„Sonntags im Sitzen“ - so lautet das Motto des JAZ Rostock, unter dem an zwei Sonntagen im Monat mehr oder minder international bekannte Bands auftreten. Am 11.03. beehrten der britische Solist SJ Esau und die Schwedenband Jeniferever das JAZ.
So gar nicht vertraut mit der JAZ- und JuZe-Szene im allgemeinen und Rostock im Speziellen, irritierte mich schon die Zeitangabe: Beginn zwischen 20.00h und 21.00h. Als wir - sehr deutsch – pünktlich um 20.00h eintreffen, haben wir weder Parkplatzprobleme zu bewältigen, noch müssen wir uns an einer Schlange anstellen. Im Gegenteil, die Tür steht sperrangelweit offen und der Einlasstresen ist unbesetzt.
Also hinein in die „gute“ Stube, die, kaum, dass wir einen Fuß in sie setzen, alle Klischees von Improvisation, jugendlicher Kreativitätsentfaltung und staatlichen Sparmaßnahmen bedient.
Nachdem wir uns davon überzeugen können, dass man noch mitten in den Vorbereitungen steckt, machen wir es uns auf einem Sofa im Foyer bequem und beginnen die Zeit abzusitzen. Über uns prangen auf offen liegenden Rohrleitungen Aufkleber der „Rote Hilfe e.V.“, in denen von „Repressionen“ und „Organen“ die Rede ist. An uns vorbei ziehen Menschen mit kleinen Lastenkarren, die, flankiert von Hunden, die Bar auffüllen.
Gegen halb zehn wechseln wir in den Raum des Geschehens. Gerade ist noch das letzte Sofa herein getragen worden. Auch hier die ersten, haben wir reichlich Zeit, die gerade mal um eine Treppenstufe höher gelegene Bühne zu mustern.
Mit „fragil melancholisch“ und „verträumte Gitarrenmusik“ wird Jeniferever beworben. Es stehen jedoch allein ca. 14 Saiteninstrumente auf der rechten und linken Seite der Bühne. Gänzlich unvertraut mit der Musik, frage ich mich, wie verträumt das noch werden kann? (Ja, Lars, an dieser Stelle bekenne ich: ich kannte Jeniferever vorher gar nicht!) Das Gerücht, dass es um halb elf losgehen soll, wabert durch den Raum. Und tatsächlich, als ich gerade um halb elf zur Toilette gehen will und beim durchqueren des Raums überrascht feststelle, dass dieser sich komplett gefüllt hat, erklingen die ersten Töne von SJ Esau. Vor uns steht ein langer dünner Mann, dessen große Augen an die eines Rehs im Scheinwerferlicht erinnern. Eine E-Gitarre um den Hals, ein Harmonium, zwei Mikros, ein Becken, das mit Hilfe des Gitarrenarms geschlagen wird und Elektronik zu seinen Füßen – die Show ist er. Er nimmt Schleifen auf, spielt sie ein, doppelt sie – er friggelt, fummelt, fremdelt – und beeindruckt. Ein Mann, der den breiten, manchmal fast epischen Sound einer Band zusammenbastelt und diesen mit seinem fragilen Gesang unterfüttert. Die langen Pausen, die die technischen Aspekte erfordern, sind nicht immer sexy, aber wenn er dann endlich loslegt, sich, die Augen geschlossen, in der Musik verliert, dann verzeiht man ihm auch das. Mit seiner leicht unbeholfenen Art hat er die Frauen im Raum binnen Sekunden für sich eingenommen. Aber auch viele der Männer sind beeindruckt als SJ Esau ohne Zugabe mit Taschen bepackt, die Bühne über den Zuschauerraum verlässt.
Inzwischen haben einige Mitglieder von Jeniferever die Bühne betreten, beginnen ihre Instrumente zu stimmen, lassen sich Bier und Wasser auf die Bühne reichen. Zügig wird losgelegt. Nachdem ich auch die Geschlechterfrage des Sängers (!) für mich klären konnte, lehne ich mich in meinem Sessel zurück und, schließe die Augen. Schon nach den ersten Takten wird klar, dass diese Musik, mit allem Respekt für das JAZ, in diesen Räumlichkeiten gefangen ist. Die Soundwände von zwei Gitarren, zwei Bässen, einem raffinierten Schlagzeug und erneut fragilem Gesang erzeugen in mir sofort Bilder von Hallen und Festivals. Ich stelle mir vor, wie sich diese in ihrer Feinheit gewaltige Dichte über tausende von Zuschauern verteilt, fängt und fesselt, um am Ende irgendwo im nirgendwo zu verhallen. Ich schließe die Augen, lasse mich fallen und erreiche fast den Trancezustand. Dennoch - wortkarg, fast ein wenig zu abgebrüht, zieht die Band ihr Set durch. Man ahnt, dass nicht nur uns das Warten ein wenig angefressen hat. Erstaunlicherweise ist die Resonanz des Publikums verhältnismäßig reserviert. Entsprechend gezügelt der Wunsch nach einer Zugabe. Die Band entspricht ihm dennoch und, als wolle sie uns allen noch einmal zeigen was tatsächlich in ihr steckt, spielen uns die Musiker an eine fast zehnminütige Klangwand, stellen sich und uns in den Sturm, geben alles – und ernten nun endlich auch die verdiente Euphorie.
Am Merchandise-Stand treffen wir sie wieder. Sie wirken, als wäre nichts gewesen. Als hätten sie die ganze Zeit da gesessen und nicht noch vor zwei Minuten die Luft vibrieren lassen. Sind entspannt, freundlich, müde.
Das sind wir auch und machen uns gegen ein Uhr, mit Shirt, CD und guten Wünschen bepackt, endlich auf den langen Weg heim.
Wir sehen uns wieder – hoffentlich - zu einer anderen Zeit, aber vor allem an einem anderen, größeren Ort.
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Mittwoch, März 14, 2007
Montag, Februar 26, 2007
Minimalistisch
Vor vielen, vielen Monden, das digitale Zeitalter war noch nicht eingeläutet, bekam ich meine erste Kamera geschenkt. Meine Eltern hatten extra meinen fotografieerfahrenen Cousin zu Rate gezogen. Es wurde eine Olympus OM-1. Das technische Highlight war ein eingebauter Belichtungsmesser. Alles andere musste man selbst einstellen. Schärfe, Blende, Verschlusszeit. Sein Argument war, dass man nur so richtig Fotografieren lernt und er hatte Recht.
Als ich am letzten Samstag das erste Mal in einem Mini der alten Generation saß, musste ich an diese Kamera denken. Das Auto ist ähnlich rudimentär, wenn man von dem Luxus eines CD-Players und Ledersitzen einmal absieht. Man fühlt jeden Kieselstein auf der Straße, kein noch so kleiner Schnitzer beim Lenken wird verziehen, vergeblich sucht man nach dem heutzutage handelsüblichen fünften Gang und das Röhren des Motors hat seinen ganz eigenen Charme. Offiziell ist er fähig zu einer Spitzengeschwindigkeit von 148 km/h, doch schon bei 120 km/h vibriert der Rückspiegel sosehr, dass man auf die Außenspiegel angewiesen ist. Der Tank fasst gerade mal 20 Liter und das Armaturenbrett gestaltet sich übersichtlich.
An jenem Samstag fuhr ich auf die A24 Richtung Hamburg, erste Bodenunebenheiten verursachten eine leichte Seekrankheit und ließen mich über einen Sport-BH nachdenken. Das Auto röhrte, so dass die Musik kaum noch zu hören war. Die Zeit überholte mich in Form von modernen Wagen, ausgestattet mit so vielen Kürzeln, dass vermutlich selbst die Verkäufer solcher Autos jedes Mal wieder eine Schulung brauchen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt.
Ich fuhr ca. 110 km/h, lehnte mich in den, zugegebenermaßen bequemen Sitz, und fand mich damit ab, dass ich höchsten noch einen LKW überholen würde können. Vermutlich würde ich statt der üblichen Stunde gut zwei unterwegs sein.
Ich ließ den Blick schweifen und erfreute mich an dem, durch die äußerst schmale A-Säule bedingten Panoramablick. Der Druck schwand – es ging eben nicht schneller. Ich entspannte und während die anderen nur so vorbeiflitzten, spürte ich, dass dies mehr war, als eine Fahrt in irgendeinem Auto. Ich wurde entschleunigt und das Auto vermittelte mir das Gefühl, nicht am Anfang eines neuen Jahrtausends zu stehen – es ließ mich zurückreisen in eine Praeinternet-, eine Praehandyzeit, eine Zeit, in der Sinnlichkeit mehr zählte als immer erreichbar, immer im Gespräch oder eigentlich woanders zu sein. Erstaunt stellte ich fest, dass selbst in dem Unglück eines Totalschadens ein Quäntchen Glück liegen kann.
Dieser wunderbare kleine Mini stahl mir nicht die Zeit, er schenkte sie mir.
Als ich am letzten Samstag das erste Mal in einem Mini der alten Generation saß, musste ich an diese Kamera denken. Das Auto ist ähnlich rudimentär, wenn man von dem Luxus eines CD-Players und Ledersitzen einmal absieht. Man fühlt jeden Kieselstein auf der Straße, kein noch so kleiner Schnitzer beim Lenken wird verziehen, vergeblich sucht man nach dem heutzutage handelsüblichen fünften Gang und das Röhren des Motors hat seinen ganz eigenen Charme. Offiziell ist er fähig zu einer Spitzengeschwindigkeit von 148 km/h, doch schon bei 120 km/h vibriert der Rückspiegel sosehr, dass man auf die Außenspiegel angewiesen ist. Der Tank fasst gerade mal 20 Liter und das Armaturenbrett gestaltet sich übersichtlich.
An jenem Samstag fuhr ich auf die A24 Richtung Hamburg, erste Bodenunebenheiten verursachten eine leichte Seekrankheit und ließen mich über einen Sport-BH nachdenken. Das Auto röhrte, so dass die Musik kaum noch zu hören war. Die Zeit überholte mich in Form von modernen Wagen, ausgestattet mit so vielen Kürzeln, dass vermutlich selbst die Verkäufer solcher Autos jedes Mal wieder eine Schulung brauchen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt.
Ich fuhr ca. 110 km/h, lehnte mich in den, zugegebenermaßen bequemen Sitz, und fand mich damit ab, dass ich höchsten noch einen LKW überholen würde können. Vermutlich würde ich statt der üblichen Stunde gut zwei unterwegs sein.
Ich ließ den Blick schweifen und erfreute mich an dem, durch die äußerst schmale A-Säule bedingten Panoramablick. Der Druck schwand – es ging eben nicht schneller. Ich entspannte und während die anderen nur so vorbeiflitzten, spürte ich, dass dies mehr war, als eine Fahrt in irgendeinem Auto. Ich wurde entschleunigt und das Auto vermittelte mir das Gefühl, nicht am Anfang eines neuen Jahrtausends zu stehen – es ließ mich zurückreisen in eine Praeinternet-, eine Praehandyzeit, eine Zeit, in der Sinnlichkeit mehr zählte als immer erreichbar, immer im Gespräch oder eigentlich woanders zu sein. Erstaunt stellte ich fest, dass selbst in dem Unglück eines Totalschadens ein Quäntchen Glück liegen kann.
Dieser wunderbare kleine Mini stahl mir nicht die Zeit, er schenkte sie mir.
Montag, Februar 12, 2007
In Schwerin geht doch was.
Wer etwas werden will, verlässt die Stadt mit zwanzig
schaut nur zu Weihnachten am Ziegenmarkt vorbei
wer hier hängen bleibt wird vor der Zeit schon ranzig
und in der Straßenbahn riechts früh nach Arzenei
Als ich erfuhr, dass sich die Schweriner Lesecrew „Schmalz & Marmelade“ an diesem Sonntag dem Thema Musik widmen würde, gab es keine Diskussion für mich. An diesem Tag würde ich meine, derzeit so lieb gewordene, Höhle für ein paar Stunden verlassen. Musik trifft auf Literatur –zwei Leidenschaften werden auf einmal bedient – geht es denn noch besser?
Ach! Das Städtchen duftet nach Wasser und Wald
Als ich erfuhr, dass sich die Schweriner Lesecrew „Schmalz & Marmelade“ an diesem Sonntag dem Thema Musik widmen würde, gab es keine Diskussion für mich. An diesem Tag würde ich meine, derzeit so lieb gewordene, Höhle für ein paar Stunden verlassen. Musik trifft auf Literatur –zwei Leidenschaften werden auf einmal bedient – geht es denn noch besser?
Ach! Das Städtchen duftet nach Wasser und Wald
nach Schilf und im Juni nach Flieder
Das Blau überm Dom sieht dann aus wie gemalt
mit Tupfern aus Möwengefieder
Der Speicher war voll, alle Stühle besetzt, auf der Treppe ist kein durchkommen mehr, als das Licht ausgeht. Ein Stummfilm, musikalisch begleitet von zwei Improvisationsmusikern der Ataraxia, lässt uns teilhaben an dem steinigen Weg dreier „Amateure“ auf der Suche nach einer Bühne in Schwerin. Singenderweise scheitern sie an Pförtnern, Kassiererinnen, der Theaterpädagogik, am Marketing, sogar an den Kantineros – die Reaktionen reichen von freundlich herablassend über totale Ignoranz bis zum verärgerten Rausschmiss – natürlich vom Marketing.
Keiner will ihnen zuhören, keiner will sie haben. Bis sie vor der Tür des Speichers stehen – und in diesem Moment hören wir tatsächlich die Eingangstür des Speichers zufallen und die drei „Amateure“ betreten den Saal, klettern auf die Bühne und nun endlich dürfen auch wir hören, mit welchem Lied die drei sich bisher nicht durchsetzen konnten.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Der Speicher war voll, alle Stühle besetzt, auf der Treppe ist kein durchkommen mehr, als das Licht ausgeht. Ein Stummfilm, musikalisch begleitet von zwei Improvisationsmusikern der Ataraxia, lässt uns teilhaben an dem steinigen Weg dreier „Amateure“ auf der Suche nach einer Bühne in Schwerin. Singenderweise scheitern sie an Pförtnern, Kassiererinnen, der Theaterpädagogik, am Marketing, sogar an den Kantineros – die Reaktionen reichen von freundlich herablassend über totale Ignoranz bis zum verärgerten Rausschmiss – natürlich vom Marketing.
Keiner will ihnen zuhören, keiner will sie haben. Bis sie vor der Tür des Speichers stehen – und in diesem Moment hören wir tatsächlich die Eingangstür des Speichers zufallen und die drei „Amateure“ betreten den Saal, klettern auf die Bühne und nun endlich dürfen auch wir hören, mit welchem Lied die drei sich bisher nicht durchsetzen konnten.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende Streberin
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste,schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin
Jules, Thom und Ivalo, verstärkt von den Musikern Oli Schneider, Tino Bittner alias Metapher und Carsten (!) Stotco plaudern über Musik und geben erste Texte zum Besten. Jules lässt uns an ihrem ganz persönlichen Potpourri Stimmungsmachender Musik teilhaben – in Text und Ton. Wir hatten viel zu lachen, als sie zu hardrockenden Klängen versucht, ein böses Gesicht zu ziehen und zu „Dein ist mein ganzes Herz“ in totale Verzückung gerät, stellvertretend für alle – wie sie anhand des Songs versucht, zu beweisen.
Schwerin ist gestern nur und morgen ist woanders
Jules, Thom und Ivalo, verstärkt von den Musikern Oli Schneider, Tino Bittner alias Metapher und Carsten (!) Stotco plaudern über Musik und geben erste Texte zum Besten. Jules lässt uns an ihrem ganz persönlichen Potpourri Stimmungsmachender Musik teilhaben – in Text und Ton. Wir hatten viel zu lachen, als sie zu hardrockenden Klängen versucht, ein böses Gesicht zu ziehen und zu „Dein ist mein ganzes Herz“ in totale Verzückung gerät, stellvertretend für alle – wie sie anhand des Songs versucht, zu beweisen.
Schwerin ist gestern nur und morgen ist woanders
Schwerin ist süß wie eine alte Ananas
Schwerin ist Häschenschule, Alterssitz und kann
das Ende sein für den, der den Absprung verpasst.
Nach einer Pause, in der Brötchen gekauft und mit dem bereitgestellten Schmalz bestrichen worden sind, geht es weiter mit Texten und Musik. Musiker Oli Schneider, der natürlich viel jünger als die angegebenen 65 aussieht, liest aus seiner „Biografie“ und weiß zu berichten von ersten Songs, furzend dargeboten im Kinderwagen, seinem Aufnahmestudio, dass er sich bereits in der ersten Klasse eingerichtet hatte und wie er damit die Astrid aus der Neunten tief beeindruckte. Auch die zuletzt verdiente Million sollte nicht unerwähnt bleiben. Die war Diether Bohlen bereit zu zahlen, nachdem Oli Schneider ihm aus dem Stehgreif eine Melodie aus Kinderwagenzeiten – na, was wohl – gefurzt hatte.
Nach einer Pause, in der Brötchen gekauft und mit dem bereitgestellten Schmalz bestrichen worden sind, geht es weiter mit Texten und Musik. Musiker Oli Schneider, der natürlich viel jünger als die angegebenen 65 aussieht, liest aus seiner „Biografie“ und weiß zu berichten von ersten Songs, furzend dargeboten im Kinderwagen, seinem Aufnahmestudio, dass er sich bereits in der ersten Klasse eingerichtet hatte und wie er damit die Astrid aus der Neunten tief beeindruckte. Auch die zuletzt verdiente Million sollte nicht unerwähnt bleiben. Die war Diether Bohlen bereit zu zahlen, nachdem Oli Schneider ihm aus dem Stehgreif eine Melodie aus Kinderwagenzeiten – na, was wohl – gefurzt hatte.
Doch Schwerin ist auch die Stadt der braven Leute
man kann sicher sein: die Guten finden sich
ist der Schweriner auch des Zweifels fette Beute
so schlecht wie er denkt ist die Stadt lange nicht
In welcher Reihenfolge es weiter ging, wer vor und nach der zweiten Pause kam - ich gestehe, mein Erinnerungsvermögen lässt mich an dieser Stelle im Stich. Und so kann ich nur erzählen, dass Jules uns auf eine Reise nach London mitnahm, auf der sie doch so gern den Free Jazz lieben lernen wollte und es ihr dabei so gar nicht gelang, so cool zu sein, wie die Frau im Tigertop.
Das mich Carsten Stotco mit seiner Musik zu einer Kaufentscheidung zwang, die sich Thom an anderer Stelle lieber verkniff. Das Ivalo uns mit „Hilf dir selbst mit Musik“ einen guten Rat mit auf den Weg gab, der jedoch offensichtlich nicht ganz frei von Tücken ist und das das Duo aus Oli Schneider und Metapher mit seiner Mischung aus Gesang, Sprechgesang, Akustikgitarre und Beatboxing dem Speicher noch mal richtig eingeheizt hat.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
Du petzende, schnipsende StreberinIn welcher Reihenfolge es weiter ging, wer vor und nach der zweiten Pause kam - ich gestehe, mein Erinnerungsvermögen lässt mich an dieser Stelle im Stich. Und so kann ich nur erzählen, dass Jules uns auf eine Reise nach London mitnahm, auf der sie doch so gern den Free Jazz lieben lernen wollte und es ihr dabei so gar nicht gelang, so cool zu sein, wie die Frau im Tigertop.
Das mich Carsten Stotco mit seiner Musik zu einer Kaufentscheidung zwang, die sich Thom an anderer Stelle lieber verkniff. Das Ivalo uns mit „Hilf dir selbst mit Musik“ einen guten Rat mit auf den Weg gab, der jedoch offensichtlich nicht ganz frei von Tücken ist und das das Duo aus Oli Schneider und Metapher mit seiner Mischung aus Gesang, Sprechgesang, Akustikgitarre und Beatboxing dem Speicher noch mal richtig eingeheizt hat.
Schwerin Schwerin Du Hauptgewinn
nah am Wasser gebaut und verschrien
als das piefigste, triefigste, schönste und schläfrigste
Dorf zwischen Kiel und Berlin
Und wer durch die eingeschobenen Zitate neugierig geworden ist, kann sich den Song, es handelt sich nämlich um einen Song, geschrieben von Thom und ich vermute mal komponiert von Carsten Stotco, in fast kompletter Länge hier anhören und ansehen.
Treffender wurde in meinen Augen und Ohren diese Stadt, der ich vor bald vier Jahren auf den Leim gegangen bin, bisher nicht beschrieben.
Und was das über mich aussagt…. Das lassen wir jetzt einfach mal.
Samstag, Dezember 30, 2006
Abrechnung mit Bild, Ton und Schrift 2006
Dieses Jahr sollen meine Charts für mein Jahr sprechen. Alles andere wurde hier an der einen oder anderen Stelle schon erzählt und zusammenfassend war es auch nicht mein bestes Jahr. Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenfakten sind eh allen bekannt. Wozu also im Mist wühlen, wenn man es „kurz“ machen kann:
Neuentdeckte Töne des Jahres
1. Lucky Jim – All our troubles end tonight
Als Tipp gefunden bei einem ausgesprochenen Eskobar-Fan, begeistern Lucky Jim auf dieser Platte schon 2004 mit wunderschöner Stimme und einem manchmal etwas countrylastigen Sound, der dennoch in Herz und Seele hängen bleibt. Toll für lange Strecken auf der Autobahn.
2. Jens Lekmann – Oh, you´re so silent, Jens
Manchmal helfen die Querverweise bei Amazon. Poetisches Songwriting der besonderen Art.
3. Final Fantasy – He poos clouds
Ein Mann, eine Geige und der Rest ist Fuß – auch wenn die Instrumentierung auf der diesjährig erschienenen Platte „He poos clouds“ durch Piano und echte Drums erweitert wurde. Eine beeindruckende One-Man-Show. Mein Dank gilt Lars für diese musikalische Weiterbildung.
4. Coco Rosie – Noahs Ark
Das Geschwisterpaar Casidy bietet eine schräge Mischung aus Folkpop, Kammermusikstücken und Electronica, in die man sich reinhören muss, aber die einen nicht mehr loslässt, wenn es gelingt, sich auf sie einzulassen.
5. The Doors – Best of
Peinlich, aber wahr. Spät, aber noch nicht zu spät. Ich bin hin- und mitgerissen. Und so schafft es ein Buch mir legendäre Musik nahe zu bringen.
Bands des Jahres
1. Muse
Weil Matthew Bellamys Stimme mir noch immer das Herz bricht und weil ich bisher keine andere Band gehört habe, die über diese Musikalität und diese Tiefe verfügt und trotzdem dermaßen rockt, dass man beim Hören Gefahr läuft, den Kopf zu verlieren
2. Placebo
Dies Jahr wieder mit dabei, trotzdem „Song to say goodbye“ kein „Bitter end“ ist, hat „Meds“ sich dennoch in Herz und Ohr gefressen und im CD-Wechsler des Autos Wurzeln geschlagen. Dieses Jahr gefühlt dichter an Muse denn je.
3. Portugal. The man
Man möchte „Danke“ sagen für diese Band. Einer Band, der es in diesem Jahr gelang, im Einheitsbrei des Rock eine besondere Platte zu schaffen, wie es vielleicht in den letzten Jahren nur Arcade Fire oder Radiohead gelang.
4. The whitest boy alive
Möge dieses Projekt um Erlend Öye (Tut mir Leid, aber ich finde einfach nicht das dänische ö auf meiner Tastatur.) noch viele, viele Platten machen, die sich so schnell ins Ohr, in die Beine und ins Herz stehlen, dass man beim Hören aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt.
5. Leander
Noch nicht gesignt, ließen mich die Kranholdt-Brüder dennoch an ihrer Musik teilhaben. Am Ende verließ die Platte nur noch selten meinen 5fach-Wechsler und war gerade beim Schreiben mein ständiger musikalischer Begleiter.
Solokünstler des Jahres
1. Noe Venable
Folkpop-Singer/Songwriting vom Feinsten. Ich kann seit einem Monat nicht genug bekommen von dieser Platte.
2. Damien Rice
Seine Musik ist dazu gemacht, einem die Tränen in die Augen zu treiben. Besser kann ein Cello in der Popmusik kaum eingesetzt werden
3. Jens Lekmann
Verückte Singer/Songwriter-Stücke mit wenig, aber teilweise ziemlich frecher Instrumentierung und schönen Texten. Nur schade, dass er ins bürgerliche Leben zurückkehren möchte.
4. An Pierlé
Belgische Frauenpower a là Tori Amos, klassisch instrumentiert, bahnt sie sich mit ihrer wunderbaren Stimme schnell einen Weg direkt ins Herz.
5. Morrissey
Was soll man über einen wie ihn noch sagen? Es wäre doch nur Blasphemie.
Album des Jahres
1. Portugal. The man – Waiter: „You vultures“
Weil man als Rockfan an der Stimme, am kreativen Songwriting und dem Finetuning von Laut/Leise nicht vorbeikommt.
2. Placebo – Meds
Nicht „Bitter end“, aber insgesamt fast noch besser als der Vorgänger
3. Muse – Black Holes and Revelations
Muse und dennoch nicht Muse. Deswegen auch nur Platz 3. Einfach zu viel Orientierung an anderen Bands und Sounds von vorgestern. Schade, denn das können sie erwiesenermaßen besser.
4. Damien Rice – 9
Zugegebenermaßen ein wenig Vorschusslorbeeren, da ich erst seit einigen Tagen im Besitz dieses Albums bin, doch seitdem läuft es in einer Art Dauerschleife in meinem Player und es enttäuscht nicht. Es hat die Kraft, die ich an Rice so liebe. Die Kraft, die Tiefe, das große Gefühl.
5. Uzi & Ari – It is freezing out
Weil Thom Yorke mit sich selbst beschäftigt ist und Radiohead somit schweigt. Uzi & Ari treten in ihre Fußstapfen und die Schuhe scheinen zu passen
Song des Jahres
1. Knights of Cydonia - Muse
Galloppierender Wahnsinn und mitten darin der Satz "Don´t waste your time or time will waste you"
2. Meds - Placebo
Schade nur, dass es so lange gedauert hat, bis ich erkannte, dass ich jedesmal, wenn ich lauthals zum Refrain "Baby, did you forget to take your best" sang, vollkommen falsch lag.
3. Juniper – Noe Venable
"Mama, oh Mama, I don´t wanna come down" Wenn ich nur diese Zeile schreibe, höre ich schon wieder den wunderbaren Rhytmus in meinem inneren Ohr.
4. Beautiful Boyz – Coco Rosie
"All those beautiful boyz/pimps and queens and criminal queers/all those beautiful boyz/tattoos of ships and tattoos of tears" gesungen von einer zerbrechlichen Stimme, die jeden Moment zu kippen droht.
5. Analyse – Thom Yorke
Zwischen all dem elektronischen Gefriggel diese Perle.
Konzert des Jahres
1. Morrissey – Hamburg 18.12.06
Ich habe Männer weinen und auf die Knie fallen sehen als er die Bühne betrat. Sie saßen auf den Schultern ihrer Mädchen und Jungs und stimmten immer wieder Morrissey-Gesänge an, als wären wir bei einem Fußballspiel. Und was sagt dieser so scheu wirkende Mann leise: „That´s not necessary.“ Großes Kino!
2. Muse – Hamburg 26.11.06
Vielleicht lag es daran, dass wir in der falschen Ecke gesessen haben, zumeist umgeben von Versicherungsvertretern und Bankkaufleuten, deren maximale Bewegung aus mit den Füßen wippen bestand, vielleicht lag es auch daran, dass ich Muse das erste mal in einer Halle und nicht in einem Club sehen durfte oder einfach nur an der verschütteten Cola auf dem Boden, aber der übliche weggetretene Trancezustand, den ich auf früheren Konzerten erreichte, wollte sich nicht einstellen. Dennoch eine fantastische Bühne und eine fantastische Show, bei der die Securities alle Hände voll zu tun hatten. Vielleicht hätte ich dieses eine Mal aufs Sehen verzichten sollen und mich dem fast kollabierenden Innenraum anschließen sollen. Ich möchte noch immer ganz „Sweet-Sixteen-like“ brüllen: „I love you, Matt!“
3. Placebo – Hamburg 16.12.06
Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht mir einem kahlrasierten, ungeschminkten Brian Molko, der in einem Anzug auf die Bühne trat. So männlich verlor er fast ein wenig von dem Zauber, dem ich auf der „Soulmates never die/Live in Paris“ erlegen war. Dennoch ein ausverkauftes Konzert, dass vom ersten Ton an in die Beine und in die Kehlen schoss. „Special K“, „Meds“, „Song to say goodbye“ und „Bitter end“ wurden von der ersten Zeile an fast Hymenartig mitgesungen und man wünschte sich nur eins: Das dieser unglaubliche Mann uns gelassen hätte. Aber auch so war es Gänsehaut pur.
4. Depeche Mode – Hamburg 15.01.06
Erst durch das Album „Ultra“ auf den Depeche Mode Zug aufgesprungen, hatte ich die Karten gekauft, bevor ich das neue Album „Playing the Angel“ kannte. Dies ließ mich schon fast wieder den voreiligen Kartenkauf bedauern, doch am Ende war es eine große Show, in der sich drei alte Weggefährten, die sich nicht immer lieben, den nötigen Raum ließen. Dave Gahan, den ich so wunderbar überzogen in dem „It´s no good“-Video fand, sorgte mit seiner gockelnen Art, die er wohl schon immer an den Tag gelegt hat, für viel Spaß. Die Halle selbst kochte natürlich vor allem bei den Klassikern aus den Achtzigern, aber so ist das wohl, wenn eine Band auf diesem Niveau über 20 Jahre im Geschäft ist. Die Fans altern mit und wollen zurückgebracht werden in die guten alten Zeiten. Am Ende war ich auch mit „Playing the angel“ ausgesöhnt und freute mich, dass sie dennoch einiges von ihren besten Platten „Exiter“ und „Ultra“ gespielt hatten.
5. Rosenstolz – Schwerin 22.08.06
Gut erholt nach einer Tourpause spürte man, dass sie wieder Lust hatten und diese Lust gaben sie an ihre Fans zurück. Sie ließen es rocken und waren auch instrumental fantastisch besetzt. Viel mehr kann ich allerdings nicht dazu sagen, denn ich habe weder viel gesehen noch gehört. Doch für das nächste Mal habe ich mit meinem ewig laut mitsingenden Liebsten vereinbart, dass wir das Konzert getrennt erleben werden. Sollen sich doch andere ärgern.
Film des Jahres
1. Brokeback Mountain
Ang Lee ist und bleibt einer der besten Geschichtenerzähler Hollywoods
2. Hard Candy
Der Film lässt einen fassungslos und hilflos zurück.
3. Walk the line
Beeindruckende Geschichte des "man in black" und nicht ein einziges "Ich Liebe dich" in einer der stärksten Liebesgeschichten der modernen Musik.
4. Match Point
Woody Allen anders und doch at it´s best, trotzdem es London ist und nicht New York oder vielleicht gerade deswegen?
5. Der Rosinenberg
Die Liebeserklärung an einen der schönsten Landstriche Deutschlands
TV-Serien des Jahres
1. Deadwood
Die erste Staffel zum Geburtstag bekommen und bereits am 2. Weihnachtstag die letzte Folge geschaut. Die unzivilisierten Sopranos des wilden Westen und noch böser. Toll!
2. Six Feet under
In diesem Jahr durften auch wir hier in Deutschland uns von einer der besten Serien verabschieden. Und am Ende bleibt die Frage nach dem Warum.
3. Die Sopranos
Sehnlichst wird Staffel 6 von mir auf DVD erwartet, auch in dem Wissen, dass diese Serie sich damit für immer verabschiedet.
4. Nip/Tuck
ProSieben stellte die Sendung schon mitten in Staffel 2 wegen Quotenflaute ein. Staffel 3 darf als DVD nur noch an Volljährige verkauft werden. Ich bleib dabei: Herrlich böse und abgründig. Und solange „Wetten dass…?“ noch immer höchste Einschaltquoten bekommt, können diese kein Kriterium sein.
5. Lost
Die erste Staffel komplett verschlafen bin ich jetzt voll drauf. Ich sag nur: Der Hai! der Hai! Das Logo! das Logo!
Bücher, gelesen in 2006
1. Danny Sugerman – Wonderland Avenue
Ein Buch über L.A. Ende der Sechziger und den beginnenden Siebzigern, Drogen und Aufstieg und Fall von „The Doors“ und Jim Morrison im Speziellen. Geschrieben aus der Sicht eines heranreifenden Jungens, der sich verliert und dennoch findet in dieser kaputten Welt aus Musik und Drogen. Ein Tatsachenbericht, der kaputter und spannender kaum sein kann und der mich in diesem relativ lesearmen Jahr am stärksten gepackt hat.
2. Anais Nin – Nächte unter dem Venusmond
„Nächte unterm Venusmond“ wurden Anais Nins Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1937 bis 1939 genannt. Erst 2005 auf Deutsch erschienen, stellen sie die letzte Zeit ihrer Pariser Jahre dar, in denen sich ihre Affäre zu Henry Miller zu Gunsten einer ebenbürtigen Freundschaft zu verändern beginnt, in denen sie durch ihren Geliebten Gonzalo Morá an den Kommunismus herangeführt wird und in denen die Versetzung ihres Mannes nach London sie vor eine Entscheidung stellt, die ihr am Ende auch durch Ausbruch des Krieges abgenommen wird. Wieder ein Buch voller Kraft, Authentizität, Schönheit, Reflektion, Intelligenz, Weisheit und unerbittlicher Ehrlichkeit, das die instinktive Wildheit der Autorin deutlich spüren lässt
3. Gabriel Garcia Marquez – Leben, um davon zu erzählen
Im seiner Autobiografie schildert Marquez die Geschichte seiner Familie und die seine bis zu seinem ersten Verlassen des Landes. Er nimmt uns mit auf seiner Reise durch die verschiedenen Teile Kolumbiens, die im Laufe seines jungen Lebens zu Aufenthaltsorten wurden und erzählt uns damit gleichzeitig, woher seine Romane kommen. Er verortet uns damit nicht nur geografisch in Kolumbien sondern auch historisch und seelisch.
604 Seiten stark, stellte mich dieses Buch vor eine ähnliche Herausforderung wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Nicht, weil mich 600 Seiten schrecken, sondern weil aus 600 Seiten Marquez durch seine dichten Erzählweise durchaus gefühlte 1200 Seiten werden können. In diesem Fall jedoch nicht
4. T.C. Boyle – Dr. Sex
In seinem Roman „Dr. Sex” folgt T.B. Boyle den Spuren Professor Kinseys, der mit seinem Report über die Sexualität des Mannes und später auch der Frau Amerika aus seinem puritanischen Dornröschenschlaf erweckte und der Nation einen erbarmungslosen Spiegel vorhielt. Auf gewohnt satirische Art nähert sich der Autor einem Mann, der einem Land die eigene Heuchelei vor Augen führen will und am Ende seines Weges, auf welchem weder Gefühle noch Widerspruch geduldet werden, genau dieser erliegt.
Kinsey erweist sich am Ende auf seine skrupellose, fanatische und auch geniale Art als ein Produkt seiner Zeit und seines Landes.
5. Michel Houllebecq – Die Möglichkeit einer Insel
Hoellebecq nimmt uns mit in die Zukunft, in der wir durch Klonen das hässliche Gesicht des Alterns umgehen. Daniel24 ist die 24. Ausgabe von Daniel, „geboren“, um, wie alle vor ihm, die Aufzeichnungen von Daniel1 und dessen Nachfolgern zu sichten, zu interpretieren und eigene Gedanken hinzuzufügen. Isoliert lebend auf einem Stück Land an Spaniens Mittelmeerküste und mit anderen nur verbunden durch ein Computernetzwerk, erzählt uns Daniel24 seine Geschichte und die Geschichte seiner Vorgänger auf der Suche nach Antworten, Erklärungen der Vorgänge, die zu diesem System führten und der Frage, ob dieses System tatsächlich besser ist als jenes, das Daniel1 Generationen zuvor schilderte. Als sein Kontakt Marie23 ihre Isolation verlässt, um sich auf die Suche nach einer Insel zu machen, auf der andere Abtrünnige zu finden sein sollen, die den Tod in Kauf nehmen, um zu leben, erschließt sich Daniel24 eine neue Möglichkeit – die Möglichkeit einer Insel.
Neuentdeckte Töne des Jahres
1. Lucky Jim – All our troubles end tonight
Als Tipp gefunden bei einem ausgesprochenen Eskobar-Fan, begeistern Lucky Jim auf dieser Platte schon 2004 mit wunderschöner Stimme und einem manchmal etwas countrylastigen Sound, der dennoch in Herz und Seele hängen bleibt. Toll für lange Strecken auf der Autobahn.
2. Jens Lekmann – Oh, you´re so silent, Jens
Manchmal helfen die Querverweise bei Amazon. Poetisches Songwriting der besonderen Art.
3. Final Fantasy – He poos clouds
Ein Mann, eine Geige und der Rest ist Fuß – auch wenn die Instrumentierung auf der diesjährig erschienenen Platte „He poos clouds“ durch Piano und echte Drums erweitert wurde. Eine beeindruckende One-Man-Show. Mein Dank gilt Lars für diese musikalische Weiterbildung.
4. Coco Rosie – Noahs Ark
Das Geschwisterpaar Casidy bietet eine schräge Mischung aus Folkpop, Kammermusikstücken und Electronica, in die man sich reinhören muss, aber die einen nicht mehr loslässt, wenn es gelingt, sich auf sie einzulassen.
5. The Doors – Best of
Peinlich, aber wahr. Spät, aber noch nicht zu spät. Ich bin hin- und mitgerissen. Und so schafft es ein Buch mir legendäre Musik nahe zu bringen.
Bands des Jahres
1. Muse
Weil Matthew Bellamys Stimme mir noch immer das Herz bricht und weil ich bisher keine andere Band gehört habe, die über diese Musikalität und diese Tiefe verfügt und trotzdem dermaßen rockt, dass man beim Hören Gefahr läuft, den Kopf zu verlieren
2. Placebo
Dies Jahr wieder mit dabei, trotzdem „Song to say goodbye“ kein „Bitter end“ ist, hat „Meds“ sich dennoch in Herz und Ohr gefressen und im CD-Wechsler des Autos Wurzeln geschlagen. Dieses Jahr gefühlt dichter an Muse denn je.
3. Portugal. The man
Man möchte „Danke“ sagen für diese Band. Einer Band, der es in diesem Jahr gelang, im Einheitsbrei des Rock eine besondere Platte zu schaffen, wie es vielleicht in den letzten Jahren nur Arcade Fire oder Radiohead gelang.
4. The whitest boy alive
Möge dieses Projekt um Erlend Öye (Tut mir Leid, aber ich finde einfach nicht das dänische ö auf meiner Tastatur.) noch viele, viele Platten machen, die sich so schnell ins Ohr, in die Beine und ins Herz stehlen, dass man beim Hören aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt.
5. Leander
Noch nicht gesignt, ließen mich die Kranholdt-Brüder dennoch an ihrer Musik teilhaben. Am Ende verließ die Platte nur noch selten meinen 5fach-Wechsler und war gerade beim Schreiben mein ständiger musikalischer Begleiter.
Solokünstler des Jahres
1. Noe Venable
Folkpop-Singer/Songwriting vom Feinsten. Ich kann seit einem Monat nicht genug bekommen von dieser Platte.
2. Damien Rice
Seine Musik ist dazu gemacht, einem die Tränen in die Augen zu treiben. Besser kann ein Cello in der Popmusik kaum eingesetzt werden
3. Jens Lekmann
Verückte Singer/Songwriter-Stücke mit wenig, aber teilweise ziemlich frecher Instrumentierung und schönen Texten. Nur schade, dass er ins bürgerliche Leben zurückkehren möchte.
4. An Pierlé
Belgische Frauenpower a là Tori Amos, klassisch instrumentiert, bahnt sie sich mit ihrer wunderbaren Stimme schnell einen Weg direkt ins Herz.
5. Morrissey
Was soll man über einen wie ihn noch sagen? Es wäre doch nur Blasphemie.
Album des Jahres
1. Portugal. The man – Waiter: „You vultures“
Weil man als Rockfan an der Stimme, am kreativen Songwriting und dem Finetuning von Laut/Leise nicht vorbeikommt.
2. Placebo – Meds
Nicht „Bitter end“, aber insgesamt fast noch besser als der Vorgänger
3. Muse – Black Holes and Revelations
Muse und dennoch nicht Muse. Deswegen auch nur Platz 3. Einfach zu viel Orientierung an anderen Bands und Sounds von vorgestern. Schade, denn das können sie erwiesenermaßen besser.
4. Damien Rice – 9
Zugegebenermaßen ein wenig Vorschusslorbeeren, da ich erst seit einigen Tagen im Besitz dieses Albums bin, doch seitdem läuft es in einer Art Dauerschleife in meinem Player und es enttäuscht nicht. Es hat die Kraft, die ich an Rice so liebe. Die Kraft, die Tiefe, das große Gefühl.
5. Uzi & Ari – It is freezing out
Weil Thom Yorke mit sich selbst beschäftigt ist und Radiohead somit schweigt. Uzi & Ari treten in ihre Fußstapfen und die Schuhe scheinen zu passen
Song des Jahres
1. Knights of Cydonia - Muse
Galloppierender Wahnsinn und mitten darin der Satz "Don´t waste your time or time will waste you"
2. Meds - Placebo
Schade nur, dass es so lange gedauert hat, bis ich erkannte, dass ich jedesmal, wenn ich lauthals zum Refrain "Baby, did you forget to take your best" sang, vollkommen falsch lag.
3. Juniper – Noe Venable
"Mama, oh Mama, I don´t wanna come down" Wenn ich nur diese Zeile schreibe, höre ich schon wieder den wunderbaren Rhytmus in meinem inneren Ohr.
4. Beautiful Boyz – Coco Rosie
"All those beautiful boyz/pimps and queens and criminal queers/all those beautiful boyz/tattoos of ships and tattoos of tears" gesungen von einer zerbrechlichen Stimme, die jeden Moment zu kippen droht.
5. Analyse – Thom Yorke
Zwischen all dem elektronischen Gefriggel diese Perle.
Konzert des Jahres
1. Morrissey – Hamburg 18.12.06
Ich habe Männer weinen und auf die Knie fallen sehen als er die Bühne betrat. Sie saßen auf den Schultern ihrer Mädchen und Jungs und stimmten immer wieder Morrissey-Gesänge an, als wären wir bei einem Fußballspiel. Und was sagt dieser so scheu wirkende Mann leise: „That´s not necessary.“ Großes Kino!
2. Muse – Hamburg 26.11.06
Vielleicht lag es daran, dass wir in der falschen Ecke gesessen haben, zumeist umgeben von Versicherungsvertretern und Bankkaufleuten, deren maximale Bewegung aus mit den Füßen wippen bestand, vielleicht lag es auch daran, dass ich Muse das erste mal in einer Halle und nicht in einem Club sehen durfte oder einfach nur an der verschütteten Cola auf dem Boden, aber der übliche weggetretene Trancezustand, den ich auf früheren Konzerten erreichte, wollte sich nicht einstellen. Dennoch eine fantastische Bühne und eine fantastische Show, bei der die Securities alle Hände voll zu tun hatten. Vielleicht hätte ich dieses eine Mal aufs Sehen verzichten sollen und mich dem fast kollabierenden Innenraum anschließen sollen. Ich möchte noch immer ganz „Sweet-Sixteen-like“ brüllen: „I love you, Matt!“
3. Placebo – Hamburg 16.12.06
Ich hatte mit allem gerechnet, aber nicht mir einem kahlrasierten, ungeschminkten Brian Molko, der in einem Anzug auf die Bühne trat. So männlich verlor er fast ein wenig von dem Zauber, dem ich auf der „Soulmates never die/Live in Paris“ erlegen war. Dennoch ein ausverkauftes Konzert, dass vom ersten Ton an in die Beine und in die Kehlen schoss. „Special K“, „Meds“, „Song to say goodbye“ und „Bitter end“ wurden von der ersten Zeile an fast Hymenartig mitgesungen und man wünschte sich nur eins: Das dieser unglaubliche Mann uns gelassen hätte. Aber auch so war es Gänsehaut pur.
4. Depeche Mode – Hamburg 15.01.06
Erst durch das Album „Ultra“ auf den Depeche Mode Zug aufgesprungen, hatte ich die Karten gekauft, bevor ich das neue Album „Playing the Angel“ kannte. Dies ließ mich schon fast wieder den voreiligen Kartenkauf bedauern, doch am Ende war es eine große Show, in der sich drei alte Weggefährten, die sich nicht immer lieben, den nötigen Raum ließen. Dave Gahan, den ich so wunderbar überzogen in dem „It´s no good“-Video fand, sorgte mit seiner gockelnen Art, die er wohl schon immer an den Tag gelegt hat, für viel Spaß. Die Halle selbst kochte natürlich vor allem bei den Klassikern aus den Achtzigern, aber so ist das wohl, wenn eine Band auf diesem Niveau über 20 Jahre im Geschäft ist. Die Fans altern mit und wollen zurückgebracht werden in die guten alten Zeiten. Am Ende war ich auch mit „Playing the angel“ ausgesöhnt und freute mich, dass sie dennoch einiges von ihren besten Platten „Exiter“ und „Ultra“ gespielt hatten.
5. Rosenstolz – Schwerin 22.08.06
Gut erholt nach einer Tourpause spürte man, dass sie wieder Lust hatten und diese Lust gaben sie an ihre Fans zurück. Sie ließen es rocken und waren auch instrumental fantastisch besetzt. Viel mehr kann ich allerdings nicht dazu sagen, denn ich habe weder viel gesehen noch gehört. Doch für das nächste Mal habe ich mit meinem ewig laut mitsingenden Liebsten vereinbart, dass wir das Konzert getrennt erleben werden. Sollen sich doch andere ärgern.
Film des Jahres
1. Brokeback Mountain
Ang Lee ist und bleibt einer der besten Geschichtenerzähler Hollywoods
2. Hard Candy
Der Film lässt einen fassungslos und hilflos zurück.
3. Walk the line
Beeindruckende Geschichte des "man in black" und nicht ein einziges "Ich Liebe dich" in einer der stärksten Liebesgeschichten der modernen Musik.
4. Match Point
Woody Allen anders und doch at it´s best, trotzdem es London ist und nicht New York oder vielleicht gerade deswegen?
5. Der Rosinenberg
Die Liebeserklärung an einen der schönsten Landstriche Deutschlands
TV-Serien des Jahres
1. Deadwood
Die erste Staffel zum Geburtstag bekommen und bereits am 2. Weihnachtstag die letzte Folge geschaut. Die unzivilisierten Sopranos des wilden Westen und noch böser. Toll!
2. Six Feet under
In diesem Jahr durften auch wir hier in Deutschland uns von einer der besten Serien verabschieden. Und am Ende bleibt die Frage nach dem Warum.
3. Die Sopranos
Sehnlichst wird Staffel 6 von mir auf DVD erwartet, auch in dem Wissen, dass diese Serie sich damit für immer verabschiedet.
4. Nip/Tuck
ProSieben stellte die Sendung schon mitten in Staffel 2 wegen Quotenflaute ein. Staffel 3 darf als DVD nur noch an Volljährige verkauft werden. Ich bleib dabei: Herrlich böse und abgründig. Und solange „Wetten dass…?“ noch immer höchste Einschaltquoten bekommt, können diese kein Kriterium sein.
5. Lost
Die erste Staffel komplett verschlafen bin ich jetzt voll drauf. Ich sag nur: Der Hai! der Hai! Das Logo! das Logo!
Bücher, gelesen in 2006
1. Danny Sugerman – Wonderland Avenue
Ein Buch über L.A. Ende der Sechziger und den beginnenden Siebzigern, Drogen und Aufstieg und Fall von „The Doors“ und Jim Morrison im Speziellen. Geschrieben aus der Sicht eines heranreifenden Jungens, der sich verliert und dennoch findet in dieser kaputten Welt aus Musik und Drogen. Ein Tatsachenbericht, der kaputter und spannender kaum sein kann und der mich in diesem relativ lesearmen Jahr am stärksten gepackt hat.
2. Anais Nin – Nächte unter dem Venusmond
„Nächte unterm Venusmond“ wurden Anais Nins Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1937 bis 1939 genannt. Erst 2005 auf Deutsch erschienen, stellen sie die letzte Zeit ihrer Pariser Jahre dar, in denen sich ihre Affäre zu Henry Miller zu Gunsten einer ebenbürtigen Freundschaft zu verändern beginnt, in denen sie durch ihren Geliebten Gonzalo Morá an den Kommunismus herangeführt wird und in denen die Versetzung ihres Mannes nach London sie vor eine Entscheidung stellt, die ihr am Ende auch durch Ausbruch des Krieges abgenommen wird. Wieder ein Buch voller Kraft, Authentizität, Schönheit, Reflektion, Intelligenz, Weisheit und unerbittlicher Ehrlichkeit, das die instinktive Wildheit der Autorin deutlich spüren lässt
3. Gabriel Garcia Marquez – Leben, um davon zu erzählen
Im seiner Autobiografie schildert Marquez die Geschichte seiner Familie und die seine bis zu seinem ersten Verlassen des Landes. Er nimmt uns mit auf seiner Reise durch die verschiedenen Teile Kolumbiens, die im Laufe seines jungen Lebens zu Aufenthaltsorten wurden und erzählt uns damit gleichzeitig, woher seine Romane kommen. Er verortet uns damit nicht nur geografisch in Kolumbien sondern auch historisch und seelisch.
604 Seiten stark, stellte mich dieses Buch vor eine ähnliche Herausforderung wie „Hundert Jahre Einsamkeit“ oder „Die Liebe in Zeiten der Cholera“. Nicht, weil mich 600 Seiten schrecken, sondern weil aus 600 Seiten Marquez durch seine dichten Erzählweise durchaus gefühlte 1200 Seiten werden können. In diesem Fall jedoch nicht
4. T.C. Boyle – Dr. Sex
In seinem Roman „Dr. Sex” folgt T.B. Boyle den Spuren Professor Kinseys, der mit seinem Report über die Sexualität des Mannes und später auch der Frau Amerika aus seinem puritanischen Dornröschenschlaf erweckte und der Nation einen erbarmungslosen Spiegel vorhielt. Auf gewohnt satirische Art nähert sich der Autor einem Mann, der einem Land die eigene Heuchelei vor Augen führen will und am Ende seines Weges, auf welchem weder Gefühle noch Widerspruch geduldet werden, genau dieser erliegt.
Kinsey erweist sich am Ende auf seine skrupellose, fanatische und auch geniale Art als ein Produkt seiner Zeit und seines Landes.
5. Michel Houllebecq – Die Möglichkeit einer Insel
Hoellebecq nimmt uns mit in die Zukunft, in der wir durch Klonen das hässliche Gesicht des Alterns umgehen. Daniel24 ist die 24. Ausgabe von Daniel, „geboren“, um, wie alle vor ihm, die Aufzeichnungen von Daniel1 und dessen Nachfolgern zu sichten, zu interpretieren und eigene Gedanken hinzuzufügen. Isoliert lebend auf einem Stück Land an Spaniens Mittelmeerküste und mit anderen nur verbunden durch ein Computernetzwerk, erzählt uns Daniel24 seine Geschichte und die Geschichte seiner Vorgänger auf der Suche nach Antworten, Erklärungen der Vorgänge, die zu diesem System führten und der Frage, ob dieses System tatsächlich besser ist als jenes, das Daniel1 Generationen zuvor schilderte. Als sein Kontakt Marie23 ihre Isolation verlässt, um sich auf die Suche nach einer Insel zu machen, auf der andere Abtrünnige zu finden sein sollen, die den Tod in Kauf nehmen, um zu leben, erschließt sich Daniel24 eine neue Möglichkeit – die Möglichkeit einer Insel.
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Unterwegs
Mittwoch, November 29, 2006
Plug in, baby!
Ein drittes Mal in meinem Leben als Fan durfte ich am vergangenen Sonntag eine goldene Eintrittskarte einlösen, damit sich die Pforten in ein akustisches Paradies voller Wahnsinn, Trance und Atemlosigkeit öffneten.
„Muse“ spielte auf. Und, zumindest in Hamburg, das erste Mal in der Halle. Man durfte gespannt sein: Würde eine Band, die von Beginn ihrer Karriere an polarisierte, tatsächlich die 7000 Mann fassende „Alsterdorfer Sporthalle“ füllen? Sie füllte. Die aktuelle Platte „Blackholes and Revalations“ spaltet zwar die langjährige Fangemeinde, doch scheint sie mit ihren Clubsound-Zitaten gleichzeitig ein neues Publikum anzuziehen.
Die Vorband mit dem furchtbar unkreativen Namen „Noisettes“ kann man vernachlässigen. Auch wenn die schwarze Sängerin mit der weißen Stimme eine unglaubliche Show geboten hat, ist der Sound dennoch ähnlich angelegt wie der Name. Und so wurde jedem, der in den 80ern groß geworden ist, definitiv nichts Neues geboten.
Sie ließen uns warten, die drei Jungs aus Devon. Doch dann geht das Licht aus, der Vorhang fällt und zu „Knights of Cydonia“ positionieren sich die drei Vollblutmusiker und schleudern uns mit dem energetischsten Song des aktuellen Albums sogleich in ihre Welt. Die Halle bebt. Männer, zuvor noch von Coolness geprägt, schreien hysterisch und Frauen rocken, was die Hüften hergeben. Matts Falsett klingelt göttlich in den Ohren und er treibt uns auf einer Bühne, die durch Klarheit und technischer Raffinesse besticht, durch zwei Stücke, bevor die Jungs eine erste kleine Pause machen und das Publikum auf deutsch (!) begrüßt wird. Souveräne Geste von Musikern, die dafür bekannt sind, jenseits ihrer Musik keine großen Worte zu machen.
Drummer Dominic Howard zählt von seinem zwei Meter hohen Podest ein und schon peitschen sie uns durch ein Set, das hauptsächlich aus den Songs der letzten drei Alben besteht, so denn man „Hullaballoo“ als B-Seiten-Sammlung mal außen vorlässt. Klassiker wie „Plug in Baby“ und „Time is running out“, werden laut mitgebrüllt und, auch das ist neu, Matt lässt uns singen. Auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne sind dabei die teilweise schrägen Kameraeinstellungen zu sehen, die man schon vom „Le Zenith“-Mitschnitt kennt. Sie zeigen Matts Hände an den Saiten und an den Tasten, das es ein Fest ist.
Die eine oder andere technische Pause, die durch die 3+1-Mann-Besetzung nicht ausbleibt, wird mit Nettigkeiten überbrückt, doch der Abgang nach dem ersten Set stürzt uns in Verwirrung. Dunkel wird es und weg sind sie. Kein „Good-bye“, nichts, nur eben Dunkelheit. Unruhe macht sich breit, erste Pfiffe und dann beginnt die Halle unter dem Zugabe-Trampeln der Fans im Innenraum zu beben. Doch sie lassen sich bitten. Es scheint technische Probleme zu geben, denn als sie endlich erneut die Bühne betreten, Matt sich ans Klavier setzt und etwas ruhigere Töne anschlägt, klingt es, als hörten sich die drei nicht immer.
Am Ende dieses Sets wird sich auch brav verabschiedet. Feiern lassen sie sich dennoch nicht. Nicht nur ich bitte darum, noch nicht das Licht anzumachen, in der Hoffnung, noch einen Moment in dieser Welt aus dichten Klangwänden, treibenden Bass und Drums und einer manchmal fast verstörenden Stimme verweilen zu dürfen. Doch die Kuppel senkt sich über das Schlagzeug und die Helligkeit der Deckenleuchten katapultiert uns zurück in die langweilige Ödnis einer alten Halle. Man macht sich auf den Heimweg. Durchgeschwitzt und mit Adrenalin zugepumpt, klingeln die Ohren.
Kleiner Mann, ganz groß – Plug in, baby!
„Muse“ spielte auf. Und, zumindest in Hamburg, das erste Mal in der Halle. Man durfte gespannt sein: Würde eine Band, die von Beginn ihrer Karriere an polarisierte, tatsächlich die 7000 Mann fassende „Alsterdorfer Sporthalle“ füllen? Sie füllte. Die aktuelle Platte „Blackholes and Revalations“ spaltet zwar die langjährige Fangemeinde, doch scheint sie mit ihren Clubsound-Zitaten gleichzeitig ein neues Publikum anzuziehen.
Die Vorband mit dem furchtbar unkreativen Namen „Noisettes“ kann man vernachlässigen. Auch wenn die schwarze Sängerin mit der weißen Stimme eine unglaubliche Show geboten hat, ist der Sound dennoch ähnlich angelegt wie der Name. Und so wurde jedem, der in den 80ern groß geworden ist, definitiv nichts Neues geboten.
Sie ließen uns warten, die drei Jungs aus Devon. Doch dann geht das Licht aus, der Vorhang fällt und zu „Knights of Cydonia“ positionieren sich die drei Vollblutmusiker und schleudern uns mit dem energetischsten Song des aktuellen Albums sogleich in ihre Welt. Die Halle bebt. Männer, zuvor noch von Coolness geprägt, schreien hysterisch und Frauen rocken, was die Hüften hergeben. Matts Falsett klingelt göttlich in den Ohren und er treibt uns auf einer Bühne, die durch Klarheit und technischer Raffinesse besticht, durch zwei Stücke, bevor die Jungs eine erste kleine Pause machen und das Publikum auf deutsch (!) begrüßt wird. Souveräne Geste von Musikern, die dafür bekannt sind, jenseits ihrer Musik keine großen Worte zu machen.
Drummer Dominic Howard zählt von seinem zwei Meter hohen Podest ein und schon peitschen sie uns durch ein Set, das hauptsächlich aus den Songs der letzten drei Alben besteht, so denn man „Hullaballoo“ als B-Seiten-Sammlung mal außen vorlässt. Klassiker wie „Plug in Baby“ und „Time is running out“, werden laut mitgebrüllt und, auch das ist neu, Matt lässt uns singen. Auf den Bildschirmen links und rechts der Bühne sind dabei die teilweise schrägen Kameraeinstellungen zu sehen, die man schon vom „Le Zenith“-Mitschnitt kennt. Sie zeigen Matts Hände an den Saiten und an den Tasten, das es ein Fest ist.Die eine oder andere technische Pause, die durch die 3+1-Mann-Besetzung nicht ausbleibt, wird mit Nettigkeiten überbrückt, doch der Abgang nach dem ersten Set stürzt uns in Verwirrung. Dunkel wird es und weg sind sie. Kein „Good-bye“, nichts, nur eben Dunkelheit. Unruhe macht sich breit, erste Pfiffe und dann beginnt die Halle unter dem Zugabe-Trampeln der Fans im Innenraum zu beben. Doch sie lassen sich bitten. Es scheint technische Probleme zu geben, denn als sie endlich erneut die Bühne betreten, Matt sich ans Klavier setzt und etwas ruhigere Töne anschlägt, klingt es, als hörten sich die drei nicht immer.
Am Ende dieses Sets wird sich auch brav verabschiedet. Feiern lassen sie sich dennoch nicht. Nicht nur ich bitte darum, noch nicht das Licht anzumachen, in der Hoffnung, noch einen Moment in dieser Welt aus dichten Klangwänden, treibenden Bass und Drums und einer manchmal fast verstörenden Stimme verweilen zu dürfen. Doch die Kuppel senkt sich über das Schlagzeug und die Helligkeit der Deckenleuchten katapultiert uns zurück in die langweilige Ödnis einer alten Halle. Man macht sich auf den Heimweg. Durchgeschwitzt und mit Adrenalin zugepumpt, klingeln die Ohren.Kleiner Mann, ganz groß – Plug in, baby!
Dienstag, Oktober 10, 2006
Eine Pilgerreise
Tag I
Als man sich auf den Weg ins persönliche Mekka macht, steht die Sonne gerade erst seit einer Stunde über dem Horizont. Der Nebel beginnt sich zu lichten. Die Stimmung ist friedlich, ruhig, entspannt.
Man klärt die Fahrerfrage und es geht los zu den Gesängen von Jens Lekmann. Perfekte Melodien für den Beginn eines sechsstündigen Ritts quer durchs Land. Es wird Gas gegeben, auf dem Beifahrersitz wird sich die Decke ins Gesicht gezogen, das Kissen gerichtet und die Augen geschlossen, um Kraft zu tanken für den eigenen Teil des Strecke. Schwerin saust vorbei, Hamburg gewährt rechter Hand einen kurzen Blick in eine der Herzklappen seines Motors und ist sogleich nur noch ein flüchtiger Gedanke. Die Stunden ziehen vorbei und die treibenden Melodien von Muse lassen das Gefühl für die eigene Geschwindigkeit verlieren, die Geige von Final Fantasy erlaubt einen weiten Blick.
Fahrerwechsel.
Das Wetter spielt nicht mehr mit. Wolken kratzen sich an den Höhen des Harzes die Bäuche auf und lassen alles heraus. Die Bäume, die im rechten Winkel zum steilen Gefälle wachsen, wirken, als ob die Welt hier falsch zusammengesteckt worden wäre.
Nebelverhangene Wälder und einsame Straßen, die sich schmal durch vorrüberfliegende Bilder schlängeln, lassen einen das erste Mal den Zauber dieses Mittelgebirges und seiner alten Legenden verstehen.
Stunde um Stunde schraubt man sich höher, Anstieg und Fall werden steiler. Die neuralgischen Städte verbergen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes.
Man bekommt das Gefühl, das der Körper ins Hirn gedrückt wird.
Endlich, nach sechs Stunden erscheint die Skyline von Frankfurt. Eine falsche Abfahrtnahme führt zu einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt und man ist erstaunt, wie klein die Stadt ist, hatte man doch auf Grund ihrer Bekanntheit und der gegebenen Infrastruktur einen Moloch erwartet.
Die Infrastruktur des Messegeländes scheint eine Herausforderung. Orientierungslos irrt man durch lange Gänge. In den Hallen drängeln sich die Stände der Verlage und ihre Anbeter. Dazwischen immer wieder die Autoren. Man wird unfreiwillig Zeuge, wie ein bekanntes Gesicht mal wieder sein Glück bei den Frauen versucht, wie ein anderes von Kameras flankiert, durch das Meer der Gläubigen schreitet, als würde es allein es teilen können. Auch beim Verweilen kann man beobachten, wie eine Autorin gegen ihren eigenen Rat futtert und wie im Gesicht einer anderen sichtbar wird, wie sehr sie dem Ruhm vergangener Tage hinterher rennt. Auch die Tarnung eines Schauspielers wirkt nur, solang dieser sich nicht durch seine markante Stimme verrät. Einen Politiker kündigt der durchdringende Geruch von Alkohol an, bevor er selbst in der Menge sichtbar wird.
Doch es geht um die Welt zwischen den Deckeln und weniger um die drum herum.
Bisher nicht mit dem Prozedere vertraut, begreift man erst allmählich, das man das Geld heute auch noch auf der Bank hätte liegen lassen können. Verkauft wird, wenn überhaupt, erst am letzten Tag der Messe. Der, zugegeben etwas dummdreiste Versuch, seinen Beitrag zur Statistik des meistgeklauten Buches zu leisten, scheitert kläglich und so nutzt man lieber die Zeit zur entspannten Orientierung. Bald findet sich ein angenehmer Rhythmus von lesen, schlendern, schauen.
Am Ende wird man mit der Menge hinausgespült, schwimmt mit dem Strom und strandet, ohne es zu wollen, am Hauptbahnhof. Dort kämpft man mit einem U-Bahnnetz, das einer Stadt wie Berlin zur Ehre gereichen würde und findet doch am Ende den Weg in ein nettes Restaurant.
Leider muss man feststellen, das Hessen kein schönes Leben zu haben scheinen, denn auch hier verhält man sich, wie man es schon den ganzen Tag beobachten konnte, reserviert gegenüber der von einem initiierten Charmeoffensive.
Tag II
Der Tag der Heimreise beginnt schon früh. Man freut sich, früh genug wach geworden zu sein, um den vollen Mond im Licht der aufgehenden Sonne sehen zu können.
Nach einem Frühstück, flankiert von der halben indischen Fraktion der Buchmesse, stürzt man erneut ins Getümmel. Ausgestattet mit Taschen, einer gefüllten Geldbörse und dem Willen zu suchen und zu finden, trifft man sich noch mit einem Nordlicht, welches das Leben tatsächlich in diese Region verschlagen hat und das, man glaubt es kaum, Messen tatsächlich mag. Die am Tag zuvor entstandene Liste wird abgearbeitet, doch oh je, nicht jeder Verlag beteiligt sich am Buchverkauf.
Die große Enttäuschung steht einem beim Diogenes-Stand ins Gesicht geschrieben, doch eine bereits erprobte Charmeattacke bleibt diesmal nicht unerhört und man darf zumindest ein Exemplar von „Der kleine Nick ist wieder da!“ von Goscinny/Sempé als Ansichtsexemplar mitnehmen.
Auch Luchterhand und Random House sollen an dieser Stelle erwähnt werden - für ein persönliches Leseexemplar „Spiele“ von Ulrike Draesner und den netten Hinweis „Wenn sie es denn bezahlen wollen....“ in Bezug auf Frank McCourts „Tag und Nacht und auch im Sommer“. Das Buch wurde dennoch bezahlt, denn ein großer, bärtiger Mann wollte einen partout nicht aus den Augen lassen und noch eine Peinlichkeit dieser Art wäre schwer zu ertragen gewesen.
Am Spiegel-Stand kann man eine interessante Diskussion zum Thema Islamismus zwischen Hendryk M. Broder und Cem Özdemir verfolgen – etwas für den Kopf, doch leider nicht für die Füße. Die beginnen inzwischen schmerzvoll zu pochen.
Die Zähne werden zusammengebissen, denn wer weiß wann man wieder die Gelegenheit hat, solch eine Pilgerreise anzutreten - auf diese hat man schon fünf Jahre warten müssen – also, weiter geht’s.
Nach Halle 4.1 wird jedoch endgültig schlapp gemacht. Der Informationsoverkill ist eingetreten und so setzt man sich in den Hof, isst etwas und redet noch fast zwei Stunden.
Am Ende stellt man fest, in diesem Chaos ist ein Plan von Vorteil, denn es dürften einem sehr viele interessante Veranstaltungen entgangen sein, für die man doch eigentlich zu dieser Messe angereist ist.
Im Licht der tiefstehenden Sonne macht man sich auf den steinigen Heimweg - wie so viele. Der Mond leuchtet einem den Weg. Silhouetten der Wälder zeichnen sich gegen den Himmel ab, Bilder spielen sich innen ab.
Es wird tief durchgeatmet. Frankfurt tut dies auch, ich bin sicher, und nächstes Jahr kriegen wir euch Hessen auch noch! Wetten das?...:-)
Als man sich auf den Weg ins persönliche Mekka macht, steht die Sonne gerade erst seit einer Stunde über dem Horizont. Der Nebel beginnt sich zu lichten. Die Stimmung ist friedlich, ruhig, entspannt.
Man klärt die Fahrerfrage und es geht los zu den Gesängen von Jens Lekmann. Perfekte Melodien für den Beginn eines sechsstündigen Ritts quer durchs Land. Es wird Gas gegeben, auf dem Beifahrersitz wird sich die Decke ins Gesicht gezogen, das Kissen gerichtet und die Augen geschlossen, um Kraft zu tanken für den eigenen Teil des Strecke. Schwerin saust vorbei, Hamburg gewährt rechter Hand einen kurzen Blick in eine der Herzklappen seines Motors und ist sogleich nur noch ein flüchtiger Gedanke. Die Stunden ziehen vorbei und die treibenden Melodien von Muse lassen das Gefühl für die eigene Geschwindigkeit verlieren, die Geige von Final Fantasy erlaubt einen weiten Blick.
Fahrerwechsel.
Das Wetter spielt nicht mehr mit. Wolken kratzen sich an den Höhen des Harzes die Bäuche auf und lassen alles heraus. Die Bäume, die im rechten Winkel zum steilen Gefälle wachsen, wirken, als ob die Welt hier falsch zusammengesteckt worden wäre.
Nebelverhangene Wälder und einsame Straßen, die sich schmal durch vorrüberfliegende Bilder schlängeln, lassen einen das erste Mal den Zauber dieses Mittelgebirges und seiner alten Legenden verstehen.
Stunde um Stunde schraubt man sich höher, Anstieg und Fall werden steiler. Die neuralgischen Städte verbergen sie sich im wahrsten Sinne des Wortes.
Man bekommt das Gefühl, das der Körper ins Hirn gedrückt wird.
Endlich, nach sechs Stunden erscheint die Skyline von Frankfurt. Eine falsche Abfahrtnahme führt zu einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt und man ist erstaunt, wie klein die Stadt ist, hatte man doch auf Grund ihrer Bekanntheit und der gegebenen Infrastruktur einen Moloch erwartet.
Die Infrastruktur des Messegeländes scheint eine Herausforderung. Orientierungslos irrt man durch lange Gänge. In den Hallen drängeln sich die Stände der Verlage und ihre Anbeter. Dazwischen immer wieder die Autoren. Man wird unfreiwillig Zeuge, wie ein bekanntes Gesicht mal wieder sein Glück bei den Frauen versucht, wie ein anderes von Kameras flankiert, durch das Meer der Gläubigen schreitet, als würde es allein es teilen können. Auch beim Verweilen kann man beobachten, wie eine Autorin gegen ihren eigenen Rat futtert und wie im Gesicht einer anderen sichtbar wird, wie sehr sie dem Ruhm vergangener Tage hinterher rennt. Auch die Tarnung eines Schauspielers wirkt nur, solang dieser sich nicht durch seine markante Stimme verrät. Einen Politiker kündigt der durchdringende Geruch von Alkohol an, bevor er selbst in der Menge sichtbar wird.
Doch es geht um die Welt zwischen den Deckeln und weniger um die drum herum.
Bisher nicht mit dem Prozedere vertraut, begreift man erst allmählich, das man das Geld heute auch noch auf der Bank hätte liegen lassen können. Verkauft wird, wenn überhaupt, erst am letzten Tag der Messe. Der, zugegeben etwas dummdreiste Versuch, seinen Beitrag zur Statistik des meistgeklauten Buches zu leisten, scheitert kläglich und so nutzt man lieber die Zeit zur entspannten Orientierung. Bald findet sich ein angenehmer Rhythmus von lesen, schlendern, schauen.
Am Ende wird man mit der Menge hinausgespült, schwimmt mit dem Strom und strandet, ohne es zu wollen, am Hauptbahnhof. Dort kämpft man mit einem U-Bahnnetz, das einer Stadt wie Berlin zur Ehre gereichen würde und findet doch am Ende den Weg in ein nettes Restaurant.
Leider muss man feststellen, das Hessen kein schönes Leben zu haben scheinen, denn auch hier verhält man sich, wie man es schon den ganzen Tag beobachten konnte, reserviert gegenüber der von einem initiierten Charmeoffensive.
Tag II
Der Tag der Heimreise beginnt schon früh. Man freut sich, früh genug wach geworden zu sein, um den vollen Mond im Licht der aufgehenden Sonne sehen zu können.
Nach einem Frühstück, flankiert von der halben indischen Fraktion der Buchmesse, stürzt man erneut ins Getümmel. Ausgestattet mit Taschen, einer gefüllten Geldbörse und dem Willen zu suchen und zu finden, trifft man sich noch mit einem Nordlicht, welches das Leben tatsächlich in diese Region verschlagen hat und das, man glaubt es kaum, Messen tatsächlich mag. Die am Tag zuvor entstandene Liste wird abgearbeitet, doch oh je, nicht jeder Verlag beteiligt sich am Buchverkauf.
Die große Enttäuschung steht einem beim Diogenes-Stand ins Gesicht geschrieben, doch eine bereits erprobte Charmeattacke bleibt diesmal nicht unerhört und man darf zumindest ein Exemplar von „Der kleine Nick ist wieder da!“ von Goscinny/Sempé als Ansichtsexemplar mitnehmen.
Auch Luchterhand und Random House sollen an dieser Stelle erwähnt werden - für ein persönliches Leseexemplar „Spiele“ von Ulrike Draesner und den netten Hinweis „Wenn sie es denn bezahlen wollen....“ in Bezug auf Frank McCourts „Tag und Nacht und auch im Sommer“. Das Buch wurde dennoch bezahlt, denn ein großer, bärtiger Mann wollte einen partout nicht aus den Augen lassen und noch eine Peinlichkeit dieser Art wäre schwer zu ertragen gewesen.
Am Spiegel-Stand kann man eine interessante Diskussion zum Thema Islamismus zwischen Hendryk M. Broder und Cem Özdemir verfolgen – etwas für den Kopf, doch leider nicht für die Füße. Die beginnen inzwischen schmerzvoll zu pochen.
Die Zähne werden zusammengebissen, denn wer weiß wann man wieder die Gelegenheit hat, solch eine Pilgerreise anzutreten - auf diese hat man schon fünf Jahre warten müssen – also, weiter geht’s.
Nach Halle 4.1 wird jedoch endgültig schlapp gemacht. Der Informationsoverkill ist eingetreten und so setzt man sich in den Hof, isst etwas und redet noch fast zwei Stunden.
Am Ende stellt man fest, in diesem Chaos ist ein Plan von Vorteil, denn es dürften einem sehr viele interessante Veranstaltungen entgangen sein, für die man doch eigentlich zu dieser Messe angereist ist.
Im Licht der tiefstehenden Sonne macht man sich auf den steinigen Heimweg - wie so viele. Der Mond leuchtet einem den Weg. Silhouetten der Wälder zeichnen sich gegen den Himmel ab, Bilder spielen sich innen ab.
Es wird tief durchgeatmet. Frankfurt tut dies auch, ich bin sicher, und nächstes Jahr kriegen wir euch Hessen auch noch! Wetten das?...:-)
Freitag, März 31, 2006
"Ich hab mich kommen sehen!"
Von Haus aus lache ich gern, wenn es passt viel und zuweilen auch deutlich zu laut, wie viele meiner Lieben bestätigen können.Mein Humor zeichnet sich, für mein Empfinden, durch eine gewisse Derbheit aus und man muss mich kennen, um zu erfassen, das es ein Zeichen von Zuneigung ist, von mir liebevoll durch den Kakao gezogen zu werden.
Ja, Raffinesse war halt noch nie meine Stärke.
Aber Derbheit ist auch keine Vorraussetzung, um mich zum Lachen zu bringen. Ich schätze durchaus Raffinesse, sofern sie nicht von mir verlangt wird.
Was ich nicht schätze, ist die Komikerschwemme im deutschen Fernsehen. Der Wunsch so manchen Comedians, über persönliche Einbindung und platzierte Beleidigungen des Publikums Zugang zum selbigen zu erhalten oder einfach mit der Millionesten Mann-Frau-Kiste oder der dementsprechenden Neulich-war-ich-bei-IKEA-einkaufen-Story zu punkten, entnervt mich.
Dies ist ein Grund, warum ich mir im allgemeinen Auftritte, Fernsehsendungen und DVDs dieses Genres erspare.
Ausnahme ist für mich, allerdings auch nicht immer, Harald Schmidt, dessen Witz hin und wieder auch mal 10 Sekunden und länger braucht bis er ankommt, der beleidigt, aber immer die Gruppe, und zwar jede, und der auch über ein feines Maß an Selbstironie verfügt. Ein Zug, der von mir generell an anderen Menschen geschätzt wird.
Ausgelöst durch ein Weihnachtsgeschenk, das Torsten Ingo hat zukommen lassen, stolperte ich über das Programm von Hans-Werner Olm, kurz Olm.
„Ich hab mich kommen sehen!“ ist ein Titel, der mich in seiner Derbheit und Ironie (ganz gelungenes Verkaufsargument) ermutigte, auch mal den von mir beschrittenen Weg zu verlassen und Karten für seine Show zu kaufen.
Angenehm an Olm ist, das er nicht mehr der jüngste ist (Anfang/Mitte 40), zwar noch auf dem Laufenden, aber auch in gesundem Maß entfremdet.
Der Vorteil seines Alters ist, das er nach oben und nach unten austeilen kann. Entsprechend dürfen weder Hip Hop – Parodien noch geschlechtsübergreifende Gebrechlichkeitsdarstellungen fehlen und die Nippel von Louise Kuschinsky waren, bis sie im Publikum landeten, gelinde gesagt, erstaunlich. (Übrigens, ein nicht so schönes Detail, ihr Schlüpfer folgte!)
Etwas, das auch Olm nicht lassen kann, teilt er mit vielen Männern seines Alters: Der Hang zum Vulgären. Wenn man seine Show besucht, darf man kein Feingeist sein. Mein Vokabular hat sich um Begriffe wie ungeficktes Denkmal (alter Mensch), Muschistövchen (Sitzheizung) und, würde ich nach ihnen suchen, noch vielen anderen Fachausdrücken erweitert.
Nichtsdestotrotz ist mir seine Art zu denken nahe.
Wenn er sich über Anett Louisian (oder wie immer sie heißt) und ihre Pädophilen-Hymne (meine Meinung!) auslässt, über den deutschen Musikmarkt, den verweichlichten Mann als solchen, über Bambiverleihung oder Goldene Kamera, über geliftete Frauen und Models, die sich den Finger in den Hals stecken, über unerträgliche Gutmenschen und seine Art den Tsunami-Opfern zu spenden (er zahlt den Prostituierten den alten Preis, also vor der Welle), wenn er sich über all das auslässt und es mit einer gepflegten Prise politischer Inkorrektheit würzt, ist das für mich fast erleichternd. Ich bin nicht allein und das freut! Das lässt mich auch die schweren Brocken schlucken.
Abschließend wäre noch zu sagen: „Herr Olm, bitte besprechen sie meinen Anrufbeantworter!“
Diese Stimme zieht Höschen aus und wenn es auf der Bühne mal nicht mehr klappt – ich vermute es gibt nicht nur Männer, die nachts noch auf sind, durch den Fernsehdschungel zappen und sich nach ein wenig „Zuwendung“ sehnen.
Freitag, März 03, 2006
Verkehr
2. März 2006 16.23h
Wir fahren auf der verschneiten A24.
Vor uns ein tankförmiger Thermotransporter mit der Aufschrift "Wetter".
Bringt er den Frühling?
Wir fahren auf der verschneiten A24.
Vor uns ein tankförmiger Thermotransporter mit der Aufschrift "Wetter".
Bringt er den Frühling?
Dienstag, Februar 28, 2006
„Das rote Kleid rülpste und wir gingen nach Hause“
Es müssen mindestens 10 Jahre, wenn nicht gar 12 oder 13 Jahre her sein, da schloss sich für uns der Vorhang hinter einem schwarzen Kleid mit schulterlangen, blonden Locken.Wie immer wurde an jenem Abend viel geraucht (auf der Bühne), viel getrunken (auch auf der Bühne) und zu Terry Trucks Begleitung am Klavier wurden wunderbare Chansons nach unten gereicht, unterbrochen von herrlich skurillen Geschichten der Dee.
Unvergessen ist „Der Supermarkt“ und noch Tage danach dachte man bei dem Begriff Avocado nicht zwangsläufig an Essen.
Nach all den Jahren ließen wir uns also am letzten Sonntag nieder an einem der vorderen Tische des Tivoli, bestellten die Getränke und sondierten den Raum. Das Publikum hatte sich auf jeden Fall verändert.
Früher vor allem Schwule jeder Altersklasse mit ihren Freunden und Freundinnen, zwischendrin ein paar Lesben und vereinzelt ein paar Hausfrauen, die die Karte vermutlich von ihren schwulen Söhnen geschenkt bekommen hatten, waren an diesem Abend vor allem Vorstadthausfrauen, Tussis und Heteroehepaare spätmittleren Alters im Zuschauerraum zu finden. Das Publikum war nicht mit ihr alt geworden. Sie hatte ein neues bekommen.
Erst zu Weihnachten (wir hatten die Karten geschenkt bekommen) hatte ich erfahren, das sie nicht mehr mit Terry Truck zusammen arbeitete und das ihr jetziges Programm von Bass und Akkordeon begleitet wurde.
Wir waren gespannt.
Es wurde dunkel, die Scheinwerfen gingen an und aus dem Vorhang schlüpften die beiden Musiker und setzten sich auf ihre Plätze, Jubel brach los und verstärkte sich als sich der Vorhang erneut bewegte.
Heraus trat ein Mann, verkleidet als Frau, die ein Mann sein wollte.
Kurze Haare, deren Blond langsam im Grau verging, einen grauen, Business-Hosenanzug mit Zweireiher, bequeme Damenslipper an den Füßen und eine rote Samtstola um die Schultern gelegt. Geschminkt wie immer, dezent um die Augen und abgesehen von dem notwendigen Theater-Make-up nur rote Farbe auf den dünner werdenden Lippen.
War ich – war sie so alt geworden? War das letzte Mal wirklich so lange her?
Kaum stand sie - er am Mikro und sang die ersten Zeilen war sie wieder da – die Dee.
Mit dem Evergreen „Wenn ich mir was wünschen dürfte“ eröffnete sie einen Abend mit wunderbaren Geschichten, skurillen Stilblüten, vielen Getränken, noch mehr Zigaretten (welche dem Publikum gemeiner weise während der Vorstellung untersagt sind) und einer wunderbaren musikalischen Begleitung.
Die Reise begann mit „seniler Bettflucht“, ihrer Art dem Tod jede Nacht vorzeitig von der Schippe zu springen, führte uns über ein verunfalltes Wettrennen mit ihrer Freundin Irmtraut (Tochter aus richtig gutem Haus) und dem Satz: „Man muss den Mob auch mal stehen lassen können“ in die Arme von Männern im Libanon und Paris (in welchem die Gastronomie im Gegensatz zu Deutschland übrigens nicht mit Kontrolle verwechselt wird) wieder heim zu Übersprungshandlung (Wein trinken und auf Wodka warten)und -dialog, welchen ich an anderer Stelle vereinfacht wiedergeben möchte.
Zu Beginn des zweiten Teils dann auch im Kleid, einem roten, passend zur Samtstola, schon ein wenig angeschickert - schön wie eh und je.
Als ein Rülpser ihr entfährt, kichert sie und spricht: „Und dann rülpste das rote Kleid und wir gingen nach Hause.“ Natürlich gingen wir noch nicht, sondern freuten uns über Zugaben, die den Plan des Theaters, das Ende auf 22.00h zu terminieren gründlich durchkreuzten. Aber mal ehrlich, nach all den Jahren, kennen wir sie anders?
Nein, auch wenn es mir endlich leicht fällt „er“ statt „sie“ zu sagen.
Freitag, Dezember 30, 2005
ja, jah, jahr

Foto des Jahres 2005 - Gorch Heinrich an seinem 3. Geburtstag
Januar 2005
Zu Anfang des Jahres suhle ich mich in der klassischen Neujahrsdepression, die eher aus dem Stress des zu Ende gegangenen Jahres resultiert als aus der Tatsache, das ein neues Jahr beginnt.
Am 22. diesen Monats macht sich jedoch ein wunderbarer Haufen Menschen (Hamburger, Schweriner, Barniner) auf den Weg gemeinsam das „Mia“-Konzert in Rostock in der so hochtrabend „Scandaline-Arena“ genannten größeren Schulsporthalle zu sehen.
Drinnen lauter Menschen, nicht mehr ganz unser Alter, in Schwerin immer wieder gesucht, aber selten gesichtet, hier in Massen. Konsumrebellen mit dem klassischen Khaki/Sneaker/Tasche-Outfit, dem nötigen Maß an Tiefgang und einem guten Musikgeschmack. Axel Ms. Kommentar sinngemäß: „ In dieser Menge sind die Leute auch nur langweilig.“ Gibt es überhaupt einen Weg aus der Masse? So etwas wie Zugehörigkeitsgefühl gepaart mit Einzigartigkeit?
Das Konzert war sicher das schlechteste diesen Jahres und nachdem es durch einen eineinhalb Stunden verzögerten Beginn erst nach Mitternacht zu Ende geht, machen sich unsere Hamburger Helden sofort wieder auf den Rückweg, während wir mit Axel M. und Mike in irgendeiner Hotelbar auf angenehme Weise absacken.
Zu erwähnen wäre noch, das auf der Rückfahrt natürlich um drei Uhr nachts die Autobahn gesperrt war und wir uns zwei Stunden durch unbekannte Pampa und Feldwege nach Hause tasten durften. Auf gruselige Begegnungen mit der jeweiligen Dorfjugend auf Discounterparkplätzen möchte ich nicht weiter eingehen.
Februar 2005
Es ist die perfekte Welle, der perfekte Tag......in unserem Fall ist es der perfekte Monat.
Ich scheine in irgendeiner metaphysischen Form mit Immobilienscout 24 verbunden zu sein, denn sobald ich in den letzten Jahren auf die Seite geschaut habe, hat sich mein Leben verändert. Da lebe ich drei, wirklich gerade drei Häuser entfernt von dem Haus in dem ich jetzt lebe und ich muss über das Internet erfahren, das es einen Weg gibt, das Haus zu kaufen, das immer meine erste Wahl gewesen wäre, so denn ich hätte kaufen wollen.
Und ich will kaufen. Knapp zwei Jahre in diesem Dorf, in diesem Landstrich, in Mecklenburg-Vorpommern, nicht zuletzt im Osten, reichen völlig aus, um zu wissen, das es keinen Weg mehr zurück gibt, in die Stadt, nach Hamburg, in den Westen. Das mein Herz endlich so etwas wie sein Heim gefunden hat und ich bleiben will.
Eine Frau, ein Wort. Der Rest ist reiner Aktionismus, gepaart mit dem nötigen Maß an Unkompliziertheit, Improvisation und einer kleinen Prise Charme. Very special thanks auch to Mom and Dad, die kaum aus Äthiopien zurückgekehrt, sofort von mir mit Beschlag belegt wurden, um mir zu helfen, diesen Deal möglich zu machen.
Nebenbei durfte ich am 24. den wunderschönen Conor Oberst in der Hamburger „Fabrik“ mit seinen Bright Eyes erleben, die Vorband Rilo Kiley für mich entdecken und vielleicht auf seine stille Art das beste Konzert des Jahres erleben.
März 2005
Am 1. feiern wir den Geburtstag von dem einen Teil unserer Jungs. Wir verbringen einen wunderschönen Tag in Hamburg, sehen im Kino.....ja was eigentlich? und essen anschließend im Gnosa im Schoße der Schönen und Schlauen von Hamburgs Schwulenszene. Ein rundum schöner Abend, wie wir ihn seit unserem Wegzug aus Hamburg wirklich zu schätzen wissen.
Am 3. werden die nötigen Unterschriften geleistet und jenes Haus wird nun zu meinem Haus.
Am 20. feiern wir den Geburtstag des zweiten Teils der Jungs. Sie nehmen es zum Anlass, wie jedes Jahr, alle Freunde zu sich einzuladen und beide Geburtstage zu feiern. So gibt es ein freudiges Wiedersehen mit so manchem lieben Menschen und einige nette Neubegegnungen. Von dieser Stelle einen lieben Gruß an Hendrik und an Olaf, mit denen wir angeregte und interessante Gespräche über die Freude und das Leid der Selbstständigkeit führen durften. Wir sehen uns 2006.
Ende des Monats treibt es der Arbeitgeber meines Angeliebten zu weit und ermöglicht ihm, einen ganz neuen Weg zu gehen.
April 2005
Am 1. ist es soweit. Die Scheune wird mit den Schlüsseln an uns übergeben, die Zähler abgelesen und eins zwei drei...meins. Das Wohnhaus darf noch drei weitere Monate von den Vorbesitzern bewohnt werden. Die Abwicklung beginnt.
Ein neuer Mensch tritt in unser Leben, herrlich chaotisch, visionär und voller ruhiger Menschenliebe. Abgesehen davon mit einem prachtvollen Holzverstand ausgestattet.
Bis heute weiß ich allerdings nicht, welchen Namen er mehr schätzt: Gorch oder Christopher.
Am 14. ein erster Schritt in Richtung Selbstständigkeit in der Gastronomie: Wir machen den Bulettenschein. Die Details erspare ich euch. Ich wünschte, ich hätte sie mir auch ersparen können.
Am 24. feiert Fanny ihren Geburtstag im großen Kreis mit einem Brunch im Bolero nach. Ein wunderbarer Tag, der mit einem Spaziergang im Warnowtal endet und nach welchem Janne sicher keine Lehrerwitze alá „Herr Lehrer, Herr Lehrer, die Claudia hat mich geärgert!“ mehr hören kann. Apropos, hat eigentlich noch jemand Fotos von dem Tag?
Am 25. beginnt das Existenzgründerseminar meines Angeliebten. Schluss mit Langeschlafen, aber auch für mich bedeutet das, allein ist die Frau mit Kisten packen und einem Haus abwickeln.
Mai 2005
Immobilienscout 24 und ich haben wieder Verbindung aufgenommen und heraus kommt am 10. die Besichtigung des Objektes Schlachtermarkt 15 in 19055 Schwerin, in welchem wir nach der Besichtigung unsere gastronomischen Visionen hoffen, ausleben zu können.
Die Verhandlungen beginnen.
Mein Angeliebter hat Geburtstag, doch das geht in dem Wahnsinn, der sich unser Leben schimpft ein wenig unter, denn schon am folgenden Wochenende beginnt die Besteigung des technischen Mount Everest: Wir bauen die neue Küche von Ikea auf. Ein Wochenende ist veranschlagt und wir müssen am Sonntag um 21.00h leider feststellen, das wir scharf an den Grenzen unserer Möglichkeiten balancieren und das Zeit relativ ist. Torsten reist Ende der Woche erneut an, damit der Rest bewerkstelligt werden kann.
Am 21. feiern wir meines Angeliebten Geburtstag nach und ohne das wir so richtig darauf vorbereitet sind, kommen an die 30 Menschen. Toll! So haben wir alle einen wunderbaren letzten gemeinsamen Tag im Garten eines wunderbaren Hauses, welches wir nur noch einen Monat bewohnen werden. Ein Bild in meinem Herzen: Matthias und Nasti, die noch im Regen unter dem Sonnenschirm das letzte Fleisch grillen, während wir anderen drinnen stehen und plaudern.
Juni 2005
Der ganz normale Umzugswahnsinn. Kartons, Kartons, Kartons. Warum sammelt sich nur soviel Mist in einem Leben an? Dazwischen ein Coldplay-Konzert, das richtig rockt. Später lese ich, das Chris Martin in Hamburg noch eine Krankheit auskurierte. Wie sieht dann bloß ein Konzert mit einem gesunden Martin aus?
Am 18. geht es los. Liebe Nachbarn leihen uns Pferdehänger und Wagen und unglaublich liebe Freunde „drängen“ uns ihre Hilfe auf. Aus acht zupackenden Händen wurden achtzehn und wir schaffen die Arbeit von zwei Tagen an einem.
So kann am Abend im neuen Garten friedlich gegrillt werden, aber werden wir je die Frage klären können, ob der Kühlschrank im alten Haus wirklich ausgeräumt worden ist und sich ein gewisser Jemand die Mühe gemacht hat, die Sachen wieder zurück zu tragen oder ob Ingo und Claudi ab einem gewissen Level begannen zu halluzinieren.
Der restliche Monat besteht aus Räumen und Putzen. Gorch macht sich an den Boden und der Entwurf des Mietvertrages für den Schlachtermarkt erreicht uns nach zähen Verhandlungen zur Prüfung.
Juli 2005
Lars lockt uns in den Mau-Club in Rostock zu einem vermeintlichen „Notwist“-Konzert, welches sich als 13andGod-Konzert entpuppt, die wiederum aus The Notwist und Themselves . Feine Indielektroniker treffen auf einen verrückten Rapper. Jede Minute rockt und wir wollen sie nicht gehen sehen.
Einen Tag vor Ablauf der Frist erfahren wir, das nicht wir, sondern ein Mitbewerber, auf den der Vermieter wohl lang genug gewartet hat, den Zuschlag für den Schlachtermarkt bekommen hat. Aus der Traum!
Unsere Jungs kommen zu Besuch und bringen Neffe und Nichte mit. Vier Tage voller Spaß und Leben erfüllen das neue Haus, das nach ihrer Abreise umso leerer und stiller mit all den Kartons wirkt.
Unser Zoo erweitert sich um ein Schaf. Ein verstoßenes Lamm wird uns zur Pflege für zwei Wochen überlassen, weil der Nachbar in den Urlaub fährt. Lenni erobert unser Herz im Sturm und wird, wie von vielen schon früh prophezeit, nicht mehr zum Nachbarn zurückkehren.
August 2005
Der Monat ist gekennzeichnet von auspacken, aufstellen, einräumen.
Am 19. kommt die Hamburg-Schwerin-Connection zu Besuch und nachdem in der Woche zuvor Stoiber legendär auf den „Frustrierten im Osten“ ausrutschte, entspinnt sich eine entsprechende Diskussion am Gartentisch in der vor allem eines deutlich wird: „Wir“ und „Die“ ist für alle, die wir einen West-Ost-Transfer oder einen Ost-West-Transfer hinter uns haben, nicht einfach zu händeln. Claudi fühlt sich in gewisser Weise angegriffen, obwohl sie weder frustriert ist noch im Osten lebt. Doch ihre Ost-Vergangenheit ist ihre Wurzel und während ich mich mit ihr solidarisiere, fühle ich mich auf Grund meiner West-Vergangenheit nicht wirklich betroffen. Wunderbar, wie wir das „Wir“, das „Die“ und das „Ich“ im Laufe des Abends durcheinander werfen und am Ende nur eines mit Sicherheit wissen: Die Bayern gehen gar nicht!
September 2005
Shaugn kommt. Lenni ist endlich nicht mehr allein. Ein Schaf allein ist eben nicht glücklich und ich verfüge im Winter nicht über die nötige Wolle.
Schöne Tage in Hamburg. Sie beginnen mit einem Basketballspiel der deutschen Nationalmannschaft. Dirk Nowitzki und Marko Pesic live. Und so groß!
Abends ein wirklich nettes Essen mit meinen Eltern, bei dem wir zufällig einen ganz alten Bekannten wieder treffen. Auf diesem Wege: Sei gegrüßt, Stefan, und du bist herzlich eingeladen deine Seele bei uns baumeln zu lassen, wenn dir Berlin zu hektisch wird.
Am 13. hat Claudi Geburtstag und nachdem wir ein fantastisches Konzert von „Kaizers Orchestra“ erleben durften (Janove, du bist wirklich eine geile Rampensau!)stoßen wir in der Schanze auf einen inzwischen nicht mehr ganz nüchternen Haufen. Wir können leider nicht mehr aufholen, aber es war trotzdem schön, noch dabei gewesen zu sein.
Am Wochenende feiern wir bei uns Claudis Geburtstag nach. Ein schönes Wochenende, das mit einem Kurzbesuch meiner Eltern endet und die auf die Wahlergebnisse folgende Elefantenrunde trägt zum Schluss mit einem „suboptimalen“ Auftritt des damaligen Kanzlers zur echten Erheiterung bei. Er schließt später Alkohol als Ursache aus. Mein perssönlicher Verdacht waren eher verbotene Substanzen.
Oktober 2005
Das „Atelier am Barniner See“ wird eröffnet. Betty ist unsere erste Schülerin. Flyer werden verteilt, an der Website wird gearbeitet. Horst und Nena kommen für eine Nacht. Das erlebte wird mein erster Blog. Die Jungs kommen für ein paar Tage zu Besuch. Schöne, entspannte Tage und nach ihrer Abreise kommen Gorch und Samir mit ihren Lütten. Ich bekoche sie, wir haben einen ruhigen und netten Nachmittag. Die Kinder leben sich im Atelier aus und wir dürfen fotografieren für die Website. Tolle Kinder, die Lust auf eigene machen.
November 2005
Uns gelingt es, Snez aus Hamburg hierher zu locken. Eine Woche lang ist wieder alles wie früher. Mein Angeliebter und sie verkriechen sich im Atelier und arbeiten, während ich im Haus rumwurschtle. Sie hat wie immer wunderbar gearbeitet und ich wünschte, sie würde öfter kommen. Deine Arbeiten müssen einfach gezeigt werden, Süße!
Aktivismus und drohende Weihnachten lassen es ruhig um uns werden.
Dezember 2005
Die ersten Wochen verbringe ich mit Planung und Findung der Geschenke. Unser Jahrestag verkommt leider zu einem Putztag, da am nächsten Tag die Hamburg-Schwerin-Connection landet, um Weihnachten vorzufeiern. Ich entschuldige mich ausdrücklich und verspreche, das wir das nachholen. Unsere Weihnachtsfeier ist eine wirklich schöne Feier mit allem was dazugehört: Baum schmücken (besonders zu erwähnen wäre Jannes fallender Engel mit der Aufschrift „I hate Großkapitalismus“), Trash-Julklapp, Geschenke austauschen und einem „Liederabend“, der sich mit Anstieg des Pegels eher durch Lautstärke denn durch Schönheit auszeichnet. Mein Angeliebter ist nun ganz offiziell eine Rampensau. Keiner grölt lauter das „special“ in „Last Christmas“. Besonders zu erwähnen wäre auch die Freude, Axel M. nach bald einem Jahr wiedergesehen zu haben. Hoffen wir, das es nicht wieder ein Jahr dauert.
Nach noch nicht mal einer Woche sehen sich die Meisten wieder. Ich feiere meinen Geburtstag in Hamburg und kann sagen, es war wirklich ein schöner Abend. Heiligabend begehen wir besinnlich beim Racletteessen mit Betty und der 25. ist ein entspannter Tag mit unseren Jungs. Sylvester steht vor der Tür und ich freue mich schon auf euch alle.
Habt Dank für dieses Jahr, ihr Lieben! Ohne euch wäre es nicht halb so schön gewesen.
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