Wenn man als Kind gebannt vor dem Fernseher saß und zuhörte, wie Peter von Zahn über ein Erdbeben, einen Vulkanausbruch oder eine Überschwemmung referierte, während dazu Bilder von einstürzenden Brücken, schwimmenden Häusern und flüchtenden Menschen über die Mattscheibe flimmerten, konnte man leicht die sich wiederholenden Rufe der Familie zum Abendbrot ausblenden.
Die schwarz-weißen Bilder und ein kindliches Verständnis von Zeit ließen die Geschehnisse in eine weit zurückliegende Vergangenheit rücken, die dem Ganzen einen spektakulären Es-War-Einmal-Charakter verlieh ohne dass ein Gefühl von direkter Verletzlichkeit entstand.
Das war in den Siebzigern.
30 Jahre später ist es anders. Man sitzt im April im Garten, steckt die Nase in Bücher wie Simon Winchesters „Ein Riss geht durch die Erde“ oder Al Gores „Eine unbequeme Wahrheit“, schaut auf das verdörrende Gras und die braungebrannten Arme. Zu diesem Zeitpunkt hat es seit einem Monat nicht mehr geregnet. Erkenntnisse von Plattentektonik, CO2-Gehalt, schmelzenden Gletschern, löchrigen Eisschelfs, Chinas Energiebedarf, Hurricanes und El Nino vermischen sich mit den Gegebenheiten vor Ort. Man sieht ein, dass das, was vor 30 Jahren noch die kindliche Faszination auslöste, nicht zwingend weit zurückliegt, jederzeit wiederholbar ist und nicht unbedingt vor der eigenen Haustür halt macht.
Man erinnert sich an das Elbhochwasser 2002, an das Erdbeben von Bam 2003, an das Erdbeben von Sumatra und den daraus resultierenden Tsunami 2004, an Katrinas Zerstörung von New Orleans 2005 und an die Schneemassen, die in Deutschland Dächer zum einstürzen bringen im Jahr 2006.
Wenn man all diese Einzelereignisse in ihrer Gesamtheit und dem äußerst geringen Zeitraum betrachtet, in dem sie aufeinander folgten und, bekommt man eine Vorstellung davon, dass und wie alles zusammenhängt. Vor allem in den letzten 15 Jahren bekamen Millionen von Menschen bei diesen und anderen Katastrophen zu spüren, was für die meisten noch immer graue Theorie ist.
Genug Menschen zucken dennoch mit den Schultern und schieben es auf natürliche Veränderungen, die es immer schon auf der Erde gegeben hat, und denen wir uns nur anpassen müssen. Eher ahnt man jedoch, dass sich die Erde an die von uns geschaffenen Bedingungen anpassen wird, wie es auch Haie, Ratten und Kakerlaken können, wir aber die Dinosaurier sind.
Vielleicht unterscheidet uns Menschen nur eine Fähigkeit von den Tieren: Wir sind in der Lage unser eigenes Grab zu schaufeln.
Posts mit dem Label Tellerrand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tellerrand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, Mai 07, 2007
Mittwoch, Dezember 06, 2006
Weil AIDS nicht nur am 1.12. und nicht nur in Afrika krank macht
Weltweit starben seit Entdeckung des HIV-Erregers 25 Millionen Menschen an AIDS und seinen Folgekrankheiten. 2,9 Millionen waren es in diesem Jahr. 4,9 Millionen Neuinfektionen wurden verzeichnet.
2005 waren es in Deutschland 2486 Neuinfektionen. Die Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor.
Das Magazin „Focus“ bezeichnete die, im weltweiten Vergleich verhältnismäßig niedrige Zahl als „erfreulich bescheiden“, doch verschließt man sich mit dieser Art zu denken einer Tatsache:
Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland trotz Aufklärung, Prävention und intakten medizinischen Infrastrukturen im Jahre 2005 um 30 Prozent gestiegen.
Die Regierung reagierte und beschloss im Juli dieses Jahres eine HIV/Aids-Strategie. Diese beinhaltet im wesentlichen Präventionsarbeit, Stärkung der biomedizinischen und sozialwissenschaftlichen Forschung, funktionierende Gesundheitsversorgung und die Anerkennung Kranker in Familie und Gesellschaft.
Das Strategiepapier bietet damit jedoch nichts wirklich Neues. Eher macht es deutlich, dass in den vielen Jahren des immer weiter nachlassenden Engagements seitens des Staates die Entwicklung in Sachen AIDS-Arbeit und Forschung verschlafen worden ist. Die Zahlen der Neuinfektionen steigen, die sozialen Probleme sind mehr oder weniger die Gleichen geblieben, die Krankheit ist noch immer nicht eingedämmt. Stattdessen mussten beispielsweise gerade die AIDS-Hilfen Jahr für Jahr den Gürtel enger schnallen, obwohl doch sie die so notwendige Basisarbeit leisten.
Dass die Basis dabei immer schwerer zu erreichen ist, erkennt man an gesellschaftlichen Phänomenen wie den so genannten „Bareback-Partys“. Dort treffen sich positive und negative Gleichgesinnte, um Sex ohne Kondom zu haben. Man erkennt es auch an der gestiegenen Zahl ungewollter Schwangerschaften, vor allem unter Jugendlichen, und an untreuen Ehemännern, die trotz Verantwortung gegenüber der Familie noch immer nicht zu wissen scheinen, wie man sich ein Kondom überstreift.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 60 Prozent der Neuinfektionen betrifft homosexuelle Männer aus Großstädten. Doch an dieser Stelle sollten sich Heterosexuelle nicht zurücklehnen und denken, dass sie aus dem Schneider sind, denn Tatsache ist auch, dass sich 2005 25 Prozent mehr Heterosexuelle als im Jahr zuvor angesteckt haben, während die Steigerung bei Homosexuellen bei 15 Prozent liegt.
Die Angst als Präventivfaktor scheint in Zeiten von Routine und Kombinationstherapien eingebüßt zu haben.
So erfreulich die Entwicklung auf dem medizinischen Sektor auch ist, sind die AIDS-Therapien dennoch nichts anderes als lebensverlängernde Maßnahmen, die seelische, körperliche und soziale Konsequenzen mit sich bringen. Sie sind kein Heilmittel.
In einer immer hedonistischer veranlagten Gesellschaft werden nicht nur die Gedanken an Krankheit an den Rand gedrängt, sondern auch die Kranken selbst. Dieses Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ greift die Initiative „Vergessen ist ansteckend“ auf und entwickelte zusammen mit der Agentur „Etwas Neues entsteht Marketing GmbH“ eine Kampagne, die anhand von sich erbrechenden und unter sich machenden Kuscheltieren versinnbildlichen, wie quälend diese Krankheit trotz Medikamente ist. Die Kampagne richtet sich an Jugendliche, die Botschaft jedoch ist allgemeingültig.
Ein Satz, der mich schon während meiner ehrenamtlichen Arbeit für die AIDS-Hilfe Hamburg begleitet hat und der fast so alt sein dürfte, wie die Krankheit selbst, macht klar, wie einfach Handeln ist:
AIDS ist die einzige tödlich verlaufende Krankheit, vor der wir uns schützen können.
Tun wir es doch einfach.
2005 waren es in Deutschland 2486 Neuinfektionen. Die Zahlen für 2006 liegen noch nicht vor.
Das Magazin „Focus“ bezeichnete die, im weltweiten Vergleich verhältnismäßig niedrige Zahl als „erfreulich bescheiden“, doch verschließt man sich mit dieser Art zu denken einer Tatsache:
Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland trotz Aufklärung, Prävention und intakten medizinischen Infrastrukturen im Jahre 2005 um 30 Prozent gestiegen.
Die Regierung reagierte und beschloss im Juli dieses Jahres eine HIV/Aids-Strategie. Diese beinhaltet im wesentlichen Präventionsarbeit, Stärkung der biomedizinischen und sozialwissenschaftlichen Forschung, funktionierende Gesundheitsversorgung und die Anerkennung Kranker in Familie und Gesellschaft.
Das Strategiepapier bietet damit jedoch nichts wirklich Neues. Eher macht es deutlich, dass in den vielen Jahren des immer weiter nachlassenden Engagements seitens des Staates die Entwicklung in Sachen AIDS-Arbeit und Forschung verschlafen worden ist. Die Zahlen der Neuinfektionen steigen, die sozialen Probleme sind mehr oder weniger die Gleichen geblieben, die Krankheit ist noch immer nicht eingedämmt. Stattdessen mussten beispielsweise gerade die AIDS-Hilfen Jahr für Jahr den Gürtel enger schnallen, obwohl doch sie die so notwendige Basisarbeit leisten.
Dass die Basis dabei immer schwerer zu erreichen ist, erkennt man an gesellschaftlichen Phänomenen wie den so genannten „Bareback-Partys“. Dort treffen sich positive und negative Gleichgesinnte, um Sex ohne Kondom zu haben. Man erkennt es auch an der gestiegenen Zahl ungewollter Schwangerschaften, vor allem unter Jugendlichen, und an untreuen Ehemännern, die trotz Verantwortung gegenüber der Familie noch immer nicht zu wissen scheinen, wie man sich ein Kondom überstreift.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 60 Prozent der Neuinfektionen betrifft homosexuelle Männer aus Großstädten. Doch an dieser Stelle sollten sich Heterosexuelle nicht zurücklehnen und denken, dass sie aus dem Schneider sind, denn Tatsache ist auch, dass sich 2005 25 Prozent mehr Heterosexuelle als im Jahr zuvor angesteckt haben, während die Steigerung bei Homosexuellen bei 15 Prozent liegt.
Die Angst als Präventivfaktor scheint in Zeiten von Routine und Kombinationstherapien eingebüßt zu haben.
So erfreulich die Entwicklung auf dem medizinischen Sektor auch ist, sind die AIDS-Therapien dennoch nichts anderes als lebensverlängernde Maßnahmen, die seelische, körperliche und soziale Konsequenzen mit sich bringen. Sie sind kein Heilmittel.
In einer immer hedonistischer veranlagten Gesellschaft werden nicht nur die Gedanken an Krankheit an den Rand gedrängt, sondern auch die Kranken selbst. Dieses Prinzip „Aus den Augen, aus dem Sinn“ greift die Initiative „Vergessen ist ansteckend“ auf und entwickelte zusammen mit der Agentur „Etwas Neues entsteht Marketing GmbH“ eine Kampagne, die anhand von sich erbrechenden und unter sich machenden Kuscheltieren versinnbildlichen, wie quälend diese Krankheit trotz Medikamente ist. Die Kampagne richtet sich an Jugendliche, die Botschaft jedoch ist allgemeingültig.
Ein Satz, der mich schon während meiner ehrenamtlichen Arbeit für die AIDS-Hilfe Hamburg begleitet hat und der fast so alt sein dürfte, wie die Krankheit selbst, macht klar, wie einfach Handeln ist:
AIDS ist die einzige tödlich verlaufende Krankheit, vor der wir uns schützen können.
Tun wir es doch einfach.
Montag, November 06, 2006
Der Musikmarkt und seine Entwicklung.
Heute fand ich auf spiegel.de dieses interessante Interview mit dem Sony-BMG-Marktforscher Michael Pütz. Spannend fand ich die Aussage von Pütz: "Der Markt entwickelt sich immer mehr vom Angebots- zum Nachfragemarkt. Das einfache Anbieten und Bewerben von Bands und Produkten reicht nicht mehr aus. Die Musikindustrie muss sich verstärkt an der Nachfrage orientieren und viel früher die kommenden Trends entdecken." Wenn ich das lese und mir gleichzeitig die Charts anschaue, bestätigt es nur einmal mehr, das von den Majorlabels nicht viel zu erwarten ist. Und das gut gemachte Musik bis auf wenige Ausnahmen weiterhin in der Sparte schlummert.
Nach der auf der ebenfalls auf dieser Seite enthaltenen Umfrage zum Thema, musste ich feststellen, wie wenig Ahnung ich von Musikdownloads und seinen Formen hatte. Abgesehen davon, dass die Teilnahme aus technischer Sicht für mich lehrreich war, hatte ich das (vermutlich irrige) Gefühl, meine Stimme mal wieder für die gute alte CD als solche erheben zu können und mich vor allem gegen das ärgerliche, meines Wissens unter anderem von Napster vermarktete, DRM-Format aussprechen zu können. Auch wenn Herr Pütz glaubt, das dieses Format gar nicht unbedingt abgelehnt wird, sondern das es nur am Wissen darum scheitere. Ich persönlich bin jetzt schlauer und kann aus der Tiefe meiner Überzeugung sagen, das ich dennoch dafür niemals Geld bezahlen würde.
Also, macht mit und zeigt Herrn Pütz wie unbeliebt DRM, so denn ihr ähnlich denkt und hört, wirklich ist.
Nach der auf der ebenfalls auf dieser Seite enthaltenen Umfrage zum Thema, musste ich feststellen, wie wenig Ahnung ich von Musikdownloads und seinen Formen hatte. Abgesehen davon, dass die Teilnahme aus technischer Sicht für mich lehrreich war, hatte ich das (vermutlich irrige) Gefühl, meine Stimme mal wieder für die gute alte CD als solche erheben zu können und mich vor allem gegen das ärgerliche, meines Wissens unter anderem von Napster vermarktete, DRM-Format aussprechen zu können. Auch wenn Herr Pütz glaubt, das dieses Format gar nicht unbedingt abgelehnt wird, sondern das es nur am Wissen darum scheitere. Ich persönlich bin jetzt schlauer und kann aus der Tiefe meiner Überzeugung sagen, das ich dennoch dafür niemals Geld bezahlen würde.
Also, macht mit und zeigt Herrn Pütz wie unbeliebt DRM, so denn ihr ähnlich denkt und hört, wirklich ist.
Donnerstag, November 02, 2006
So soll es sein?
Eine Email erreicht mich im Sommer diesen Jahres. Eine Bekannte schreibt, wie sehr sie die Zeit, die sie bei uns verbringen durfte, genossen hatte, schwärmt von einem Tag, der mehr als ein Jahr zurückliegt und hinterlässt am Ende bei mir den Eindruck, das sie nicht mehr lange zu leben hat.
Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, das ihr Freund, der einer unserer Freunde ist und den sie an dem besagten Tag vor einem Jahr bei uns das erste mal leibhaftig getroffen hatte, sich von ihr getrennt hat.
Schwierige Situation, denn besagter Freund wird bald wieder für einige Wochen bei uns wohnen und ich bin nicht sicher, ob ich den Kontakt thematisieren soll – er hat den Bruch der Beziehung schließlich auch nicht thematisiert.
Am Ende schüttet sie mir ihr Herz aus, ich höre zu, hoffe für sie da sein zu können, wenn möglich ohne ihm zu nahe zu treten. Von mir darauf angesprochen, will er nicht so recht rausrücken, so dass ich das Thema fallen lassen kann, nicht ohne Erleichterung, denn seine peinliche Berührung wird zu meiner.
Eine mir liebgewordene Nachbarin steht vor der Tür und versucht mir auf möglichst unberührte Art zu sagen, das sie und der Nachbar sich getrennt haben. Es fällt ihr nicht so leicht, wie sie es möchte.
Ganz überraschend ist das nicht. Hier auf dem Land ist es still und so bleiben einem manch lautstark ausgetragenen Meinungsverschiedenheit ebenso wenig verborgen wie ein auf den Hof fahrender Krankenwagen. Die Wissenslücken werden am Ende bei einer Flasche Wein durch die Überbringerin dieser schlechten Nachricht gefüllt. Ein gemeinsames Kind, ein Jahr nach der ersten Begegnung der Beiden geboren und gerade erst im Kindergartenalter, verkompliziert die Situation ebenso wie reale Abhängigkeiten. Noch immer leben sie unter einem Dach und die beiden zu besuchen ist derzeit alles andere als schön. Spricht man mit dem einen, schleicht der andere herum und umgekehrt. Was für Besucher schon nicht leicht ist, muss für die zwei die Hölle sein.
Ein anderer Freund lebt schon einige Jahre mit seiner, dem Hörensagen nach äußerst temperamentvollen, Freundin zusammen, als diese, gekriselt hat es wohl schon länger, für zwei Wochen zu einem gemeinsamen Bekannten nach Portugal reist, während der Freund sich aus arbeitstechnischen Gründen hier aufhält. Am Ende kommt sie wieder zurück und es stellt sich nach und nach heraus, das sie nun mit dem gemeinsamen Bekannten liiert ist und das sie ein Kind von ihm erwartet. Ich gebe zu, diese Art von Grausamkeit war selbst für mich bis dahin unvorstellbar und sie konnte nur noch durch die Tatsache übertroffen werden, das die Freundin offensichtlich schon während ihres Aufenthaltes in Portugal eine Entscheidung getroffen und diese via Internet mit entsprechenden Fotos veröffentlicht hatte ohne auch nur einmal zuvor mit ihrem Freund über die Ereignisse gesprochen zu haben.
Ein Bekannter sitzt mit gegenüber und spricht über seine Lebensgefährtin, die Mutter seiner drei Kinder. Die Art, wie er es tut, würde mich, so denn ich diese Lebensgefährtin wäre, nur noch über die Wahl der Waffe nachdenken lassen. Auf die Frage, warum er mit ihr zusammen bleibt, antwortet er mit einem Klassiker: Wegen der Kinder.
Wir sitzen mit Freunden in der Küche und plaudern. Das Paar ist knapp ein Jahr zusammen und sie ist im sechsten Monat schwanger von ihm. Alles sieht gut aus, doch nachdem sich die Männer mit dem kleinen Noah, der Freundin erstes Kind, ins Wohnzimmer verkrümelt haben, um DVD zu schauen, stellt sich in einem Gespräch unter Frauen schnell heraus, das es alles andere als gut läuft und das die Beziehung zu scheitern droht. Gewalt ist ein Thema, Sprachlosigkeit ist ein weiteres. Mir stellt sich nach längerem Zuhören die Frage, ob und wie diese gravierenden Probleme zu lösen sein sollen, vor allem, wenn erst mal das Kind da ist.
Es ist jetzt bald 17 Jahre her, da haben sich die Wege meines Liebsten und die meinen gekreuzt. 17 Jahre, die nicht immer leicht, die nicht immer schön, die aber immer die unseren waren. Daran hatten wir nur sehr selten einen Zweifel.
Beide von Eltern geprägt, die in der Lage waren, ihre Krisen zu bewältigen und die noch immer zusammen sind - aus weit mehr Gründen als Duldung oder Abhängigkeit – vermitteln diese uns bis heute ein lehrreiches Bild von Liebe, Respekt, Kommunikation und Zugewandtheit. Dadurch schien mir das, was mein Liebster und ich miteinander teilen auch nur normal, wenn nicht in gewisser Weise allgemeingültig.
Bis zum Jahre 2006.
Nach einigem Hin und Her stellt sich heraus, das ihr Freund, der einer unserer Freunde ist und den sie an dem besagten Tag vor einem Jahr bei uns das erste mal leibhaftig getroffen hatte, sich von ihr getrennt hat.
Schwierige Situation, denn besagter Freund wird bald wieder für einige Wochen bei uns wohnen und ich bin nicht sicher, ob ich den Kontakt thematisieren soll – er hat den Bruch der Beziehung schließlich auch nicht thematisiert.
Am Ende schüttet sie mir ihr Herz aus, ich höre zu, hoffe für sie da sein zu können, wenn möglich ohne ihm zu nahe zu treten. Von mir darauf angesprochen, will er nicht so recht rausrücken, so dass ich das Thema fallen lassen kann, nicht ohne Erleichterung, denn seine peinliche Berührung wird zu meiner.
Eine mir liebgewordene Nachbarin steht vor der Tür und versucht mir auf möglichst unberührte Art zu sagen, das sie und der Nachbar sich getrennt haben. Es fällt ihr nicht so leicht, wie sie es möchte.
Ganz überraschend ist das nicht. Hier auf dem Land ist es still und so bleiben einem manch lautstark ausgetragenen Meinungsverschiedenheit ebenso wenig verborgen wie ein auf den Hof fahrender Krankenwagen. Die Wissenslücken werden am Ende bei einer Flasche Wein durch die Überbringerin dieser schlechten Nachricht gefüllt. Ein gemeinsames Kind, ein Jahr nach der ersten Begegnung der Beiden geboren und gerade erst im Kindergartenalter, verkompliziert die Situation ebenso wie reale Abhängigkeiten. Noch immer leben sie unter einem Dach und die beiden zu besuchen ist derzeit alles andere als schön. Spricht man mit dem einen, schleicht der andere herum und umgekehrt. Was für Besucher schon nicht leicht ist, muss für die zwei die Hölle sein.
Ein anderer Freund lebt schon einige Jahre mit seiner, dem Hörensagen nach äußerst temperamentvollen, Freundin zusammen, als diese, gekriselt hat es wohl schon länger, für zwei Wochen zu einem gemeinsamen Bekannten nach Portugal reist, während der Freund sich aus arbeitstechnischen Gründen hier aufhält. Am Ende kommt sie wieder zurück und es stellt sich nach und nach heraus, das sie nun mit dem gemeinsamen Bekannten liiert ist und das sie ein Kind von ihm erwartet. Ich gebe zu, diese Art von Grausamkeit war selbst für mich bis dahin unvorstellbar und sie konnte nur noch durch die Tatsache übertroffen werden, das die Freundin offensichtlich schon während ihres Aufenthaltes in Portugal eine Entscheidung getroffen und diese via Internet mit entsprechenden Fotos veröffentlicht hatte ohne auch nur einmal zuvor mit ihrem Freund über die Ereignisse gesprochen zu haben.
Ein Bekannter sitzt mit gegenüber und spricht über seine Lebensgefährtin, die Mutter seiner drei Kinder. Die Art, wie er es tut, würde mich, so denn ich diese Lebensgefährtin wäre, nur noch über die Wahl der Waffe nachdenken lassen. Auf die Frage, warum er mit ihr zusammen bleibt, antwortet er mit einem Klassiker: Wegen der Kinder.
Wir sitzen mit Freunden in der Küche und plaudern. Das Paar ist knapp ein Jahr zusammen und sie ist im sechsten Monat schwanger von ihm. Alles sieht gut aus, doch nachdem sich die Männer mit dem kleinen Noah, der Freundin erstes Kind, ins Wohnzimmer verkrümelt haben, um DVD zu schauen, stellt sich in einem Gespräch unter Frauen schnell heraus, das es alles andere als gut läuft und das die Beziehung zu scheitern droht. Gewalt ist ein Thema, Sprachlosigkeit ist ein weiteres. Mir stellt sich nach längerem Zuhören die Frage, ob und wie diese gravierenden Probleme zu lösen sein sollen, vor allem, wenn erst mal das Kind da ist.
Es ist jetzt bald 17 Jahre her, da haben sich die Wege meines Liebsten und die meinen gekreuzt. 17 Jahre, die nicht immer leicht, die nicht immer schön, die aber immer die unseren waren. Daran hatten wir nur sehr selten einen Zweifel.
Beide von Eltern geprägt, die in der Lage waren, ihre Krisen zu bewältigen und die noch immer zusammen sind - aus weit mehr Gründen als Duldung oder Abhängigkeit – vermitteln diese uns bis heute ein lehrreiches Bild von Liebe, Respekt, Kommunikation und Zugewandtheit. Dadurch schien mir das, was mein Liebster und ich miteinander teilen auch nur normal, wenn nicht in gewisser Weise allgemeingültig.
Bis zum Jahre 2006.
Mittwoch, Oktober 25, 2006
Youtube goes Nazitube
Markus Quint hat etwas entdeckt und angeprangert, das uns alle schwer schlucken lassen sollte. Mir hat es zumindest die Sprache verschlagen. Interessant auch die Kommentare, in welchen am Ende die komplexe Diskussion von Meinungsfreiheit, Demokratie und der spezifischen Länderzensur von Internetanbietern eröffnet wurde. Eine kaum zu lösende Frage, selbst für mich persönlich, denn natürlich bin ich für generelle Meinungsfreiheit und gegen Polizeistaat. Trotzdem bin ich auch für einen verantwortlichen Umgang mit den veröffentlichten Inhalten auf einer wie auch immer gearteten Plattform und einer Begrenzung von Gewalt, Volksverhetzung und menschenfeindlichen Äußerungen. Doch wo soll man die Grenzen ziehen?
Spontan würden vermutlich mindestens 90% der Deutschen abschalten, wenn sie entsprechende Lieder hören oder Videos sehen würden, doch was ist, wenn plötzlich die Welt eine andere wäre und das, was ich hier und andere an anderen Stellen vertreten, als schädlich eingestuft und entsprechend begrenzt würde?
Russland ist derzeit eines der besten Beispiele. Ein Staat, der sich Kritikern und Konkurrenten durch ominöse Gerichtsverfahren oder auf noch drastischere Weise entledigt und der dennoch als demokratischer Staat gelten muss, da Putin frei gewählt worden ist. Wie man sich bettet, so liegt man?
Die Gründe für eine solche Wahl sind diffiziler und lassen sich kaum auf nur dieses Thema beschränken. Am Ende zählt auch, ob genug Menschen an die Wahlurne treten und ihre Stimmen abgeben oder ob die Radikalen, weil politisiert, ihren Zettel einwerfen, während eine große Mehrheit, frustriert und perspektivlos zurückgelassen, zu Haus bleibt und schweigt.
In einem der Kommentare wurde angeregt, alle, und zwar wirklich alle, frei sprechen zu lassen und gleichzeitig schon in der Schule entsprechenden Aufklärungsunterricht anzubieten. Würde diese einseitige politische Aufklärung jedoch nicht in gewisser weise der Indoktrination gleichkommen, auch wenn es, zumindest in dem Fall von Rechtsradikalität, der richtigen Sache dient?
Auch bin ich nicht sicher, ob Moral und die Lehren aus der Vergangenheit uns auf Dauer davor schützen würden, einen selbstzerstörerischen Weg zu beschreiten, wenn entsprechende Verbote aufgehoben würden und Inhalte, wie sie auf Youtube zu finden sind, ungehindert verbreitet werden könnten.
Wir Menschen neigen zum Vergessen und zu situationsbedingtem Handeln. Die langfristigen Konsequenzen werden gern übersehen. Das sollten wir, gerade in Zeiten von Frustration und scheinbarem Vakuum in unserem Land, nicht unterschätzen.
Youtube und auch Google als neuer Besitzer hingegen sollten sich generell überlegen, ob sie sich hinter der länderspezifischen Zensur verstecken wollen, oder ob man bereit ist, eine gewisse Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen, deren weite Verbreitung sie erst möglich machen. Ich persönlich hätte ein Gefühl der Fremdbestimmung, wenn sich jemand mein Forum für derart menschenfeindliche Inhalte zunutze machen würde.
Aber auch hier wieder – wo ist die Grenze?
Spontan würden vermutlich mindestens 90% der Deutschen abschalten, wenn sie entsprechende Lieder hören oder Videos sehen würden, doch was ist, wenn plötzlich die Welt eine andere wäre und das, was ich hier und andere an anderen Stellen vertreten, als schädlich eingestuft und entsprechend begrenzt würde?
Russland ist derzeit eines der besten Beispiele. Ein Staat, der sich Kritikern und Konkurrenten durch ominöse Gerichtsverfahren oder auf noch drastischere Weise entledigt und der dennoch als demokratischer Staat gelten muss, da Putin frei gewählt worden ist. Wie man sich bettet, so liegt man?
Die Gründe für eine solche Wahl sind diffiziler und lassen sich kaum auf nur dieses Thema beschränken. Am Ende zählt auch, ob genug Menschen an die Wahlurne treten und ihre Stimmen abgeben oder ob die Radikalen, weil politisiert, ihren Zettel einwerfen, während eine große Mehrheit, frustriert und perspektivlos zurückgelassen, zu Haus bleibt und schweigt.
In einem der Kommentare wurde angeregt, alle, und zwar wirklich alle, frei sprechen zu lassen und gleichzeitig schon in der Schule entsprechenden Aufklärungsunterricht anzubieten. Würde diese einseitige politische Aufklärung jedoch nicht in gewisser weise der Indoktrination gleichkommen, auch wenn es, zumindest in dem Fall von Rechtsradikalität, der richtigen Sache dient?
Auch bin ich nicht sicher, ob Moral und die Lehren aus der Vergangenheit uns auf Dauer davor schützen würden, einen selbstzerstörerischen Weg zu beschreiten, wenn entsprechende Verbote aufgehoben würden und Inhalte, wie sie auf Youtube zu finden sind, ungehindert verbreitet werden könnten.
Wir Menschen neigen zum Vergessen und zu situationsbedingtem Handeln. Die langfristigen Konsequenzen werden gern übersehen. Das sollten wir, gerade in Zeiten von Frustration und scheinbarem Vakuum in unserem Land, nicht unterschätzen.
Youtube und auch Google als neuer Besitzer hingegen sollten sich generell überlegen, ob sie sich hinter der länderspezifischen Zensur verstecken wollen, oder ob man bereit ist, eine gewisse Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen, deren weite Verbreitung sie erst möglich machen. Ich persönlich hätte ein Gefühl der Fremdbestimmung, wenn sich jemand mein Forum für derart menschenfeindliche Inhalte zunutze machen würde.
Aber auch hier wieder – wo ist die Grenze?
Dienstag, September 12, 2006
Fünf Jahre später
Ich gebe es zu, auch wenn allgemein die Meinung vorherrscht, das die Bilderflut uns alle abgestumpft hat, ich habe sie gesehen, die Reportagen, Dokumentationen, die Blicke zurück, die Bilanzierungen. Den Film der Gebrüder Naodet erneut zu sehen, ließ mich genauso blass um die Nase zurück wie er es beim ersten Mal getan hat und beim zweiten mal und beim dritten mal.... Nein, das ist nicht Betreiben einer Art von Schauertourismus. Vielmehr ist es der Versuch endlich zu fassen, was mir bis heute unerklärlich ist.
Inzwischen brennen nicht mehr zwei Türme, dafür jedoch die Welt. War zur Zeit der Anschläge das Selbstmordattentat als solches ein bekanntes Phänomen, bezog man es zumeist jedoch auf den Nahost-Konflikt und versprengte islamistisch-fundamentalistische Gruppierungen, die in ihren Regionen agierten.
Natürlich war schon vorher der Hass dieser Gruppierungen, teilweise ganzer Staaten auf den Westen zu spüren, doch konnten wir uns am Fernsehschirm davon überzeugen, das uns all diese Bilder aus einem Reich mit dem Namen „Weit weit weg“ erreichten und das ein Nicht-Stellung-Beziehen diese Art von Krieg von uns fernhalten würde.
Die Unermesslichkeit des 9/11 zeigt uns in vieler Hinsicht, wie verletzlich wir sind, aber dieser Tag zeigt uns auch, das wir verpflichtet sind, Stellung zu beziehen, unseren Kopf zu benutzen, kritisch zu bleiben und egal welchen Glaubens wir sind, so denn wir überhaupt einen haben, uns auf Güte, Menschlichkeit, Feingefühl und Respekt im Umgang mit Kulturen und Fremdartigkeit zu besinnen, jedoch auch das Recht haben, dieses von der anderen Seite ebenso einzufordern.
In Zeiten, in denen als Antwort auf zwei brennende Türme nacheinander zwei ganze Staaten angezündet worden sind, deren Probleme soviel komplexer sind, als die Frage nach einer Demokratie und in denen ein Ende des Brands nicht abzusehen ist, wünsche ich mir auf beiden Seiten Menschen an den entsprechenden Positionen, die in der Lage sind, auch die andere Wange hinzuhalten. Menschen, die im Angesicht eines übergeordneten Ganzen bereit sind, sich zurückzunehmen, ihre Armeen zurückzunehmen, um so endlich eine sinnlose Spirale von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen und diese durch an die Kultur angepasste Strukturen und einen vernünftigen Diskurs zu ersetzen.
Das es nicht gleich Jesus sein muss, hat man zuletzt an Ghandi, Nelson Mandela und Frederik de Klerk gesehen.
Im Waschsalon wurde die Frage nach der persönlichen Veränderung durch diesen Tag gestellt. Heute morgen gelesen, schleppe ich diese Frage durch den Tag und versuche Bilanz zu ziehen.
Viel hat sich für mich verändert, das meiste ist nicht als Konsequenz dieses Tages zu sehen, doch ist ein anderes Bewusstsein entstanden, das bei so mancher Veränderung oder Entscheidung, die ich anstrebe, mitschwingt.
Ich ziehe aufs Land und tatsächlich erwische ich mich dabei, erleichtert festzustellen, das ich mich mit diesem Schritt von einer Gefahrenzone räumlich entferne.
Die Frage nach dem Anreiseweg zur Frankfurter Buchmesse war schnell zu beantworten, als die Nachricht von den missglückten Kofferbombenanschlägen bekannt wurde. Tatsächlich stehen bei mir arabisch wirkende Menschen nach wie vor nicht unter Generalverdacht, doch betrachte ich entsprechende Institutionen und das Festhalten an einem Glauben grundsätzlich skeptisch, auch wenn ich damit sicher vielen Unrecht tue. Das mag aber auch daran liegen, das ich zwar nicht generell die Existenz Gottes ausschließe, die Nichtexistenz ist sowenig bewiesen wie die Existenz, doch liegt mir der Gedanke näher, selbst verantwortlich zu handeln und auch zu ertragen, das Leid nicht grundsätzlich erklärbar ist.
In mancher Hinsicht fühle ich mich verwundbarer seit diesem Tag, aber dieses Gefühl können mir weder Sicherheitskameras noch Skymarshalls nehmen, denn der Fatalismus einen Menschen, dessen einziges Argument für seine Existenz sein Tod und der möglichst vieler „Ungläubiger“ ist, ist vielleicht als Einzelner aufzuhalten, doch ist mir bei jedem Bericht über einen vereitelten Anschlag bewusst, dass damit nur ein Kopf der Hydra abgeschlagen worden ist.
Ich, die im Grunde meiner Geburt nur ein einziges Argument sehe, nämlich die Welt um mich herum mit den mir zu Verfügung stehenden Mitteln des Hier und Jetzt vielleicht für den einen oder anderen zu einem besseren Ort zu machen, gestehe, das ich mich in diesem Bereich machtlos und verletzlich fühle, denn mit welchem Argument des Hier und Jetzt kann man jemanden aufhalten, der im Geist schon lange gegangen ist?
Inzwischen brennen nicht mehr zwei Türme, dafür jedoch die Welt. War zur Zeit der Anschläge das Selbstmordattentat als solches ein bekanntes Phänomen, bezog man es zumeist jedoch auf den Nahost-Konflikt und versprengte islamistisch-fundamentalistische Gruppierungen, die in ihren Regionen agierten.
Natürlich war schon vorher der Hass dieser Gruppierungen, teilweise ganzer Staaten auf den Westen zu spüren, doch konnten wir uns am Fernsehschirm davon überzeugen, das uns all diese Bilder aus einem Reich mit dem Namen „Weit weit weg“ erreichten und das ein Nicht-Stellung-Beziehen diese Art von Krieg von uns fernhalten würde.
Die Unermesslichkeit des 9/11 zeigt uns in vieler Hinsicht, wie verletzlich wir sind, aber dieser Tag zeigt uns auch, das wir verpflichtet sind, Stellung zu beziehen, unseren Kopf zu benutzen, kritisch zu bleiben und egal welchen Glaubens wir sind, so denn wir überhaupt einen haben, uns auf Güte, Menschlichkeit, Feingefühl und Respekt im Umgang mit Kulturen und Fremdartigkeit zu besinnen, jedoch auch das Recht haben, dieses von der anderen Seite ebenso einzufordern.
In Zeiten, in denen als Antwort auf zwei brennende Türme nacheinander zwei ganze Staaten angezündet worden sind, deren Probleme soviel komplexer sind, als die Frage nach einer Demokratie und in denen ein Ende des Brands nicht abzusehen ist, wünsche ich mir auf beiden Seiten Menschen an den entsprechenden Positionen, die in der Lage sind, auch die andere Wange hinzuhalten. Menschen, die im Angesicht eines übergeordneten Ganzen bereit sind, sich zurückzunehmen, ihre Armeen zurückzunehmen, um so endlich eine sinnlose Spirale von Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen und diese durch an die Kultur angepasste Strukturen und einen vernünftigen Diskurs zu ersetzen.
Das es nicht gleich Jesus sein muss, hat man zuletzt an Ghandi, Nelson Mandela und Frederik de Klerk gesehen.
Im Waschsalon wurde die Frage nach der persönlichen Veränderung durch diesen Tag gestellt. Heute morgen gelesen, schleppe ich diese Frage durch den Tag und versuche Bilanz zu ziehen.
Viel hat sich für mich verändert, das meiste ist nicht als Konsequenz dieses Tages zu sehen, doch ist ein anderes Bewusstsein entstanden, das bei so mancher Veränderung oder Entscheidung, die ich anstrebe, mitschwingt.
Ich ziehe aufs Land und tatsächlich erwische ich mich dabei, erleichtert festzustellen, das ich mich mit diesem Schritt von einer Gefahrenzone räumlich entferne.
Die Frage nach dem Anreiseweg zur Frankfurter Buchmesse war schnell zu beantworten, als die Nachricht von den missglückten Kofferbombenanschlägen bekannt wurde. Tatsächlich stehen bei mir arabisch wirkende Menschen nach wie vor nicht unter Generalverdacht, doch betrachte ich entsprechende Institutionen und das Festhalten an einem Glauben grundsätzlich skeptisch, auch wenn ich damit sicher vielen Unrecht tue. Das mag aber auch daran liegen, das ich zwar nicht generell die Existenz Gottes ausschließe, die Nichtexistenz ist sowenig bewiesen wie die Existenz, doch liegt mir der Gedanke näher, selbst verantwortlich zu handeln und auch zu ertragen, das Leid nicht grundsätzlich erklärbar ist.
In mancher Hinsicht fühle ich mich verwundbarer seit diesem Tag, aber dieses Gefühl können mir weder Sicherheitskameras noch Skymarshalls nehmen, denn der Fatalismus einen Menschen, dessen einziges Argument für seine Existenz sein Tod und der möglichst vieler „Ungläubiger“ ist, ist vielleicht als Einzelner aufzuhalten, doch ist mir bei jedem Bericht über einen vereitelten Anschlag bewusst, dass damit nur ein Kopf der Hydra abgeschlagen worden ist.
Ich, die im Grunde meiner Geburt nur ein einziges Argument sehe, nämlich die Welt um mich herum mit den mir zu Verfügung stehenden Mitteln des Hier und Jetzt vielleicht für den einen oder anderen zu einem besseren Ort zu machen, gestehe, das ich mich in diesem Bereich machtlos und verletzlich fühle, denn mit welchem Argument des Hier und Jetzt kann man jemanden aufhalten, der im Geist schon lange gegangen ist?
Mittwoch, September 06, 2006
Wo stehst du, Frau?
Erinnert sich vielleicht noch jemand daran, welche Diskussion die Aufstellung Angela Merkels zur Kanzlerkandidatin ausgelöst hat? Es wurde nicht nur gefragt, ob die das kann sondern auch, ob sie das kann.
Reihenweise wurden wir Frauen gefragt, ob wir, da nun eine Frau zur Wahl stände, diese eben nicht wegen ihres Programms oder ihrer Parteizugehörigkeit wählen würden sondern weil sie eine von uns ist. Inzwischen ist Kohls kleines Mädchen vom Magazin Forbes zur mächtigsten Frau der Welt ausgerufen worden.
Die Präsidentschaft der UN-Vollversammlung wird im September von Sheika Haya Rashed Al Khalifa übernommen, einer Frau, die schon in ihrem Heimatland Bahrain in vielen Bereichen Vorreiterin war – die erste Anwältin, die erste Beraterin des Königshofs, die erste Botschafterin, die erste Frau mit einer eigenen, erfolgreichen Kanzlei in ihrem Land.
In den USA wird Hillary Rodham Clinton als zukünftige Präsidentschaftskandidatin gehandelt und viele glauben, wenn es je eine Frau auf den Posten des mächtigsten Menschen der Welt schaffen sollte, dann wäre sie es.
Insgesamt werden derzeit 12 Länder der Erde von Frauen regiert – Tendenz steigend.
Auch im Sport scheint sich teilweise, zumindest in Deutschland, das Blatt zu wenden. In Sachen Fußball versetzt die deutsche Mannschaft der Herren eine Nation in den Rausch, aber den Titel holten die Frauen.
Bei der Schwimm-EM verhielt sich das deutsche Medaillenverhältnis der Frauen zu den Männern 2:1.
Bei der Reit-WM in Aachen, welche unter der Schirmherrschaft Angela Merkels und der Leitung der Prinzessin von Jordanien stand und in welcher die Geschlechter sich ohne Beschränkungen miteinander messen können, steht am Ende des Springreiterfinals zwar ein Mann auf dem obersten Treppchen, aber er hatte gegen drei Frauen zu kämpfen und am Ende ist eine Neuseeländerin mit gerade einem Abwurf im regulären Wettbewerb auf den vierten Platz gekommen – die Damen und der Herr waren eine Klasse für sich.
In der freien Wirtschaft setzen sich die ersten Frauen an der Spitze durch oder machen zumindest an der Seite eines Mannes ihren Einfluss geltend, wie man am Beispiel der Familie Gates sehen kann. Doch darf man wohl davon ausgehen, das gerade in diesem Bereich den Frauen nach wie vor die meisten Steine in den Weg gelegt werden und das sie für eine Beförderung nach wie vor doppelt so hart arbeiten müssen wie die Männer.
Nie zuvor habe ich eine so dichte Präsenz der Frauen in fast allen Sparten des gesellschaftlichen Lebens gespürt. In den 70ern und 80ern noch zu jung, um die großen Emazipationsdiskussionen verfolgen zu können oder zu wollen, erlebe ich in den 90ern und bis ins neue Jahrtausend hinein vor allem, wie Frauen anfangen sich zurückzubesinnen bzw. ihr Heil in einer fast perversen Form der Selbstdarstellung zu suchen. Ich gebe gern zu, das mir die Ironie der freiwilligen Selbsterniedrigung einer Jenni Elvers oder wie all die anderen selbsternannten Luder hießen, entgangen ist. Natürlich gab es auch in dieser Zeit eine andere Bewegung, wie man an Tatsachen erkennen konnte, wie der, das z.B. MTV von einer Frau geleitet wurde. Die Entwicklung des jetzigen Stands der Dinge hat auch nicht über Nacht stattgefunden, sondern spiegelt nur die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte wieder, doch scheint innerhalb der Medien ein Umdenken stattgefunden zu haben.
Mit der Wahl einer Frau ins höchste Amt scheint die Wahrnehmung in unserem Land eine andere geworden zu sein. Soviel Frauenpower abseits der Laufstege und Discobühnen und –bienen wurde selten so deutlich durch die Medien kommuniziert. Die Brust unserer Nation wird breiter denn je, wenn bekannt gemacht wird, das an unseren Schalthebeln die mächtigste Frau der Welt sitzt. Viele verwechseln das vermutlich und glauben, das wir jetzt die mächtigste Nation der Welt sind, aber nein, es geht „nur“ um die Frauen.
Und dann kommt da eine Frau wie Eva Herman, ihres Zeichens eine Frau die definitiv auf einen erfolgreiche Karriere und eine Familie blicken kann und schreibt mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ das Pamphlet für die Hausfrau. Ein Buch, das, noch nicht mal erschienen, schon in der Luft zerrissen wird. Mit ihrer Küchenphilosophie erweckt sie den Zorn vieler ihrer Kolleginnin und scheint nicht nur ihre eigene Karriere sondern auch die der anderen mit Füßen zu treten. Die ganze Aufregung erinnert mich an die Veröffentlichung des Buches „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar– nicht das ich dabei gewesen wäre.
Bezeichnenderweise habe ich darüber in der Sommerausgabe der „Dummy“ gelesen, welche ein ganzes Heft zum Thema Frauen gemacht hat. Da hat die Vilar in Zeiten von Alice Schwarzer and friends die These aufgestellt, das der Mann durch eben solche Frauen unterdrückt und zurechterzogen wird und das die Frauen sich lieber auf ihre Rolle (die sich auch in ihren Augen nicht zwangsläufig über die drei Ks definierte) und ihr Können besinnen sollten als mit den gleichen Waffen zurückzuschlagen – vereinfacht gesagt. Generell finde ich ihren Ansatz, nach 40 Jahren der Emanzipation fast visionär, aber ich kann mir vorstellen, das im Klima der 60er und 70er und einer gerade aufkommenden Frauenbewegung jeder Satz zugunsten des männlichen Geschlechts als kontraproduktiv und subversiv empfunden werden musste.
Die „emotion“ setzt sich auf eine ganz andere Weise mit diesem Thema auseinander. In ihrer Ausgabe vom August fragt sie „Typisch Mann? Typisch Frau?“, zeigt anhand von Paaren und ihren Marotten auf, wie wenig die Realität den Klischees entspricht und plädiert am Ende dafür, nicht die Unterschiede der Geschlechter herauszuarbeiten (die im Übrigen auch durch Studien nicht wirklich belegt werden können) sondern sich auf die Qualitäten der jeweiligen Persönlichkeit zu konzentrieren.
Ein einfacher Ansatz – vielleicht aber auch der schwerste, denn das würde bedeuten, sich von Klischees zu verabschieden, von Schutzschilden und Argumentationshilfen und sich am Ende nur durch eigene Persönlichkeit, eigenes Können und eigene Leistung hervorzutun.
Eben als das zu bestehen, was wir alle sind – Menschen.
Welcome in Utopia!
Reihenweise wurden wir Frauen gefragt, ob wir, da nun eine Frau zur Wahl stände, diese eben nicht wegen ihres Programms oder ihrer Parteizugehörigkeit wählen würden sondern weil sie eine von uns ist. Inzwischen ist Kohls kleines Mädchen vom Magazin Forbes zur mächtigsten Frau der Welt ausgerufen worden.
Die Präsidentschaft der UN-Vollversammlung wird im September von Sheika Haya Rashed Al Khalifa übernommen, einer Frau, die schon in ihrem Heimatland Bahrain in vielen Bereichen Vorreiterin war – die erste Anwältin, die erste Beraterin des Königshofs, die erste Botschafterin, die erste Frau mit einer eigenen, erfolgreichen Kanzlei in ihrem Land.
In den USA wird Hillary Rodham Clinton als zukünftige Präsidentschaftskandidatin gehandelt und viele glauben, wenn es je eine Frau auf den Posten des mächtigsten Menschen der Welt schaffen sollte, dann wäre sie es.
Insgesamt werden derzeit 12 Länder der Erde von Frauen regiert – Tendenz steigend.
Auch im Sport scheint sich teilweise, zumindest in Deutschland, das Blatt zu wenden. In Sachen Fußball versetzt die deutsche Mannschaft der Herren eine Nation in den Rausch, aber den Titel holten die Frauen.
Bei der Schwimm-EM verhielt sich das deutsche Medaillenverhältnis der Frauen zu den Männern 2:1.
Bei der Reit-WM in Aachen, welche unter der Schirmherrschaft Angela Merkels und der Leitung der Prinzessin von Jordanien stand und in welcher die Geschlechter sich ohne Beschränkungen miteinander messen können, steht am Ende des Springreiterfinals zwar ein Mann auf dem obersten Treppchen, aber er hatte gegen drei Frauen zu kämpfen und am Ende ist eine Neuseeländerin mit gerade einem Abwurf im regulären Wettbewerb auf den vierten Platz gekommen – die Damen und der Herr waren eine Klasse für sich.
In der freien Wirtschaft setzen sich die ersten Frauen an der Spitze durch oder machen zumindest an der Seite eines Mannes ihren Einfluss geltend, wie man am Beispiel der Familie Gates sehen kann. Doch darf man wohl davon ausgehen, das gerade in diesem Bereich den Frauen nach wie vor die meisten Steine in den Weg gelegt werden und das sie für eine Beförderung nach wie vor doppelt so hart arbeiten müssen wie die Männer.
Nie zuvor habe ich eine so dichte Präsenz der Frauen in fast allen Sparten des gesellschaftlichen Lebens gespürt. In den 70ern und 80ern noch zu jung, um die großen Emazipationsdiskussionen verfolgen zu können oder zu wollen, erlebe ich in den 90ern und bis ins neue Jahrtausend hinein vor allem, wie Frauen anfangen sich zurückzubesinnen bzw. ihr Heil in einer fast perversen Form der Selbstdarstellung zu suchen. Ich gebe gern zu, das mir die Ironie der freiwilligen Selbsterniedrigung einer Jenni Elvers oder wie all die anderen selbsternannten Luder hießen, entgangen ist. Natürlich gab es auch in dieser Zeit eine andere Bewegung, wie man an Tatsachen erkennen konnte, wie der, das z.B. MTV von einer Frau geleitet wurde. Die Entwicklung des jetzigen Stands der Dinge hat auch nicht über Nacht stattgefunden, sondern spiegelt nur die Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte wieder, doch scheint innerhalb der Medien ein Umdenken stattgefunden zu haben.
Mit der Wahl einer Frau ins höchste Amt scheint die Wahrnehmung in unserem Land eine andere geworden zu sein. Soviel Frauenpower abseits der Laufstege und Discobühnen und –bienen wurde selten so deutlich durch die Medien kommuniziert. Die Brust unserer Nation wird breiter denn je, wenn bekannt gemacht wird, das an unseren Schalthebeln die mächtigste Frau der Welt sitzt. Viele verwechseln das vermutlich und glauben, das wir jetzt die mächtigste Nation der Welt sind, aber nein, es geht „nur“ um die Frauen.
Und dann kommt da eine Frau wie Eva Herman, ihres Zeichens eine Frau die definitiv auf einen erfolgreiche Karriere und eine Familie blicken kann und schreibt mit ihrem Buch „Das Eva-Prinzip“ das Pamphlet für die Hausfrau. Ein Buch, das, noch nicht mal erschienen, schon in der Luft zerrissen wird. Mit ihrer Küchenphilosophie erweckt sie den Zorn vieler ihrer Kolleginnin und scheint nicht nur ihre eigene Karriere sondern auch die der anderen mit Füßen zu treten. Die ganze Aufregung erinnert mich an die Veröffentlichung des Buches „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar– nicht das ich dabei gewesen wäre.
Bezeichnenderweise habe ich darüber in der Sommerausgabe der „Dummy“ gelesen, welche ein ganzes Heft zum Thema Frauen gemacht hat. Da hat die Vilar in Zeiten von Alice Schwarzer and friends die These aufgestellt, das der Mann durch eben solche Frauen unterdrückt und zurechterzogen wird und das die Frauen sich lieber auf ihre Rolle (die sich auch in ihren Augen nicht zwangsläufig über die drei Ks definierte) und ihr Können besinnen sollten als mit den gleichen Waffen zurückzuschlagen – vereinfacht gesagt. Generell finde ich ihren Ansatz, nach 40 Jahren der Emanzipation fast visionär, aber ich kann mir vorstellen, das im Klima der 60er und 70er und einer gerade aufkommenden Frauenbewegung jeder Satz zugunsten des männlichen Geschlechts als kontraproduktiv und subversiv empfunden werden musste.
Die „emotion“ setzt sich auf eine ganz andere Weise mit diesem Thema auseinander. In ihrer Ausgabe vom August fragt sie „Typisch Mann? Typisch Frau?“, zeigt anhand von Paaren und ihren Marotten auf, wie wenig die Realität den Klischees entspricht und plädiert am Ende dafür, nicht die Unterschiede der Geschlechter herauszuarbeiten (die im Übrigen auch durch Studien nicht wirklich belegt werden können) sondern sich auf die Qualitäten der jeweiligen Persönlichkeit zu konzentrieren.
Ein einfacher Ansatz – vielleicht aber auch der schwerste, denn das würde bedeuten, sich von Klischees zu verabschieden, von Schutzschilden und Argumentationshilfen und sich am Ende nur durch eigene Persönlichkeit, eigenes Können und eigene Leistung hervorzutun.
Eben als das zu bestehen, was wir alle sind – Menschen.
Welcome in Utopia!
Mittwoch, August 16, 2006
Von Tieren und Menschen
Bevor ich zu dem Kern meiner Gedanken komme, möchte ich an dieser Stelle zwei mir lieben und teuren Menschen versichern, dass das, was sie an dieser Stelle lesen werden als Gedankengang zwar von ihnen ausgelöst wurde, aber ansonsten nichts mit ihnen zu tun hat. Ich fälle kein Urteil und bin mir sicher, das die Entscheidung, die sie für sich treffen werden, die Richtige sein wird – für Beide.
In dem von mir an anderer Stelle vorgestellten EQ-Test wird unter anderem die Frage gestellt, ob man sich dem Tier oder dem Menschen näher fühlt. Für viele vermutlich einfach zu beantworten – dem Menschen. Für mich auch einfach zu beantworten – dem Tier.
Ich habe nie darüber nachgedacht, warum das so ist. Für mich war das ganz natürlich. Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Fast meine ganze Kindheit über gab es mindestens ein Tier in unserem Haus. Vögel, eine Katze, Hunde. Als kleines Kind habe ich mich in den nahegelegenen Reitstall davon gemacht, um mich bei den Pferden rumzutreiben und als wir in die Stadt zogen, wurde dieses Vergnügen durch Ferien auf dem Ponyhof ersetzt, an die ich mich bis heute voller Freude erinnere. Nie konnte ich in der Stadt so wild sein, wie ich es dort sein durfte. Ins Gelände gehen, verschmelzen mit Tier und Natur, mit all meinen Sinnen arbeiten, das war etwas Ursprüngliches, etwas Einfaches ohne jedoch simpel zu sein – so wollte ich leben.
Als ich von zu Hause auszog, schaffte ich mir bald Vögel an, denn für etwas anderes war in meiner Wohnung kein Platz, aber ganz ohne Tier, das war für mich schnell klar, ging es einfach nicht. (Heute habe ich eine etwas andere Meinung dazu und wenn meine Vögel mal nicht mehr sind, werde ich mir keine neuen anschaffen, denn kein Tier, dessen natürliches Verhalten auf Flucht basiert und dessen Leben normalerweise fern des Menschen stattfindet, gehört in einen Käfig.)
Mit jeder Erweiterung meines Lebensraums kamen auch größere Tiere hinzu und so habe ich inzwischen zwei Schafe, einen Hund und eben die Vögel. Ich bin Mitglied in verschiedenen Umwelt- und Tierschutzorganisationen und ein totgefahrenes Tier auf der Straße lässt mich bis heute für einen Moment in Trauer verstummen, während ich, so zynisch das jetzt klingen mag, den Beerdigungen auf dem gegenüberliegenden Friedhof natürlich mit Respekt, jedoch nicht mit eben dieser Anteilnahme begegne. Warum das so ist – ich kann mir diese Frage damit beantworten, das Tiere in den meisten Fällen Opfer unserer Zivilisation sind, während wir Menschen es im Normalfall selbst in der Hand haben, uns zu schützen.
Mir kamen diese Gedanken und Gefühle immer ganz natürlich vor, doch musste ich im Laufe der Zeit feststellen, dass das nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit ist, sondern das für viele Tiere eher eine Belastung darstellen. Sie riechen, sie sind triebgesteuert, sie machen Dreck, sie haaren – sie hinterlassen je nach Art und Beschaffenheit ihre Spuren. Für mich hat das nie ein Problem dargestellt, weil es eben Tiere sind und das alles ihrer Natur entspricht, doch lernte ich im Laufe der Zeit Menschen kennen, die mit diesen Faktoren mehr oder weniger Probleme hatten, die Wert auf ein berechenbares und sauberes Umfeld legen, in welchem eben aus jenen Gründen kein Platz für Tiere ist.
Ein Phänomen waren da zum Beispiel immer wieder die Freunde der Schwester meines Liebsten. Sie selbst hatte immer mindestens ein Tier. Lange war sie Besitzerin eines eigenen Pferdes gewesen und ich werde sicher nie das Bild vergessen, wenn ihr jeweiliger Partner sie in den Stall begleitet hatte. Natürlich immer zu schick angezogen für ein solches Umfeld, drückte er sich, auf jeden Schritt achtend, am Tor zu den Stallungen herum, um nur nicht in die Stallgasse treten zu müssen, in welcher sich ja ein wahres Inferno von tierischem Leben und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten auftat.
Immer wieder fragte ich mich, wie das zusammenpasste – sie, die ihre Tiere liebte und sich nicht zu schade war, sich auch mal schmutzig zu machen (ohne dabei aber grundsätzlich rumzulaufen als hätte sie dir Nächte im Heu verbracht) und er, der alles ertragen konnte, nur eben nicht den Schmutz, den Geruch oder was auch immer den jeweiligen Mann explizit störte. Eine Antwort fand ich nie auf die Frage, aber so richtig interessiert hatte mich das auch nicht, denn nichtsdestotrotz konnte ja alles bleiben, wie es war und abseits des Stalls ist eben jene Schwester ja ähnlich veranlagt, wie ihre jeweiligen Partner, doch wird es schwierig für beide Parteien, wenn das Tier eben nicht mehr im Stall steht sondern in Form eines Hundes oder einer Katze, den gemeinsamen Lebensraum teilen soll.
Katzen beispielsweise sind wunderbare Tiere, die Haare bringt auch ein Hund mit, doch der Geruch des Katzenklos war schon bei einer früheren Freundin, die das Klo an strategisch ungünstigem Platz untergebracht hatte, eine olfaktorische Herausforderung, der ich je nach Grad der Verschmutzung nicht immer gewachsen war.
Doch kann man den Katzen keinen Strick daraus drehen, denn sie machen nur das, wozu die Natur sie verpflichtet. Es macht sie nicht zu schlechteren Tieren, vielleicht nur zu ungeeigneteren.
Dennoch empfinde ich das Leben von Menschen, die aus entsprechenden Gründen keine Beziehungen zu Tieren aufbauen können immer als ein wenig eng, da sie sich, meiner Meinung nach, nicht nur des Drecks erwehren, sondern auch ihren Instinkten und ihren Trieben, die wir alle in uns tragen.
Für mich macht aber genau das den Reiz aus, mit Tieren zusammenzuleben. Sie erden mich, fordern meine Sinne, lassen mich spüren und fühlen, denn das ist ihre Sprache. Worte nutzen mir bei ihnen nichts, aber Klang. Sie fordern mich, über mich selbst hinauszudenken, auf eine ganz andere Art zu agieren und so auch eine andere Welt jenseits der meinen zu leben. Richtet sich ein Tier gegen mich, so habe ich dieses nicht richtig verstanden, denn auch wenn ihm List und Tücke zu eigen ist, so doch nur aus dem Grund, Futter zu erhalten, ihr Revier zu verteidigen oder ihre Kinder zu beschützen, nicht aber aus purer Bosheit. Ein Verhalten, das uns so fremd nicht sein sollte, mit dem Unterschied, das wir immer die Wahl haben zu handeln.
Durch Tiere erkenne ich, das ich nur ein Teil von etwas bin und das ich an meinem Maßstab nur eins messen kann – mich – das allen und allem anderen ein anderer, jedoch gleichwertiger, Maßstab zugrunde liegt, auf den ich mich einstellen muss.
Wir sind auch nur eine Spezies, die diesen Planet bevölkert und für so manches Tier dürften wir stinken, den Lebensraum verunreinigen und einengen, wie es für viele Menschen die Tiere tun. Auch wenn wir durch ein erweitertes Gehirn in der Lage sind, über unsere Instinkte hinaus kontrolliert und verantwortlich zu handeln, sind wir dennoch instinktbegabte Wesen und es würde uns so manches mal gut zu Gesicht stehen auch auf diese zu hören, uns einzulassen und nicht etwas auf unser entsprechendes Maß herunterkontrollieren zu wollen, das sich am Ende doch immer der Kontrolle entzieht – das Leben.
In dem von mir an anderer Stelle vorgestellten EQ-Test wird unter anderem die Frage gestellt, ob man sich dem Tier oder dem Menschen näher fühlt. Für viele vermutlich einfach zu beantworten – dem Menschen. Für mich auch einfach zu beantworten – dem Tier.
Ich habe nie darüber nachgedacht, warum das so ist. Für mich war das ganz natürlich. Ich bin mit Tieren aufgewachsen. Fast meine ganze Kindheit über gab es mindestens ein Tier in unserem Haus. Vögel, eine Katze, Hunde. Als kleines Kind habe ich mich in den nahegelegenen Reitstall davon gemacht, um mich bei den Pferden rumzutreiben und als wir in die Stadt zogen, wurde dieses Vergnügen durch Ferien auf dem Ponyhof ersetzt, an die ich mich bis heute voller Freude erinnere. Nie konnte ich in der Stadt so wild sein, wie ich es dort sein durfte. Ins Gelände gehen, verschmelzen mit Tier und Natur, mit all meinen Sinnen arbeiten, das war etwas Ursprüngliches, etwas Einfaches ohne jedoch simpel zu sein – so wollte ich leben.
Als ich von zu Hause auszog, schaffte ich mir bald Vögel an, denn für etwas anderes war in meiner Wohnung kein Platz, aber ganz ohne Tier, das war für mich schnell klar, ging es einfach nicht. (Heute habe ich eine etwas andere Meinung dazu und wenn meine Vögel mal nicht mehr sind, werde ich mir keine neuen anschaffen, denn kein Tier, dessen natürliches Verhalten auf Flucht basiert und dessen Leben normalerweise fern des Menschen stattfindet, gehört in einen Käfig.)
Mit jeder Erweiterung meines Lebensraums kamen auch größere Tiere hinzu und so habe ich inzwischen zwei Schafe, einen Hund und eben die Vögel. Ich bin Mitglied in verschiedenen Umwelt- und Tierschutzorganisationen und ein totgefahrenes Tier auf der Straße lässt mich bis heute für einen Moment in Trauer verstummen, während ich, so zynisch das jetzt klingen mag, den Beerdigungen auf dem gegenüberliegenden Friedhof natürlich mit Respekt, jedoch nicht mit eben dieser Anteilnahme begegne. Warum das so ist – ich kann mir diese Frage damit beantworten, das Tiere in den meisten Fällen Opfer unserer Zivilisation sind, während wir Menschen es im Normalfall selbst in der Hand haben, uns zu schützen.
Mir kamen diese Gedanken und Gefühle immer ganz natürlich vor, doch musste ich im Laufe der Zeit feststellen, dass das nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit ist, sondern das für viele Tiere eher eine Belastung darstellen. Sie riechen, sie sind triebgesteuert, sie machen Dreck, sie haaren – sie hinterlassen je nach Art und Beschaffenheit ihre Spuren. Für mich hat das nie ein Problem dargestellt, weil es eben Tiere sind und das alles ihrer Natur entspricht, doch lernte ich im Laufe der Zeit Menschen kennen, die mit diesen Faktoren mehr oder weniger Probleme hatten, die Wert auf ein berechenbares und sauberes Umfeld legen, in welchem eben aus jenen Gründen kein Platz für Tiere ist.
Ein Phänomen waren da zum Beispiel immer wieder die Freunde der Schwester meines Liebsten. Sie selbst hatte immer mindestens ein Tier. Lange war sie Besitzerin eines eigenen Pferdes gewesen und ich werde sicher nie das Bild vergessen, wenn ihr jeweiliger Partner sie in den Stall begleitet hatte. Natürlich immer zu schick angezogen für ein solches Umfeld, drückte er sich, auf jeden Schritt achtend, am Tor zu den Stallungen herum, um nur nicht in die Stallgasse treten zu müssen, in welcher sich ja ein wahres Inferno von tierischem Leben und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten auftat.
Immer wieder fragte ich mich, wie das zusammenpasste – sie, die ihre Tiere liebte und sich nicht zu schade war, sich auch mal schmutzig zu machen (ohne dabei aber grundsätzlich rumzulaufen als hätte sie dir Nächte im Heu verbracht) und er, der alles ertragen konnte, nur eben nicht den Schmutz, den Geruch oder was auch immer den jeweiligen Mann explizit störte. Eine Antwort fand ich nie auf die Frage, aber so richtig interessiert hatte mich das auch nicht, denn nichtsdestotrotz konnte ja alles bleiben, wie es war und abseits des Stalls ist eben jene Schwester ja ähnlich veranlagt, wie ihre jeweiligen Partner, doch wird es schwierig für beide Parteien, wenn das Tier eben nicht mehr im Stall steht sondern in Form eines Hundes oder einer Katze, den gemeinsamen Lebensraum teilen soll.
Katzen beispielsweise sind wunderbare Tiere, die Haare bringt auch ein Hund mit, doch der Geruch des Katzenklos war schon bei einer früheren Freundin, die das Klo an strategisch ungünstigem Platz untergebracht hatte, eine olfaktorische Herausforderung, der ich je nach Grad der Verschmutzung nicht immer gewachsen war.
Doch kann man den Katzen keinen Strick daraus drehen, denn sie machen nur das, wozu die Natur sie verpflichtet. Es macht sie nicht zu schlechteren Tieren, vielleicht nur zu ungeeigneteren.
Dennoch empfinde ich das Leben von Menschen, die aus entsprechenden Gründen keine Beziehungen zu Tieren aufbauen können immer als ein wenig eng, da sie sich, meiner Meinung nach, nicht nur des Drecks erwehren, sondern auch ihren Instinkten und ihren Trieben, die wir alle in uns tragen.
Für mich macht aber genau das den Reiz aus, mit Tieren zusammenzuleben. Sie erden mich, fordern meine Sinne, lassen mich spüren und fühlen, denn das ist ihre Sprache. Worte nutzen mir bei ihnen nichts, aber Klang. Sie fordern mich, über mich selbst hinauszudenken, auf eine ganz andere Art zu agieren und so auch eine andere Welt jenseits der meinen zu leben. Richtet sich ein Tier gegen mich, so habe ich dieses nicht richtig verstanden, denn auch wenn ihm List und Tücke zu eigen ist, so doch nur aus dem Grund, Futter zu erhalten, ihr Revier zu verteidigen oder ihre Kinder zu beschützen, nicht aber aus purer Bosheit. Ein Verhalten, das uns so fremd nicht sein sollte, mit dem Unterschied, das wir immer die Wahl haben zu handeln.
Durch Tiere erkenne ich, das ich nur ein Teil von etwas bin und das ich an meinem Maßstab nur eins messen kann – mich – das allen und allem anderen ein anderer, jedoch gleichwertiger, Maßstab zugrunde liegt, auf den ich mich einstellen muss.
Wir sind auch nur eine Spezies, die diesen Planet bevölkert und für so manches Tier dürften wir stinken, den Lebensraum verunreinigen und einengen, wie es für viele Menschen die Tiere tun. Auch wenn wir durch ein erweitertes Gehirn in der Lage sind, über unsere Instinkte hinaus kontrolliert und verantwortlich zu handeln, sind wir dennoch instinktbegabte Wesen und es würde uns so manches mal gut zu Gesicht stehen auch auf diese zu hören, uns einzulassen und nicht etwas auf unser entsprechendes Maß herunterkontrollieren zu wollen, das sich am Ende doch immer der Kontrolle entzieht – das Leben.
Freitag, August 04, 2006
Geht nicht, gibt´s doch - Eine Polemik
Geht nicht, gibt´s nicht – dieser Satz, so alt wie Handwerksinnung und Kaufmannszunft und als Echo deutscher Fernsehköche in den Küchen der Neuzeit zu hören, prägt das Zeitalter von Mikrotechnologie und Biogenetik mehr denn je – im Westen unserer Republik.
Im Osten hört sich das eher an wie „Puh, das wird schwierig.“, „Da kann ich ihnen leider nicht helfen.“, Das weiß ich auch nicht.“ oder schlicht „Das geht nicht.“. Es scheitert an falschen Lieferanten, vermeintlich oder einfach nicht bekannten Marken und Produkten, eingeschränkter Technik und nicht vorhandener Vernetzung, aber auch an Willen, Flexibilität und Wissen oder besser Willen zur Informationserschließung und Kooperation.
Angeblich soll es dem Osten schlecht gehen. Angeblich soll es auch dem Handwerk in Zeiten der Do-it-yourself-Medien, einer schwachen Konjunktur und billigen Polen schlecht gehen. Angeblich soll sich die Wirtschaft allen Prognosen zum Trotz nicht aufschwingen. Angeblich - doch in Europa gibt es einen Landstrich, der sich weigert zu glauben, der sich weigert anzuerkennen und dem, obgleich es ihm immer wieder mit Statistiken versucht wird zu beweisen, es so gut zu gehen scheint, das er die Attitüde des Bemühens um den Kunden nicht nötig hat.
Sei es die Landtierärztin, die einen höheren Tarif nimmt als ein Hamburger Tierarzt (!) und bei der sich ein medizinisches Beratungsgespräch anhört als ob man sich in einem durch Butterfahrten geübten Verkaufsgespräch für ein Kontroll-Sorglos-Paket befindet oder der Tischler, der für neue Sofafüße nach der Lieferung eine Rechnung schickt, die schlappe 50% über den vereinbarten Preis liegt, weil die Arbeit vermeintlich komplexer war als sich bei erster Betrachtung ersehen ließ – natürlich ohne erneuter Absprache.
Da gibt es noch den Handwerker mit dem man nachbarschaftlich über den Zaun drei Tage Arbeit verabredet und von dem man am Ende eine Rechung präsentiert bekommt, die mehr als seinen Mercedes rechtfertigt, abgesehen davon, das er natürlich nicht den halben Tag abgezogen hat, der damit vertan worden ist, von ihm verursachte Schäden durch einen anderen Handwerker wieder richten zu lassen, aber „was soll´s, wir sind ja Nachbarn. Da macht man das ja gern, ne?“
Ich denke an den Angestellten einer Autovermietung, der sich weigert, einen Wagen anzunehmen, da auf dem Formular nicht seine Filiale als anzunehmende Stelle angegeben wird und der sich nicht scheut mir angesichts brütender Hitze und bevorstehender Fahrt nach Berlin einen Umweg von ca. 30 km zuzumuten, weil er nicht in der Lage scheint, telefonieren zu können. Das obliegt mir und am Ende habe ich mir selbst die Kilometer erspart und ihm auch noch einen Anschiss.
Auch Elektriker, die nicht in der Lage sind zwei Steckdosen auf gleicher Höhe anzubringen sind keine Seltenheit, ebenso wie Klempner, die Abwasserrohre nicht im korrekten Winkel legen und somit dafür sorgen, das man ewig Verstopfung hat – in jedem Sinne.
Auch der Satz „Ich möchte eine Fenstertür haben, die genauso aussieht, wie die schon eingebauten.“ scheint schwer verständlich. Nach einem „Kein Problem.“ und wenig (!) Maßnehmen kommt nach Erteilung des Auftrages acht Wochen kein Laut. In der neunten Woche wird man in regelmäßigen Abständen von einem Angestellten der Firma besucht, um erneut Maß zu nehmen.
Am Ende wird einem statt nach angekündigten fünf nach 12 Wochen ein Fenster geliefert, das natürlich nicht aussieht wie es aussehen soll und nach einem verzweifelten Anruf bei dem Lieferanten wird man allen Ernstes gefragt, warum man es nicht bei dem Fensterbauer bestellt habe (Pleite) bei dem man (natürlich die Vorbesitzer) all die anderen bestellt habe und warum man das nicht gemacht hätte als man all die anderen habe einbauen lassen (neue Raumumgestaltung/man war noch immer nicht Eigentümer des Hauses zu jenem Zeitpunkt) und nun ist man erneut auf der Suche nach einem Fensterbauer, der nicht sagt, das die Farbe undefinierbar ist, die Sprosse nicht nachbaubar (tatsächlich eine DIN Sprosse) und der nicht mit seinem dicken Auto vor dem Haus parkt, ein Gesicht aufsetzt als hätte er all das nicht nötig und sein Gewehr (in einem Fall wirklich so gewesen) mit ins Haus trägt als ob man hier im Wilden Westen (Osten) wäre.
Von Handwerkern, die sich zu viel zumuten, ihre Termine nicht mehr koordiniert bekommen und am Ende bei einem zusammenbrechen und ihren Seelenmüll abladen, in der Hoffnung das bis dahin eh schon großzügige Gemüt noch einmal erweichen zu können, möchte ich hier gar nicht erst ausführlich erzählen.
Und so könnte ich unendlich weitermachen. Der Besserwessi, der unbedingt die Aufträge in die Region tragen wollte, um seinen Beitrag zur Stärkung dieser zu leisten, gerät an Ossis, die schnell gelernt haben in den Jahren nach der Wende und die sich nun einen Konflikt zunutze machen, den so mancher Besserwessi, bevor er hierher kam, nie gespürt hat, der ihm hier jedoch in vielfältiger Form begegnet und dessen moralische Keule, bewusst oder unbewusst, gegen Menschen wie ihn verwendet wird. Menschen, die hierher kommen, weil sie das Land lieben, vielleicht sogar ihren Beitrag leisten wollen und am Ende wie begossenen Pudel dastehen und nur noch achselzuckend und in guter alter Ostmanier sagen können: „Ich hab es doch nur gut gemeint!“
Im Osten hört sich das eher an wie „Puh, das wird schwierig.“, „Da kann ich ihnen leider nicht helfen.“, Das weiß ich auch nicht.“ oder schlicht „Das geht nicht.“. Es scheitert an falschen Lieferanten, vermeintlich oder einfach nicht bekannten Marken und Produkten, eingeschränkter Technik und nicht vorhandener Vernetzung, aber auch an Willen, Flexibilität und Wissen oder besser Willen zur Informationserschließung und Kooperation.
Angeblich soll es dem Osten schlecht gehen. Angeblich soll es auch dem Handwerk in Zeiten der Do-it-yourself-Medien, einer schwachen Konjunktur und billigen Polen schlecht gehen. Angeblich soll sich die Wirtschaft allen Prognosen zum Trotz nicht aufschwingen. Angeblich - doch in Europa gibt es einen Landstrich, der sich weigert zu glauben, der sich weigert anzuerkennen und dem, obgleich es ihm immer wieder mit Statistiken versucht wird zu beweisen, es so gut zu gehen scheint, das er die Attitüde des Bemühens um den Kunden nicht nötig hat.
Sei es die Landtierärztin, die einen höheren Tarif nimmt als ein Hamburger Tierarzt (!) und bei der sich ein medizinisches Beratungsgespräch anhört als ob man sich in einem durch Butterfahrten geübten Verkaufsgespräch für ein Kontroll-Sorglos-Paket befindet oder der Tischler, der für neue Sofafüße nach der Lieferung eine Rechnung schickt, die schlappe 50% über den vereinbarten Preis liegt, weil die Arbeit vermeintlich komplexer war als sich bei erster Betrachtung ersehen ließ – natürlich ohne erneuter Absprache.
Da gibt es noch den Handwerker mit dem man nachbarschaftlich über den Zaun drei Tage Arbeit verabredet und von dem man am Ende eine Rechung präsentiert bekommt, die mehr als seinen Mercedes rechtfertigt, abgesehen davon, das er natürlich nicht den halben Tag abgezogen hat, der damit vertan worden ist, von ihm verursachte Schäden durch einen anderen Handwerker wieder richten zu lassen, aber „was soll´s, wir sind ja Nachbarn. Da macht man das ja gern, ne?“
Ich denke an den Angestellten einer Autovermietung, der sich weigert, einen Wagen anzunehmen, da auf dem Formular nicht seine Filiale als anzunehmende Stelle angegeben wird und der sich nicht scheut mir angesichts brütender Hitze und bevorstehender Fahrt nach Berlin einen Umweg von ca. 30 km zuzumuten, weil er nicht in der Lage scheint, telefonieren zu können. Das obliegt mir und am Ende habe ich mir selbst die Kilometer erspart und ihm auch noch einen Anschiss.
Auch Elektriker, die nicht in der Lage sind zwei Steckdosen auf gleicher Höhe anzubringen sind keine Seltenheit, ebenso wie Klempner, die Abwasserrohre nicht im korrekten Winkel legen und somit dafür sorgen, das man ewig Verstopfung hat – in jedem Sinne.
Auch der Satz „Ich möchte eine Fenstertür haben, die genauso aussieht, wie die schon eingebauten.“ scheint schwer verständlich. Nach einem „Kein Problem.“ und wenig (!) Maßnehmen kommt nach Erteilung des Auftrages acht Wochen kein Laut. In der neunten Woche wird man in regelmäßigen Abständen von einem Angestellten der Firma besucht, um erneut Maß zu nehmen.
Am Ende wird einem statt nach angekündigten fünf nach 12 Wochen ein Fenster geliefert, das natürlich nicht aussieht wie es aussehen soll und nach einem verzweifelten Anruf bei dem Lieferanten wird man allen Ernstes gefragt, warum man es nicht bei dem Fensterbauer bestellt habe (Pleite) bei dem man (natürlich die Vorbesitzer) all die anderen bestellt habe und warum man das nicht gemacht hätte als man all die anderen habe einbauen lassen (neue Raumumgestaltung/man war noch immer nicht Eigentümer des Hauses zu jenem Zeitpunkt) und nun ist man erneut auf der Suche nach einem Fensterbauer, der nicht sagt, das die Farbe undefinierbar ist, die Sprosse nicht nachbaubar (tatsächlich eine DIN Sprosse) und der nicht mit seinem dicken Auto vor dem Haus parkt, ein Gesicht aufsetzt als hätte er all das nicht nötig und sein Gewehr (in einem Fall wirklich so gewesen) mit ins Haus trägt als ob man hier im Wilden Westen (Osten) wäre.
Von Handwerkern, die sich zu viel zumuten, ihre Termine nicht mehr koordiniert bekommen und am Ende bei einem zusammenbrechen und ihren Seelenmüll abladen, in der Hoffnung das bis dahin eh schon großzügige Gemüt noch einmal erweichen zu können, möchte ich hier gar nicht erst ausführlich erzählen.
Und so könnte ich unendlich weitermachen. Der Besserwessi, der unbedingt die Aufträge in die Region tragen wollte, um seinen Beitrag zur Stärkung dieser zu leisten, gerät an Ossis, die schnell gelernt haben in den Jahren nach der Wende und die sich nun einen Konflikt zunutze machen, den so mancher Besserwessi, bevor er hierher kam, nie gespürt hat, der ihm hier jedoch in vielfältiger Form begegnet und dessen moralische Keule, bewusst oder unbewusst, gegen Menschen wie ihn verwendet wird. Menschen, die hierher kommen, weil sie das Land lieben, vielleicht sogar ihren Beitrag leisten wollen und am Ende wie begossenen Pudel dastehen und nur noch achselzuckend und in guter alter Ostmanier sagen können: „Ich hab es doch nur gut gemeint!“
Donnerstag, Juli 13, 2006
Und ich sag noch...
Klinsmann geht.Gut so. Nicht, weil ich ihn nicht schätzen würde, sondern eben genau, weil ich ihn schätze. Im Zenit von Erfolg und damit verbundener Macht, geht er und kann mit Joachim Löw seine Nachfolge und sein Erbe regeln.
Ich persönlich hatte nichts anderes erwartet, denn auch wenn Beckenbauer, Hoeneß, die Bild und alle anderen nach der WM zu Opfern einer selektiven Amnesie wurden und laut riefen, er müsse bleiben, erinnere ich mich noch sehr gut, wie z.B. nach dem 4:1-Fiasko gegen Italien tatsächlich gefordert wurde, das sich der Bundestrainer vor dem Sportausschuss der Bundesregierung rechtfertigen solle. Unvergesslich ist mir, wie Franz Beckenbauer mit selbstgerecht-herablassender und Ulli Hoeneß mit sich vor Hysterie fast überschlagender Stimme meinten, zu wissen, wie sich der Bundestrainer zu verhalten und wo er zu leben habe.
Schon damals lief mir ein Schauer der Peinlichkeit ob ihrer offensichtlichen Selbstentlarvung über den Rücken. Sie wurden zu Kindern, die immer lauter mit dem Fuß aufstampften angesichts ihrer Machtlosigkeit.
Da war einer, der sich nicht unter Druck setzen ließ, der alles anders machen wollte und dies auch mit aller Konsequenz verfolgte. Misserfolge wurden analysiert, aufgearbeitet, verwertet, aber sie wurden nicht wie ein Damoklesschwert über die Mannschaft und das Konzept gehängt, als ob es um Leib und Leben ginge. Fehler sind dazu da aus ihnen zu lernen. Mehr nicht, weniger nicht.
Die Torwartfrage - was wurde er gescholten dafür - aber warum soll nicht auch ein anderer, der eine entsprechende Leistung erbringt, die Chance bekommen, sich zu zeigen? Ist der Name Oliver Kahn in Stein gemeißelt? Ist er Gott? Weder das eine noch das andere, ebenso wenig wie Jens Lehmann, aber Tatsache ist doch, das es für die deutsche Mannschaft ein anderes Spiel werden sollte und warum soll die Suche nach adäquaten Spielern für ein neues System bei einem Torwart aufhören? Da ist doch auch nicht der eine wie der andere.
Als Klinsmann antrat, war ich skeptisch und auch ein wenig gespannt. Mir gefiel der Ansatz, das sich was ändern müsste. Darin fühlte ich mich als Fan verstanden. Gerade vor ein paar Tagen habe ich noch einen wunderbaren Satz gehört: „Deutschland hatte das Pech mit Berti Voghts Europameister und mit Rudi Völler noch Vizeweltmeister zu werden.“ Verdient war das mit unserem ziemlich langweiligen und auf Sicherheit gespielten Rumpelfußball schon lange nicht mehr. Ebenso, und das hatte Jürgen Klinsmann begriffen, war das nicht die Zukunft, eine Zukunft, die sich aus Schnelligkeit, Fitness und Raffinesse zusammensetzte, von der Fußballdeutschland noch weit entfernt war und in der Bundesliga nach wie vor ist.
Vor einem Jahr im Confed-Cup konnte er das erste mal ernten was er gesät hatte. Was ich zu sehen bekam, begeisterte mich. Diese Mannschaft war wie ausgewechselt. Freude, eine grundsätzlich positive Einstellung, offensiver Spielwitz und Teamgeist wie man ihn sehr lange nicht mehr erlebt hatte. Ich freute mich, das wir endlich eine Mannschaft hatten, von der man den Eindruck haben konnte, das sie alles geben würde, um zu gewinnen. Da fand keine Ergebnisverwaltung statt, lieber riskierte man etwas, um noch ein weiteres Tor zu schießen und auch wenn wir dadurch mehr Gegentreffer kassierten, am Ende zählte der eine Punkt mehr.
Ab diesem Moment wurde ich Klinsmann-Fan und egal, wie viel Mist über diesem leidenschaftlichen Visionär ausgeschüttet wurde, mir konnte man ihn nicht mehr madig machen. Wir verloren? Ich gebe zu, schön war das nicht, aber mal ehrlich, Teamgeist lässt sich nicht in drei Tagen zwischen zwei Bundesligaspielen mal so eben beschwören. Schon gar nicht in einer so jungen und neu aufgestellten Mannschaft, der noch die Routine fehlt.
Er war dann und dann nicht da und da, weil er lieber bei seiner Familie in Kalifornien sein wollte? Na und, Hauptsache er ist da, wenn’s drauf ankommt.
Und er war da als es drauf ankam. Er war da und gab uns Leidenschaft, Einsatz und zeigte uns, das wir auch anders können - angriffslustig, schnell, frech – nicht nur die sicherheitsorientierten Garantiefanatiker.
Das er jetzt geht ist für mich genauso konsequent, wie die wahrscheinlich immer wieder neu getroffene Entscheidung zu bleiben. Er wollte etwas verändern und das ist ihm gelungen – zumindest für die Dauer der WM hat er weit mehr verändert als er vermutlich auf dem Zettel hatte. Wie nachhaltig das ist, wird sich noch zeigen.
Das er es geschafft hat, Deutschland eine Veränderung aufzuzwingen und damit zu erreichen, das dieses Land jubelt – allein dafür hat er schon das Bundesverdienstkreuz verdient.
Aber dieses Land hat ihm auch alles abgefordert. Immer wieder ist er von Menschen, die ihn hätten unterstützen müssen, mit Schlamm beworfen worden und trotzdem ist er geblieben. Hat uns nicht im Stich gelassen, wie er im Stich gelassen worden ist, hat geglaubt, woran die Meisten nicht geglaubt haben und dafür müssen wir, wie Angela Merkel zu Recht sagt, dankbar sein.
Das er jetzt geht, wird von mir, wie von vielen anderen, nicht nur akzeptiert und respektiert – es wird auch verstanden. Er hat eine Vision aufgebaut, Joachim Löw als Mitgestalter wird sich dieser sicher würdig erweisen - auch durch den Respekt, den Klinsmann und seine Mannen jedem abgetrotzt haben und der hoffentlich nicht so schnell wieder vergessen wird.
In diesem Sinne sage ich nicht danke für einen Traum, denn dem jagd man bekanntermaßen immer hinterher - ich sage danke für eine Idee und das Aufzeigen ihrer Möglichkeiten, nämlich das Veränderung etwas Gutes ist und das dieses Land doch anders kann.
Das wurde Zeit!
Mittwoch, Juli 05, 2006
Es ist doch nur ein Ball.
Das habe ich gern zu den Menschen aus meinem Umfeld gesagt, die genervt oder über alle Maßen enthusiastisch auf die WM reagierten.
Es ist doch nur ein Ball – das musste ich mit gestern Abend schon während der Vorberichterstattung sagen.
Es ist ITALIEN, sagte jedoch eine gar nicht so leise, zwischen Herz und Hirn hin- und herwandernde, meinen Verstand unterminierende, zweite Stimme.
I-T-A-L-I-E-N!
Was war passiert, das ich dermaßen emotional auf dieses Spiel reagierte?
Mir fällt schwer, offen auszusprechen, was ich über „die Italiener“ denke, da mir das Generalisieren als solches nicht liegt und ich auch versuchen möchte, fair zu bleiben.
So fair, wie mir das italienische System und zwar egal ob nun das des Fußballverbandes, der Regierung oder welches auch immer in diesem Lande, nicht zu sein scheint.
Der Skandal im eigenen Land, der (Achtung, gefährliches Halbwissen!) ungefähr 14 der 23 Spieler der italienischen WM-Mannschaft betrifft, frustriert mich schon länger. Als das gesamte Ausmaß bekannt wurde, konnte ich nur noch genervt die Augen gen Himmel verdrehen und mich fragen: Kann dieses Land eigentlich anders? Mafia, Berlusconi und jetzt das. Dazu kommen immer wieder Berichte über rechtsradikale Fans und rassistisches Verhalten innerhalb und um die Clubs herum.
Sicher ist das nicht die ganze Wahrheit und es wird teilweise auch anders sein, aber jetzt mal ehrlich, musste es denn ausgerechnet ein italienischer Fernsehsender sein, der der FIFA das exklusive Material eines vermeintlich zuschlagenden Frings zuspielte?
Als ich das erfuhr, sah ich es richtig vor mir, wie Don X (und ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das ich dabei nicht an Trainer Lippi oder andere aus der Mannschaft denke) das Spiel gegen Argentinien verfolgt, die Schlägerei beobachtet und zum Telefonhörer greift. Und schon springt die italienische Beschissmaschinerie an, wenn ich das mal so sagen darf.
Keiner hat doch wirklich mit einer Sperre für Frings gerechnet. Die Bilder, zumindest die, die ich gesehen habe, waren alles andere als überzeugend und selbst der Argentinier Cruz als Betroffener sprach Frings frei. Genützt hat es gar nichts und ich möchte nicht mal darüber nachdenken, welchem der FIFA-Herren ein Angebot gemacht worden ist, das er so nicht ablehnen konnte. Es frustriert mich, das dieses Land, in der Modewelt als stilprägend bekannt, offensichtlich nicht über Stil und Respekt im Umgang mit anderen verfügt. Goldene Regel auf dem Platz - es wird keine gelbe Karte für die gegnerische Mannschaft gefordert, aber auch das scheint Italien egal zu sein. Unter dem Mäntelchen der sogenannten Wahrheit will man ja „nur“ zur Aufklärung der Situation beitragen - eine Situation, die bis dahin durchaus geklärt oder zumindest in der Frage selbst nicht mehr als offen bezeichnet werden konnte.
Ich behaupte nicht, das wir am Ende auf Grund dieser Sperre das Spiel verloren haben. Nein, das haben wir verloren, weil Lippi ein Trainerfuchs ist, der seine Mannschaft hervorragend eingestellt hat, uns mit neuen Systemen und einer entsprechenden Aufstellung kalt erwischt hat und dessen Taktik und Reife unsere Mannschaft zwar Siegeswillen und Leidenschaft, aber noch nicht die nötige Routine, entgegensetzen konnte.
Auch ist mir klar, das in der italienischen Mannschaft ein „Jetzt-erst-recht“-Gefühl herrschen muss und das viele der Spieler, so denn ihre Vereine tatsächlich in die dritte Liga zurückgestuft werden sollten, sich derzeit auf Jobsuche befinden und sich entsprechend präsentieren müssen. Die Leistung, seit jetzt 24 Spielen ungeschlagen vom Platz gegangen zu sein, möchte ich an dieser Stelle auch mit deutlichem Respekt hervorheben.
Dennoch, ich gebe es zu, hadere ich mit der Tatsache, das ausgerechnet Italien Aspirant auf den Titel sein soll.
Jetzt bleibt für mich persönlich nur zu Hoffen, das sich wenigstens Frankreich durchsetzen kann und wenn es nur darum geht, das nicht zwei Mannschaften ins Finale einziehen, die auch beim „Wer-kann-dramatischer-über-den-Rasen-rollen“-Pokal gewinnen könnten. (Könnte es sein, das Frankreich sich auch für diesen Pokal anbietet? Mir war da was.)
Italien kann, Italien darf, für mein Empfinden einfach nicht Weltmeister werden, so wie wir es 2002 auch nicht durften, da in jenem Fall sonst die Botschaft gelautet hätte: Rumpelfußball lohnt sich. Im Falle Italiens wäre es die Botschaft: Über ein selbstgestelltes Bein stolpert es sich leichter, aber vielleicht wäre ein Sieg Italiens auch der Spiegel einer Realität, vor der ich persönlich nur noch immer die Augen verschließe?
Aber was sage ich – es ist doch nur ein Ball.
Es ist doch nur ein Ball – das musste ich mit gestern Abend schon während der Vorberichterstattung sagen.
Es ist ITALIEN, sagte jedoch eine gar nicht so leise, zwischen Herz und Hirn hin- und herwandernde, meinen Verstand unterminierende, zweite Stimme.
I-T-A-L-I-E-N!
Was war passiert, das ich dermaßen emotional auf dieses Spiel reagierte?
Mir fällt schwer, offen auszusprechen, was ich über „die Italiener“ denke, da mir das Generalisieren als solches nicht liegt und ich auch versuchen möchte, fair zu bleiben.
So fair, wie mir das italienische System und zwar egal ob nun das des Fußballverbandes, der Regierung oder welches auch immer in diesem Lande, nicht zu sein scheint.
Der Skandal im eigenen Land, der (Achtung, gefährliches Halbwissen!) ungefähr 14 der 23 Spieler der italienischen WM-Mannschaft betrifft, frustriert mich schon länger. Als das gesamte Ausmaß bekannt wurde, konnte ich nur noch genervt die Augen gen Himmel verdrehen und mich fragen: Kann dieses Land eigentlich anders? Mafia, Berlusconi und jetzt das. Dazu kommen immer wieder Berichte über rechtsradikale Fans und rassistisches Verhalten innerhalb und um die Clubs herum.
Sicher ist das nicht die ganze Wahrheit und es wird teilweise auch anders sein, aber jetzt mal ehrlich, musste es denn ausgerechnet ein italienischer Fernsehsender sein, der der FIFA das exklusive Material eines vermeintlich zuschlagenden Frings zuspielte?
Als ich das erfuhr, sah ich es richtig vor mir, wie Don X (und ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, das ich dabei nicht an Trainer Lippi oder andere aus der Mannschaft denke) das Spiel gegen Argentinien verfolgt, die Schlägerei beobachtet und zum Telefonhörer greift. Und schon springt die italienische Beschissmaschinerie an, wenn ich das mal so sagen darf.
Keiner hat doch wirklich mit einer Sperre für Frings gerechnet. Die Bilder, zumindest die, die ich gesehen habe, waren alles andere als überzeugend und selbst der Argentinier Cruz als Betroffener sprach Frings frei. Genützt hat es gar nichts und ich möchte nicht mal darüber nachdenken, welchem der FIFA-Herren ein Angebot gemacht worden ist, das er so nicht ablehnen konnte. Es frustriert mich, das dieses Land, in der Modewelt als stilprägend bekannt, offensichtlich nicht über Stil und Respekt im Umgang mit anderen verfügt. Goldene Regel auf dem Platz - es wird keine gelbe Karte für die gegnerische Mannschaft gefordert, aber auch das scheint Italien egal zu sein. Unter dem Mäntelchen der sogenannten Wahrheit will man ja „nur“ zur Aufklärung der Situation beitragen - eine Situation, die bis dahin durchaus geklärt oder zumindest in der Frage selbst nicht mehr als offen bezeichnet werden konnte.
Ich behaupte nicht, das wir am Ende auf Grund dieser Sperre das Spiel verloren haben. Nein, das haben wir verloren, weil Lippi ein Trainerfuchs ist, der seine Mannschaft hervorragend eingestellt hat, uns mit neuen Systemen und einer entsprechenden Aufstellung kalt erwischt hat und dessen Taktik und Reife unsere Mannschaft zwar Siegeswillen und Leidenschaft, aber noch nicht die nötige Routine, entgegensetzen konnte.
Auch ist mir klar, das in der italienischen Mannschaft ein „Jetzt-erst-recht“-Gefühl herrschen muss und das viele der Spieler, so denn ihre Vereine tatsächlich in die dritte Liga zurückgestuft werden sollten, sich derzeit auf Jobsuche befinden und sich entsprechend präsentieren müssen. Die Leistung, seit jetzt 24 Spielen ungeschlagen vom Platz gegangen zu sein, möchte ich an dieser Stelle auch mit deutlichem Respekt hervorheben.
Dennoch, ich gebe es zu, hadere ich mit der Tatsache, das ausgerechnet Italien Aspirant auf den Titel sein soll.
Jetzt bleibt für mich persönlich nur zu Hoffen, das sich wenigstens Frankreich durchsetzen kann und wenn es nur darum geht, das nicht zwei Mannschaften ins Finale einziehen, die auch beim „Wer-kann-dramatischer-über-den-Rasen-rollen“-Pokal gewinnen könnten. (Könnte es sein, das Frankreich sich auch für diesen Pokal anbietet? Mir war da was.)
Italien kann, Italien darf, für mein Empfinden einfach nicht Weltmeister werden, so wie wir es 2002 auch nicht durften, da in jenem Fall sonst die Botschaft gelautet hätte: Rumpelfußball lohnt sich. Im Falle Italiens wäre es die Botschaft: Über ein selbstgestelltes Bein stolpert es sich leichter, aber vielleicht wäre ein Sieg Italiens auch der Spiegel einer Realität, vor der ich persönlich nur noch immer die Augen verschließe?
Aber was sage ich – es ist doch nur ein Ball.
Freitag, Juni 30, 2006
Und sie dreht sich doch!
Zwei Tage spielfrei liegen hinter uns und das Fazit? Es geht weiter - es ging weiter. Wir stellen fest, das es auch abseits von Fanmeilen, Großbildfernsehern und kollektivem Fußballwahn ein Leben gibt und - das bekommen wir schmerzhaft zu spüren – ein Leben gab.
Beim ersten wirklichen Wahrnehmen der Nachrichten und entsprechender anderer Sendungen erkenne ich, das wir uns haben einlullen lassen.
„Brot und Spiele“ schoss es mir durch den Kopf, doch beim frühmorgendlichen Sichten meiner Blogroll musste ich lesen, das dieser Titel für einen Post schon an Oh Behave! vergeben ist.
Ebenso wie er erkannte ich, das es weiterging und nicht alle dem runden Wahnsinn verfallen sind.
Ich glaube jedoch nicht, das zur Zeit aus der dritten Reihe regiert wird. Ich vermute eher einen perfiden Plan. Die Regierungsbank zeigt sich geschlossen – beim Fußball. Die zweite Reihe darf überbringen, was abseits der Spiele sehr wohl von der Ersten ausgehandelt wird. Die Dritte arbeitet als Kurier zwischen den Reihen und sorgt für die Testballons, um einfach mal abzuschätzen, in welchem Komaindex wir uns noch befinden. Das muss man Angela lassen – sie hat begriffen, das man dafür Leute hat – Gerd hat das ja immer allein gemacht und sich damit den Ruf einen Situationspolitikers eingehandelt.
Deutschland ist jedoch nicht die Welt und auch wenn diese bei uns zu Gast ist, hat sie noch eine Besetzung im jeweiligen Land gelassen. Wohl dem, wer sich eine repräsentative Monarchie leistet. Da können sogar Entscheidungen getroffen werden, während die eigene Mannschaft holländischen Rasen in deutschen Stadien auflockert und das Volk paralysiert vor dem Fernsehschirm klebt.
Ganz nebenbei erlebe ich, wie die Hamas Israel anerkennt, was meiner Meinung nach auch ganz anders hätte ausgehen können. Vielleicht hilfreich, das wir alle mal ein bisschen zur Seite geschaut haben.
Der Kongo-Einsatz steht, doch haben wir uns tatsächlich vergegenwärtigt, das wir schießen sollen – und zwar auch auf Kinder?
Guantanamo ist und bleibt ein Thema, allerdings hat W. das Problem, das die USA-Mannschaft schon wieder zu Hause ist und das die Beliebtheit von Soccer sich eh nicht proportional zu Basketball oder Baseball verhält.
Das heißt für ihn, auch wenn der Druck der anderen Länder für den Moment etwas nachlässt (wir, als einer seiner größten Kritiker, sind mit Organisieren beschäftigt), der Druck im eigenen Land zunimmt. Die entsprechenden Präsidenten-, Funktionärs- und Regierungserklärungen sind auch nicht dazu geeignet, Ruhe in das Thema zu bringen oder glaubt wirklich jemand, das der „kriegerische Akt“ eines Selbstmords in Guantanamo dazu dienen kann, dieses Lager zu rechtfertigen?
But who cares, wenn nur das Runde in das Eckige passt. Entsprechend ist die Empörung im eigenen Land ausnahmsweise mal größer als im Rest der Welt.
Und während das alles passiert, wird bei uns im Land mal wieder an der Reform der Reform der Reform gebastelt, die Koalition bekommt dabei die ersten deutlich sichtbaren Risse und am Ende haben wir vermutlich keine Regierung mehr oder mal wieder den kleinsten gemeinsamen Nenner, der garantiert nichts weiter bringt als noch mehr Schulden.
Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen, das wir bei der WM 2010 Afrika vermutlich nur noch auf dem Rasen schlagen können.
Aber bis dahin ist es noch weithin. Jetzt schlagen wir erst mal die Argentinien.
Olé, olé, oléééé!
Beim ersten wirklichen Wahrnehmen der Nachrichten und entsprechender anderer Sendungen erkenne ich, das wir uns haben einlullen lassen.
„Brot und Spiele“ schoss es mir durch den Kopf, doch beim frühmorgendlichen Sichten meiner Blogroll musste ich lesen, das dieser Titel für einen Post schon an Oh Behave! vergeben ist.
Ebenso wie er erkannte ich, das es weiterging und nicht alle dem runden Wahnsinn verfallen sind.
Ich glaube jedoch nicht, das zur Zeit aus der dritten Reihe regiert wird. Ich vermute eher einen perfiden Plan. Die Regierungsbank zeigt sich geschlossen – beim Fußball. Die zweite Reihe darf überbringen, was abseits der Spiele sehr wohl von der Ersten ausgehandelt wird. Die Dritte arbeitet als Kurier zwischen den Reihen und sorgt für die Testballons, um einfach mal abzuschätzen, in welchem Komaindex wir uns noch befinden. Das muss man Angela lassen – sie hat begriffen, das man dafür Leute hat – Gerd hat das ja immer allein gemacht und sich damit den Ruf einen Situationspolitikers eingehandelt.
Deutschland ist jedoch nicht die Welt und auch wenn diese bei uns zu Gast ist, hat sie noch eine Besetzung im jeweiligen Land gelassen. Wohl dem, wer sich eine repräsentative Monarchie leistet. Da können sogar Entscheidungen getroffen werden, während die eigene Mannschaft holländischen Rasen in deutschen Stadien auflockert und das Volk paralysiert vor dem Fernsehschirm klebt.
Ganz nebenbei erlebe ich, wie die Hamas Israel anerkennt, was meiner Meinung nach auch ganz anders hätte ausgehen können. Vielleicht hilfreich, das wir alle mal ein bisschen zur Seite geschaut haben.
Der Kongo-Einsatz steht, doch haben wir uns tatsächlich vergegenwärtigt, das wir schießen sollen – und zwar auch auf Kinder?
Guantanamo ist und bleibt ein Thema, allerdings hat W. das Problem, das die USA-Mannschaft schon wieder zu Hause ist und das die Beliebtheit von Soccer sich eh nicht proportional zu Basketball oder Baseball verhält.
Das heißt für ihn, auch wenn der Druck der anderen Länder für den Moment etwas nachlässt (wir, als einer seiner größten Kritiker, sind mit Organisieren beschäftigt), der Druck im eigenen Land zunimmt. Die entsprechenden Präsidenten-, Funktionärs- und Regierungserklärungen sind auch nicht dazu geeignet, Ruhe in das Thema zu bringen oder glaubt wirklich jemand, das der „kriegerische Akt“ eines Selbstmords in Guantanamo dazu dienen kann, dieses Lager zu rechtfertigen?
But who cares, wenn nur das Runde in das Eckige passt. Entsprechend ist die Empörung im eigenen Land ausnahmsweise mal größer als im Rest der Welt.
Und während das alles passiert, wird bei uns im Land mal wieder an der Reform der Reform der Reform gebastelt, die Koalition bekommt dabei die ersten deutlich sichtbaren Risse und am Ende haben wir vermutlich keine Regierung mehr oder mal wieder den kleinsten gemeinsamen Nenner, der garantiert nichts weiter bringt als noch mehr Schulden.
Vielleicht sollten wir uns daran gewöhnen, das wir bei der WM 2010 Afrika vermutlich nur noch auf dem Rasen schlagen können.
Aber bis dahin ist es noch weithin. Jetzt schlagen wir erst mal die Argentinien.
Olé, olé, oléééé!
Dienstag, Juni 27, 2006
Favoritensterben
Bruno, der Bär, ist tot. Gestern durfte ich, kaum das ich am Frühstückstisch saß, diese Nachricht entgegennehmen und dazu in das vor Entrüstung leicht fleckige Gesicht des Überbringers schauen.
Bruno, der Bär, ist tot und vorbei ist es für uns mit der Weltmeisterschaft. Ihr werdet es sehen, Waldemar Hartmann wird recht behalten, doch stellt sich Frage, ob seine Warnung eher prophetischer oder beschwörender Natur war. Ich persönlich neige ja dazu, nicht drüber zu reden und z.B. eine Wunschwohnung oder –haus erst dann einzurichten, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Vorher beschwört man es doch nur! Hättest mal besser den Mund gehalten, Waldi. Jetzt werden wir nicht Weltmeister im eigenen Land und außerdem sind Aol-Nutzer (88% wollten das Bruno lebt), Tierschutzvereinsmeier und Naturschützer sauer, weil Bruno erschossen und nicht betäubt wurde. Was sind schon 30 Meter. In dieser Höhe geht bei anderen erst der Fallschirm auf. Diese Tatsachen hätte sich der bayrische Umweltminister in Hinblick auf die nächste Wahl einmal vor Augen halten sollen. Das war das vermutlich seine einzige Chance, gut auszusehen und als Favorit ins nächste Rennen zu gehen. Bruno konnte doch schließlich nichts dafür, das seine Mutter ihm das Leben falsch erklärt hat und er glaubte, das Ställe Kühlschränke im Großformat sind. Im Gegenteil, da zeigt man Intelligenz und Initiative und das ist auch nicht recht.
Intelligenz und Initiative habe ich leider gestern vor dem heimischen Fernsehschirm nicht zu sehen bekommen. Im Herzen für manchen Underdog, durfte ich in den letzten Tagen Spiele sehen, die mir eher das Herz brachen. Hatten mir die Experten doch versprochen, das im K.O.-System das Taktieren vorbei sei, erlebte ich bisher Mannschaften, deren Knie vor Nervosität zitterten statt das sie beherzt aufspielten.
Eingestimmt durch den, zugegebenermaßen wirklich beeindruckenden Einstieg der deutschen Nationalmannschaft ins Achtelfinale, freute ich mich auf mehr, doch keiner konnte das von unserer Mannschaft mit ihrem Auftritt abgegebene Versprechen halten. Im Gegenteil, England rumpelt, wie wir es normalerweise von unserer Mannschaft gewohnt sind, Schweden muss zu unseren Gunsten die Segel streichen, Argentinien hat vergessen, dass das Publikum auch nach der Vorrunde gern beeindruckt wird und schickt Mexiko in einem Arbeitssieg nach Hause, Italien hatte Glück (oder möchte hier jemand wirklich einen unglücklichen Platzverweis mit einem Elf-Meter in der 93. Minute verrechnen?) und ich hoffe sehr, das der vermeintlich fehlgeleitete Australier zuhause nicht unter glühendem Himmel am Ayers Rock festgebunden wird. Das hat er nicht - das hat die Mannschaft nicht verdient. Die Soccerroos haben alles gegeben.
Gekämpft haben auch Portugiesen und Holländer, jedoch leider nicht mit dem Ball. Da schaue ich endlich ein Spiel auf einer Großleinwand und was bekomme ich zu sehen – einen Tittengrapschenden und Kopfnüsse verteilenden Figo. Nein, in diesem Spiel hat sich keine der beiden Mannschaften mit Ruhm bekleckert und mein Fazit am Ende des Spiels: Ich bin froh, das ich nicht mehr in Hamburg lebe. Ansonsten hätte ich wohl mein Leben während der WM in die Große Bergstraße in Altona verlegt, einem Sofa im „Stile der Stadt“ meinen Namen gegeben und um einen Internetanschluss gebeten. Fußball kann auf gefühlten 3m x 3m so schön aussehen, wenn er denn gespielt wird.
Gestern Abend dann Not gegen Elend. Die Schweiz wurde als einer meiner Geheim-Favoriten leider nicht schnell genug zu einem Geh-heim-Favoriten gegen die Ukraine. Wir mussten uns bis ins Elf-Meter-Schießen quälen, um einen Sieger zu sehen, doch für meine Begriffe gab es an diesem Abend nur Verlierer. Aol spricht, wenn auch nur klein und verschämt zwischen anderen Berichten versteckt, von einem Krimi. Vielleicht im Paralleluniversum 4b. In meiner Welt war man froh, als man endlich den Fernseher ausschalten konnte.
Heute spielen Frankreich und Spanien gegeneinander. Mein alter Favorit gegen meinen neuen. Frankreich sieht lange nicht so gut aus, wie ich sie in Erinnerung hatte und Spanien bei weitem nicht so schlecht, wie ich sie bisher kannte.
Da kann ich nur gewinnen – da kann ich nur verlieren, aber ich gebe es zu, mein Herz pocht etwas lauter für Spanien. Nicht familiär bedingt, nein, diese Mannschaft hat mir bei der bisherigen WM soviel Spaß bereitet wie die Deutsche. Mutig, überraschend, angriffslustig und schön anzusehen.
Ich hätte noch eine Bitte: Die ARD möchte Herrn Beckmann bitte die Benutzung von mehr als einem Adjektiv verbieten und ihm erklären, das wir die WM im Männerfußball erleben - oder möchte jemand weiterhin Sätze wie „...der zarte Schmelz eines 15-jährigen...“ (gemeint war Brasiliens Kaka), „Die Spanier behandeln den Ball mit der nötigen Liebe und Zuwendung.“ und Worte wie „zauberhaft“ in Zusammenhang mit diesem Sport hören?
Mein Traumfinale lautet: Deutschland – Spanien, aber ich ahne es wird Brasilien – Argentinien.
Würde das gehen? Ich habe noch nicht gerechnet.
Bruno, der Bär, ist tot und vorbei ist es für uns mit der Weltmeisterschaft. Ihr werdet es sehen, Waldemar Hartmann wird recht behalten, doch stellt sich Frage, ob seine Warnung eher prophetischer oder beschwörender Natur war. Ich persönlich neige ja dazu, nicht drüber zu reden und z.B. eine Wunschwohnung oder –haus erst dann einzurichten, wenn der Vertrag unterschrieben ist. Vorher beschwört man es doch nur! Hättest mal besser den Mund gehalten, Waldi. Jetzt werden wir nicht Weltmeister im eigenen Land und außerdem sind Aol-Nutzer (88% wollten das Bruno lebt), Tierschutzvereinsmeier und Naturschützer sauer, weil Bruno erschossen und nicht betäubt wurde. Was sind schon 30 Meter. In dieser Höhe geht bei anderen erst der Fallschirm auf. Diese Tatsachen hätte sich der bayrische Umweltminister in Hinblick auf die nächste Wahl einmal vor Augen halten sollen. Das war das vermutlich seine einzige Chance, gut auszusehen und als Favorit ins nächste Rennen zu gehen. Bruno konnte doch schließlich nichts dafür, das seine Mutter ihm das Leben falsch erklärt hat und er glaubte, das Ställe Kühlschränke im Großformat sind. Im Gegenteil, da zeigt man Intelligenz und Initiative und das ist auch nicht recht.
Intelligenz und Initiative habe ich leider gestern vor dem heimischen Fernsehschirm nicht zu sehen bekommen. Im Herzen für manchen Underdog, durfte ich in den letzten Tagen Spiele sehen, die mir eher das Herz brachen. Hatten mir die Experten doch versprochen, das im K.O.-System das Taktieren vorbei sei, erlebte ich bisher Mannschaften, deren Knie vor Nervosität zitterten statt das sie beherzt aufspielten.
Eingestimmt durch den, zugegebenermaßen wirklich beeindruckenden Einstieg der deutschen Nationalmannschaft ins Achtelfinale, freute ich mich auf mehr, doch keiner konnte das von unserer Mannschaft mit ihrem Auftritt abgegebene Versprechen halten. Im Gegenteil, England rumpelt, wie wir es normalerweise von unserer Mannschaft gewohnt sind, Schweden muss zu unseren Gunsten die Segel streichen, Argentinien hat vergessen, dass das Publikum auch nach der Vorrunde gern beeindruckt wird und schickt Mexiko in einem Arbeitssieg nach Hause, Italien hatte Glück (oder möchte hier jemand wirklich einen unglücklichen Platzverweis mit einem Elf-Meter in der 93. Minute verrechnen?) und ich hoffe sehr, das der vermeintlich fehlgeleitete Australier zuhause nicht unter glühendem Himmel am Ayers Rock festgebunden wird. Das hat er nicht - das hat die Mannschaft nicht verdient. Die Soccerroos haben alles gegeben.
Gekämpft haben auch Portugiesen und Holländer, jedoch leider nicht mit dem Ball. Da schaue ich endlich ein Spiel auf einer Großleinwand und was bekomme ich zu sehen – einen Tittengrapschenden und Kopfnüsse verteilenden Figo. Nein, in diesem Spiel hat sich keine der beiden Mannschaften mit Ruhm bekleckert und mein Fazit am Ende des Spiels: Ich bin froh, das ich nicht mehr in Hamburg lebe. Ansonsten hätte ich wohl mein Leben während der WM in die Große Bergstraße in Altona verlegt, einem Sofa im „Stile der Stadt“ meinen Namen gegeben und um einen Internetanschluss gebeten. Fußball kann auf gefühlten 3m x 3m so schön aussehen, wenn er denn gespielt wird.
Gestern Abend dann Not gegen Elend. Die Schweiz wurde als einer meiner Geheim-Favoriten leider nicht schnell genug zu einem Geh-heim-Favoriten gegen die Ukraine. Wir mussten uns bis ins Elf-Meter-Schießen quälen, um einen Sieger zu sehen, doch für meine Begriffe gab es an diesem Abend nur Verlierer. Aol spricht, wenn auch nur klein und verschämt zwischen anderen Berichten versteckt, von einem Krimi. Vielleicht im Paralleluniversum 4b. In meiner Welt war man froh, als man endlich den Fernseher ausschalten konnte.
Heute spielen Frankreich und Spanien gegeneinander. Mein alter Favorit gegen meinen neuen. Frankreich sieht lange nicht so gut aus, wie ich sie in Erinnerung hatte und Spanien bei weitem nicht so schlecht, wie ich sie bisher kannte.
Da kann ich nur gewinnen – da kann ich nur verlieren, aber ich gebe es zu, mein Herz pocht etwas lauter für Spanien. Nicht familiär bedingt, nein, diese Mannschaft hat mir bei der bisherigen WM soviel Spaß bereitet wie die Deutsche. Mutig, überraschend, angriffslustig und schön anzusehen.
Ich hätte noch eine Bitte: Die ARD möchte Herrn Beckmann bitte die Benutzung von mehr als einem Adjektiv verbieten und ihm erklären, das wir die WM im Männerfußball erleben - oder möchte jemand weiterhin Sätze wie „...der zarte Schmelz eines 15-jährigen...“ (gemeint war Brasiliens Kaka), „Die Spanier behandeln den Ball mit der nötigen Liebe und Zuwendung.“ und Worte wie „zauberhaft“ in Zusammenhang mit diesem Sport hören?
Mein Traumfinale lautet: Deutschland – Spanien, aber ich ahne es wird Brasilien – Argentinien.
Würde das gehen? Ich habe noch nicht gerechnet.
Samstag, Juni 24, 2006
Typisch deutsch?
Da lese ich im Waschsalon, wie er – wie andere – sich die Deutschen vorstellen und stelle fest:
Ich esse gern - bevorzugt, chinesisch, indisch, japanisch oder italienisch. Ich trinke kein Bier. Ich nehme mir nicht das Recht zu gehorchen. Geld bleibt nicht lange bei mir. Meine Tür steht immer offen. Ich kümmere mich, aber nicht sofort. Ich bin nicht pünktlich. Ich bin weder strebsam noch eifrig im klassischen Sinne. Hierarchien machen mir Angst. Ich lebe in einem gewissen Maß von Unordnung und Chaos. Ich schätze Flexibilität. Ich lache gern und viel. Ich schaue nicht nach dem Gras auf der anderen Seite des Zauns. Ich nehm es gelassen. Ich werde auch nach 16 Jahren Liebe nicht heiraten. Ich jammere selten. Ich habe es mir nicht anders vorgestellt. Ich trage meine Sandalen grundsätzlich barfuss. Ich habe keine Ausbildung. Meine Beziehung, mein Hund und mein Blog sind bisher der beständigste Teil in meinem Leben. Ich weiß nicht, wo und was ich in einem Monat machen werde. Ich fahre zu schnell.
Ich bin deutsch. Ich bin Mensch.
Und ja, ich esse Bioeier, trinke Biomilch und trenne meinen Müll.
Ich esse gern - bevorzugt, chinesisch, indisch, japanisch oder italienisch. Ich trinke kein Bier. Ich nehme mir nicht das Recht zu gehorchen. Geld bleibt nicht lange bei mir. Meine Tür steht immer offen. Ich kümmere mich, aber nicht sofort. Ich bin nicht pünktlich. Ich bin weder strebsam noch eifrig im klassischen Sinne. Hierarchien machen mir Angst. Ich lebe in einem gewissen Maß von Unordnung und Chaos. Ich schätze Flexibilität. Ich lache gern und viel. Ich schaue nicht nach dem Gras auf der anderen Seite des Zauns. Ich nehm es gelassen. Ich werde auch nach 16 Jahren Liebe nicht heiraten. Ich jammere selten. Ich habe es mir nicht anders vorgestellt. Ich trage meine Sandalen grundsätzlich barfuss. Ich habe keine Ausbildung. Meine Beziehung, mein Hund und mein Blog sind bisher der beständigste Teil in meinem Leben. Ich weiß nicht, wo und was ich in einem Monat machen werde. Ich fahre zu schnell.
Ich bin deutsch. Ich bin Mensch.
Und ja, ich esse Bioeier, trinke Biomilch und trenne meinen Müll.
Donnerstag, Juni 08, 2006
Ich freu mich!
Ich weiß, einige können es nicht mehr oder konnten es noch nie hören, doch ich steh dazu – ich freu mich auf den Anpfiff, auf den Beginn von vier Wochen Ausnahmezustand, von Freunden zu Gast in unserer Welt.Ich freue mich auf Ablästern über peinliche Momente, Fehlentscheidungen, Outfitfragen und die körperliche Verfassung (nicht zwangsläufig im medizinischen Sinne) der jeweiligen Spieler.
Ich freue mich, einer von 80 Millionen Klinsmännern zu sein und garantiert alles besser zu wissen, während unsere Mannschaft gerade an den Realitäten zerschellt (natürlich wäre das dann mit mir nie passiert) und alternativ auf die Schweiz und England zu setzen, auch wenn das in Bezug auf England ist, als würde man als Mitglied der Capulet-Familie die Montaques unterstützen.
Ich freu mich, auch wenn ich in meinem Freundeskreis auf wenig bis gar kein Verständnis hoffen kann, gegen Vorurteile der besonderen Art zu kämpfen habe (Fußball vs. Frauen) und es mir von der Werbeindustrie durch Reizüberflutung auch nicht leichter gemacht worden ist, mir meinen Enthusiasmus zu erhalten.
Alle anderen müssen auf gutes Wetter hoffen, sich vielleicht ein paar neue Bücher besorgen oder Blogs schreiben über Menschen wie mich, denn Fernsehen fällt für die nächsten vier Wochen aus.
Montag, April 24, 2006
Entschuldigung, aber....
Ich kam in letzter Zeit nicht immer zum Nachrichten schauen. Gestern jedoch schon. Angela Merkel spricht von "Demokratieabbau" und Schäuble, kaum hat er sich für seine blonde und blauäugige Wortwahl in Bezug auf den "Potsdam-Vorfall" entschuldigt, rechtfertigt sinngemäß das Ereignis (oder sollte ich sagen "die Ereignisse" in Hinblick auf alles, was in den letzten 15 Jahren diesbezüglich passiert ist) damit, das eine Bevölkerung, die soetwas (Ausländer) nicht gewohnt sei, natürliche Angst habe.
Äh....hallo?....Ist das noch mein Land?
Samstag, April 22, 2006
Fuck you – fuck me oder Das Primitive lebt
Das Primitive in uns lebt und liebt, rast und siegt.Es kann nur geradeaus, es kann nur laut, es kann nur direkt, es kann nicht anders. Im Viktorianischen an den Rand gedrängt und fast ausgestorben, erfreut es sich jetzt, im Zeitalter der Hochtechnologie, so großer Beliebtheit, das man glauben könnte, die Steinzeit feiert ihr Comeback.
Aber wen wundert es, hat es doch durch Internet, Handy, Privatfernsehen und digitalisierte Medien eine ganze Welt für sich gefunden.
Mit Einzug dieser Technologien konnte sich das Primitive aus dem Untergrund wie ein Lauffeuer in das allgemeine Leben ausbreiten, Kanäle besetzen und besitzen und den Inhalt des unteren Teil so mancher Ladentheke, nicht immer um Erlaubnis fragend, in jeden angeschlossenen Privathaushalt liefern.
Die Schamgrenze, ein wichtiger Bestandteil des In Schach Haltens des Primitiven, fiel der Möglichkeit der Anonymität zum Opfer. Fern des Gesichts, des Blick und des unmittelbaren Urteils des Anderen lässt sich alles so viel leichter sagen und zeigen als manch einem lieb ist.
Das ist nicht immer unwillkommen, würde ich behaupten. Hin und wieder hat das Nicht um den heißen Brei reden auch seinen Reiz, aber die Frage nach dem richtigen Moment ist diffizil.
Das Wann und das Wie erfordern eine Raffinesse, die im direkten Widerspruch zum Primitiven steht.
Ohne generalisieren zu wollen, denke ich, das sich so manchem Mann (vermutlich auch genug Frauen) durch Internet und Handy Wege eröffnet haben, das nicht vorhandene Talent zum Flirten zu kompensieren.
Das klingt im Internet dann ungefähr so:
„Wie alt? – Wie siehst du aus? - Hast Foto? – Worauf stehst du? – Willst ficken?“
Wenn die Abfuhr kommt, ist sie auf Grund der räumlichen Trennung weniger schmerzhaft. Würde die holde Maid neben diesem Affen stehen, würde sie ihn vermutlich nicht nur wegklicken sondern wegkicken.
Im Bewusstsein, das ihm das erspart bleibt, glaubt er, sich nicht bemühen zu müssen. Irgendeine wird schon anbeißen. Kaum vorstellbar, aber es soll schon geklappt haben.
Auf der anderen Seite gibt es den typischen Fall von nicht redegewandt, aber dennoch auf einen gewissen äußeren Rahmen bedacht. Dieser ist für ihn eigentlich nicht wichtig, aber er geht davon aus, das er für sie wichtig ist.
Da kommt erst ein „Wie geht´s?“ vor „Wie alt?“ bzw. „Wie siehst du aus?“ und ein „Was machst du so?“ vor dem Rest. Wenn die holde Maid jedoch nun versucht, ernsthaft ein Gespräch aufzubauen, fliegt die Tarnung schnell auf. Denn nach dem Austausch der Interessen jenseits dessen, worum es eigentlich geht, stellt sie schnell fest, das keine Gemeinsamkeit die intellektuelle Ebene füttert.
Ihn stört das nicht, sie jedoch schon und lehnt ihn als zukünftigen Partner für was auch immer ab.
„Ich treffe mich lieber. Von Angesicht zu Angesicht spricht es sich doch leichter.“, versucht er noch zu locken, doch sie durchschaut es und lässt dies auch durchblicken.
Dann der nette Versuch eines Tricks von ihm: „Immer glauben alle Frauen, das es nur um das Eine gehen würde. Das Mann sich auch einfach nur unterhalten und Freundschaften aufbauen will, glaubt niemand.“
Wenn sie dann aber sagt: „Wenn ich mich treffe, dann nur für das eine. Alles andere habe ich schon.“ kommt prompt: „Na, dann passt es doch!“
Auch die SMS ist nicht zu unterschätzen. Hat es nun doch jemand geschafft, vermutlich auf charmantere Art, die Handynummer der holden Maid zu ergattern, bricht das Gerüst relativ schnell zusammen. Ein Foto oder ein erstes Treffen vorrausgesetzt, folgt meist auf eine erste noch harmlose Test-SMS sogleich die erste Anzüglichkeit und während bei der direkten Gegenüberstellung die holde Maid errötend lächeln oder gar kichern würde und dieses nun eine Zärtlichkeit und vielleicht den ersten Kuss zur Folge hätte, lächelt sie bei der SMS im stillen, sieht sich aber gezwungen zu antworten, damit auch er mitbekommt, das sie lächelt. Jedoch entgeht ihm das zarte Erröten und statt sich einfach zu freuen, das er positiv aufgenommen wurde (die zärtliche Geste muss leider ausbleiben), glaubt er, den Kontakt auf keinen Fall abreißen lassen zu dürfen und schreibt weiter: „Wenn ich jetzt bei dir wäre, dann würde ich....“ (wahlweise „...würden wir....“) und schon hat das Primitive wieder Freigang. Statt es zu tun, erzeugt er die entsprechende Fantasie, um es dann beim nächsten Mal tun zu können.
Ein Cleverle – wenn es nicht so durchsichtig wäre. Kann trotzdem klappen oder vielleicht gerade deswegen?
Ich gebe zu, es ist nicht immer leicht. Letztendlich wollen wir wohl alle dasselbe und generell ist gegen ein paar Deftigkeiten nichts einzuwenden – wo und wenn sie passen – aber ich finde es traurig, das so manch ein Ritual derzeit einen leisen Tod stirbt, das neben der optischen und der intellektuellen Komponente, die der sexuellen Kompatibilität, nicht nur hinzugekommen sondern offensichtlich für manch einen zur entscheidenden Frage geworden ist.
Der Schutz der Anonymität bietet den Verunsicherten Möglichkeiten, die sie sich im wirklichen Leben nur schwer erarbeiten hätten können und ich selbst erkenne den Vorteil, aber dennoch - ist das gleich ein Grund, seine Manieren über Bord gehen zu lassen und das allzu Menschliche zu entmenschlichen?
Oder will hier vielleicht jemand ernsthaft mit seinem Handy......?
Grunz!
Montag, April 17, 2006
Entzauberung
„Be smart – don´t start“ – seit bald einem Jahr befindet sich ein Kugelschreiber mit dieser Aufschrift in meinen Haushalt.Ich bekam ihn, um im letzten Sommer das Übergabeprotokoll des alten Hauses zu unterschreiben.
Schon damals fand ich diesen Satz irritierend, ja regelrecht unpassend, wenn man die Tatsache betrachtete, das der Anlass der zu leistenden Unterschrift bedeutete, etwas zu beenden, um etwas anderes anzufangen.
Seitdem kreuzt er immer wieder meinen Weg, wenn es gilt, sich etwas zu notieren und immer wieder halte ich in der Nutzung inne und betrachte ihn. Es ist einer von diesen „ökologischen“ Einwegkugelschreibern, die statt mit Plastik mit Papier umwickelt sind. (Vielleicht ist das auch einfach nur billiger.) Er ist rot und der Satz ist mit blauen Großbuchstaben darauf gedruckt. Kein Logo, kein Sonderzeichen, keine Prägung verraten mir etwas über Sinn und Herkunft des gedruckten Gedankens. Mein einziger Anhaltspunkt: er kam aus der Hand einer Lehrerin, aber was sagt das schon.
„Be smart – don´t start“ – nicht beginnen, stehen bleiben, sich nicht fortbewegen, innehalten – geistig, körperlich? Leben wir nicht in einer Welt, in der das Gegenteil nicht nur gepredigt sondern regelrecht vorausgesetzt wird? Was könnte jemanden veranlassen, genau diesen Gedanken zu verbreiten? Kontraproduktiv auf die Idee des Fortschreitens zu reagieren und in eigener Verweigerung innezuhalten? Aber nicht nur das, sondern, vielleicht als einen letzten Akt, diese Kampagne zu starten, um auch andere zum Stillstand zu bewegen?
„Be smart – don´t start“ – zwar von Natur aus nicht die Schnellste und auch immer wieder gerne innehaltend, empfinde ich trotzdem ein gewisses Unbehagen beim Lesen dieser Aufforderung. Langsam ist gut, aber gar nichts tun? Immer wieder, so denn ich den Kugelschreiber in die Hand nehme, bin ich befremdet. Vor allem, wenn man bedenkt, wozu ein Kugelschreiber dient. Zum Schreiben einer Einkaufsliste, eines Textes, zum Notieren einer Telefonnummer oder dem Skizzieren einer Idee. Schon diese Aktion steht für einen Beginn.
Das geschriebene Wort, die Zeichnung oder eine Reihe von Zahlen stellen das Glied zwischen Gedanken und Umsetzung, dienen dem Hirn als Brücke zur Handlung, entlassen etwas aus der Intimität des eigenen Kopfes in die Öffentlichkeit und erlauben so Verselbstständigung, sowohl des Gedanken als solchen als auch der Reaktion darauf. Etwas beginnt – ein Anruf, eine Diskussion, ein Meisterwerk oder wieder nur der Wurf des zerknüllten Papiers in den Mülleimer.
„Be smart – don´t start“ – ist nicht letztendlich jeder Schritt, den ich tue, der Beginn von etwas und sei es nur der des Sterbeprozesses der Feuerwanze, die unter meinem Schuh mitgeschleift wird?
Würde statt „Start“ „Stopp“ verwendet werden, würde es mit leichter fallen, zu verstehen. Aber etwas gar nicht erst beginnen? Da fallen mir die zehn Gebote ein, aber auch das will nicht so recht passen, denn mindestens eines von ihnen scheint überholt und andere bedürfen meiner Meinung nach nicht eines Satzes auf einem Kugelschreiber sondern einer guten Kinderstube, einer entsprechenden Sozialisation und einer generell gesunden moralischen Ausprägung – Glaube hin, Glaube her. Ansonsten kann man nur auf ein gutes Rehabilitationsprogramm hoffen, aber das wäre wieder „Stopp“. Gestartet wurde schon – die Verbrecherlaufbahn.
Gestern nimmt Frau Claudia diesen Kugelschreiber in die Hand, liest den Text und ich erkenne ähnliche Denkfalten auf ihrer Stirn wie sie ein jedes Mal die meine zieren.
Sie liest noch einmal, langsam, laut und schaut dann in die Runde. Gerade möchte ich ihr sagen, das auch ich diesen Satz äußerst merkwürdig finde, möchte mich mit ihr darüber austauschen, hören, was sie denkt, da sagt ihr Janne, seines Zeichens Lehrer: „Be smart – don´t start? Das ist doch die Nichtraucher-Kampagne für Teenager.“
Ach so.
Sonntag, März 05, 2006
Ist eure Wohnung sicher?
Sicher in Bezug auf was, werdet ihr fragen. Ich selbst weiß es nicht so genau. Mir schoss nur folgende Überlegung durch den Kopf:
Ich saß vor meinem Laptop, betrachtete meinen neueingerichteten Desktop und dachte darüber nach, wie man ihn stattdessen noch gestalten könnte. Ich dachte an einen Freund von mir, eine ausgesprochene Sau (er schätzt es, wenn ich ihn so nenne), und was wohl auf seinem Desktop zu sehen ist. Während ich noch verschiedene Stellungen, Close ups und Panoramaaufnahmen in meinem Kopf kreisen lasse, schleicht sich ein Gedanke von hinten an.
Was passiert eigentlich, wenn dieser Freund einmal einen Unfall hat oder eines gewaltsamen Todes stirbt und somit sein Umfeld berechtigt, seine Wohnung zu durchstöbern und wenn es nur auf der Suche nach Wäsche zum Wechseln fürs Krankenhaus ist.
Wo und wie gut hat er all seine entsprechenden Fantasien und die dazugehörigen Devotionalien versteckt – in seinem Kopf, in seinem PC, in seiner Wohnung?
Prompt stellt sich auch mir die Frage, wie privat mein Zuhause ist. (Allein schon Handwerker fordern Überlegungen wie „Habe ich etwas zu verheimlichen? Hab ich das auch gut versteckt? Was wird es für einen Eindruck machen, sofern es gefunden wird?“)
Es können viele Situationen eintreten in denen das Private öffentlich wird – man könnte eines Verbrechen verdächtigt werden, man könnte vermisst werden, man könnte einem ungeklärten Unfall zum Opfer fallen, man könnte einbrechen (wobei mich persönlich die feixenden Gesichter der Einbrecher eher freuen würden – ist doch schön, wenn man noch Überraschen kann), man könnte von Drogen überwältigt im Krankenhaus durch die Einnahme verbotener Substanzen aufgefallen sein und so polizeiliche Maßnahmen nach sich ziehen.
Aber es muss ja nicht immer gleich die Polizei sein.
Vielleicht weit schlimmer, sofern man dem Tode nicht zu nahe getreten ist, ist die Tatsache, das die Frau Mama und der Herr Papa beim berechtigten Durchsuchen der Wohnung entdecken, was Sohn oder Tochter so treiben, wenn sie sich selbst überlassen sind.
Ich denke, so wenig wir etwas von unseren Eltern in dieser Hinsicht wissen möchten, so sehr schätzen Eltern die unkonkrete, möglichst gering ausfallende Auseinandersetzung mit diesem Teil des Lebens ihres Kindes.
Vermutlich herrscht nach entsprechendem Fund eine gewisse Befangenheit im Eltern-Kind-Verhältnis und der Sonntagskaffee wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Aber letztendlich gilt für Kinder das was für Eltern gilt - in entsprechender Situation haben sie berechtigten Zugang zur Wohnung.
Ob nun Kinder oder Eltern, seid euch bewusst, dass das Private nicht so privat ist, wie wir gern glauben wollen. Steht also zu euren abseitigen Seiten, schafft euch, wenn euch dies doch zu heikel scheint, ein gutes Versteck unter den Bodendielen an oder lebt brav und auf Nummer Sicher bis an euer Lebensende und langweilt euch zu Tode.
Ich saß vor meinem Laptop, betrachtete meinen neueingerichteten Desktop und dachte darüber nach, wie man ihn stattdessen noch gestalten könnte. Ich dachte an einen Freund von mir, eine ausgesprochene Sau (er schätzt es, wenn ich ihn so nenne), und was wohl auf seinem Desktop zu sehen ist. Während ich noch verschiedene Stellungen, Close ups und Panoramaaufnahmen in meinem Kopf kreisen lasse, schleicht sich ein Gedanke von hinten an.
Was passiert eigentlich, wenn dieser Freund einmal einen Unfall hat oder eines gewaltsamen Todes stirbt und somit sein Umfeld berechtigt, seine Wohnung zu durchstöbern und wenn es nur auf der Suche nach Wäsche zum Wechseln fürs Krankenhaus ist.
Wo und wie gut hat er all seine entsprechenden Fantasien und die dazugehörigen Devotionalien versteckt – in seinem Kopf, in seinem PC, in seiner Wohnung?
Prompt stellt sich auch mir die Frage, wie privat mein Zuhause ist. (Allein schon Handwerker fordern Überlegungen wie „Habe ich etwas zu verheimlichen? Hab ich das auch gut versteckt? Was wird es für einen Eindruck machen, sofern es gefunden wird?“)
Es können viele Situationen eintreten in denen das Private öffentlich wird – man könnte eines Verbrechen verdächtigt werden, man könnte vermisst werden, man könnte einem ungeklärten Unfall zum Opfer fallen, man könnte einbrechen (wobei mich persönlich die feixenden Gesichter der Einbrecher eher freuen würden – ist doch schön, wenn man noch Überraschen kann), man könnte von Drogen überwältigt im Krankenhaus durch die Einnahme verbotener Substanzen aufgefallen sein und so polizeiliche Maßnahmen nach sich ziehen.
Aber es muss ja nicht immer gleich die Polizei sein.
Vielleicht weit schlimmer, sofern man dem Tode nicht zu nahe getreten ist, ist die Tatsache, das die Frau Mama und der Herr Papa beim berechtigten Durchsuchen der Wohnung entdecken, was Sohn oder Tochter so treiben, wenn sie sich selbst überlassen sind.
Ich denke, so wenig wir etwas von unseren Eltern in dieser Hinsicht wissen möchten, so sehr schätzen Eltern die unkonkrete, möglichst gering ausfallende Auseinandersetzung mit diesem Teil des Lebens ihres Kindes.
Vermutlich herrscht nach entsprechendem Fund eine gewisse Befangenheit im Eltern-Kind-Verhältnis und der Sonntagskaffee wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Aber letztendlich gilt für Kinder das was für Eltern gilt - in entsprechender Situation haben sie berechtigten Zugang zur Wohnung.
Ob nun Kinder oder Eltern, seid euch bewusst, dass das Private nicht so privat ist, wie wir gern glauben wollen. Steht also zu euren abseitigen Seiten, schafft euch, wenn euch dies doch zu heikel scheint, ein gutes Versteck unter den Bodendielen an oder lebt brav und auf Nummer Sicher bis an euer Lebensende und langweilt euch zu Tode.
Mittwoch, Oktober 26, 2005
Phrasen und ihre Freunde
„Die Zeit heilt alle Wunden“, „Morgen ist auch noch ein Tag“, „Lebe jeden Tag als wäre es Letzte“, „Andere Mütter haben auch schöne Söhne.“ (wahlweise auch Töchter), „ Schönheit ist relativ.“, „Es kommt auf die inneren Werte an“, „Man trifft sich immer zweimal im Leben.“ „Das geht vorbei.“, „Nichts ist für die Ewigkeit.“, „Eine Gruppe ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied.“, „Zu irgendwas wird es gut sein.“, „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.“, „Man wird nicht älter sondern reifer.“, „Zu jedem Topf passt ein Deckel.“, „Es kommt immer anders als man denkt.“, „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, „Man kann nicht alles haben.“, „Es sollte wohl so sein“, „Nutze den Tag.“, „Wer A sagt muss auch B sagen.“, „Appetit holt man sich woanders, aber gegessen wird zuhause.“, „Man kann alles erreichen, man muss es nur wollen.“, „Probleme sind dazu da, gelöst zu werden.“, „Kein Schwanz ist so hart wie das Leben.“In diesem Sinne: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Abonnieren
Posts (Atom)
