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Montag, Februar 12, 2007

In Schwerin geht doch was.

Wer etwas werden will, verlässt die Stadt mit zwanzig
schaut nur zu Weihnachten am Ziegenmarkt vorbei
wer hier hängen bleibt wird vor der Zeit schon ranzig
und in der Straßenbahn riechts früh nach Arzenei

Als ich erfuhr, dass sich die Schweriner Lesecrew „Schmalz & Marmelade“ an diesem Sonntag dem Thema Musik widmen würde, gab es keine Diskussion für mich. An diesem Tag würde ich meine, derzeit so lieb gewordene, Höhle für ein paar Stunden verlassen. Musik trifft auf Literatur –zwei Leidenschaften werden auf einmal bedient – geht es denn noch besser?

Ach! Das Städtchen duftet nach Wasser und Wald
nach Schilf und im Juni nach Flieder
Das Blau überm Dom sieht dann aus wie gemalt
mit Tupfern aus Möwengefieder

Der Speicher war voll, alle Stühle besetzt, auf der Treppe ist kein durchkommen mehr, als das Licht ausgeht. Ein Stummfilm, musikalisch begleitet von zwei Improvisationsmusikern der Ataraxia, lässt uns teilhaben an dem steinigen Weg dreier „Amateure“ auf der Suche nach einer Bühne in Schwerin. Singenderweise scheitern sie an Pförtnern, Kassiererinnen, der Theaterpädagogik, am Marketing, sogar an den Kantineros – die Reaktionen reichen von freundlich herablassend über totale Ignoranz bis zum verärgerten Rausschmiss – natürlich vom Marketing.
Keiner will ihnen zuhören, keiner will sie haben. Bis sie vor der Tür des Speichers stehen – und in diesem Moment hören wir tatsächlich die Eingangstür des Speichers zufallen und die drei „Amateure“ betreten den Saal, klettern auf die Bühne und nun endlich dürfen auch wir hören, mit welchem Lied die drei sich bisher nicht durchsetzen konnten.

Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende Streberin
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste,schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin

Jules, Thom und Ivalo, verstärkt von den Musikern Oli Schneider, Tino Bittner alias Metapher und Carsten (!) Stotco plaudern über Musik und geben erste Texte zum Besten. Jules lässt uns an ihrem ganz persönlichen Potpourri Stimmungsmachender Musik teilhaben – in Text und Ton. Wir hatten viel zu lachen, als sie zu hardrockenden Klängen versucht, ein böses Gesicht zu ziehen und zu „Dein ist mein ganzes Herz“ in totale Verzückung gerät, stellvertretend für alle – wie sie anhand des Songs versucht, zu beweisen.

Schwerin ist gestern nur und morgen ist woanders
Schwerin ist süß wie eine alte Ananas
Schwerin ist Häschenschule, Alterssitz und kann
das Ende sein für den, der den Absprung verpasst.

Nach einer Pause, in der Brötchen gekauft und mit dem bereitgestellten Schmalz bestrichen worden sind, geht es weiter mit Texten und Musik. Musiker Oli Schneider, der natürlich viel jünger als die angegebenen 65 aussieht, liest aus seiner „Biografie“ und weiß zu berichten von ersten Songs, furzend dargeboten im Kinderwagen, seinem Aufnahmestudio, dass er sich bereits in der ersten Klasse eingerichtet hatte und wie er damit die Astrid aus der Neunten tief beeindruckte. Auch die zuletzt verdiente Million sollte nicht unerwähnt bleiben. Die war Diether Bohlen bereit zu zahlen, nachdem Oli Schneider ihm aus dem Stehgreif eine Melodie aus Kinderwagenzeiten – na, was wohl – gefurzt hatte.

Doch Schwerin ist auch die Stadt der braven Leute
man kann sicher sein: die Guten finden sich
ist der Schweriner auch des Zweifels fette Beute
so schlecht wie er denkt ist die Stadt lange nicht

In welcher Reihenfolge es weiter ging, wer vor und nach der zweiten Pause kam - ich gestehe, mein Erinnerungsvermögen lässt mich an dieser Stelle im Stich. Und so kann ich nur erzählen, dass Jules uns auf eine Reise nach London mitnahm, auf der sie doch so gern den Free Jazz lieben lernen wollte und es ihr dabei so gar nicht gelang, so cool zu sein, wie die Frau im Tigertop.
Das mich Carsten Stotco mit seiner Musik zu einer Kaufentscheidung zwang, die sich Thom an anderer Stelle lieber verkniff. Das Ivalo uns mit „Hilf dir selbst mit Musik“ einen guten Rat mit auf den Weg gab, der jedoch offensichtlich nicht ganz frei von Tücken ist und das das Duo aus Oli Schneider und Metapher mit seiner Mischung aus Gesang, Sprechgesang, Akustikgitarre und Beatboxing dem Speicher noch mal richtig eingeheizt hat.

Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende Streberin
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste, schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin

Und wer durch die eingeschobenen Zitate neugierig geworden ist, kann sich den Song, es handelt sich nämlich um einen Song, geschrieben von Thom und ich vermute mal komponiert von Carsten Stotco, in fast kompletter Länge hier anhören und ansehen.
Treffender wurde in meinen Augen und Ohren diese Stadt, der ich vor bald vier Jahren auf den Leim gegangen bin, bisher nicht beschrieben.

Und was das über mich aussagt…. Das lassen wir jetzt einfach mal.

Montag, September 18, 2006

Weekender

Freitag

Es ist natürlich der eine Tag einer ansonsten ruhigen, sonnigen Woche, an welchem Wind gesät wird, um Sturm zu ernten – und um nach Geschenk auf dem Dachgepäckträger zu greifen. Taktisch erfahrene Männer wissen dieses jedoch zu verhindern.
Auf der Suche nach einem Parkplatz durch Ottensens undurchschaubares Gassengewirr kreuzend, erinnert man sich wieder, warum man froh ist, nicht mehr in Hamburg zu leben. Nette Gegend, aber am Freitag geht es dort zu wie auf dem Jahrmarkt.
Die Tür der Wohnung wird geöffnet und das Geschehen spült einen in die Küche – wo auch sonst hin? Ist es erst eine Notwendigkeit, um Raucher vor einem Baby zu schützen, bleiben diese bis zum Schluss gern unter sich, auch wenn das Büffet nach einiger Zeit an Ansehnlichkeit verliert und der Getränkekonsum immer wieder seinen Tribut fordert, indem sich Kühlschrankgriffabdrücke auf des Einzelnen Rücken manifestieren.
Am Ende sind die gemeinsam gekommenen vier - wie immer - das Letzte. Alkohol ist der Freund der Stunde und die Freunde alkoholisiert. Muster machen sich breit und es wird deutlich, das es Zeit ist, zu gehen. Fahren können nur noch Auserwählte, die sich die Frage stellen, wer sie überhaupt auserwählt hat.

Samstag

Katerfrühstück - zumindest für ein bis zwei der Vier. Für die anderen beiden ist es einfach nur ein Frühstück. Dem Einen bleibt kaum eine Stunde zur Rekonvaleszenz, dann muss er schon wieder ran. 18 Stunden Arbeit stehen bevor, doch das Mitleid hält sich allgemein in Grenzen, denn man weiß doch inzwischen, was man tut.
Ein Zweiter verabschiedet sich in Richtung Verwandtschaft und die übriggebliebenen fahren durch Hamburg, um Probleme zu lösen, die nur die Infrastruktur einer Großstadt lösen kann. Es werden lange Fahrten, die an alte Wirkungsstätten führen und von Sonne bestrahlt fast Wehmut aufkommen lassen. Erinnerungen an lange Herbstspaziergänge im Stadtpark bei strahlendem Licht und vor Kälte klirrender Luft offenbaren sich, Bilder von Terrassen netter Cafes und Bars ziehen innen wie außen vorbei – Orte, an welchen man Stunden im Kreise der Besten verbracht hat, lachend, ausgelassen im Gefühl das Einzige zu sein, was zählt in diesem Moment, in dieser Stadt.
Ein dicker Zeh des Fahrers verhindert jedoch eine Revivaltour und am Ende landet man mit vielgeliebten und lang vermisstem Sushi auf der Couch und vor dem Fernseher. Schnell offenbart sich jedoch, das der Samstagabend im Sinne eines Fernsehabends getötet wurde. Man erahnt einen perfiden Plan von Programmdirektoren und GEZ-Einsammlern, der Zuschauer dazu bringen soll, auf DVD auszuweichen oder etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit anzustellen statt dummen, bewegten Bildern beim Laufen zuzuschauen. Der Plan wirkt kontraproduktiv und wenig durchdacht.
Schön hatte man es trotzdem oder genau deswegen?

Sonntag

Um 8.00h sind die 18 Stunden des Rekonvaleszenten vorbei und tatsächlich dringt aus der Muschel des Telefons eine von Müdigkeit raue Stimme, die nichts dagegen einzuwenden hat, das man sofort diese Stadt verlässt, um im eigenen Bett zu schlafen. Die Müdigkeit ist so total, das eine probende Band nicht vom Schlafen wird abhalten können. Sachen werden gepackt, der Hund auf eine kleine Runde geführt, ein Bäcker aufgesucht und schon fliegt man in Richtung Osten, der Sonne entgegen.
Die Strassen sind um halb zehn erstaunlich voll, voll von Menschen mit kleinen Augen und aufgerissenen Mündern – fast so, als ob sperrige Stadtluft nur so konsumiert werden könnte.
Auch auf der Autobahn wird es trotz fehlender LKWs nicht weniger. Man ahnt, das die Städter sich der Halluzination ergeben, Pilze zu finden. Man weiß natürlich, das diese Drogen schon abgeerntet sind.
Ein Lächeln huscht in Höhe des Schildes „Willkommen in Mecklenburg-Vorpommern“ über das Gesicht der Fahrerin. Angekommen, wird durch ein zugeparktes Haus daran erinnert, das man heute die Wahl hat. Im Haus irritierte Gesichter und Sätze wie: „Ihr seid schon da?“, in welchen Enttäuschung mitschwingt. Bei einem gemeinsamen Frühstück werden Sorgen zerstreut. Es kann weitergeprobt werden.
Um sechs ist das Haus wie leergefegt und nur noch ein paar übriggebliebene Zahnbürsten im Bad erinnern an die Belagerung.
Der Fernseher wird angeschaltet. Bei einem der GEZ-Vereine prognostiziert die erste Prognose den Einzug der NPD in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns. Der Osten vom Osten hat Stellung bezogen - ist in Stellung gegangen - doch schon im Interview wird von der NPD angekündigt, das man als Opposition alle Fehler der bis dahin noch nicht klaren Regierung aufzeigen will.
Das braucht dieses Land, noch mehr Sprücheklopfer in den Reihen dieses so stoischen, schweigsamen Volkes, das zu keiner Revolution taugt.

Man hatte die Wahl und ist dennoch daheim! Das Herz schlägt nordöstlich.

Donnerstag, Juli 20, 2006

Ich würd ja gern, ...

Kinners, ich würd ja gern, aber es ist einfach zu heiß.

Gern würde ich erzählen von Überlandfahrten Richtung Hamburg und darüber hinaus, als ich zwei Tage und eine Nacht in einem stinkenden, lauten Moloch zubrachte und am Tag meiner Heimkehr das Gefühl hatte, an jedem meiner Körperhaare klebte ein Haus, ein Mensch, eine Straße, eine Bahn, ein Flugzeug, eine Werbung, ein Leben – nur nicht meines. Das hatte sich verflüssigt und davon gemacht.

Oder ich würde von Berlin erzählen, einen anderen Moloch, den ich lediglich für einige Stunden aufsuchen musste und den ich nicht mehr aus dem Ohr bekam. Dessen Geräusche mich verfolgten als wollte sich etwas anderes dahinter verstecken. Vielleicht die Scham, die diese Stadt empfinden sollte, so ungeniert, wie sie mich angestarrt hat?

Gern würde ich erzählen von meiner ganz eigenen Geschichte mit dem großen, schwedischen Möbelhaus, dessen Katalog die Bibel einer ganzen Generation geworden ist, nämlich meiner und zu dessen Ruhm ich nie mit entsprechenden Anekdoten á la „als ich meinen Schrank zusammenbauen musste“ beitragen wollte.
Es ging auch nicht sosehr um den Zusammenbau eines Schranks, mehr um den Abtransport dessen und der Tatsache, das ich gelernt habe, das es wenig Sinn hat, das untere Ende der firmeninternen Nahrungskette runterzuputzen. Ist ja nicht ihre Schuld, das unsichtbare Menschen auf der anderen Seite eines Telefonhörers minütlich ihre Meinung wechseln und in einem Moment entscheiden, das man im Liefergebiet und im nächsten Moment 4 km (!) zu weit östlich lebt.

Ich würde erzählen, das ich vor einigen Tagen meine erste komplett frei erfundene Geschichte fertiggestellt habe und wie glücklich es mich gemacht hat, einmal tatsächlich meinen Realitätssinn ausgetrickst zu haben – auch wenn die Geschichte gerade mal die Länge einer etwas längeren Minutennovelle hat. Hatte ich doch bisher geglaubt, nicht über mein Leben hinauszukommen. War dat ne Freude.

Ja ja, ihr Lieben, das alles und vieles mehr würde ich erzählen, aber ihr wisst es so gut wie ich - es ist einfach zu heiß.

Da sich in nächster Zeit einige hitzeflüchtige Städter bei mir einquartieren, werde ich mich an dieser Stelle in meinen Mantel des Schweigens zurückziehen und vermutlich erst wieder in ein bis zwei Wochen auftauchen.
Aber in der derzeitigen allgemeinen Urlaubs- und Reiselust fällt das sicher nicht auf.
Ob ich den Städtern erzählen sollte, dass das Wasser des Sees nicht mehr so lecker aussieht und riecht?

Sonntag, Juli 02, 2006

Kennt jemand dieses Zeichen oder weiß, was das heißen soll?

Ich gebe es zu, ich bin naiv. Man kann mich, man kann uns, denn unter anderem eint das meinen Liebsten und mich, ziemlich leicht bestehlen, betrügen oder was auch immer. Ein gewisses Misstrauen wohnt mir nur im Angesicht des "Feindes" inne, jedoch kann ich ohne konkretes Gesicht schwerlich böse Gedanken in Hinblick auf ein "Was-Wäre-Wenn-Szenario" entwickeln.
Entsprechend lasse ich auch ein Fenster auf kipp, wenn ich das Haus verlasse, schließe nachts nicht meine Tür ab und bin relativ entspannt, was die Vergabe meines Schlüssels angeht. Auch empfand ich die Debatten, die gerade in Hamburg immer wieder in Wahlkampfzeiten zum Thema innere Sicherheit geführt worden sind, mehr als unnötig und übertrieben. Diese Art von Angstmache hinterließ bei mir immer den Eindruck, das dadurch die Situation noch forciert würde. Für viele vermutlich nur eine Frage der Zeit, das wir eines Besseren belehrt werden würden.

Ihr Lieben, jetzt wurden wir es.

Noch vor ein paar Tagen in Hamburg gewesen, überlegten wir, während wir unsere Taschen packten, ob wir ein Fenster von unserem Zimmer im Atelier auf kipp lassen wollten. Wir wollten, denn die Wetterlage schien stabil und dann würden wir nächstes Mal nicht in dem ewigen Pigmentgeruch schlafen. Was sollte man hier schon klauen – in einem Atelier?! Ist ja nicht so, das mein Liebster oder die Mädels in New York für mindestens 30.000 Dollar pro Bild ausstellen würden.
Das scheint den oben gezeigten Schmierfinken nicht davon abgehalten zu haben, es trotzdem zu versuchen. Am Samstag kam mein Liebster nach einem anstrengenden Arbeitstag ins Atelier, um für eine Nacht unter die Hamburger Decke zu kriechen, da findet er einen hellerleuchteten Flur und Keller vor, ein sperrangelweit geöffnetes Badezimmerfenster und die Tür zu unserem Zimmer bekam er nur mit größter Mühe auf.
Was war passiert? Offensichtlich hatten ein paar ganz pfiffige Jungs (kann natürlich auch nur einer und kann natürlich auch ein oder mehrere Mädchen gewesen sein) sich gedacht, da ist was zu holen und das gekippte Fenster ausgenutzt. Aber so leicht werden sie es nicht gehabt haben und das macht mir schon wieder Spaß. Ein wirklich schwerer Betonkopf steht vor dem großen nicht gekippten Fenster. Sie werden eine schöne Mühe gehabt haben, den zur Seite zu schieben, um das Fenster überhaupt öffnen zu können.
Jetzt waren sie in unserem Zimmer, aber was kann man da groß stehlen. Einen 10 Jahre alten Fernseher, einen Zimmerantennenreceiver, eine (zugegebenermaßen tolle) Mikroanlage von Technics und eine Kleinbildkamera aus dem Jahre Neunzehnhundertirgendwas - und das war schon der wertvolle Teil des Ateliers.
Das konnte nicht alles sein. Dafür haben sie nicht all die Mühen auf sich genommen. Also weitersuchen, aber nanu – was war das? Die Tür ist abgeschlossen. Mist, und jetzt? Sie schauen sich an und ihr Blick wandert herüber zu der Wand mit dem ausgeschnittenen Guckloch in den Ladenraum. Da passen wir doch durch, ganz klar! (Zur Information, das Loch misst ca. 60cm x 20cm und der Höhenunterschied zwischen den beiden Räumen beträgt drei Treppenstufen) Finger- und ganze Handabdrücke beweisen, das sie trotzdem diesen Weg wählten. Pikant nur, das der Weg fast eine Einbahnstraße darstellt und so schon jetzt die Entscheidung getroffen werden musste, was mitzunehmen sei, wohlgemerkt unter dem Gesichtspunkt, das es durch das Loch passen musste. Das disqualifizierte so manches und so schreibe ich es der daraus resultierenden Wut zu, das dieser schwere, schwere Betonkopf extra noch vor die verschlossene Tür geschleppt wurde, um diese zu verrammeln. Am Ende haben sie natürlich nichts weiter gefunden und sich mit meiner (zugegebenermaßen tollen) Mikroanlage, allerdings ohne Boxen, durchs Badezimmerfenster davongemacht. Vorher mussten sie aber, und das nehme ich ihnen wirklich übel, unbedingt noch eines der Bilder von den Mädels mit ihrem Tack (oder wie immer das heißt und wie auch immer das geschrieben wird) versehen. Wohlgemerkt mit Marker, damit man das auch nicht mal eben so übermalen kann, denn Markertinte kommt, soweit ich das weiß, bei Acrylfarbe immer wieder durch.
Nun wende ich mich an euch alle, mit der Bitte um Aufklärung: Kennt jemand dieses Zeichen oder kann uns jemand zumindest übersetzen, was das heißt, so denn es eine Bedeutung hat? Das wäre in jedem Fall hilfreich.
Falls ihr euch nicht über einen Kommentar outen wollt, schickt einfach eine Mail. Die Adresse findet ihr unter „Email“ im Profil. Habt Dank. Und sollte jetzt jemand auf Grund meiner Beschreibung unserer selbst auf die Idee kommen, es auch bei uns Zuhause versuchen zu wollen, dem sei gesagt, wir sind lernfähig und unser Hund frisst sogar kleine Kinder. Ihr könnt den Nachbarn fragen.

Dienstag, Mai 30, 2006

So schön kann Sonntag sein

Ich denke, jedem geneigten Leser ist das Phänomen des Sonntagsblues bekannt. Der Sonntag, speziell, wenn er verregnet ist und oder eine durchzechte Nacht hinter einem liegt, kann unendlich lang sein. Man möchte etwas unternehmen, sich unter Menschen begeben und doch, nein, das scheint nicht das Richtige. Aber auch sinnentleert vor sich hinstarrend auf Sofa oder Bett liegen befriedigt nicht auf Dauer. Besonders, wenn die Nacht zuvor kurz war und man mit den aufwachenden Vögeln ins Bett ging, hadert man den Sonntag hindurch mit zeitlicher Orientierungslosigkeit, die erst mit der „Lindenstrasse“ eingenordet werden kann.
Bei mir lag am letzten Sonntag weder das eine noch das andere vor. Hatte ich noch am Samstag zuvor das nötige Maß an Alleinsein in vollen Zügen genossen, war ich Sonntags bereit für die Welt und geneigt, diesen Tag tatsächlich zu nutzen.
Auf Empfehlung des
Herr Paulsen und unterstützt durch die Tatsache, das Mequito seine wunderbare Geschichte „Ein verregneter Sommer“ lesen würde, machten wir uns auf den Weg nach Hamburg, um „Kaffee.Satz.Lesen Nr.31“ beizuwohnen.
Irritierenderweise findet die Veranstaltung in Hamm statt. Mir ist dieser Stadtteil eher aus Kindheitstagen als Austragungsort der Bundesjugendspiele und vom Besuch der Tanzschule „Phillips“, deren Disko ich einige Samstage heimsuchte, um mich als DJ-Groupie lächerlich zu machen, bekannt, nicht jedoch als kulturelle Brutstätte von Hamburgs Intelligenz. Mit Kultur hatte ich diese Ecke, ja eigentlich den Osten Hamburgs bisher nicht in Verbindung gebracht. Wohnen die Coolen nicht mehr im Westen?
Zu meiner Verteidigung möchte ich darauf hinweisen, das sich mein Aufenthalt im Abseits am Donnerstag zum dritten mal jährt und ich, Technik hin oder her, Veränderungen erst sehr spät mitbekomme, so denn sie mir überhaupt zugetragen werden - ich bleibe aber aufgeschlossen, flexibel und lernwillig.

Als wir gegen 15.40h eintrudelten konnten mein Angeliebter und ich gerade noch zwei nahe beieinander gelegene Einzelplätze ergattern. Von dort aus konnten wir bei Kaffee und Kuchen beobachten, wie noch bis zu Beginn der Veranstaltung immer neue Menschen durch die Tür in den Saal gespuckt wurden. Am Ende waren schätzungsweise 100 Menschen und mehr auf engem Raum versammelt, um kollektiv vier Literaten und einer Band zu huldigen.
Mequito begann mit „Ein verregneter Sommer“ und ich freute mich, diese wunderbare Geschichte endlich aus seinem Munde zu hören. Wie ich dieser Tage lesen durfte war er nüchtern und überrascht, wie viel Spaß das Ganze in diesem Zustand machen kann. Ich unterstreiche, das ich ihn als erstaunlich unaufgeregt erlebt habe - sehr souverän.
Ich wusste nicht, das es wie beim Musikfestival einen Headliner gab, auf den Veranstalter und Publikum gemeinsam hinarbeiteten. In diesem Fall war John von Düffel der Headliner, doch musste er aus terminlichen Gründen an die zweite Stelle vorgezogen werden und las so schon früh aus seinem neuen Buch „Hotel Angst“.
Zu meiner Schande war mir „einer der bedeutendsten deutschen Jungautoren“ bisher nicht bekannt. Am Verkaufstisch hatte ich in die ansonsten sehr schöne DuMont-Spezialausgabe von „Hotel Angst“ hineingelesen, doch hatte mich die permanente Anrede „Du“ entnervt und ich hatte das Buch zur Seite gelegt.
Beim Vorlesen wirkte das „Du“ weniger störend als gedacht, doch trotzdem der Vortrag und der Autor sehr sympathisch und auf eine ruhige Weise unterhaltsam wirkten, wird dieses Buch nicht in meine engere Wahl kommen. Jedoch bin ich neugierig geworden und habe mich nach Prüfung für das Buch „Zeit des Verschwindens“ entschieden.
Im Anschluss daran entließ uns die Band
klein mit drei akustisch gespielten Stücken in die Pause. Wunderbare Musik übrigens, wie ich auch nach mehrmaligen Hören der vor Ort erstandenen Platte ruhigen Gewissens sagen kann.
Nach Luft schnappen, Kaffee trinken und Zigarette rauchen und weiter ging es mit Rev. Christian Dabeler, der zu meiner Freude nicht aus seinem Buch las sondern einen neuen Text über die Lüge, das Männer sich keine Gedanken um ihr Aussehen machen würden, präsentierte.
Wir haben herzlich gelacht über seine offensichtlich schon in früher Kindheit angelegte Neigung zu exaltierter Kleidung und der Erkenntnis, das sich in einer bestimmten Weise anziehen auch Macht bedeuten kann, zumindest, wenn man ihm Glauben schenken darf, das Cordanzüge gepaart mit gelben, kleinen Reclamheftchen in vielen Kreisen Angst und Schrecken verbreiten können.
Auch sein Buch „Aus dem Leben des Manuel Zorn“ wanderte in meine Tasche und ich freue mich schon jetzt auf die Lektüre. Der Verkaufsstand hat im Übrigen in mir einen dankbaren Kunden gefunden.
Am Ende wurden wir von der Amerikanerin June Melby mit einer Mischung aus Musik und Text unterhalten, was bei mir leider auf Grund der Sprachbarriere nicht auf das nötige und sicher verdiente Verständnis traf.
Bezeichnender Weise bringt sie CDs und keine Bücher heraus, doch soviel Musik war nicht darin, das der Text in den Hintergrund treten könnte.
Alles in allem hatten wir einen sehr schönen Nachmittag mit den drei Ks – Kaffee, Kuchen, Kultur.
Mehr davon – nach einer Sommerpause – im September. Ich freu mich drauf und zumindest ab dann scheint zumindest ein Sonntag im Monat vor dem Blues gerettet.

Dienstag, Mai 02, 2006

Go, ALBA, Go!

Gut geruht und von der Sonne verwöhnt sollte unser letzter Tag ein Tag der Kontraste werden.
Endlich das Frühstücksproblem gelöst, gingen wir zu Fuß die Friedrichstraße entlang und besorgten uns bei Kamps die nötigen Frühstückskomponenten und zogen weiter.
Das hätten wir gleich machen sollen. Deren Brötchen sind die besten. Kleine Ziele vor Augen, doch streunend und schlendernd das große immer im Blick – die Stadt. Auch das hätten wir gleich so machen sollen. Unser Weg führte uns zum Holocaust Mahnmal. Ich möchte hier nicht interpretieren, denn das wäre sicher vermessen, doch eines kann ich sagen – wäre ich Einwohner dieser Stadt, oft, sehr oft, wäre ich hier:




Nachdem wir uns fast vier Stunden zwischen den Stelen und im Haus der Information aufgehalten hatten, mussten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel machen.
Um 18.00h wurde in der Max-Schmeling-Halle das Basketballspiel ALBA Berlin gegen EWE Oldenburg angepfiffen und wir wollten zumindest noch die Schuhe wechseln. Das bedeutete für uns auch zurück in die normale Welt.
Die Play Off wurden eröffnet. ALBA war nie wirklich in Gefahr und gewann mit 102 : 92, doch schön anzusehen war es trotzdem und die Stimmung in der Halle ist tatsächlich so großartig, wie ich es von den Live-Übertragungen her kenne.
Das ist einer der wenigen Gründe, die mich manchmal hadern lassen, auf dem Land zu leben, denn Schwerin wird sich wohl nie zur Basketballliga hochspielen können. Gibt es überhaupt eine Mannschaft? Eine Mannschaft wie ALBA life zu sehen, macht wirklich Spaß, auch wenn die Spieler meiner ersten Stunde mit ALBA leider schon fast alle nicht mehr da sind.

Am Ende gerieten wir von der stark heterosexuellen und auch testosterongeschwängerten Welt in die homosexuelle und ebenso testosterongeschwängerte Welt des „Schall und Rauch“.
Ein erneuter Kontrast, aber wahrlich kein schlechter. Lecker Essen, nettes Ambiente, sehr nette Bedienung und lauter lange, trainierte Jungs, mit so kurzen Haaren, das ihre Köpfe, passend zu WM und Berliner Fernsehturm, Fußbällen glichen.
Nur die Musikauswahl war wirklich schwul. Torsten und Ingo wissen an dieser Stelle sicher schon ziemlich genau, was gespielt worden ist. Richtig, wir kennen das alles noch aus alten „Image“-Tagen.
Am Ende erfuhren wir, das man sich zu einem adäquaten Preis einmieten kann (inkl. Frühstück!).
Uns so haben wir am Ende sogar noch eine nette Bleibe gefunden, wenn auch nicht mehr für diese Tage. Prenzlauer Berg ist ne schöne Ecke. Darauf werden wir sicher zurückkommen.

Aber jetzt warten auf mich hoffentlich zuhause nackte Schafe, ein nicht nackter Hund und komponierende Freunde. So long, Berlin, bis zum nächsten Mal.

Montag, Mai 01, 2006

Wo sind sie, all die Berliner?

Zu behaupten, ich hätte gestern keinen einzigen Berliner gesehen, wäre eine Lüge, denn mit dem Einen, den ich definitiv verorten konnte, hatte ich keinen guten Start.
In besagtem Kreuzberger Café wollten wir, wie jeden morgen, frühstücken. An Sonntagen ist der Freund des normalen Frühstücks bekanntermaßen in der Hölle des Brunch gefangen, doch in der Karte wird extra darauf hingewiesen, das an Sonntagen neben dem Brunch nur ein bestimmtes Frühstückssortiment angeboten wird. Ich war begeistert, denn ich, kein großer Fan des Brunch, sollte hier die Möglichkeit haben, trotzdem regulär zu frühstücken.
Wie sich herausstellen sollte, jedoch nicht jeden Sonntag, da, so wurde mir mit entsprechender Berliner Schnauze und in passendem Lehmannschen Lokalkolorit schnell klargemacht, jene Regelung nicht an verlängerten Wochenenden und Feiertagen gilt. Hurra!
Weiter ging es, auf den großen Flohmarkt am Ostbahnhof. Hier sollten all die wahren Berliner zu treffen sein, doch nach dem Eintauchen in die Menge wurde schnell klar, das die wenigen wahren Berliner, sich hinter den Standtischen befanden, während vor diesen in vielen deutschen Dialekten und fremden Zungen gesprochen wurde. Ich gestehe, auch ich natürlich kein Berliner, hatte das Gefühl nicht am richtigen Ort zu sein und nachdem wir uns den hundertsten Tisch mit alten DDR-Devotionalien angeschaut hatten, entschieden wir, uns irgendwo an der Spree in die Sonne zu legen und die Stadt für einen Moment die Stadt sein zu lassen.
Eine gute Idee, auch wenn der wirklich kleine Park an der Spitze einer Landzunge im Osten der Stadt noch immer nicht klein genug zu sein schien, um von Touristen nicht beachtet zu werden.
Am frühen Abend beschlossen wir, im Hotel zu essen und den Abend friedlich und stressfrei ausklingen zu lassen, doch nein, auch dies sollte uns nicht gegönnt sein. Auf Grund einer Feier war der Restaurantbetrieb heute eingestellt worden, aber in der Bar könnten wir, allerdings zum vollen Preis, essen. Wir schauten uns an – nö!
Also noch mal ins Auto gesetzt, zum x-ten Mal an den Reisegruppen und deren Bussen am Checkpoint Charlie vorbeigequetscht und uns auf die Suche nach dem Italiener gemacht, den wir vor vier Jahre so toll fanden. Kaum war er gefunden, befanden wir uns, auf der Suche nach einem Parkplatz, mitten in Berlins Fressmeile, wie es schien. Ein Restaurant direkt an das andere gebaut und siehe da – ein Inder.
Schnell wurde aus Italienisch (das können wir auch in Schwerin essen) Indisch und kaum saßen wir, wurde mir klar, das auch hier kein wahrer Berliner zu finden sein würde. Es gab eine Quotendeutsche unter den Bedienungen, was nicht weiter tragisch war und die Gäste kamen aus aller Herren Städte und Länder, nur nicht aus Berlin. Wir saßen auf der Terrasse und an uns zog die zumeist englischsprechende Menge vorbei.
Stimmt ja, wir befanden uns hier im zweiten Bermuda-Dreieck der Berliner Galerieszene und es war der letzte Tag des Galeriewochenendes. Jetzt verstand ich. Aber das Essen war trotzdem lecker.
Im Hotel angekommen, schauten wir Polizeiruf 110, der in Schwerin spielt. Ein bisschen Heimat, aber nein, neuer Partner und einfach mal nach Wismar verlegt das Ganze.
Naja, zumindest dichter dran als wir es hier sind.

Samstag, April 29, 2006

Berliner Art

Wurde unsere Ankunft einen Tag zuvor noch von der Sonne begleitet, wurde heute nach dem Aufziehen der Gardinen schnell klar, das die nette Verkäuferin im Fossilshop eine gute Intuition besaß, als sie mir gestern unaufgefordert einen Regenschirm zu meiner neu erworbenen Uhr einpackte.
Sollte es heute doch zur Pfaueninsel gehen, aber ach, beim Frühstück im Kreuzberger Café Hannibal musste ich auch mir eingestehen, dass das Wetter wohl nicht mehr aufklaren würde.
Dann sollte es eben Kunst werden. Das Galeriewochenende lädt ein und stand eh auf unserem Plan, wenn auch nicht, zumindest auf meinem, an oberster Stelle. Zu merkwürdig finde ich den Kunstmarkt als solchen. Das etwas so seelenvolles so zu Markte getragen wird, tatsächlich modischen Strömungen unterworfen werden kann und einem sich um sich selbst drehenden Gequatsche ausgesetzt werden darf, macht mich immer wieder fertig.
Man verstehe mich nicht falsch, denn ich liebe es, Kunst im Original zu sehen und ich bin mir auch des existenziellen Hintergrunds des Künstlers und der damit verbundenen Notwendigkeit des Verkaufs bewusst, aber oft habe ich das Gefühl, das es nicht um die Kunst geht sondern eher um die Geschichte dahinter.
Viele Bilder wirken erst richtig, wenn die entsprechende Legende drum herum gerankt wird und der Galerist fungiert als Erzähler. Betritt man eine Galerie ist es seine Aufgabe, einen mit eben diesen Geschichten zu umgarnen und für den Künstler einzunehmen. Davon lebt der Künstler, davon lebt der Galerist.
Meine Art, mir Bilder anzuschauen ist jedoch keine solch akademische. Entweder es berührt mich oder nicht. Natürlich hilft manchmal die Geschichte als Träger, aber letztendlich ist Kunst Kommunikation und wenn ich mich nicht angesprochen fühle, wird es verdammt still. Fühle ich mich jedoch angesprochen, verstehe ich nicht zwingend die Sprache des Künstlers. Er könnte etwas ganz anderes gemeint haben als ich in seinem Werk gesehen habe, doch auf einer tieferen Ebene verbindet sich etwas.
Ein Freund sagte einmal, das er Kunst nie außerhalb einer Galerie kaufen würde. Vermutlich geht er davon aus, das es erst qualitativ Kunst ist, so denn diese durch einen Galeristen manifestiert worden ist. Ich würde Kunst überall lieber kaufen als in einer Galerie, denn etwas so individuell Geschaffenes kann auch nur individuell gesehen werden und ich traue mir generell die Unterscheidung selbst zu. (Natürlich ist mir bewusst, das es akademische Zweige gibt, die sich mit nichts anderem als der technischen Beurteilung von Kunst beschäftigen, das auch für manchen Sammler der steigende Wert als wichtiger Maßstab zum Kaufen dient und er sich entsprechend mit einem Galeristen seiner Wahl verbindet, doch wenn man sich nur davon leiten ließe, würde ein Van Gogh bis heute nicht gezeigt.)
Aber zurück nach Berlin. Wir tauchen also ein in das erste von zwei Bermuda-Dreiecken der Berliner Kunstszene, welches zu unserer Freude um unser Hotel herum verstreut liegt. Man soll sich ja bekanntermaßen das Beste bis zum Schluss aufheben, doch schon in der ersten Galerie war uns klar, dass das gerade Gesehene kaum zu toppen sein würde. Marcel Odenbach heißt das Genie hinter den ca. vier Meter langen und zwei Meter hohen Collagen (für das Hochkantformat muss man nur die Zahlen tauschen). Bilder, die aus zehn Meter Entfernung wie fotorealistisch gemalte Sujets wirken, zerfallen bei näherem Herangehen in tausende passend eingefärbte Einzelbilder, partiell durchbrochen von Strukturen aus farbigem Fotokarton, die eine ganz eigene Erzählebene entwickeln. Abgesehen von der ungeheuren Fleißarbeit, die hinter jedem Bild steckt, ist es eine beeindruckenden Gedankenwelt, die in der Dopplung der Betrachtungsweisen für den künftigen Besitzer vermutlich noch in Hundert Jahren spannend sein wird, so denn er so alt wird. Ich habe von dem Kauf eines Katalogs abgesehen, da dieser nicht einmal im Ansatz wiederzugeben vermag, was wir in Natura sehen durften. Die Preise für die Bilder sind gerechtfertigt exorbitant und die Ausstellung schon fast verkauft.
Als nächstes schauten wir uns die Nahaufnahmen von Kühen, Pferden, Hunden und anderem Getier des Finnen Esko Männikö an. Nach Odenbachs Bildern schwer, sich einzulassen, doch meine Liebe zur Spezies Tier als solcher und die teilweise absolut verrückten Aufnahmen des Finnen nahmen mich gefangen. Schwer zu beschreiben, doch die Nahaufnahme eines geschlossenen Pferdeauges trieb mir fast die Tränen in die Augen. Vielleicht, weil ein Fluchttier das Vertrauen besaß, ihn in einem solch entspannten Moment so nah an sich heranzulassen mit soetwas fremden wie einer Kamera und einem Blitz. Schnappschüsse waren es nur in dem Sinne, das ein Tier nicht in einer Bewegung verharrt. Der Rest ist reines Vertrauen. Alles ist herrlich erdig. Man sieht, das er hauptberuflich jagd und fischt, zumindest wenn ich die Galeristin richtig verstanden habe. Englisch scheint hier fast Erstsprache zu sein. So ist zumindest mein Eindruck, sooft, wie man mich entweder erst auf Englisch und dann auf Deutsch angesprochen hat oder, wie eben die Galeristin des Finnen, einfach ignoriert hat, das ich Deutschsprachig bin und fröhlich ohne Punkt und Komma geplaudert hat – eben auf Englisch. Mir blieb es, höflich zu nicken, in einfachsten Englisch zu fragen und mich endgültig an den Gedanken zu gewöhnen, das ein Sprachkurs zur Auffrischung mal wieder einen Gedanken wert wäre. Ich fühle mich auf globaler Ebene zurückgelassen. Vermutlich das Los der Übergangsgenerationen, oder doch nur mein eigenes?
Nach den Bildern des Finnen folgte viel für mich unverständliches mit mal mehr mal weniger beeindruckenden Aspekten. Etwas fiel jedoch auf, Männer in dieser Szene, ob jung, ob alt scheinen sich generell sehr zugetan zu sein und die klassische Besucherpaarung besteht aus älteren Herren begleitet von jungen Frauen, während ihre älteren Ehefrauen alternativ mit ihrer gleichaltrigen Freundin unterwegs sind.
Davon abgesehen scheinen in Galerien arbeitende Kunststudentinnin grundsätzlich groß, schlank, apart und volllippig zu sein. Sehr nett.
Am Ende des Rundgangs brach mir noch die Plastik eines nassen, eine Kaugummiblase machenden Eisbären des Künstlers Michael Nitsche das Herz. Vielleicht springe ich doch noch über meinen Schatten und kaufe vom System?



Freitag, April 28, 2006

Yes, Berlin, I´m here.


Ich sitze hier, auf dem reinweißen Bett eines vier Sterne Hotels, das Fenster ist offen und erlaubt mir einen Blick, na klar, in den Hinterhof und all die anderen Zimmer des Hotels.
Lange ist es her, das ich auf diese Weise und vor allem auf diesem Niveau genächtigt habe, wenn ich unterwegs war, doch schon als ich den Gang entlang Richtung Zimmer laufe, steigt dieser Geruch in die Nase. Aus was auch immer er besteht, in jedem Hotel riecht es so – in jeder Stadt, in jedem Land und vermutlich auch auf jedem Kontinent, so denn die Anzahl der Sterne stimmt. Generell finde ich die Gleichförmigkeit solcher Hotel befremdlich. Ein ganzes Haus, in dem fast jedes Zimmer gleich aussieht, in dem es fast überall gleich riecht und in dem nur das Personal in den entsprechenden Uniformen wirklich mit seinem Umfeld verschmilzt, ist nicht gerade der Ort, der wohlige Heimeligkeit ausstrahlt.
Ich wollte jedoch, wenn ich schon nicht weit komme, zumindest auf irgendeine Weise das Gefühl von Urlaub erfahren und sei es nur durch Zimmerservice und eine Sauna im Haus.
Kaum das ich eine Stadtgrenze überquere, deren Einwohnerzahl die Million überschreitet, wittere ich Einkaufsmöglichkeiten. Ich habe viel Landleben zu kompensieren und genau dafür habe ich den halben Tag heute genutzt. Für die Kultur bleiben mir schließlich noch vier weitere Tage.
Und nun schmerzen meine Füße, wie nicht anders erwartet, vor mir stapeln sich Bücher und Cds, frisch erworben als würde ich ab morgen nie wieder etwas kaufen dürfen und durch das Fenster dringt der vermutlich nie ruhende Stadtlärm.
Ein Geräusch, das ich so nicht mehr gewohnt bin und das es mir unentwegt unter die Nase reibt – ich bin nicht mehr zuhause. Endlich!

Mittwoch, März 15, 2006

"Resto"

Der Versuch in Schwerin cool zu sein, treibt hin und wieder seltsame Blüten.
So gesehen gestern im „Zeitgeist“ – dem alten „Koriander“.

Dort verabredet mit Lieblingslars, quetschen wir uns gegen 18.00h durch die Puschkinstraße auf der Suche nach einem Parkplatz.
Wir wollten uns im „Zeitgeist“ treffen - der angeblichen Alternative zum „Tapas“.
Wir waren offen und neugierig, denn womöglich finden wir heute den lang gesuchten Ersatz zu einem der schönsten, aber schlechtest geführtesten Läden in Schwerin.
Die Lage stimmte in jedem Fall schon.

Parkplatz gesucht – gefunden, genau gegenüber vom Laden. Beim Aussteigen lese ich das Schild: „Zeitgeist – Resto + Bar + Lounge“

Was? – Resto – Was? – Resto – Hm, komisches Wort

In diesem Moment unterstreicht mir mein Textprogramm übrigens auch gerade den Begriff „Resto“. Es wird sich fühlen, wie ich mich gestern fühlte – hinterfragt und überfordert.

Ich bin nicht generell der Feind des Neudeutschen, manch ein neudeutsches Wort klingt nett, aber „Resto“? Abgesehen davon, das es für mich erst mal keinen Sinn macht (unkaputtbar erklärt sich ja wenigstens von selbst), klingt es furchtbar.
Als Kurzwort für „Restaurant“ schien es mir auf „o“ endend ungeeignet und weitere Assoziationen brachten mich nur noch in die unhygienischen Bereiche einer Küche, von denen ich als Gast am Besten gar nichts wissen will.

Nun denn, wir waren verabredet, wie immer spät dran und wollten uns nicht weiter aufhalten.
Wir treten ein – Hm, schön schick eingerichtet, sieht nett aus, aber kein Mensch darin außer die Bedienung. Sie sitzt Kaffee trinkend an einem der Tische und schaut auf als wir die Tür schließen.
Na gut, es ist ja noch früh.
Erstes Hinhören – Musik scheint in Ordnung – Jazz.
Wo wollen wir sitzen? Aha, erste Hürde – alle Vierer-Tische sind auf Barhöhe angelegt, während der ordinäre Sitzplatz dekorativ auf einem Podest und in reinen Zweiersektionen angelegt ist. Aus gastronomischer Sicht praktisch, aus ästhetischer Sicht schön, aber ein wenig Gruppeninkompatibel. Wir müssen zusammenschieben.

Wir setzen uns. Lieblingslars ist noch nicht da.
Ein Blick in die übersichtliche Karte und die erste Frage: „Keine Cocktails?“
Doch, ein kleiner, kopierter Zettel gibt auch darüber Auskunft.
Zweite Frage: „Gar kein Essen?“
Eine Tafel an der Wand, praktischer Weise hinter einer Säule, zeigt das Angebot des Tages, aber so recht klar, was wie zusammengehört wird nicht.
Da gibt es Erbsen und Möhren, Rösti mit Tomate-Mozzarella, Kartoffeltaler, Schnitzel, Fisch und noch einiges mehr.
Wir fragen und jetzt klärt sich auch der Begriff „Resto“ auf.
Es gibt jeden Tag ein anderes warmes Buffet, man muss nicht bestellen, nicht ansagen, man steht einfach auf, nimmt sich einen Teller in entsprechender Größe und lädt auf. Abgerechnet wird pro Teller und pro Gang. (Achtung Falle!)
Da das weder das Prinzip eines Restaurants noch das eines Bistros ist haben sich die kreativen Menschen dahinter den Begriff Resto als Mischung aus erst- und zweitgenanntem ausgedacht.
Aha – das Buffet als Prinzip – jetzt haben auch wir es verstanden, aber ob die Schweriner schon so weit sind?

Zu guter Letzt: Der Loungebereich unten ist sehr nett und kuschelig geworden, aber etwas einsam gelegen, das Essen hat leider nicht geschmeckt und während unseres dreistündigen Aufenthalts kamen fünf Gäste, was leider ein wenig zur Wartehallen-Akustik beitrug.
Die Damentoilette habe ich bis zum Schluss nicht gefunden, aber auf Grund mangelnden Publikums habe ich mit der Herrentoilette vorlieb genommen statt zu fragen.
Wenn der Laden gut besucht ist, ist es bestimmt eine sehr nette Atmosphäre, jedoch das Prinzip warm halten hat noch keinem Essen gut getan. Darüber würde ich nachdenken!

Samstag, Jänner 28, 2006

Wie viel Stadt steckt noch in mir und wie viel Dorf will ich sein?


















Vor noch nicht ganz einer Woche nötigte mich das Leben, nach Hamburg zu fahren.
Eine relativ kurzfristige Entscheidung und wie immer war ich knapp dran mit Packen und Zeit.
Während ich packte, stellte ich fest, das die Überlegung, was ich anziehen und was ich mitnehmen wollte, stark von einem Wunsch geprägt wurde – worin sieht man mir die Provinz am wenigsten an.

Wann ist das passiert? Wann genau wurde ich zum Landei?

Als ich hierher zog, ahnte ich nicht wie weit 120 km sein können. Eine Anfahrt von etwas mehr als einer Stunde und die entsprechenden Medien und ihre Möglichkeiten machten mich glauben, das sich nichts außer meine Umgebung ändern würde.

Weit gefehlt! Fahre ich heute in die Stadt, fahre ich in eine komplett andere Welt.
Eine Welt, die mir jenseits der Klischees immer fremder wird, in der ich mich früher, sofern man das je von mir behaupten konnte, souverän bewegen konnte und die mich heute anglitzert, anstrahlt und in ihrem gleißenden Licht wie eine Touristin starren lässt.
Die mich spüren lässt, das ich irgendwann in den letzten Jahren den Anschluss verpasst habe und mich mit den modischen „Errungenschaften“ der jeweiligen Saison aus den Schaufenstern anschreit, um zu beweisen, das ich nicht mal mehr über die arrogante Souveränität des Ignorierens verfüge sondern stattdessen ungläubig in ihren aufgerissenen Mund starre – wie ein Landei eben.

Fahre ich um des Konsumierens willen nach Hamburg bin ich jedoch immer wieder überrascht, wie wenig man mir das Land (zumindest außerhalb der Edelshoppingmeile Jungfernstieg und drum herum) anzusehen scheint.
Noch immer werden mir Telefonnummern ohne Vorwahl gegeben, werde ich darauf hingewiesen, das die fehlende Ware bestellt werden könne oder mir wird angeboten, dieses oder jenes bis morgen fertig zu stellen – als ob ich dann noch vor Ort wäre.

Auf der anderen Seite stöbere ich letzten Mittwoch in einem Trödelladen in der benachbarten Kleinstadt nach einem Waschtisch und auf meine Frage, ob bald neue Ware zu erwarten ist, antwortet er, das dass wohl noch zwei Wochen dauern könne, aber sofern die Anfahrt für mich nicht zu weit wäre, könne er gern nach einem entsprechenden Tisch Ausschau halten.

Für ihn scheine ich noch soviel Stadt zu sein, um mich guten Glaubens als Nichtheimisch zu verorten.

Die Frage ist: Will ich das?