Posts mit dem Label Dorf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dorf werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, Juli 05, 2007

Nila

Bildbearbeitung by Lars Kranholdt

Wir bekommen keine Kinder, wir bekommen Lämmer, Welpen, Küken.
Zwei Wochen ist es jetzt her, dass ein Welpe den Weg in unser Haus gefunden hat. Mit Hilfe seiner Züchterin, die uns ausgesucht hat. Der Liebste hätte die „richtigen“ Fragen gestellt. Man könnte das auch missverstandenes nachbarschaftliches Interesse nennen, aber am Ende wurden wir becirct.
Seit ihrer Ankunft in unseren vier Wänden, hat sich Nila natürlich von unglaublich niedlich zu immer noch niedlich, aber… entwickelt. Ich gebe zu, ich hatte vergessen, wie viel man mit so einem Welpen zu tun hat.
Die Zeit des Prägens ist vorbei, das Heimweh mit viel Liebe niedergerungen und jetzt weiß sie, auf wen sie theoretisch hören soll. Immerhin, ihren Namen versteht sie und „Komm!“ bei Bedarf auch. Allerdings entscheidet noch immer sie über den Bedarf. In der 10. Woche seines Lebens sollte man das wohl noch dürfen - ihrer Meinung nach – hadert sie doch schon mit dem Sofaverbot, das nach der ersten Woche ausgesprochen worden ist. Schluss mit Streichelzoo. Auch sie muss im Ernst des Lebens ankommen.
Wir sind es schon. Die nicht vorhandene Stubenreinheit, die angeblich mit ein wenig Disziplin ganz schnell erlernt werden kann, sorgte dafür. Hatten doch stolze Besitzer ihrer Geschwister schon nach wenigen Tagen bei Ulrike angerufen, um zu verkünden, dass das Kind nun sauber sei, gestaltet sich das in unserem Fall ein wenig komplizierter. Wenn man die Schuhe „endlich“ anhat, zeugt schon ein See in der Diele von wenig Geduld und Verständnis seitens des Welpen für die Kleiderfrage von Frauchen. Hinter vorgehaltener Hand wurde mir allerdings zugestanden, dass Mädchen in dieser Hinsicht wohl ein wenig zickiger sind als Jungs. Ich ahne, dass es sich mit den Berichten der neuen Besitzer so verhält, wie bei Eltern mit ihrem ersten Kind. Das ist ja auch immer das beste, klügste, schnellste. Und wenn man nicht hinguckt, entpuppt es sich. Tatsächlich erziehen sie uns, wie wir sie erziehen.
Doch jenseits von angeknabbertem Mobiliar, nassem Küchenpapier, vermissten Schuhen und zerfetzten Zeitungen, gibt es diese Momente. Gerade heute Morgen durfte ich beobachten, wie die kleine Nila in ihrem Bedürfnis nach Nähe zu anderen Vierbeinern, vorsichtig den Kopf an das Heck unserer alten Hündin legte und diese ließ es das erste Mal zu. Ob unsere „Grand Dame“ es im Tiefschlaf einfach nicht gemerkt hat oder ob sie langsam weich wird, sei dahin gestellt. Aber am Ende macht das Mut, die Entscheidung über den Probemonat hinaus zu tragen.
Und so schlecht ist es doch nicht, wenn mal ein anderer Wirbelwind durchs Haus weht.

Dienstag, Februar 27, 2007

Immer wieder Sonntags

Kaffee am Sonntag Nachmittag. Drei Männer, zwei Frauen, ein kleines Mädchen.

Mann 1: Ich bin jetzt auch ein richtiger Mann.
Mann 2: Ach, sag an, bekommst Du einen Jungen?
Mann 1: Nein, aber einen Trecker.

Wir Frauen sehen uns an - Aha.

Samstag, Februar 17, 2007

Mein Held des Alltags

Natürlich bin ich allein, als ich mich am Donnerstag ins Auto setze, es starte und es lediglich ein leises Wimmern von sich gibt, bevor es vollständig verstummt. Mir wird schlecht. Meine Verbindung mit der Zivilisation ist gekappt und mir stehen noch vier lange Tage der Einsamkeit bevor.
Der Gang der Dinge wäre jetzt, routinemäßig den ADAC zu rufen, aber irgendetwas sagt mir, dass es sich um einen Schaden handeln könnte, der nicht mit ein paar Überbrückungskabeln zu lösen ist. Ich versuche erneut zu starten und erkenne, dass alle Warnleuchten angehen. Ich drehe den Schlüssel zurück, um ihn erneut, aber dies mal nur um die Hälfte zu drehen und prompt brüllt mich das Radio an und die Lüftung verpasst mir eine Fönfrisur. Okay, die Batterie ist es wohl nicht.

Also rufe ich R. an, seit meinem Zuzug der Mechaniker meines Vertrauens, um vielleicht so etwas wie eine Ferndiagnose zu erhalten, die mir eine kompetente Einschätzung meiner Situation gestattet. Schnell kommt er zur Sache: „Das könnte auch der Anlasser sein.“
Ich erinnere mich, dass er bei unserem letzten Akt der Wiederbelebung vor einem Jahr, übrigens ein Akt, von dem er uns schon damals ganz selbstlos abriet, prophezeite, dass uns dieses Problem einholen wird. Jetzt war es da – natürlich gerade jetzt. Ich frage etwas verschämt, ob er denn auch Hausbesuche machen würde. „Passt es gegen Eins?“. Toll!

Um es kurz zu machen: Es war der Anlasser und zwar so total, dass ein neuer her musste. Zusammen stehen wir in der Kälte und diskutieren, ob sich das noch lohnt.
Er könne sich nach einem gebrauchten umschauen, aber das wäre auch das maximale, was er noch raten würde. Wir sind uns einig. Einen neuen Anlasser in ein Auto einzubauen, dass in einem halben Jahr seine finale Fahrt antreten soll, macht keinen Sinn. Er hätte mir alternativ gern den Kundenwagen angeboten, so hätte ich Zeit zum Überlegen gehabt, aber der sei leider noch bis Samstag unterwegs.

Als am Freitag das Telefon klingelt, wühle ich mich gerade durch die Gebrauchtwagenanzeigen von Autoscout24.
„Ich habe einen gebrauchten Anlasser gefunden. Bist Du nachher da?“ Natürlich bin ich. Bis Fünf. „Na, bis dahin wollte ich eigentlich fertig sein.“ Noch besser! Und so kommt es, dass R. und ein Kumpel von ihm gegen Mittag vorbeikommen, um das Auto die Straße rauf und runter zu schieben, in der Hoffnung, dass es anspringt. Totaler körperlicher Einsatz und die beiden lassen mich, auch wenn am Ende doch geschleppt werden musste, beeindruckt zurück.

Als ich das Auto um Fünf abholen will, steht es noch immer in der Werkstatt. Mit schwand Böses. Aber alles ist gut. Fast alles.
„Das ganze hat sich doch ein wenig Komplizierter gestaltet als vermutet!“ Ich werde blass. Ich sehe mich schon vier Kilometer durch einen dunklen Wald nach Hause laufen. „Nein, nein, keine Sorge, er läuft jetzt wieder, aber es musste noch…“ Er bricht ab. Ich schaue fragend. Er winkt ab: „Ach, vergiss es, gib mir einfach die xx Euro. Schwamm drüber!“ Ehrlich? „Ja, wir machen das so. Kann nur sein, dass ihr noch mal wieder Probleme mit der Batterie bekommen werdet. Der zieht jetzt einfach viel Strom.“

Das Finanzielle wird geregelt. Er fährt den Wagen aus der Werkstatt. Ich setze mich ans Steuer, lausche dem anspringenden Motor und fühle mich gerettet. Ich lächle dankbar und denke, warum kann es nicht mehr Menschen geben wie R. in einer Gesellschaft, die gern erst nach ihrem eigenen Gewinn fragt, bevor sie sich in Bewegung setzt?

Rene Meissner vom 1a Autoservice in Crivitz ist mein Held – mein Held des Alltags.

Mittwoch, November 22, 2006

Ein Krieger ist tot


Die Schlacht ist geschlagen. Die Verlierer stehen fest. Gewinner gab es keine. Rückzugsmöglichkeiten auch nicht. Es ging um alles oder nichts und wir haben verloren - er hat verloren.
Fünf Tage wurden ihm gegeben, zehn sind es geworden. Zehn Tage, in denen ich ihm nahe sein durfte, wie schon lang nicht mehr. Tage, in denen ich mit ihm teilte, wie ich mit ihm geteilt hatte, als er noch ein kleines Lamm war. In denen ich wieder seine Mutter sein musste – sein durfte. In denen wir Seite an Seite kämpften. Tage in denen ich ihn fütterte, Zwiesprache mit ihm hielt, wir uns in die Augen sahen. In denen er seinen Kopf an meinen Kopf lehnte, auf meine Schulter legte, zu schwach, zu stehen, jedoch noch zu stark, sich, vielleicht für immer, hinzulegen.


An Willen hatte es ihm nie gefehlt. An Kraft am Ende schon. Lange wird mein Blick noch nach ihm suchen, wenn ich zum See hinunter schaue.

Donnerstag, Oktober 19, 2006

Hurra, ...



... das Fenster ist da! Und es hat nur unglaubliche acht Monate gedauert! Wenn nun unser kreatives Baugenie auch noch seine Diplomarbeit tatsächlich in den nächsten Tagen beenden sollte, sollte der Benutzung des zukünftigen Bades noch in diesem Jahr nichts mehr im Wege stehen.

Und es sind und waren doch immer nur 7 qm.....

Freitag, August 04, 2006

Geht nicht, gibt´s doch - Eine Polemik

Geht nicht, gibt´s nicht – dieser Satz, so alt wie Handwerksinnung und Kaufmannszunft und als Echo deutscher Fernsehköche in den Küchen der Neuzeit zu hören, prägt das Zeitalter von Mikrotechnologie und Biogenetik mehr denn je – im Westen unserer Republik.
Im Osten hört sich das eher an wie „Puh, das wird schwierig.“, „Da kann ich ihnen leider nicht helfen.“, Das weiß ich auch nicht.“ oder schlicht „Das geht nicht.“. Es scheitert an falschen Lieferanten, vermeintlich oder einfach nicht bekannten Marken und Produkten, eingeschränkter Technik und nicht vorhandener Vernetzung, aber auch an Willen, Flexibilität und Wissen oder besser Willen zur Informationserschließung und Kooperation.

Angeblich soll es dem Osten schlecht gehen. Angeblich soll es auch dem Handwerk in Zeiten der Do-it-yourself-Medien, einer schwachen Konjunktur und billigen Polen schlecht gehen. Angeblich soll sich die Wirtschaft allen Prognosen zum Trotz nicht aufschwingen. Angeblich - doch in Europa gibt es einen Landstrich, der sich weigert zu glauben, der sich weigert anzuerkennen und dem, obgleich es ihm immer wieder mit Statistiken versucht wird zu beweisen, es so gut zu gehen scheint, das er die Attitüde des Bemühens um den Kunden nicht nötig hat.

Sei es die Landtierärztin, die einen höheren Tarif nimmt als ein Hamburger Tierarzt (!) und bei der sich ein medizinisches Beratungsgespräch anhört als ob man sich in einem durch Butterfahrten geübten Verkaufsgespräch für ein Kontroll-Sorglos-Paket befindet oder der Tischler, der für neue Sofafüße nach der Lieferung eine Rechnung schickt, die schlappe 50% über den vereinbarten Preis liegt, weil die Arbeit vermeintlich komplexer war als sich bei erster Betrachtung ersehen ließ – natürlich ohne erneuter Absprache.
Da gibt es noch den Handwerker mit dem man nachbarschaftlich über den Zaun drei Tage Arbeit verabredet und von dem man am Ende eine Rechung präsentiert bekommt, die mehr als seinen Mercedes rechtfertigt, abgesehen davon, das er natürlich nicht den halben Tag abgezogen hat, der damit vertan worden ist, von ihm verursachte Schäden durch einen anderen Handwerker wieder richten zu lassen, aber „was soll´s, wir sind ja Nachbarn. Da macht man das ja gern, ne?“
Ich denke an den Angestellten einer Autovermietung, der sich weigert, einen Wagen anzunehmen, da auf dem Formular nicht seine Filiale als anzunehmende Stelle angegeben wird und der sich nicht scheut mir angesichts brütender Hitze und bevorstehender Fahrt nach Berlin einen Umweg von ca. 30 km zuzumuten, weil er nicht in der Lage scheint, telefonieren zu können. Das obliegt mir und am Ende habe ich mir selbst die Kilometer erspart und ihm auch noch einen Anschiss.
Auch Elektriker, die nicht in der Lage sind zwei Steckdosen auf gleicher Höhe anzubringen sind keine Seltenheit, ebenso wie Klempner, die Abwasserrohre nicht im korrekten Winkel legen und somit dafür sorgen, das man ewig Verstopfung hat – in jedem Sinne.
Auch der Satz „Ich möchte eine Fenstertür haben, die genauso aussieht, wie die schon eingebauten.“ scheint schwer verständlich. Nach einem „Kein Problem.“ und wenig (!) Maßnehmen kommt nach Erteilung des Auftrages acht Wochen kein Laut. In der neunten Woche wird man in regelmäßigen Abständen von einem Angestellten der Firma besucht, um erneut Maß zu nehmen.
Am Ende wird einem statt nach angekündigten fünf nach 12 Wochen ein Fenster geliefert, das natürlich nicht aussieht wie es aussehen soll und nach einem verzweifelten Anruf bei dem Lieferanten wird man allen Ernstes gefragt, warum man es nicht bei dem Fensterbauer bestellt habe (Pleite) bei dem man (natürlich die Vorbesitzer) all die anderen bestellt habe und warum man das nicht gemacht hätte als man all die anderen habe einbauen lassen (neue Raumumgestaltung/man war noch immer nicht Eigentümer des Hauses zu jenem Zeitpunkt) und nun ist man erneut auf der Suche nach einem Fensterbauer, der nicht sagt, das die Farbe undefinierbar ist, die Sprosse nicht nachbaubar (tatsächlich eine DIN Sprosse) und der nicht mit seinem dicken Auto vor dem Haus parkt, ein Gesicht aufsetzt als hätte er all das nicht nötig und sein Gewehr (in einem Fall wirklich so gewesen) mit ins Haus trägt als ob man hier im Wilden Westen (Osten) wäre.
Von Handwerkern, die sich zu viel zumuten, ihre Termine nicht mehr koordiniert bekommen und am Ende bei einem zusammenbrechen und ihren Seelenmüll abladen, in der Hoffnung das bis dahin eh schon großzügige Gemüt noch einmal erweichen zu können, möchte ich hier gar nicht erst ausführlich erzählen.

Und so könnte ich unendlich weitermachen. Der Besserwessi, der unbedingt die Aufträge in die Region tragen wollte, um seinen Beitrag zur Stärkung dieser zu leisten, gerät an Ossis, die schnell gelernt haben in den Jahren nach der Wende und die sich nun einen Konflikt zunutze machen, den so mancher Besserwessi, bevor er hierher kam, nie gespürt hat, der ihm hier jedoch in vielfältiger Form begegnet und dessen moralische Keule, bewusst oder unbewusst, gegen Menschen wie ihn verwendet wird. Menschen, die hierher kommen, weil sie das Land lieben, vielleicht sogar ihren Beitrag leisten wollen und am Ende wie begossenen Pudel dastehen und nur noch achselzuckend und in guter alter Ostmanier sagen können: „Ich hab es doch nur gut gemeint!“

Samstag, Juli 08, 2006

Was soll das?

Soeben schlendert ein Paar die Dorfstraße an unserem Haus entlang. Er edel-schick in lässiger, bundbefalteter Hose, Poloshirt und 500-Euro-Sonnenbrille, ein Rotweinglas in seiner Hand schwenkend, sie im kleinen Schwarzen, ein Hauch von Sandalen an den Füßen und genüsslich in ein Shrimpsschnittchen beißend. Auch erstaunt mich, das jedes Auto, das vorbeifährt, nicht unter 50.000 Euro kostet und offensichtlich neu ist.

Bin ich in einem Realitätsknick meines Gehirns gefangen und meine Vergangenheit vermischt sich mit meiner Gegenwart oder sieht gar so die Zukunft aus?

Ich will hier raus!!!

Samstag, Juni 17, 2006

Ein Dorffest droht

Schon seit einigen Tagen darf ich beobachten, wie die männliche Elite des Dorfes vor meinen Augen die Muskeln spielen lässt.
Der Grund: Das Gemeindehaus, das unglaublich teure Gemeindehaus ist endlich offiziell fertig saniert - mit Liebe zum Detail und einem optimistischen Griff in Gemeindekasse und Fördertöpfe.
Es kann also, wenn auch mit Verzögerung, eröffnet werden.
So werde ich seit heute morgen um sieben Uhr Zeuge der Vorbereitung, die gegen 11.00h in der Rede des Bürgermeisters ihren Höhepunkt erfahren und mit der Einsegnung durch Pfarrer Höpfner zu ihrem Ziel führen wird. Danach wird es zu den Klängen der Barniner Blaskapelle Freibier und Freiwildschwein geben.
Schon jetzt, zwei Stunden vor Beginn versammeln sich die ersten Schaulustigen. Das Schwein dreht schon am Spieß, aber verdammt, wo bleibt das Bier? Darum geht’s hier doch, oder?
Immerhin die Zelte sind seit gestern aufgebaut, selbst Regen und Gewitter konnte die Protagonisten nicht von ihrem Vorhaben abhalten und die Bänke sind soeben geliefert worden.
Es geht um das Happening des Jahres. (Entschuldige Mandy, aber heiraten tun ja nun wirklich ne Menge Leute)
Eines ist jedenfalls sicher: Jeder der in meinen Garten pisst, bekommt den Arsch voll und ich bin auch nicht sicher, ob sich nicht das zur Dekoration aufgestellte landwirtschaftliche Gerät mit den großen, scharfen Klingen noch als kontraproduktiv erweisen könnte.


Nachtrag

Das Wetter spielt mit – es hat bisher noch nicht geregnet.
Eine Rede jagt die andere und die Spannung ist kaum auszuhalten. Deutlich wird, wer schon politisch geübt frei spricht und wer, noch neu auf diesem Parkett, selbst den Dank aus tiefstem Herzen vom Blatt ablesen muss.
Nach der sechsten Rede macht sich ein wenig Unruhe breit.
Das Haus wird eingesegnet, das Gebet gesprochen - hätten wir am Ende Amen sagen sollen oder doch lieber Klatschen? Man entscheidet sich weder für das eine noch das andere und ein peinliches Schweigen breitet sich aus.
Die Musik spielt auf – Volksmusik mit Gesang und vielen Pausen zwischen den Stücken. Unklar ist noch, ob es an der Betankung der Band oder den Querelen zwischen dem Sänger und dem Drummer in Bezug auf die Playlist liegt.
Das Wildschwein entpuppt sich als ein schwarz-gefärbtes Hausschwein, welches jedoch nichts desto trotz seine Schuldigkeit getan hat und den Magen vieler Barniner füllt, wie anhand ihrer Hände und Mundwinkel gut zu erkennen ist.
Bier fließt nach wie vor in Strömen – wenige scheinen ob der Uhrzeit verunsichert.Die Spreu hat sich vom Weizen getrennt und geblieben sind die üblichen Verdächtigen. Das kann noch ein Weilchen dauern.

Montag, Juni 12, 2006

Geschundene Füße

Es begab sich an einem der ersten wahren Sommertage des Jahres, das sich die holde Maid beim Nachbarn einlud, um zu helfen und am Ende den Tag am Ufer des Sees in netter Gesellschaft ausklingen zu lassen.
Schon sprach die Frau des Nachbarn: „Hab Dank für deine Hilfe, doch ich werde sicher nicht lang dort mit euch verweilen. Ameisen und Mücken sind einfach zu wehrhaft.“
Nun trug es sich zu, das die holde Maid nicht weit genug gedacht hatte und sich, die Warnung der Frau des Nachbarn in den Wind schlagend, nur in Sandalen dort hin begab.
„So schlimm wird es schon nicht werden. Wir sind doch alle eins.“, dachte sie noch so bei sich, während sie friedlich auf der Bank saß - Seite an Seite mit dem Nachbarn - und plaudernd der Sonne beim Untergehen zusah.
Hin und wieder zwickte es hier und biss es dort, doch erschien es ihr selbst dann noch überschaubar, als sie versuchte, eine Ameise aus ihrem Dekolleté zu angeln, diese jenen Versuch jedoch nicht als Rettung verstand und sich entsprechend wehrte. Als die holde Maid daraufhin die Ameise ansprach um das Missverständnis aufzuklären, lachte der Nachbar nur und sagte: „Schau an, sie lässt sich lieber beißen als diese eine von Millionen zu töten.“
Sie war irritiert. Ihr schien es natürlich sich so zu verhalten. „Wir sind doch alle eins!“, dachte sie erneut und ebnete der Ameise einen Weg aus ihrem T-Shirt, den diese denn auch fand, jedoch nicht ohne vorher noch einmal ihr Gift zu verspritzen.
Schon immer hatte sie die Natur geliebt, besonders die Tiere und die Bäume – Blumen als Teil eines Gartenbeetes waren ihr eher fremd, am Feldrand und auf den Brachwiesen jedoch liebte sie sie. Sie hatte sich von klein auf in bescheidenem Maße um die Natur bemüht, wenn auch nicht immer mit dem entsprechenden Erfolg, wenn man an das Aquarium mit dem still vor sich hin faulenden Froschlaich dachte, das eindeutig zu lang auf ihrer Kinderzimmerfensterbank gestanden hatte.
In keinem Winter sollten die Singvögel in ihrem Garten Hunger leiden, Mäuse wurden grundsätzlich mit Lebendfallen gefangen, hässliche Koniferen wurden nicht gefällt, da so mancher Vogel diese Pflanze als Nistplatz schätzte, das Schilf wurde nur teilweise im Winter gemäht damit noch genug für die Tiere stand, die im Frühjahr dankbar für dessen Schutz ihren Lebensraum dort einrichteten, Bäume, die an unpassenden Stellen wuchsen wurden nicht wie Unkraut herausgerissen sondern durften solange bleiben bis man einen adäquaten Platz für sie gefunden hatte und Ameisen durften die Garage als Durchgangsstraße nutzen.
Sie war immer schon der Meinung gewesen, das die Menschen sich als ein Teil der Natur verstehen sollten, die Natur und die darin lebenden Wesen begreifen müssten statt sie zu bekämpfen, denn am Ende würde Fauna und Flora noch vorhanden sein, die Menschen aber als ein Teil dessen aussterben, wie zuvor schon so viele Millionen anderer Arten ausgestorben sind.
Diesen Gedanken nachhängend, ignorierte sie das Gekrabbel auf ihren Füßen und schaute im Licht der letzten Sonnenstrahlen den Fledermäusen über ihren Köpfen nach, die wegschafften was sie quälte – die Insekten.
Ihr war klar, das Natur nicht Leben im Streichelzoo bedeutete, doch sollte jeder Tod von Nutzen sein und der einer Ameise oder einer Mücke, die sie bissen, standen ihrer Meinung nach als Nutzen nicht im Verhältnis zu ihrem Wohlbefinden. Schließlich erschlug sie ja auch nicht Dieter Bohlen.
Und doch, als die holde Maid am nächsten Morgen aufwachte, ihre rot verschwollenen, von der Menge der Bisse und Stiche unförmig gewordenen Füße betrachtete und sich mühte, nicht zu kratzen, begriff sie, das diese Tiere ihr an jenem Abend ihren Platz in der Kette zugewiesen hatten, welcher weit weniger königlich hoch angesiedelt war als sie bisher vermutet hatte. Sie erkannte, trotzdem ihr Rachegedanken noch immer schwer fielen: Natur ist nichts für Pazifisten.

Montag, Mai 08, 2006

Neues vom Dorf

Der Sommer kann kommen. Wir wären dann soweit.

Samstag, April 15, 2006

Drei Männer - drei Meinungen

Ich lerne.
Natürlich lerne ich. Man hört ja nie auf zu lernen. Dieser Tage jedoch lerne ich so manches mal mehr in ein paar Stunden als sonst in einer durchschnittlichen Woche.
Meine Lehrer sind Installateure, Elektriker oder handwerkübergreifend arbeitende Freunde.
Winkelmaße, Quadratmeterzahlen, Kw-Werte, Abluft, Zuluft, Dampfsperren, Kältebrücken, Unterputz und Baustoffe jeglicher Art rauschen durch meine Ohren und versuchen sich in meinem Gehirn zu verankern. Ich gebe zu, damit haben sie es nicht immer leicht. Zu inflationär scheint mir der Umgang mit diesen Begriffen in meiner Gegenwart, als das ich nach vier Sätzen noch folgen könnte. Aber das es keine dummen Fragen gibt, lehrte man mich schon früh und so scheue ich mich nicht, Löcher in den Bäuchen dieser meiner Lehrer zu hinterlassen.

Der Installateur spielt bei der Entstehung eines Bades natürlich eine entsprechende Rolle. Auch beim Einbau eines neuen Heizungssystems ist er nicht wegzudenken.
Um herauszufinden wer und vor allem was das Richtige für mich ist, entschied ich mich, drei verschiedene Firmen um ein Angebot zu bitten.
Die Erste war die Empfehlung eines Freundes, die zweite die Empfehlung eines Nachbarn und die Dritte habe ich aus dem Internet herausgesucht.
Drei als krumme Zahl schien mir sinnvoll, um zumindest eine mehrheitliche Empfehlung für das eine oder andere System zu bekommen.

Als erstes stellte sich der Herr K. von der Firma K. vor.
Ein älterer Herr, durchaus Mecklenburger Schlag, und in Folge dessen abwartend, wortkarg und schwer zu motivieren. Schon das Zustandekommen des Termins war eine Herausforderung, denn ich hatte zuvor schon eine Woche lang mit seinem Anruf gerechnet bis endlich der empfehlende Freund den werten Herrn K. auf einen Termin festnagelte.
Bei einer Tasse Kaffee erklärte ich ihm mein Ansinnen, entsprechend unkonkret, da ich selbst noch keine Ahnung hatte, was ich wollte. Ich erhoffte mir Anregungen und Vorschläge. Er sich offensichtlich auch.
Erst nach einer Stunde Besprechung und einer Besichtigung der Tatorte wurde er gesprächiger, doch irritierte mich, das er wenig vermaß, kaum nach Leitungsverläufen fragte, die in diesem Haus, gelinde gesagt, etwas unübersichtlich sind und immer wieder versuchte, vielleicht um es einfacher zu machen, die Therme im Wohnbereich statt im Keller unterzubringen. Bis zum Schluss machte er auch nicht den Eindruck, als wolle er den Auftrag wirklich haben. Ich erfuhr trotzdem ein paar interessante Details über Alternativen wie z.B. Erdwärme oder eigene Stromerzeugung.
Sein Rat war jedoch: „Bleiben sie beim Erdöl, Gas ist noch teurer!“

Der Zweite war Herr N. von der Firma N.
Herr N. zeichnete sich von Beginn an durch Pünktlichkeit, Bemühtheit und eine offene, freundliche Art aus. Er kümmerte sich, vermaß, erarbeitete sich den Leitungsverlauf, verstand, bot mehrere Wege, die sich nur im Groben mit denen des Herrn K. deckten.
Ich gestehe allerdings auch, das ich das Bombardement von Fachbegriffen erst langsam sichten konnte und danke schon an dieser Stelle für die Geduld, mit der er mir die vermeintlich einfachsten Grundprinzipien einer Heizung vermittelte. Er schien, obwohl Mecklenburger, engagiert, motiviert und interessiert.
Alle Rohstoffe, ob Holz, Öl oder ähnliches werden ebenso teuer werden und bleiben wie Gas und für Erdwärme wäre unser Haus, seiner Meinung nach, zu alt.
Sein Rat: „Gas in Verbindung mit solarbetriebener Warmwasseraufbereitung.“

Der Dritte, Herr D. von der Firma D., entpuppte sich schon mit dem ersten Eintreten in unser Haus als - es tut mir leid, das sagen zu müssen - Wessi. Ich, gebürtiger Wessi und werdender Ossi, halte normalerweise nicht viel von derartigen Schubladen, doch der Unterschied zu seinen Standeskollegen ist so frappierend, das es nicht zu übersehen war.
Verabredet für drei Uhr, klingelte er um viertel nach vier und statt einer Entschuldigung und einer Vorstellung seiner Person, war „Sie sagten ja, das sie zuhause wären.“ der erste Satz, den ich aus seinem Munde vernehmen durfte. Kein guter Start. Wer mich kennt, weiß, das dieser Mann es ab jetzt verdammt schwer haben würde, mich zu beeindrucken. Wir begannen mit der Tatortbesichtigung des Bades. Er vermaß, hörte sich Vorstellungen und Wünsche an, wirkte jedoch etwas ungeduldig, ob meiner Fragen und schien es eilig zu haben.
Als wir im Keller ankamen, bekam ich langsam ernsthafte Probleme mit ihm. Seine Art kam von oben herab, Bedenken wurden als generell unnötig verworfen und so denn ich ihn um Erklärungen bat, erntete ich nur kurze Vorträge in fachchinesisch in einem Ton, der an Borniertheit fast nicht zu übertreffen war.
Im derzeitigen Heizungsbereich scheute er einen genauen Blick auf die Leitungen wie der Teufel das Weihwasser und bei der abschließenden Besprechung über das was und wie wollte er sich nicht hinsetzen und schaute stattdessen aus einer Höhe von bald zwei Metern weiterhin auf mich herab. Kurz war ich geneigt, ihn auf sein schlechtes Benehmen hinzuweisen und zu fragen, ob er denn überhaupt die Arbeit hier übernehmen möchte. Der Impuls versank in einem Vortrag darüber, warum mein Unbehagen gegenüber Fußbodenheizungen, die bei Erdwärme notwendig ist, nicht nur unnötig sondern regelrecht dumm sei.
Sein Rat am Ende: „Erdwärme, alles andere hat keine Zukunft.“

Drei Installateure, drei Menschen, drei Meinungen.

Inzwischen sind zwei der drei Angebote eingetroffen und jetzt ratet, auf wessen ich noch immer warte und für welchen Weg ich mich entschieden habe.

Montag, März 27, 2006

Endlich!





...und die Stare sind auch wieder da. Juhu!

Donnerstag, Februar 09, 2006

Die Spiele sind eröffnet!

Während ich noch den Feinstaub von meinem vermeintlich in einem geschützten Raum stehenden Laptop wische, lausche ich einer äußerst männlichen Geräuschkulisse aus Hämmern, Bohren, Saugen, Stöhnen und gelegentlichem Fluchen, die seit gestern mein Haus heimsucht.
Schon einen Tag zuvor musste ich mir und meinem Hund (beide noch traumatisiert vom Umzug im letzten Sommer) beim Ausräumen des Anbaus und dem Einrichten der Baustelle wieder und wieder erklären, dass das nicht für immer sei, das der Weg das Ziel sei und das am Ende alles viel schöner würde. Natürlich dachte mein Hund, das wir schon wieder weggehen würden, während mir klar war, das es sich nur um eine zeitlich begrenzte Baumaßnahme handelt.

Faszinierend finde ich die Entwicklung meines Angeliebten.
Es gibt nicht viel, was ihn von seiner Malerei respektive Bildhauerei abhalten kann.
Wenn ich ein wenig Zeit mit ihm verbringen will, muss ich mir normalerweise schon etwas Bestechendes einfallen lassen oder einfach einen bestimmten Grad der Erschöpfung abwarten, damit die Gegenwehr mit nur wenigen, aber stichhaltigen Argumenten zerstreut werden kann.

Heute jedoch, kaum im Atelier, beobachtet er die Ankunft von Herbert* und Heinrich*, lässt den Pinsel fallen, begleitet sie in unser Haus, trinkt mit ihnen Kaffee und nimmt anschließend wie selbstverständlich den Hammer in die Hand und bespricht den einzuschlagenden Bereich.
Schon gestern immer aktiv dazwischen, vermutlich nicht immer erwünscht (Er: Habt ihr den Sturz wirklich gerade angelegt? – Die Anderen: Raus hier!!!) nutzt er auch heute die Gelegenheit vollen Körpereinsatz zu zeigen.

In einem früheren Leben muss er Handwerker oder Bauarbeiter gewesen sein.
Der Besuch eines Baumarktes hat auf ihn eine ähnliche Wirkung wie der Besuch einer Buchhandlung oder eines Plattenladens auf mich.
Durch die Regale stromernd findet er immer wieder etwas, das er vermutlich irgendwann in zehn Jahren gebrauchen kann. Wozu aber auf den Moment warten, wenn man schon mal hier ist?

Seit gestern schlägt seine große Stunde. Er hat Glück, das es sich bei den Dreien um Autodidakten handelt, die ein tieferes Verständnis für seinen Wunsch, seine (Mannes-)Kraft, seine Muskeln, sein logisches Denken und seinen technisch-dreidimensionalen Verstand unter Beweis stellen zu wollen, haben und ihn mitspielen lassen.

Und während er mit jedem Hammerschlag mehr Testosteron freisetzt, sitzen der Hund und ich, frierend unter eine dicke Decke gekuschelt (auf Grund des hohen Staubaufkommens hat Mann sich entschlossen, die Fenster aufzureißen), auf dem Sofa und hoffen, das die Luft bald wieder nach etwas anderem als Staub riecht und dass das Testosteron auch im Bett versprüht wird.

* Namen von der Redaktion geändert
 Posted by Picasa

Mittwoch, Jänner 11, 2006

Nachbarn

Ein Phänomen, das man als DDR-Relikt bezeichnen könnte, ist das Inselgrundstück.
Ein Grundstück, das inmitten anderer Grundstücke liegt und dessen Anbindung an die Straße nur durch ein Wegerecht über das Land der Nachbarn gewährleistet ist.
Im Westen wird man solche Art der Bebauung, wenn überhaupt, sehr selten finden.
In den östlichen Bundesländern ist es ein immer wieder zu besichtigendes Phänomen, das durch die etwas undurchsichtige Art der Besitz-, Pacht- und Kaufregelung entstanden ist, welche die DDR anwendete, um ganz unkapitalistisch seinem Bürger Besitz, den er in dem Sinne ja nicht haben durfte, angedeihen zu lassen und sich so der Verantwortung für das entsprechende Land zu entledigen.

Als ich letztes Jahr kaufte, kaufte ich ein Grundstück, welches in drei einzelne Grundstücke unterteilt worden ist, die wiederum eine solche Insel umschließen.
Nicht generell problematisch für mich, da viele Büsche und Bäume einen entsprechenden Sichtschutz boten und für die beiden großen Grundstücksteile der Zugang zum See gewährleistet war.
Ich hatte also meine Ruhe und sollte ich mich entschließen, die Scheune zu verkaufen, würde der Zugang zum See das Land aufwerten.

Kaum war der Kauf perfekt traten gleich mehrere Nachbarn an mich heran, um Angebote für das kleine Grundstück direkt am See abzugeben. Erstaunt stellte ich fest, das ich nicht nur eine etwas seltsame Grundstückskonstellation gekauft hatte sondern auch noch die entsprechende Vergangenheit.
Die Vergangenheit des kleinen Grundstücks am See lag vor allem darin, das X, Besitzer des Inselgrundstückes, es zu DDR-Zeiten zwar pachten, aber nicht kaufen durfte, da er, so habe ich es verstanden, die qm-Anzahl, die er besitzen durfte schon ausgereizt hatte. Also pachtete er, hielt das Schilf in Schach, baute sich einen Steg und ließ es sich gut gehen.
Bis die Wende kam. Doch auch nach der Wende war es ihm auf Grund merkwürdiger Regelungen nicht gestattet zu kaufen. Wirre Zeiten, wirre Gesetze. Die Erben des Alteigentümers meldeten Anspruch an, der, bis auf das Inselgrundstück des X, gewährt wurde.
Mitte der Neunziger verkaufte die Erbengemeinschaft an K, den Vorbesitzer meines Hauses. X und K hatten von Beginn an ihre Probleme miteinander, die bald nur noch vor einem Gericht gelöst werden konnten. Entsprechend verlor X endgültig seinen Zugang zum See und K ging sogar noch einen Schritt weiter und pflanzte großflächig Weiden, damit dieser schnellwachsende Baum X auch noch die Sicht auf den See versperren möge.

Durch den Verkauf an mich schöpfte X erneut Hoffnung. Ich räumte mir Bedenkzeit ein, hörte mich um, wog ab.
Und verkaufte nicht.
Ich wollte den Grundstückswert der Scheune nicht mindern, indem ich sie vom See abschnitt

Andere Nachbarn verstanden den Standpunkt, hatten jedoch, was eine Nutzung des X anging, unterschiedliche Meinungen. Die alteingessessene Familie Y fand meine Idee, X Zugang zu gewähren gut, da es doch wirklich bitter sei, was für ein Pech er hinsichtlich dieses Grundstücks hatte. Z, dessen Schafe schon auf diesem Grundstück weideten, riet mir dringend ab, da X jemand wäre, der noch immer glaubte, alles machen zu können wie es ihm beliebte.

Ich entschied mich für X, da der alte Ärger nicht mein Ärger war und ich ihn nicht durch Hörensagen vorverurteilen wollte
Ich kann das Zugangsrecht ja jederzeit rückgängig machen.
Ich gestattete ihm, die Weiden zu fällen, ein Boot ans Ufer zu legen und sich eine Schneise ins Schilf zu schlagen.

X fällte die Weiden – und die Lebensbäume und den Holunder und was sonst noch an Büschen entlang seines Zaunes wuchs. Ich hatte die Ecke nicht sehr im Blick und bemerkte dies erst als ich von Z darauf aufmerksam gemacht wurde.
In einem Gespräch stellte ich klar, das „die Weiden“ nur die Weiden und nicht noch alles andere bedeuteten, auch wenn er das zu anderen Zeiten selber dort gepflanzt hat.
Noch einmal wurden klar und deutlich die Grenzen gesetzt, in denen er sich bewegen konnte.
Schneise ins Schilf, Boot am Ufer, Baden gehen und Punkt.

Das liegt ungefähr sechs Wochen zurück.
Gestern hobelt mein Angeliebter mit einem Teil der Familie Y das Reed vom Eis, als er 50 m weiter über das Schilf hinweg eine merkwürdige, schwankende Apparatur beobachtet, die von entsprechend lauten Stimmen begleitet, was für ein Werk auch immer vollbringt.
Als er übers Eis an der Schilfkante entlang läuft, entdeckt er, wie X mit seinem Sohn Pfähle für einen Steg in den Seegrund treibt.

Als mein Angeliebter berichtet, bekommt das Gespräch, das ich mit X bei einer zufälligen Begegnung einen Tag zuvor am Zaun geführt hatte einen Sinn. Seine Anfrage an den Fischer B bezog sich nicht, wie von mir gedacht, auf die Schneise im Schilf sondern auf einen Steg, den wir beide gemeinsam sechs Wochen zuvor noch ausgeschlossen hatten.
„Wat schiet, was soll ich einen Steg bauen, wenn mir nicht mal das Land gehört.“, waren seine Worte und ich verstieg mich zu der Aussage, das Fischer B eh keinen Steg genehmigen könne, der nicht an X eigenes Land grenzen würde.

Eine erneute Fehleinschätzung meinerseits. Fischer B hat genehmigt ohne bei mir nachzufragen und X hat gefragt, aber nicht mich.

Was nun, was tun?

Gefangen in (m)einem Ost-West-Konflikt, (m)einem Stadt-Land-Konflikt und letztendlich in dem Wunsch, keinen Ärger aufkommen zu lassen, unterdrücke ich den Wunsch, ihm schon jetzt das Nutzungsrecht zu entziehen. Auch in dem Wissen, das ein nie zuende gebauter Steg vermutlich bei Fischer B keinen guten Eindruck hinterlässt (und ich will ja noch meinen eigenen), belasse ich es bei einer für ihn und seinen Sohn klar verständlichen Ansage, das jede weitere Veränderung seinerseits, wie klein sie auch sein mag, mit mir besprochen werden muss.
Und trotzdem wir klar und ordentlich sprechen können, spüre ich meine Fremdheit im Umgang mit ihm, im Umgang generell mit den Alten im Dorf, im Umgang mit den unterschiedlichen Vergangenheiten, im Umgang mit Mentalität und Gepflogenheiten.
Er spürt, das ich sie spüre und reicht mir, nicht ohne seinen eigenen Vorteil zu wittern, seine Hand.

Ich befürchte, Z´s Kommentar „Du schaust deiner eigenen Enteignung zu“ ist nicht so weit hergeholt, wie ich es mir wünschen würde.

Fremd im eigenen Land?
Posted by Picasa

Samstag, November 12, 2005

Neuland?

Auf der Suche nach einem – ja was?, blättere ich in den Gelben Seiten und stelle fest, das ich mit dem landwirtschaftlichen Vokabular und Netzwerk alles andere als vertraut bin. So schwer kann es doch nicht sein, Kraftfutter für Schafe zu besorgen und finde unter dem Stichwort Genossenschaft eine Adresse auf der anderen Seeseite. Schnell ist jedoch geklärt, das Genossenschaft in dem Sinne wohl nicht der richtige Begriff ist und werde an die Raiffeisen in Crivitz verwiesen.
Ist das nicht auch eine Genossenschaft?
Dort meldet sich um elf Uhr vormittags nur der Anrufbeantworter, der einen immerhin auf eine Handynummer verweist. Ich solle Herrn Preuss, den Besitzer des Handys, doch bitte in einer viertel Stunde noch einmal anrufen, dann könne er mir die Telefonnummer von der Raiffeisen Goldberg nennen, denn er selber könne mir in dieser Angelegenheit nicht weiterhelfen. Nach zwei Versuchen innerhalb von 20 Minuten gebe ich ihm meine Telefonnummer und bitte um Rückruf, so denn er fündig geworden ist.
In Goldberg kann man mir endlich weiterhelfen. Nur bei der Frage nach den Inhaltsstoffen muss man oder in diesem Fall Frau Göhren Nachforschungen betreiben. Ich solle sie im Laufe des Tages noch einmal anrufen. Will denn keiner mehr zurückrufen?
Nachdem ich schon eine Stunde auf dieses Problem verwendet habe, beschließe ich, erst einmal ins Atelier zu gehen und zu arbeiten. Ich habe mit meinem Anruf noch bis sechzehn Uhr Zeit und ich möchte ehrlich gesagt nicht darüber nachdenken, was ich machen soll, wenn das Futter die falschen Inhaltsstoffe hat oder was ich tue, wenn sie mich noch zweimal um einen erneuten Anruf bittet.

Das Futter hat die richtigen Inhaltsstoffe und so fahren wir zwei Tage später in Richtung Goldberg.
Ortseingang. Ein großes Schild zur Linken weist das Gelände der Raiffeisen aus, allerdings suche ich fürs erste vergeblich eine Zufahrt.
Ich finde sie und fahre parallel zur Landstraße wieder in die Richtung aus der ich gekommen bin. Mein Weg führt mich vorbei an verfallenen Häusern, ausgeschlachteten Industriehallen und verwaisten Großflächen, die sich die Natur langsam zurückerobert. Ein nicht unübliches Bild in Mecklenburg-Vorpommern. Die blühenden Landschaften sind hier in einem anderen Kontext zu sehen.
Am Ende der Straße links hoch ein großes saniertes Haus, vermutlich die Zentrale der Raiffeisen, rechts geht es runter zu den Lagerhallen.
Die erste Lagerhalle steht offen, doch sieht es dort nicht nach Futtermittellagerung aus und so fahre ich weiter auf das Gelände. Die zweite Lagerhalle ist komplett geschlossen. Nirgendwo ein Mensch weit und breit. Ich fahre zurück zur offenen Halle, in der Annahme dort müsse sich jemand befinden. Ich parke, steige aus und betrete die Halle. Zur rechten türmen sich sechs Meter hohe Haufen von was auch immer auf. Ein Radio spielt. Das Gefühl von Zeitreise oder Atomschlag macht sich langsam breit. Ich gehe weiter hinein, ignorierend, das der Betonboden unter meinen Füßen von einer schlammigen Schicht überzogen ist. Als ich am Ende aus einem Seiteneingang heraustrete sehe ich zwei Männer, die aus einem der Nebengebäude zur Lagerhalle herübergehen. Sie sehen mich, bleiben abwartend stehen, schauen mir misstrauisch aus ihren wettergegerbten Gesichtern entgegen.
Auf halben Wege rufe ich „Tach“ (ein Kompromiss, nachdem ich feststellen musste, das „Moin“ hier wörtlich genommen wird und spätestens ab Mittag für ein süffisantes Grinsen sorgt und das ortsübliche „Tagschön“ für mich nicht über die Lippen zu bringen ist.). Sie murmeln etwas.
Ich erkläre mein Problem. Sie wissen schon wer ich bin, können sich aber den Hinweis nicht verkneifen, das in ihrer Halle nur Dünger gelagert wird und ich mir dort höchstens schmutzige Füße, aber auf kein Fall Schaffutter holen kann.
Sie erklären mir den Weg.
Ich setze mich ins Auto, fahre hinter der zweiten Halle links und finde eine lange Reihe alter Garagen vor. Es ist sogar jemand da, der aber, nachdem er uns sieht, in einer Garage verschwindet. Ich steige aus, schaue mich um und gehe dann direkt zur Garage, in welche der Mann verschwunden ist. Ich schildere auch ihm mein Anliegen und auch er weiß schon. Er verweist mich auf das gegenüberliegende Haus mit dem grünen Kasten. Dort müsste ich erst einmal Bescheid sagen.
Das von ihm beschriebene Haus hat zwar Türen, aber ohne Klinken und mit vielen Warnhinweisen versehen. Und natürlich treffe ich dort niemanden an. Als ich mich umdrehe, sehe ich den Mann gerade über eine Treppe Richtung Haupthaus verschwinden.
Mir reicht es. Ich bin immer noch im Jahr 2005 und habe ein Handy. Ich rufe an und höre: „Ach je, ich weiß schon! Der Herr Pasekow ist gerade hier. Ich schicke ihn sofort runter zu ihnen.“ Geht doch!
Fünf Minuten später kommt der Herr Pasekow mit seinem Gabelstapler um die Ecke gefahren. „Tach“ – „Tach.“ – „Dann zeigen sie mal den Lieferschein.“
Hhhhhhhhgggggggggrrrrrrrrrr!!!!!!
Es stellt sich heraus, das dass Futter im Wert von acht Euro als Barverkauf erst mal in dem Büro abgewickelt werden muss. Da fahren sie............ Ich weiß schon.
Dort angekommen irrt mein Angeliebter durch lange Gänge und schaut in offene Büros, in denen niemand sitzt. Am Ende eine geschlossene Tür. Er klopft. Jemand bittet ihn herein.
Nach Erklärung seines Anliegens, weiß der Mann auch schon, aber eigentlich bearbeitet das die Kollegin, die gerade, aber er kann ja mal.....
Nach einer erschöpfenden Diskussion an der Kasse wegen eines angerissen Fünf-Euro-Scheins verlässt er das Gebäude mit dem Lieferschein und der Herr Pasekow übergibt uns einen 25 kg Beutel Schaffutter.

Die Entfernung von unserem Dorf dorthin beträgt 30 km und doch, der Mond könnte nicht weiter entfernt sein.
Posted by Picasa