummdreiste Versuch, seinen Beitrag zur Statistik des meistgeklauten Buches zu leisten, scheitert kläglich und so nutzt man lieber die Zeit zur entspannten Orientierung. Bald findet sich ein angenehmer Rhythmus von lesen, schlendern, schauen.
Am Ende wird man mit der Menge hinausgespült, schwimmt mit dem Strom und strandet, ohne es zu wollen, am Hauptbahnhof. Dort kämpft man mit einem U-Bahnnetz, das einer Stadt wie Berlin zur Ehre gereichen würde und findet doch am Ende den Weg in ein nettes Restaurant.
Leider muss man feststellen, das Hessen kein schönes Leben zu haben scheinen, denn auch hier verhält man sich, wie man es schon den ganzen Tag beobachten konnte, reserviert gegenüber der von einem initiierten Charmeoffensive.
Tag II
Der Tag der Heimreise beginnt schon früh. Man freut sich, früh genug wach geworden zu sein, um den vollen Mond im Licht der aufgehenden Sonne sehen zu können.
Nach einem Frühstück, flankiert von der halben indischen Fraktion der Buchmesse, stürzt man erneut ins Getümmel. Ausgestattet mit Taschen, einer gefüllten Geldbörse und dem Willen zu suchen und zu finden, trifft man sich noch mit einem Nordlicht, welches das Leben tatsächlich in diese Region verschlagen hat und das, man glaubt es kaum, Messen tatsächlich mag. Die am Tag zuvor entstandene Liste wird abgearbeitet, doch oh je, nicht jeder Verlag beteiligt sich am Buchverkauf.
Die große Enttäuschung steht einem beim Diogenes-Stand ins Gesicht geschrieben, doch eine bereits erprobte Charmeattacke bleibt diesmal nicht unerhört und man darf zumindest ein Exemplar von „Der kleine Nick ist wieder da!“ von Goscinny/Sempé als Ansichtsexemplar mitnehmen.
Auch Luchterhand und Random House sollen an dieser Stelle erwähnt werden - für ein persönliches Leseexemplar „Spiele“ von Ulrike Draesner und den netten Hinweis „Wenn sie es denn bezahlen wollen....“ in Bezug auf Frank McCourts „Tag und Nacht und auch im Sommer“. Das Buch wurde dennoch bezahlt, denn ein großer, bärtiger Mann wollte einen partout nicht aus den Augen lassen und noch eine Peinlichkeit dieser Art wäre schwer zu ertragen gewesen.
Am Spiegel-Stand kann man eine interessante Diskussion zum Thema Islamismus zwischen Hendryk M. Broder und Cem Özdemir verfolgen – etwas für den Kopf, doch leider nicht für die Füße. Die beginnen inzwischen schmerzvoll zu pochen.
Die Zähne werden zusammengebissen, denn wer weiß wann man wieder die Gelegenheit hat, solch eine Pilgerreise anzutreten - auf diese hat man schon fünf Jahre warten müssen – also, weiter geht’s.
Nach Halle 4.1 wird jedoch endgültig schlapp gemacht. Der Informationsoverkill ist eingetreten und so setzt man sich in den Hof, isst etwas und redet noch fast zwei Stunden.
Am Ende stellt man fest, in diesem Chaos ist ein Plan von Vorteil, denn es dürften einem sehr viele interessante Veranstaltungen entgangen sein, für die man doch eigentlich zu dieser Messe angereist ist.
Im Licht der tiefstehenden Sonne macht man sich auf den steinigen Heimweg - wie so viele. Der Mond leuchtet einem den Weg. Silhouetten der Wälder zeichnen sich gegen den Himmel ab, Bilder spielen sich innen ab.
Es wird tief durchgeatmet. Frankfurt tut dies auch, ich bin sicher, und nächstes Jahr kriegen wir euch Hessen auch noch! Wetten das?...:-)
Als man sich auf den Weg ins persönliche Mekka macht, steht die Sonne gerade erst seit einer Stunde über dem Horizont. Der Nebel beginnt sich zu lichten. Die Stimmung ist friedlich, ruhig, entspannt.
Man klärt die Fahrerfrage und es geht los zu den Gesängen von Jens Lekmann. Perfekte Melodien für den Beginn eines sechsstündigen Ritts quer durchs Land. Es wird Gas gegeben, auf dem Beifahrersitz wird sich die Decke ins Gesicht gezogen, das Kissen gerichtet und die Augen geschlossen, um Kraft zu tanken für den eigenen Teil des Strecke. Schwerin saust vorbei, Hamburg gewährt rechter Hand einen kurzen Blick in eine der Herzklappen seines Motors und ist sogleich nur noch ein flüchtiger Gedanke. Die Stunden ziehen vorbei und die treibenden Melodien von Muse lassen das Gefühl für die eigene Geschwindigkeit verlieren, die Geige von Final Fantasy erlaubt einen weiten Blick.
Fahrerwechsel.
Das Wetter spielt nicht mehr mit. Wolken kratzen sich an den Höhen des Harzes die Bäuche auf und lassen alles heraus. Die Bäume, die im rechten Winkel zum steilen Gefälle wachsen, wirken, als ob die Welt hier falsch zusammengesteckt worden wäre.
Nebelverhangene Wälder und einsame Straßen, die sich schmal durch vorrüberfliegende Bilder schlängeln, lassen einen das erste Mal den Zauber dieses Mittelgebirges und seiner alten Legenden verstehen.
Stunde um Stunde schraubt man sich höher, Anstieg und Fall werden steiler. Die neuralgischen Städte verbergen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes.
Man bekommt das Gefühl, das der Körper ins Hirn gedrückt wird.
Endlich, nach sechs Stunden erscheint die Skyline von Frankfurt. Eine falsche Abfahrtnahme führt zu einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt und man ist erstaunt, wie klein die Stadt ist, hatte man doch auf Grund ihrer Bekanntheit und der gegebenen Infrastruktur einen Moloch erwartet.
Die Infrastruktur des Messegeländes scheint eine Herausforderung. Orientierungslos irrt man durch lange Gänge. In den Hallen drängeln sich die Stände der Verlage und ihre Anbeter. Dazwischen immer wieder die Autoren. Man wird unfreiwillig Zeuge, wie ein bekanntes Gesicht mal wieder sein Glück bei den Frauen versucht, wie ein anderes von Kameras flankiert, durch das Meer der Gläubigen schreitet, als würde es allein es teilen können. Auch beim Verweilen kann man beobachten, wie eine Autorin gegen ihren eigenen Rat futtert und wie im Gesicht einer anderen sichtbar wird, wie sehr sie dem Ruhm vergangener Tage hinterher rennt. Auch die Tarnung eines Schauspielers wirkt nur, solang dieser sich nicht durch seine markante Stimme verrät. Einen Politiker kündigt der durchdringende Geruch von Alkohol an, bevor er selbst in der Menge sichtbar wird.
Doch es geht um die Welt zwischen den Deckeln und weniger um die drum herum.
Bisher nicht mit dem Prozedere vertraut, begreift man erst allmählich, das man das Geld heute auch noch auf der Bank hätte liegen lassen können. Verkauft wird, wenn überhaupt, erst am letzten Tag der Messe. Der, zugegeben etwas dummdreiste Versuch, seinen Beitrag zur Statistik des meistgeklauten Buches zu leisten, scheitert kläglich und so nutzt man lieber die Zeit zur entspannten Orientierung. Bald findet sich ein angenehmer Rhythmus von lesen, schlendern, schauen.
Am Ende wird man mit der Menge hinausgespült, schwimmt mit dem Strom und strandet, ohne es zu wollen, am Hauptbahnhof. Dort kämpft man mit einem U-Bahnnetz, das einer Stadt wie Berlin zur Ehre gereichen würde und findet doch am Ende den Weg in ein nettes Restaurant.
Leider muss man feststellen, das Hessen kein schönes Leben zu haben scheinen, denn auch hier verhält man sich, wie man es schon den ganzen Tag beobachten konnte, reserviert gegenüber der von einem initiierten Charmeoffensive.
Tag II
Der Tag der Heimreise beginnt schon früh. Man freut sich, früh genug wach geworden zu sein, um den vollen Mond im Licht der aufgehenden Sonne sehen zu können.
Nach einem Frühstück, flankiert von der halben indischen Fraktion der Buchmesse, stürzt man erneut ins Getümmel. Ausgestattet mit Taschen, einer gefüllten Geldbörse und dem Willen zu suchen und zu finden, trifft man sich noch mit einem Nordlicht, welches das Leben tatsächlich in diese Region verschlagen hat und das, man glaubt es kaum, Messen tatsächlich mag. Die am Tag zuvor entstandene Liste wird abgearbeitet, doch oh je, nicht jeder Verlag beteiligt sich am Buchverkauf.
Die große Enttäuschung steht einem beim Diogenes-Stand ins Gesicht geschrieben, doch eine bereits erprobte Charmeattacke bleibt diesmal nicht unerhört und man darf zumindest ein Exemplar von „Der kleine Nick ist wieder da!“ von Goscinny/Sempé als Ansichtsexemplar mitnehmen.
Auch Luchterhand und Random House sollen an dieser Stelle erwähnt werden - für ein persönliches Leseexemplar „Spiele“ von Ulrike Draesner und den netten Hinweis „Wenn sie es denn bezahlen wollen....“ in Bezug auf Frank McCourts „Tag und Nacht und auch im Sommer“. Das Buch wurde dennoch bezahlt, denn ein großer, bärtiger Mann wollte einen partout nicht aus den Augen lassen und noch eine Peinlichkeit dieser Art wäre schwer zu ertragen gewesen.
Am Spiegel-Stand kann man eine interessante Diskussion zum Thema Islamismus zwischen Hendryk M. Broder und Cem Özdemir verfolgen – etwas für den Kopf, doch leider nicht für die Füße. Die beginnen inzwischen schmerzvoll zu pochen.
Die Zähne werden zusammengebissen, denn wer weiß wann man wieder die Gelegenheit hat, solch eine Pilgerreise anzutreten - auf diese hat man schon fünf Jahre warten müssen – also, weiter geht’s.
Nach Halle 4.1 wird jedoch endgültig schlapp gemacht. Der Informationsoverkill ist eingetreten und so setzt man sich in den Hof, isst etwas und redet noch fast zwei Stunden.
Am Ende stellt man fest, in diesem Chaos ist ein Plan von Vorteil, denn es dürften einem sehr viele interessante Veranstaltungen entgangen sein, für die man doch eigentlich zu dieser Messe angereist ist.
Im Licht der tiefstehenden Sonne macht man sich auf den steinigen Heimweg - wie so viele. Der Mond leuchtet einem den Weg. Silhouetten der Wälder zeichnen sich gegen den Himmel ab, Bilder spielen sich innen ab.
Es wird tief durchgeatmet. Frankfurt tut dies auch, ich bin sicher, und nächstes Jahr kriegen wir euch Hessen auch noch! Wetten das?...:-)
Donnerstag, Oktober 05, 2006
Zwischenraum
Manchmal fragte sie sich, warum sie sich nicht dafür bezahlen ließ.
Sie lag, noch immer nackt, auf dem Sofa und hielt ihre Augen geschlossen. Ihre üppigen Brüste wurden von der Schwerkraft in ihre Achselhöhlen gezogen, ihr Bauch wölbte sich wie der gekrümmte Rücken eines Wales, der die Wasseroberfläche zum Luftholen durchbrach. Ihre schweren Beine hatte sie über die Rückenlehne gelegt, so dass ein leichter Luftzug ihre noch feuchte Scham streifen konnte.
Sie hörte, wie Hengst27 den Reißverschluss seiner Hose hochzog und die Jacke vom Sessel nahm.
„Okay, ich geh dann mal.“
Sie hob nur leicht die Hand und entließ ihn mit einem zustimmenden Laut. Für ein Wort reichte es nicht.
Er druckste noch einen Moment herum, dann: „Nichts für ungut. Man sieht sich!“
Die Tür fiel ins Schloss.
Leena wurde wieder unsichtbar. Sie öffnete die Augen. Ihre Welt breitete sich vor ihr aus, noch befremdet durch den zurückgelassenen Duft, doch es war wieder die ihre. Das kräftige Rot ihrer Wände, die um die Anlage verstreuten Plattenstapel, die auf kleinen Beistelltischen stehenden Pflanzen, die bunten Kissen, die auf den Sesseln lagen, die überall herumliegenden Bücher, die rätselhaften Bilder von sterbenden Tieren an den Wänden.
Sie brauchte nur noch ein Fenster zu öffnen und er würde entlassen sein, würde sich zu den anderen Unsichtbaren gesellen, die in ihrem Adressbuch nur als Beweis ihrer eigenen Sichtbarkeit konserviert wurden. Wiedersehen würde sie ihn nicht, genauso wie sie all die anderen nie wiedergesehen hat.
Sie sperrte sie, sobald sie das Haus verlassen hatten.
Sie wollte es so. Sollte sie je lieben, sollte es nicht auf diese Weise angefangen haben.
David hatte einmal gesagt, sie hätte eine alte Seele.
Sie hatte sich in dem Moment noch nackter gefühlt, als sie eh schon war. Er hatte vor ihr gesessen, sein Geschlecht zwischen ihnen. Er hatte sie an den Händen gehalten und sie nur angesehen.
Schon als sie ihm damals die Tür geöffnet hatte, ahnte sie, dass dieses Treffen anders verlaufen würde.
Kurz wollte sie ihrem Instinkt folgen und die Tür schließen – ohne ihn hereingelassen zu haben. Ihre anerzogene Höflichkeit, aber auch ihre Lust hinderten sie daran.
Und nun saß sie da, fiel in seine Augen und hätte weinen mögen, weil sie wusste, dass er der Eine hätte sein können. Das sich alles auf eine bestimmte Weise richtig anfühlte – authentisch.
Es war gar nicht sosehr was er sagte. Vielmehr war es die Art, wie er sie berührte - wie er sie ansah. Er hatte vor ihr gesessen und ihr einen Blick gestattet – in sein Herz, in seine Seele - einfach so, ohne Ansprüche zu stellen, ohne etwas zu verlangen. Sie schien für ihn in diesem Moment die Zeit zu sein. Und doch, sie hatte ihre Regeln. Sie wollte nicht so beginnen, sie wollte nicht in die Falle tappen. Wollte nicht diese Momente mit Gefühl verwechseln und eine von jenen erbärmlichen Frauen sein, die nicht wussten, wann man aufhören muss.
Als er hatte gehen müssen, tat sie so als schliefe sie. Am Ende hatte sie ihn ausgeschlossen, wie sie all die anderen ausschloss.
Sie stand auf, ging hinüber zu einem der Fenster und schaute hinaus. Die einfallende Sonne wärmte ihre Haut. Sie strich sich über ihre ausladenden Hüften, spürte den weichen Konturen ihres Körpers nach. Hengst27 verließ sie, lief an ihren Beinen hinunter, verging.
Sie öffnete das Fenster, zog sich etwas über und setzte sich an ihren Arbeitstisch.
Schon als sie ihm die Tür geöffnet hatte, hatte sie gewusst, was er sein würde. Sie begann das vor ihr liegende Holzbrett zu grundieren und während sie im Geist immer und immer wieder den Berührungen, den Bewegungen und den Säften nachging, ihm noch einmal gestattete, von ihr Besitz zu ergreifen, mischte sie Farben, trug Schicht um Schicht auf, ließ ihn Gestalt werden, ließ sich selbst Gestalt werden.
Am Ende stellte sie den letzten Pinsel in das Wasserglas, griff nach dem Laptop, öffnete ihn.
Sie prüfte ihre Emails – offensichtlich hatte Hengst27 doch noch etwas zu sagen. Sie löschte die Mail – ungelesen, verweigerte ihm weiteren Zugang zu ihr und klappte den Laptop wieder zu.
Vor ihr auf dem Tisch lag das fertige Bild.
Ein Fisch ist es geworden, am Strand liegend, die Wellen lecken noch an seinem Schwanz, seine Kiemen sind weit geöffnet, das Maul schnappt nach Luft. Das Schillern seiner Schuppen scheint schon zu vergehen.
Von David hatte sie kein Bild gemalt. Ihn hatte sie nicht sterben sehen können.
Sie lag, noch immer nackt, auf dem Sofa und hielt ihre Augen geschlossen. Ihre üppigen Brüste wurden von der Schwerkraft in ihre Achselhöhlen gezogen, ihr Bauch wölbte sich wie der gekrümmte Rücken eines Wales, der die Wasseroberfläche zum Luftholen durchbrach. Ihre schweren Beine hatte sie über die Rückenlehne gelegt, so dass ein leichter Luftzug ihre noch feuchte Scham streifen konnte.
Sie hörte, wie Hengst27 den Reißverschluss seiner Hose hochzog und die Jacke vom Sessel nahm.
„Okay, ich geh dann mal.“
Sie hob nur leicht die Hand und entließ ihn mit einem zustimmenden Laut. Für ein Wort reichte es nicht.
Er druckste noch einen Moment herum, dann: „Nichts für ungut. Man sieht sich!“
Die Tür fiel ins Schloss.
Leena wurde wieder unsichtbar. Sie öffnete die Augen. Ihre Welt breitete sich vor ihr aus, noch befremdet durch den zurückgelassenen Duft, doch es war wieder die ihre. Das kräftige Rot ihrer Wände, die um die Anlage verstreuten Plattenstapel, die auf kleinen Beistelltischen stehenden Pflanzen, die bunten Kissen, die auf den Sesseln lagen, die überall herumliegenden Bücher, die rätselhaften Bilder von sterbenden Tieren an den Wänden.
Sie brauchte nur noch ein Fenster zu öffnen und er würde entlassen sein, würde sich zu den anderen Unsichtbaren gesellen, die in ihrem Adressbuch nur als Beweis ihrer eigenen Sichtbarkeit konserviert wurden. Wiedersehen würde sie ihn nicht, genauso wie sie all die anderen nie wiedergesehen hat.
Sie sperrte sie, sobald sie das Haus verlassen hatten.
Sie wollte es so. Sollte sie je lieben, sollte es nicht auf diese Weise angefangen haben.
David hatte einmal gesagt, sie hätte eine alte Seele.
Sie hatte sich in dem Moment noch nackter gefühlt, als sie eh schon war. Er hatte vor ihr gesessen, sein Geschlecht zwischen ihnen. Er hatte sie an den Händen gehalten und sie nur angesehen.
Schon als sie ihm damals die Tür geöffnet hatte, ahnte sie, dass dieses Treffen anders verlaufen würde.
Kurz wollte sie ihrem Instinkt folgen und die Tür schließen – ohne ihn hereingelassen zu haben. Ihre anerzogene Höflichkeit, aber auch ihre Lust hinderten sie daran.
Und nun saß sie da, fiel in seine Augen und hätte weinen mögen, weil sie wusste, dass er der Eine hätte sein können. Das sich alles auf eine bestimmte Weise richtig anfühlte – authentisch.
Es war gar nicht sosehr was er sagte. Vielmehr war es die Art, wie er sie berührte - wie er sie ansah. Er hatte vor ihr gesessen und ihr einen Blick gestattet – in sein Herz, in seine Seele - einfach so, ohne Ansprüche zu stellen, ohne etwas zu verlangen. Sie schien für ihn in diesem Moment die Zeit zu sein. Und doch, sie hatte ihre Regeln. Sie wollte nicht so beginnen, sie wollte nicht in die Falle tappen. Wollte nicht diese Momente mit Gefühl verwechseln und eine von jenen erbärmlichen Frauen sein, die nicht wussten, wann man aufhören muss.
Als er hatte gehen müssen, tat sie so als schliefe sie. Am Ende hatte sie ihn ausgeschlossen, wie sie all die anderen ausschloss.
Sie stand auf, ging hinüber zu einem der Fenster und schaute hinaus. Die einfallende Sonne wärmte ihre Haut. Sie strich sich über ihre ausladenden Hüften, spürte den weichen Konturen ihres Körpers nach. Hengst27 verließ sie, lief an ihren Beinen hinunter, verging.
Sie öffnete das Fenster, zog sich etwas über und setzte sich an ihren Arbeitstisch.
Schon als sie ihm die Tür geöffnet hatte, hatte sie gewusst, was er sein würde. Sie begann das vor ihr liegende Holzbrett zu grundieren und während sie im Geist immer und immer wieder den Berührungen, den Bewegungen und den Säften nachging, ihm noch einmal gestattete, von ihr Besitz zu ergreifen, mischte sie Farben, trug Schicht um Schicht auf, ließ ihn Gestalt werden, ließ sich selbst Gestalt werden.
Am Ende stellte sie den letzten Pinsel in das Wasserglas, griff nach dem Laptop, öffnete ihn.
Sie prüfte ihre Emails – offensichtlich hatte Hengst27 doch noch etwas zu sagen. Sie löschte die Mail – ungelesen, verweigerte ihm weiteren Zugang zu ihr und klappte den Laptop wieder zu.
Vor ihr auf dem Tisch lag das fertige Bild.
Ein Fisch ist es geworden, am Strand liegend, die Wellen lecken noch an seinem Schwanz, seine Kiemen sind weit geöffnet, das Maul schnappt nach Luft. Das Schillern seiner Schuppen scheint schon zu vergehen.
Von David hatte sie kein Bild gemalt. Ihn hatte sie nicht sterben sehen können.
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Hirnschmalz,
Passt in keine Schublade
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